Zuschuss HörgerĂ€t | Zuzahlung | Krankenkasse | KostenĂŒbernahme

Zuschuss fĂŒr ein HörgerĂ€t: So erhalten Sie eine Zuzahlung von Ihrer Krankenkasse

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(Quelle: © Kara - Fotolia)

Krankenkassen zahlen einen Zuschuss fĂŒr ein HörgerĂ€t. Wie hoch die Zuzahlung ist und welche GerĂ€te aufzahlungsfrei sind, erklĂ€ren wir in diesem Ratgeber. Dazu finden Sie Tipps, wie Sie auch ohne Krankenkasse ein HörgerĂ€t erhalten.

| Steffen Gottschling

Hören ist einer der fünf menschlichen Sinne, die uns unsere Umwelt wahrnehmen lassen. Doch kann die auditive Wahrnehmung durch Krankheiten und Umwelteinflüsse gestört werden. In Deutschland gibt es nach Einschätzung des Deutschen Schwerhörigenbunds (DSB) rund 15 Millionen hörgeschädigte Menschen.

Daten zur Hörgeräteversorgung

Der DSB vertritt Interessen Schwerhöriger und ertaubter Menschen in Deutschland auf kommunaler, Landes- und Bundesebene. Bei sechs Millionen, so die Einschätzung des DSB, sind die Schädigungen so stark, dass sie mit einem technischen Hilfsmittel wie einem Hörgerät versorgt werden müssten. Doch allein nur 2,5 Millionen Bundesbürger nutzen eine solche Hörhilfe.

Für die Schweiz nehmen hiesige Institutionen an, dass rund 700.000 Menschen eine Hörbeeinträchtigung haben. In Österreich legt man die Werte aus Deutschland zu Grunde und nimmt an, dass es auf deren Basis etwa 1,6 Millionen Hörgeschädigte in der Alpenrepublik gibt.

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Bei einem Hörtest lässt sich feststellen, ob das Hörvermögen beeinträchtigt ist. (Quelle: Kzenon - Fotolia)

So erhalten Sie ein Hörgerät

Wer erstmalig ein Hörgerät über die Krankenkasse erhalten will, muss sich den Bedarf zwingend von einem HNO-Arzt attestieren beziehungsweise verschreiben lassen. Mit dessen Verordnung geht man zunächst zur Krankenkasse, die dem Versicherten die Kontakte ihrer Vertragspartner für Hörgeräte gibt.

Die Kassen haben Kooperationen mit diversen Hörgeräteakustikern, um Ihre Leistung zu gewähren. Die ärztliche Verordnung legen Sie dann auch bitte im Original beim Hörgeräteakustiker vor.

Tipp: Mindestens zwei Mal beraten lassen

Lassen Sie sich bei mindestens zwei Hörgeräteakustikern, die Ihnen die Krankenkasse vorgeschlagen hat, Angebote zeigen und beraten. Wie bei vielem gilt, der Vergleich macht’s. Beim Beratungstermin sollten Sie mehrere Hörgeräte testen. Lassen Sie sich die Technik dabei erklären, denn moderne Geräte haben viele Einstellungsmöglichkeiten.

Das Bundessozialgericht entschied 2009, dass ärztlich verschriebene Hörgeräte dem „Stand der Technik“ entsprechen müssen. Das Urteil ist unter dem Aktenzeichen B 3 KR 20/08 R einsehbar.

Der Gesetzgeber hat 2013 entsprechende Regelungen getroffen, die einen Mindeststandard festlegen. Daher dürfen keine technologisch veralteten Hörgeräte bei ärztlichen Verordnungen verkauft werden. Mehr zu den Mindestanforderungen erfahren Sie in der Beratungsrichtlinie des DSB. In untenstehender Grafik sind die Standards aufgeführt.

Mindestausstattung aufzahlungsfreier Hörgeräte

  • digitale Signalverarbeitung
  • Mehrkanal-Verstärkertechnik, mindestens vier Kanäle
  • Rückkopplungsunterdrückung
  • Störschaltunterdrückung
  • Mindestens drei frei programmierte akustisch übertragene Hörprogramme
  • Verstärkungsleistung >75 dB bei Hörgeräten für Versicherte mit an Taubheit grenzender Schwerhörigeit
  • Verstärkungsleistung >25 dB bis >75 dB bei den übrigen schwerhörigen Versicherten
  • eine ausreichende Verstärkungsreserve von 10 bis 15 dB je nach Anpassformel ist zu berücksichtigen

Derzeit gibt es zwei marktübliche Systeme für Hörhilfen, die Hinter-dem-Ohr-Hörsysteme (HdO-Geräte) und Im-Ohr-Hörsysteme (IO-Geräte). Beide können als Kassenleistung abgerechnet werden.

Hat man sich für ein Gerät entschieden, sollen Kostenvoranschlag und ärztliche Verordnung der Krankenkasse übergeben werden. Erst wenn die eine schriftliche Zusage für die Kostenübernahme erteilt, kann das gewünschte Hörgerät als aufzahlungsfreie Kassenleistung beim Hörgeräteakustiker bestellt werden.

Tipp: Musterbrief des DSB für Widerspruch nutzen

Sollte die Kasse die Kostenübernahme für Ihr gewünschtes Hörgerät ablehnen, haben Sie ein Widerspruchsrecht. Einen entsprechenden Musterbrief hat der DSB ins Netz gestellt. Die Krankenkasse muss binnen drei Wochen über den Widerspruch entscheiden. Lehnt sie dann ab, können die Versicherten vor dem Sozialgericht Klage einrechen. Dort sind die Gerichtsverfahren für Versicherte und Antragsteller kostenfrei (Sozialstaatsprinzip).

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Zuschuss & Zuzahlung bei gesetzlichen Krankenkassen

Der von den gesetzlichen Krankenkassen übernommene Betrag für Hilfsmittel wird Festbetrag genannt. Hörgeräte werden unter anderem als solche Hilfsmittel anerkannt. Seit 1. November 2013 ist der Festbetrag auf 784,94 Euro für ein Hörgerät festgelegt.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass der Betrag nur für bestimmte Versicherte als netto zu verstehen ist. Das betrifft Hörgeräte für an Taubheit grenzende Versicherte (seit 1. März 2012) und Hörgeräte für schwerhörige Versicherte (seit 1. November 2013). Zu diesem Festbetrag kommt also noch die Mehrwertsteuer dazu. Bei allen anderen Hörhilfen sind die 784,94 Euro als Bruttobetrag zu verstehen.

Ist der Versicherte nicht gänzlich von Zuzahlungen befreit, muss er pro Hörgerät noch einmalig zehn Euro als gesetzliche Zuzahlung leisten. Das gilt auch bei aufzahlungsfreien Hörhilfen. Holt man sich gleich ein zweites Gerät dazu, kann es sein, dass ein Abschlag der Kasse von bis 20 Prozent hingenommen werden muss.

Wie hoch und ob es einen Abschlag gibt, ist von der jeweiligen Krankenkasse abhängig. Gesetzlich Versicherte haben einen Anspruch darauf, alle sechs Jahre die Kostenübernahme für ein neues Hörgerät bei der Kasse zu beantragen. Klassifiziert werden diese Hörhilfen als aufzahlungsfreie Hörgeräte. Was sie mindestens leisten müssen, ist aus obenstehender Grafik ersichtlich.

Zuschuss & Zuzahlung bei privaten Krankenkassen

Bei den privaten Krankenkassen verhält es sich etwas anders. Grundsätzlich sind auch sie verpflichtet, Kosten für Hörhilfen zu übernehmen. Der Festbetrag richtet sich aber nach dem jeweiligen Versicherungstarif, der zwischen Versicherer und Versichertem ausgehandelt wurde.

Einen bedeutenden Unterschied zwischen gesetzlichen Krankenkassen und ihren privaten Pendants gibt es bei Kostenübernahmen, die über den Festbetrag hinausgehen. Gesetzlich Versicherte brauchen in diesem Fall einen medizinischen Nachweis, den sie ihrer Krankenkasse vorlegen.

Die Kassen sind dann bei ausreichend begründetem Bedarf verpflichtet, Kosten auch über den Festbetrag zu übernehmen. Bei privat Versicherten gilt selbiges, jedoch müssen die Kassen Kosten für teurere Geräte in vollem Umfang tragen, auch wenn es günstigere Alternativen gäbe. Ein entsprechendes Urteil (Az.: 2 S 311/08) fällte das Landgericht Regensburg.

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Sollen teurere Geräte von der Krankenkasse bezahlt werden, braucht es ein ärztliches Attest. (Quelle: Monkey Business - Fotolia)

Um diese Mehrkosten erstattet zu bekommen, müssen Versicherungsnehmer neben dem medizinischen Nachweis auch noch einen Antrag auf Übernahme für Mehrkosten bei ihrer Versicherung einreichen. Die Verbraucherzentrale rät dazu: „Die Akustiker legen den Versicherten zwar eine sogenannte "Mehrkostenerklärung des Versicherten" vor, die sie unterschreiben sollen.

Obwohl der Versicherte hierbei auch unterschreibt, dass er die Mehrkosten selber trägt, sollte er bei medizinischer Notwendigkeit in jedem Fall einen Antrag bei der Krankenkasse stellen.“ Übrigens, lehnt die Krankenkasse die Kostenübernahme ab, können Versicherungsnehmer dagegen widersprechen oder gar klagen. In beiden Fällen müssen sie dann aber entstandene Kosten vorstrecken.

Im Festbetrag selber sind noch weitere Leistungen neben den Anschaffungskosten enthalten. Aufwendungen für die Beratung, Programmierung und Anpassung des Hörgeräts sind inklusive. Ebenso sind Serviceleistungen und mögliche Reparaturen mit dem Festpreis abgedeckt.

Übrigens, Kosten für Batterien der Hörhilfen werden nur bis zum 18. Lebensjahr von den Kassen getragen. Wenn Hörgeräte grob fahrlässig oder vorsätzlich verloren oder beschädigt worden, übernehmen die Krankenkassen nichts. „Für Verluste oder Schäden, die grob fahrlässig oder vorsätzlich herbeigeführt worden sind, können wir nicht aufkommen“, heißt es von der AOK-Plus.

Betroffene geben Tipps für Hörgeräteversorgungft

In diesem Forum können sich Interessierte zum Thema Schwerhörigkeit und Hörhilfen austauschen.

Weitere Kostenträger für Hörhilfen

Neben den Krankenkassen gibt es weitere Kostenträger für Hörhilfen. Rentenversicherungen können Kosten übernehmen, die die Krankenkassen nicht leistet. Den entsprechenden Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben können Sie im Netz runterladen.

Wichtig, der Versicherungsnehmer muss erstens noch im Arbeitsleben stehen und zweitens sich zunächst an die Krankenkasse wenden. Leistet die nicht, kann der Rententräger einspringen. Dem Antrag müssen Sie noch dieses Formular beifügen. Weitere Kostenträger in der Übersicht:

Unfallversicherungen

Schwerhörigkeit in Folge eines Unfalls

Berufsgenossenschaft

Schwerhörigkeit in Folge eines betrieblichen Unfalls oder betrieblich bedingter Berufskrankheit

Agentur für Arbeit

Siehe Rentenversicherung, Leistungen können im gleichen Fall auch hier beantragt werden

Versorgungsamt

Zuschüsse bei erlittenen Schäden durch Krieg, Gewalteinwirkungen oder Impfung

Tipp: Hörgerät ohne Krankenkasse kaufen

In der Praxis kennt man jedoch das Problem, dass klassische Hörtests beim HNO-Arzt und Akustiker sogenannten verdeckte Hörverluste nicht identfizieren können, erklärt Benjamin Schadow, der Geschäftsführer von Hörstil in Erfurt. In diesen Fällen kann die Krankenkasse den Zuschuss versagen. "Spezielle Satztests im Störgeräusch sind eher aussagekräftig.

Wenn man knapp an der Indikationsschwelle vorbeischlittert, hängt das meist am "Freiburger Einsilbertest", weiß Schadow. Bei dem Test werden einsilbige Worte wie "Ring" oder "Hund" vorgesagt, die der Patient im idealfall hört und nachsprechen kann. Doch das System ist anfällig. "Die Schwelle liegt bei 80 Prozent, das heißt, vier von zwanzig Wörtern 'müssen' falsch verstanden werden. 'Rät' man einmal zuviel richtig, sind es 85 Prozent und man fällt aus dem Raster", erklärt der Geschäftführer.

Sollte man trotz bestandenem Test Probleme haben, kann auch eine zweite Meinung eingeholt werden. In Einzelfällen lassen sich Krankenkassen auf die Zahlung des Vertragspreises ein. Sollte die Kasse sich gänzlich verweigern, die Kosten zu übernehmen, müssen Betroffene sich selber eine Hörhilfe organisieren. Dafür empfiehlt Schadow, den Gang zu einem verantwortungsvollen Hörakustiker.

Schließt der Bedenken aus, eine Hörhilfe zu tragen, muss geklärt werden, "ob 'nur' ein leichter Hörverlust vorliegt, der knapp an der Indikationsgrenze vorbei geschlittert ist oder ob es sich um einen versteckten Hörverlust handelt". Im Hinblick auf eine Hörgeräteversorgung würden die Maßnahmen und Empfehlungen bei einem verdeckten Hörverlust anders ausfallen, erklärt Schadow.

Kommt der Betroffene für ein Hörgerät in Frage, kann der sich auch privat ohne Krankenkasse die Hörhilfe beschaffen. "Ein seriöser Akustiker würde den Aufwand abschätzen und ein Angebot erstellen.

Eine reine Privatversorgung ist in der Regel preiswerter zu realisieren, da hier weniger mit Pauschalen gearbeitet wird und der bürokratische Aufwand recht gering ist", verrät der Geschäftsführer von Hörstil. Es ist also durchaus möglich, sich privat ein Hörgerät zu organiseren, und dabei nicht all zu hohe Kosten tragen zu müssen.


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Steffen Gottschling ist der leitende Redakteur der Ratgeber-Redaktion. Bevor er 2016 bei basenio.de begann, war er im Rundfunk und in der Online-Redaktion einer regionalen Tageszeitung tÀtig. Seine Themenschwerpunkte sind die Bereiche Pflege & Recht.


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