Gegenüberstellung ambulante, teilstationäre, stationäre Pflege| Sichtweise Pflegeexpertin

Ambulante oder stationäre Pflege - welche Pflegeform empfiehlt sich zu welcher Zeit?

Irgendwann stellt sich für viele die Frage, ob ambulante, teilstationäre oder stationäre Pflege für den weiteren Lebensweg am besten geeignet ist. Der nachfolgende Beitrag stellt diese drei Betreuungsformen aus Sicht einer Pflegeexpertin gegenüber.

Das Alter lässt sich nicht aufhalten. So stellen sich für viele Senioren irgendwann die Fragen: Wer hilft, wenn es morgens wegen der Schmerzen in den Armen nicht mehr alleine mit dem Waschen und Anziehen klappt? Was ist, wenn der Weg zu Fuß in den Supermarkt zu beschwerlich und kein Kaffee mehr im Vorratsschrank ist? Was ist, wenn der Staubsauger zu schwer ist und die Fenster zu hoch sind? Was ist, wenn sich das Kochen für mich alleine einfach nicht mehr lohnt? Wie meistere ich meinen Alltag trotz zunehmender körperlicher Beschwerden und Einschränkungen? Familien- oder Nachbarschaftshilfen sind heute leider nicht mehr selbstverständlich. Aufgrund der notwendigen Flexibilität bei der Arbeitssuche leben die Kinder und Enkel häufig weit verstreut und können aus beruflichen Gründen nur zu Geburtstagen und Feiertagen zu Besuch kommen.

Viele Pflegeeinrichtungen bieten unterschiedliche Hilfen an. Die Einrichtungen in Ihrer Umgebung können sie z. B. mit Hilfe unseres Pflegefinders abrufen. Voraussetzung ist jedoch, dass Sie wissen, welche Art von Pflegeeinrichtung Sie für sich suchen. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen ambulanten, teilstationären und stationären Möglichkeiten der Betreuung. Jede Form hat ihre Vor- und Nachteile, die im Folgenden kurz im Hinblick auf den Alltag beschrieben werden.

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung

Ambulante Pflegedienste bieten eine Vielzahl von Leistungen im eigenen Haushalt. Diese reichen von der Körperpflege, Hilfen beim Anziehen, der Verabreichung notwendiger Medikamente, dem Anlegen von Verbänden über hauswirtschaftliche Tätigkeiten, wie z. B. Frühstück machen, Müllentsorgung, Reinigung der Wohnung, Erledigung von Einkäufen, gemeinsame Spaziergänge, bis hin zur Begleitung bei Arzt- oder Ämtergängen, etc. Der große Vorteil dabei liegt darin, dass Sie frei bestimmen, wann sie welche Hilfe wünschen und diese auch kurzfristig abändern können. Sie leben weiterhin in Ihrem eigenen Haushalt und legen fest, wie Sie ihren Alltag gestalten möchten. Hilfe erhalten Sie konkret nur da, wo Sie sie benötigen und wünschen.

Absicherung in Notfällen bietet die Installation eines so genannten Hausnotrufes, der bei Bedarf sofort die Verbindung zu Ihrem Pflegedienst oder der Notrufzentrale herstellt. Notrufe können beispielsweise durch das Tragen spezieller Armbänder sichergestellt werden. Diese haben einen Alarmknopf, den Sie z. B. bei einem Sturz im Keller betätigen können. Nachteilig wirkt sich hier jedoch der notwendige Anfahrtsweg des Pflegedienstes bzw. Krankenwagens aus. So ist eine Sofortversorgung, wie z. B. in einem Pflegeheim, im häuslichen Bereich nicht möglich.

Nachteilig wirkt sich bei der ambulanten Betreuung häufig auch der Fakt aus, dass eine Anwesenheit der Pflegeperson über den gesamten Tag nicht möglich ist und die Pflegekräfte nur über einen bestimmten Zeitraum bei Ihnen sind. So klagen viele Senioren trotz ambulanter Betreuung über Einsamkeit und Langeweile im Alltag. Eine Ausnahme bietet hier die 24h-Pflege, die jedoch oft sehr teuer ist und nicht für jeden in Frage kommt. Hier bieten stationäre und teilstationäre Formen der Betreuung überlegenswerte Möglichkeiten.

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Ein Pfleger hilft beim Anziehen. (Quelle: Cindy Hofmann)

Die teilstationäre Pflege

Die Tagespflege ist eine interessante Alternative, wenn Sie allein oder mit berufstätigen Angehörigen im gemeinsamen Haushalt leben und gerne Gesellschaft haben. In diesen Einrichtungen steht die Freizeitgestaltung im Vordergrund. Zudem erhalten Sie während der Betreuungszeiten die Möglichkeit zu gemeinsamen Mahlzeiten. Notwendige pflegerische oder medizinische Hilfen sind durch das anwesende Pflegepersonal gesichert. Dieses Angebot wird gerne genutzt, wenn die Pflegebedürftigkeit nur in geringem Maße ihren Alltag einschränkt. Häufig bieten die so genannten Tagespflegen auch die Möglichkeit eines Fahrdienstes, sodass Sie bequem in die Einrichtung und wieder nach Hause gelangen. 

Die stationäre Pflege

Dagegen ist der Alltag in der stationären Versorgung, wie z. B. in einem Pflegeheim, aus organisatorischen Gründen weniger individuell. Charakteristisch ist hier ein festgelegter Zeitplan, der den Tagesablauf organisiert. Die Pflegekräfte können sich nur bedingt auf Änderungen im Alltag einstellen. Dies ist auch nachvollziehbar, da hier nicht nur eine Person sondern gleichzeitig 30 und mehr Senioren auf einem sogenannten Wohnbereich leben. Nachfolgend finden Sie einen beispielhaften Tagesablauf in einem Pflegeheim. Dieser ist natürlich nicht für jede Einrichtung zutreffend, wird aber in vielen stationären Einrichtungen aus personellen und organisatorischen Gründen ähnlich gelebt.

  • 6:30 – 8:00 Uhr: Wecken, Aufstehen
  • Körperpflege, Ankleiden, ggf. Transfer in den Frühstückssaal
  • 8:00 – 9:00 Uhr: Frühstück
  • Beschäftigung, Arztvisiten, medizinische Verordnungen (Verbände, etc.)
  • 11:30 Uhr: Mittagessen
  • 12:00 – 14:00 Uhr: Mittagsruhe
  • 14:00 – 14:30 Uhr: Kaffee trinken
  • 15:00 Uhr: Beschäftigung (außer am Wochenende)
  • 16:00 Uhr: Toilettengänge bei Bedarf
  • 17:30 Uhr: Abendessen
  • 18:00 – 20:00 Uhr: Zubettgehen, evtl. noch TV schauen

Zudem leben hier mehrere Senioren, bei denen eine häusliche Betreuung nicht mehr möglich ist, beispielsweise aufgrund schwerer Erkrankungen mit der Folge der Bettlägerigkeit. Die Gefahr von Notfällen und somit einer Störung des normalen Tagesablaufs ist hier entsprechend hoch. Zusätzlich setzt die stationäre Altenpflege einen Umzug in die Einrichtung voraus. Sie sind gezwungen, ihr Zuhause aufzugeben und in Zukunft all Ihre Habseligkeiten in einem Zimmer mit einer Wohnfläche von mind. 12 m² laut Heimmindestbauverordnung (§ 14 Abs. 1) unterzubringen. Gegebenenfalls leben sogar 2 Personen in einem Zimmer mit einer Wohnfläche von 18 m². Dies gestaltet sich oft schwierig, da Senioren heute vielfach in ihren eigenen Häusern leben und Garten oder Hof besitzen und so durch einen Umzug in ein Pflegeheim sehr vieles aufgeben müssen.

Weiterhin werden Ihnen aus organisatorischen Gründen in stationären Pflegeeinrichtungen fast alle Aufgaben abgenommen, ob notwendig oder nicht. Einkaufen, Essen kochen, Frühstück servieren, Betten machen, Wäschepflege und Einräumen der Wäsche in den Kleiderschrank – alles übernimmt das Pflegepersonal. Nur selten besteht die Möglichkeit, kleinere Aufgaben im Alltag selbst zu übernehmen. So muss z. B. das Eindecken bzw. Abräumen der Tische zu den Mahlzeiten aus hygienischen Gründen durch das Personal erfolgen.

Hinsichtlich der Tagesgestaltung können in den letzten Jahren positive Veränderungen in den Pflegeheimen festgestellt werden. Die Möglichkeiten der individuellen Alltagsbetreuung haben durch das Pflegestärkungsgesetz vom Januar 2015 und die zunehmende  Anzahl von Alltagsbegleitern/Betreuungsassistenten in vielen stationären Pflegeeinrichtungen zugenommen. Deren Arbeitszeiten unterliegen aber auch den Voraussetzungen des Hauses. So gibt es auch heute noch Heime, in denen Betreuer/Therapeuten aus Kostengründen weder an Wochenenden noch an Feiertagen arbeiten. Gerade die Tage an denen sie so dringend gebraucht werden. 

Positiv lässt sich festhalten, dass Sie im Pflegeheim sicher nie allein sein werden. Wer die Möglichkeit hat, sein Zimmer zu verlassen, kann Freundschaften pflegen und an Beschäftigungsangeboten teilnehmen. Zudem finden in vielen Heimen regelmäßige Feste und Feiern statt, die eine willkommene Abwechslung bieten. Auch Verlobungen und Hochzeiten konnten in einigen Pflegeheimen bereits gefeiert werden.

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Altenpflegerin puzzelt mit Seniorin. (Quelle: Fotolia_69495888_Subscription_Senior with her elder© Alexander Raths)

Alles in Allem hat jede Art der Pflege ihre Vor- und Nachteile, die Sie im Falle des Falles individuell nach Ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen abwägen sollten. Die nachfolgende Tabelle fasst diese noch einmal kurz zusammen:

PflegeformPositivNegativ
Ambulant (häusliche Pflegedienste)
  • Leben im gewohnten Umfeld/eigener Haushalt
  • Individuelle Tagesgestaltung/Freiheit in Entscheidungen
  • Leistungen individuell nach Absprache, kurzfristig änderbar
  • Einsamkeit/Langeweile
  • Unstrukturierter Tagesablauf
  • Kurze Aufenthaltszeit der Pflegenden
  • Hilfe im Notfall zeitversetzt
Teilstationär (Einrichtungen der Tagesbetreuung)
  • Leben Zuhause
  • Tagesstruktur während Aufenthalt in der Einrichtung & freie Gestaltung des Tagesablaufes Zuhause
  • Freizeitgestaltung/Beschäftigung im Vordergrund
  • Diverse Angebote: z. B. Pflege, medizinische Versorgung, Mahlzeiten, Fahrdienst
  • Zeitbegrenzung in Versorgung
  • Nur bei geringem Hilfebedarf geeignet
Stationär (z. B. Pflegeheim)
  • Feste Tagesstruktur
  • Vollverpflegung inkl. Wohnraum, Reinigung, Wäschepflege, Mahlzeiten, pflegerische & medizinische Versorgung
  • Sofortige Notfallversorgung durch 24-h-Betreuung
  • Immer in Gesellschaft
  • Kleiner Lebensraum (Zimmer)
  • Wenig Individualität
  • Durch gesetzliche Vorgaben wenig Möglichkeiten, sich persönlich einzubringen

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entscheidung, wie Sie ihren Lebensabend verbringen möchten, eine sehr persönliche ist. Möglich ist vieles. Aus meiner Sicht ist eine ambulante oder teilstationäre Pflege immer günstiger, da Sie Ihre Individualität in diesem Rahmen unbeschwert leben können. Hier passen sich die Pflegenden Ihren persönlichen Strukturen und Anforderungen an und nicht umgekehrt, wie es leider oft in Pflegeheimen der Fall ist. Wichtig ist jedoch, dass Sie sich über Ihre Wünsche und Einschränkungen im Alltag bewusst sind und realistisch einschätzen, inwieweit bestimmte Formen der Betreuung gerade für Sie geeignet sind. Gut informiert werden Sie sicher die für Sie beste Entscheidung treffen. 

 

 

 


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Profilbild von Cindy Hofmann

Cindy Hofmann, Jahrgang 1977 ist Diplom-Pflegewirtin (FH) und war als Autorin und freie Bearbeiterin für die Fachverlage Kohlhammer und Hans Huber tätig. Derzeit absolviert sie eine Umschulung zur Bürokauffrau/Marketing.


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