Entlastungsbetrag | Pflege | Pflegegrad 1 | Pflegegrad 2 | § 45 SGB XI | Entlastungsleistungen

Was bringt der Entlastungsbetrag für die einzelnen Pflegegrade?

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Den Entlastungsbetrag erhalten Menschen, die einen anerkannten Pflegegrad haben. Die zweckgebundenen Pauschale kann monatlich bis zu 125 Euro betragen. Wir erklären, wie Sie den Betrag erhalten.

Pflegebedürftige können zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Anspruch nehmen, wenn sie zu Hause gepflegt werden. Einerseits sollen diese die pflegenden Angehörigen bei ihren täglichen Pflichten entlasten und andererseits sollen sie den Pflegebedürftigen dazu anregen, so lange wie möglich den Alltag selbstständig zu Hause zu regeln. Das Geld kann genutzt werden, um eine Betreuung in den eigenen vier Wänden sicherzustellen, die hauswirtschaftliche Versorgung und die Organisation des Pflegealltages zu erleichtern.

Wer hat Anspruch auf den Entlastungsbetrag?

Der Betrag wird allen Personen ausgezahlt, die im häuslichen Umfeld gepflegt werden und vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einen Pflegegrad erteilt bekommen haben. Durch die Pflegereform (Pflegestärkungsgesetz II) gibt es einen einheitlichen Entlastungsbetrag für alle Pflegegrade. Zum häuslichen Umfeld zählen sowohl das Heim des Pflegebedürftigen und die Wohnung des Pflegepersonals als auch Altenwohnungen oder Formen des betreuten Wohnens.

Wie hoch ist der Entlastungsbetrag?

Nach § 45b SGB XI erhalten ambulant betreute Pflegebedürftige ab dem 1. Januar 2017 einen einheitlichen Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125,00 Euro. Eine Ausnahme dazu stellen Senioren dar, die bis Ende 2016 monatlich 208,00 Euro erhielten und nun unter Umständen weiter den erhöhten Beitrag ausgezahlt bekommen. Grund dafür ist die Besitzstandregelung. Sie besagt, dass keiner durch die Regelungen des Pflegestärkungsgesetz II schlechter gestellt werden darf als durch den vorher geltenden Leistungskatalog.

Entlastungsbetrag
Ein Überblick rund ums Thema Entlastungsbetrag in der Pflege. (Quelle: eigene Darstellung) (Quelle: eigene Darstellung)

Wofür kann der Entlastungsbetrag genutzt werden?

Bei dem Entlastungsbetrag handelt es sich nicht um eine pauschale Geldleistung, sondern um eine zweckgebundene finanzielle Unterstützung. Daher können nur bestimmte Leistungen abgerechnet werden. Zu diesen zählen die (Ko-)Finanzierung teilstationärer Tages- oder Nachtpflege, eine vorübergehende vollstationäre Kurzzeitpflege, Leistungen für den ambulanten Pflegedienst sowie anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag. Der einzige Unterschied innerhalb der Pflegegrade ist, dass Personen mit dem Pflegegrad 1 den Entlastungsbetrag auch für die Körperpflege verwenden dürfen. Der Grund dafür ist, dass sie keine Pflegesachleistungen beziehen. Das heißt also, dass Betroffene mit dem Pflegegrad 1 den Entlastungsbetrag auch dafür verwenden können, den Pflegedienst für die Körperpflege zu bezahlen. Im Gegensatz dazu können Pflegebedürftige mit den Pflegegraden 2 bis 5 nur Leistungen des ambulanten Pflegedienstes mit dem Entlastungsbetrag bezahlen, welche sich auf den Bereich der Selbstversorgung beziehen. Leistungen für die Körperpflege, wie das An- und Auskleiden und die große oder kleine Toilette, müssen selbstständig bzw. mittels der Pflegesachleistungen bezahlt werden.

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Der Entlastungsbetrag ist zweckgebunden für bestimmte Leistungen in der Pflege. (Quelle: https://de.fotolia.com/id/87267171)

Entlastungsbetrag: beantragen und praktische Verwendung

Der Entlastungsbetrag kann bis zu 125,00 Euro im Monat betragen und ist zweckgebunden. Er muss jedoch nicht monatlich aufgebraucht werden. Es besteht durchaus die Möglichkeit, Beiträge zu sammeln und damit größere Kosten, wie beispielsweise die Hotelkosten einer Kurzzeitpflege, anzusparen. Das heißt, die nicht (vollständig) ausgeschöpften Beträge können auf die Folgemonate übertragen und innerhalb des jeweiligen Kalenderjahres verbraucht werden. Beträge, die auch dann noch nicht verbraucht wurden, können noch in das darauffolgende Kalenderhalbjahr übertragen werden. Bis zum 30. Juni können Sie noch abgerufen werden. Ein Antrag auf das Übertragen der nicht beanspruchten Leistungsbeträge muss nicht gestellt werden. Es ist jedoch nicht möglich, sich den Entlastungsbetrag im Voraus auszahlen zu lassen.

Da der Entlastungsbetrag zweckgebunden ist, muss nach der Inanspruchnahme der Leistungen ein Antrag gestellt werden, um die Kosten erstattet zu bekommen. Diesem werden die Rechnungen, Quittungen oder Belege über die Pflegemaßnahmen beigefügt, sodass die Pflegekasse diese erbrachten Leistungen zurückerstatten kann. Die Kosten, die den Entlastungsbetrag von 125,00 Euro überschreiten, müssen selbst getragen werden. Eine weitere Möglichkeit wäre es, eine Abtretungserklärung zu unterschreiben, durch welche der Betreuungs- oder Pflegedienst direkt mit der Pflegekasse abrechnen kann. Der Vorteil ist, dass die Kosten nicht im Vorfeld selbst getragen werden müssen.


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Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


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