Barrierefrei Bauen| Bauförderung | Zuschuss | KfW | Baden-Württemberg

Barrierefrei Bauen in Baden-Württemberg: Mit diesen Bauförderungen & Zuschüssen wird's günstiger

Bild zum Artikel: Barrierefrei Bauen| Bauförderung | Zuschuss | KfW | Baden-Württemberg
(Quelle: © Marco2811 - Fotolia)

Baden-Württemberg und der Bund geben Bauförderungen und Zuschüsse, wenn Wohnungen barrierefrei umgebaut werden sollen. Hier finden Sie einen Überblick, was gefördert bzw. bezuschusst wird und wo die Mittel beantragt werden können.

Wer sein Haus oder seine Wohnung barrierefrei bauen oder umbauen möchte, der kann einen Teil seiner Kosten über Förderungen oder Zuschüsse decken. In Baden-Württemberg gibt es speziell dafür ein Förderprogramm, das Gelder für solche Baumaßnahmen bereitstellt. Doch auch der Bund und sogar manche Kommune stellen Finanzierungsmodelle für das barrierefreie Bauen bereit. Die Mittel sind in der Regel zweckgebunden und müssen beantragt werden. Die jeweiligen Förder- beziehungsweise Zuschussprogramme schreiben konkrete Baumaßnahmen vor, für die man finanzielle Unterstützung erhalten kann. Eine grundsätzliche Definition, was als „Barrierefreiheit“ zu verstehen ist, enthält der § 4 des Behindertengleichstellungsgesetztes (BGG).

Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Hierbei ist die Nutzung behinderungsbedingt notwendiger Hilfsmittel zulässig.

Inhaltsverzeichnis:

Informationen & Richtlinien fürs barrierefreie Bauen in Baden-Württemberg

Barrierefreies Wohnen sollte nicht auf ältere oder behinderte Menschen reduziert werden. Wer stolpert schon gerne über eine hohe Türschwelle oder schleppt schwere Einkaufstaschen durch enge Treppenhäuser hoch? Das Thema ist also durchaus altersunabhängig, und so ist es auch nur konsequent, dass die Förder- und Zuschussprogramme altersunabhängig gewährt werden. Doch barrierefreier Wohnraum ist in Deutschland knapp. Eine 2017 erschienene Studie fand heraus, dass aktuell nur rund 800.000 barrierefreie Wohnungen hierzulande zur Verfügung stehen. Das sei viel zu wenig, ist das Fazit der Autoren. Sie sehen einen Bedarf von 2,75 Millionen solcher Wohneinheiten. Sie kommen gar zu dem Schluss, dass erst bei 4,2 Millionen barrierefreien Wohnungen ein „gewisses Angebot am Markt verfügbar ist“.

Die wohl aktuell wichtigste Richtlinie für das barrierefreie Bauen ist die DIN 18040-2. Sie enthält detaillierte Maßnahmen, die zur Reduzierung von Barrieren beitragen. So sind zentimetergenaue Vorgaben für Wohnräume und Durchgänge festgeschrieben, damit sie als barrierefrei gelten. Auch zu den folgenden Aspekten des barrierefreien Bauens gibt es hier Bestimmungen:

 

  • Ebenerdige Angleichung der Wege zum Haus/zur Wohnung oder Anlegen von Rampen
  • Verbreiterung von zu engen Fluren und Türen
  • Entfernen von Türschwellen
  • Einrichtung von ebenerdigen Duschen & Einstiegshilfen für Badewannen
  • Umbau der Küche (z. B. unterfahrbare Arbeitsflächen)
  • Versetzen von Steckdosen & Lichtschaltern
  • Verlegen rutschfester Bodenbeläge
  • Einbau technischer Hilfen (Treppenlifte)

 

Eine vollständige Version der DIN 18040-2 hat das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr ins Netz gestellt. Sie kann als PDF kostenfrei heruntergeladen werden. Zwar sind diese Richtlinien nicht generell verbindlich, aber viele Förder- und Zuschussprogramme des Bundes und der Länder berufen sich auf sie. In Baden-Württemberg sind diese Vorgaben verbindlich, um Förderungen für sozialen Mietwohnraum oder selbstgenutztes Wohneigentum zu erhalten. Wer also solche Mittel beantragt, der muss sich an die baulichen Vorgaben der DIN 18040-2 halten.

Auch in der Landesbauordnung für Baden-Württemberg (BW LBO) finden sich Bestimmungen für den barrierefreien Bau beziehungsweise Umbau – § 35 & § 39 BW LBO. Die für Laien nicht immer verständlichen Gesetzestexte hat die Landesarchitektenkammer Baden-Württembergs näher erläutert und als PDF ins Netz gestellt. Hier werden die Vorschriften verständlich erläutert und zugleich ganz konkrete Angaben zu barrierefreien Baumaßnahmen getroffen.

Ist Ihre Wohnung oder Ihr Haus altersgerecht? Mit dieser Checkliste finden Sie es heraus.

 

Versicherung, Haus, Gebäude, Schutz, Dach, Eigenheim, schützen, versichern
Ist Ihr Haus oder Ihre Wohnung nicht barrierefrei? Mit Bauförderungen und Zuschüssen können Sie barrierereduzierende Maßnahmen günstig finanzieren. (Quelle: © Gina Sanders - Fotolia)

Förder- & Zuschussprogramm durch Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg wird der altersgerechte Umbau im Wohnungsbestand sowie die barrierefreie oder -arme Gestaltung neuer Wohnungen durch das Programm „Wohnungsbau BW 2018/2019“ gefördert, erklärt auf basenio-Nachfrage eine Sprecherin des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau.

Die Fördermittel aus dem Programm können Privatpersonen beantragen, die eine bestimmte Einkommensgrenze nicht überschreiten. Wie hoch die Grenze ist, hängt davon ab, wie viele Menschen in dem zu förderndem Haushalt leben sollen. Näheres dazu regelt der § 4 des Landeswohnraumförderungsgesetzes.

Weitere Voraussetzungen für eine mögliche Förderung im Rahmen des Wohnungsbau BW 2018/2019.

Gefördert wird:

 

  • wer aktuell und künftig nicht über angemessenes Wohneigentum verfügt
  • der Antragsteller, wenn er Eigentümer oder Erwerber der Wohnimmobilie ist und die Immobilie selber bewohnt (Selbstnutzung)
  • das Wohnobjekt, wenn es in Baden-Württemberg liegt
  • der Bau oder der Erwerb, wenn die neue Immobilie den gültigen Vorgaben der Energieeinsparverordnung entspricht
  • nur, wenn eine bestimmte Wohnflächenobergrenze nicht überschritten wird
  • wenn der Antragsteller einen bestimmten Eigenanteil bei den Kosten tragen kann. „Der Antragsteller soll in der Regel eine Eigenleistung von mindestens 25%, bei erstrangiger Absicherung der L-Bank-Darlehen in der Regel mindestens 15% der Gesamtkosten erbringen.“
  • wenn die laufenden Belastungen nicht vorgegebene Belastungsobergrenzen überschreiten

 

Wer Fördermittel im Rahmen des Wohnungsbau BW 2018/2019 beantragen möchte, der kann dies bei den Wohnraumförderungsstellen der Landkreise oder beim Bürgermeisteramt seines Ortes tun. Die Landeskreditbank Baden-Württemberg – Förderbank (L-Bank) auf ihrer Onlinepräsenz eine Übersicht der Behörden gestellt, bei denen Interessenten Anträge einreichen können.

Wohnungsbau BW 2018/2019 baut auf KfW auf

Die L-Bank ist das Landesförderinstitut Baden-Württembergs. Zu Ihren Aufgaben gehören unter anderem die Wirtschaftsförderung und die Infrastrukturförderung im Land. Auch die Gelder für das Förderprogramm Wohnungsbau BW 2018/2019 werden durch die L-Bank vergeben. Diese Zuwendungen vergibt sie in Form von „Zinszuschüssen, Darlehen und Zuschüssen als Anteilsfinanzierung“. Detaillierte Informationen zu den jeweiligen Konditionen sind in der Verwaltungsvorschrift zum Förderprogramm zu finden. Die L-Bank bietet dazu kostenfreie Beratungen an. Aktuell (Stand 2018) gibt es in Stuttgart (Börsenplatz 1) und in Karlsruhe (Schlossplatz 12) zwei Beratungszentren. Berater gibt es auch in den Landkreisen und Kommunen.

Das Förderprogramm Baden-Württembergs baut auf dem Programm zum altersgerechten Umbauen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auf. Die KfW ist die Förderbank der Bundesrepublik Deutschland und untersteht der Finanzaufsicht des Bundesministeriums der Finanzen. Über sie werden staatliche Förderungen oder Zuschüsse für bestimmte Zwecke vergeben. Mit dem „Kredit 159 – Altersgerechtes Umbauen“ werden Modernisierungen von Wohnraum gefördert, wenn sie Barrieren reduzieren, den Wohnkomfort erhöhen oder den Schutz vor Einbrüchen verbessern. Die Mittel sind also zweckgebunden.

Die Kredite im Rahmen des Förderprogramms „altersgerechtes Umbauen“ werden mit niedrigen Zinsen vergeben.

Ein Beispiel:


Aktuelle Kondition für eine Darlehenssumme in Höhe von 50.000 Euro:

0,75% pro Jahr Sollzins und 0,75 pro Jahr Effektivzins, dazu zwei tilgungsfreie Anlaufjahre und eine fünfjährige Zinsbindung.


 

An dieser Stelle kann nun zusätzlich die Förderung des Programms Wohnungsbau BW 2018/2019 beantragt werden. In der Kombinationen der beiden Förderungen sinkt der Sollzinssatz auf 0,0 Prozent pro Jahr. Das Darlehen wird so praktisch zinslos. Den KfW-Kredit beantragt man jedoch nicht bei der KfW direkt, sondern muss bei einem privaten Geldinstitut (Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken). Dort liegen auch in aller Regel die Formulare für den entsprechenden Antrag.

Das Video zeigt, wie ein KfW-Kredit beantragt wird:

In der Praxis zeigt sich leider, dass nicht jede Bank dazu bereit ist, einen KfW-Kredit zu vergeben. Viel lieber verkauft man eigenen Darlehens-Angebote. Das stellte zumindest die Stiftung Wartentest fest und monierte dieses Verhalten.

Der Antrag der L-Bank zum kombinierten KfW-Kredit als PDF zum Herunterladen.

Mit diesen zinsgünstigen beziehungsweise zinslosen Darlehen können also Baumaßnahmen für barrierefreien Wohnraum finanziert werden. Manch eine Kommune in Baden-Württemberg hat darüber hinaus noch eigene Förderprogramme. Stuttgart hat beispielsweise zu Beginn 2018 ein Förderprogramm für die altersgerechte Gestaltung des Wohnraums beschlossen. Für Informationen dazu und auch zu Programmen anderer Städte und Gemeinden Baden-Württembergs wenden Sie sich am besten an die Stadt selbst.

Treppen sind jedoch ein Hindernis, das sich nur schwerlich abbauen lässt. Liegt die Wohnung in einer oberen Etage oder erstreckt sich der Wohnraum über mehrere Etagen braucht es technische Hilfen. Gerade bei bestehendem Wohnraum kann es mangels Platz zum Problem werden, einen Aufzug einzubauen. Doch gibt es auch dafür mit Treppenliften eine innovative Lösung. Die Lifte fahren über eine Schiene den Treppenverlauf entlang. Da sie nur wenig Platz benötigen, können sie auch in schmalen Aufgängen verbaut werden. Solche Treppenlifte lassen sich auch über andere Kostenträger finanzieren.

 

Treppenlift, barrierefrei, thyssenkrupp, Frau
Treppenlifte machen Treppen barrierefrei. (Quelle: thyssenkrupp Home Solution)

Kostenträger für Treppenlifte

Wem keine Förderung im Rahmen des Wohnungsbau BW 2018/2019 zusteht, der kann sich an andere Stellen wenden, um zumindest teilweise die Kosten für einen Treppenlift erstattet zu bekommen.

Krankenkassen/Pflegekassen

Laut Sozialgesetzbuch kann ein Teil der Kosten für den Einbau eines Treppenlifts von der Krankenkasse finanziert werden. Pflegebedürftige und Menschen, die in ihrer eigenen Wohnung bleiben möchten, aber Hilfen wie einen Treppenlift dafür benötigen, können bei ihrer Pflegekasse einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Die unterstützen den Einbau mit bis zu 4.000 Euro je Pflegebedürftigen in der Wohneinheit. Maximal können bis zu vier Menschen in einer Wohneinheit gefördert werden – die Höchstsumme beträgt dann also 16.000 Euro.

Der Antrag dafür kann formlos gestellt werden. Manche Kassen bieten für diesen Zweck auch einen Vordruck an, den man ausgefüllt dort mit einem Kostenvoranschlag abgeben kann. Pflegekassen sind an Krankenkassen angegliedert. Wer also seinen Ansprechpartner für die Pflegekasse sucht, der findet ihn bei seiner Krankenkasse. Die Gelder sind ebenfalls zweckgebunden und die Kasse kann – muss aber nicht – fördern. Das Verfahren der Antragstellung läuft bei jeder Kasse anders ab, weshalb Sie sich zuvor am besten von Ihrem Berater informieren lassen sollten. Da die Kasse nicht im Voraus zahlt, sollten Sie zuerst abwarten, ob Ihr Antrag bewilligt wurde.

Berufsgenossenschaft

Wer durch einen Arbeitsunfall oder durch eine Berufskrankheit auf einen Treppenlift im eigenen Haus angewiesen ist, der kann sich an die Berufsgenossenschaft wenden. In diesem Fall kann die Berufsgenossenschaft die gesamten Kosten für den Lift übernehmen. Weitere Informationen dazu erhalten Sie individuell von Ihrer Berufsgenossenschaft.

Agentur für Arbeit

Unter bestimmten Umständen ist es möglich, dass die Agentur für Arbeit Kosten für einen Treppenlift übernimmt. Voraussetzung ist, dass der Lift einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz erhält oder gar erst möglich macht. Dann kann im Rahmen der "Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben" die Agentur einen Kostenzuschuss geben. Der Antrag muss persönlich durch den Betroffenen oder seinen Vertreter beim Reha-Team der Agentur für Arbeit eingereicht werden. 

Sozialhilfe

Die letzte Instanz, einen Treppenlift wenigstens teilweise finanzieren zu lassen, ist die Sozialhilfe. Sollten Sie Ablehnungen von allen sozialen Trägern erhalten haben, müssen Sie nicht verzweifeln. Wenn tatsächlich keine andere Instanz eine Bewilligung zur Förderung eines Treppenlifts genehmigt, können Sie sich im Notfall an die Sozialhilfe wenden. Allerdings nimmt diese nur Anfragen entgegen, wenn Ihr Antrag wirklich von jedem anderen Träger abgelehnt wurde.

Berater sind bei Ihnen vor Ort

Wer Fragen zur Technik und zu Finanzierung beziehungsweise Zuschuss eines Treppenlifts hat, kann sich dafür beraten lassen. Basenio.de empfiehlt dafür den Beratungsservice des Treppenliftherstellers thyssenkrupp Home Solutions. Die Berater sind mit den technischen Details vertraut und können, wenn gewünscht, auch einen Termin für eine Probefahrt auf einem Treppenlift organisieren. So können sich Interessierte von den aktuellen Modellen Levant, Levant Outdoor und Flow II persönlich überzeugen lassen.

thyssenkrupp-Home-Solutions-Berater in Ihrer Nähe in Baden-Württemberg:

Region Bad Krozingen
Region Crailsheim
Region Freiburg im Breisgau
Region Heidelberg
Region Heilbronn
Region Karlsruhe
Region Mannheim
Region Offenburg
Region Ravensburg
Region Renchen
Region Reutlingen
Region Schwäbisch-Gmünd
Region Singen
Region Stuttgart
Region Tübingen
Region Ulm
Region Waldshut-Tiengen

 

Fazit

Barrierefreien Umbau können sich Privatleute fördern beziehungsweise bezuschussen lassen. Dafür gibt es öffentliche Kostenträger bei den Förderbanken des Bundes und Baden-Württembergs. Das Förderprogramm „Wohnungsbau BW 2018/2019“ kann mit dem KfW-Kredit 159 kombiniert werden, wodurch ein solches Darlehen zinsfrei werden kann. Die Gelder sind zweckgebunden und müssen beantragt werden.

Zweckgebunden heißt hier, dass die Baumaßnahmen barrierereduzierend sein müssen. Grundlage dafür ist die DIN 18040-2, die detaillierte Vorgaben macht, wie eine barrierefreie Wohnung auszusehen hat. Kosten für einen Treppenlift können durch das „Wohnungsbau 2018/2019“ finanziell gefördert werden. Kostenfreie Beratungen zu möglichen Förderungen und Zuschüssen gibt es bei der L-Bank, in Kommunen und Landkreisen.


DIESEN BEITRAG: Kommentieren Drucken
Bewerten:
Teilen:

Mehr von Basenio Redakteur
Profilbild von Basenio Redakteur

Unsere basenio-Redaktion schreibt Informations- und Servicebeiträge für Menschen ab 50plus und deren Angehörige. Gerne können Sie unseren Redakteuren Fragen stellen, die wir in einem weiteren Beitrag für Sie beantworten.


Kommentar schreiben

Sicherheitscode