Zugspitze wandern | Garmisch | Reintal | Tirol | Gaistal | Zillertal

Welche Route ist bei einer Wanderung zur Zugspitze empfehlenswert?

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(Quelle: Patricia Klamt)

Der Oktober zählt zu den schönsten Monaten, um die Zugspitze, Deutschlands höchsten Berg, zu besteigen. Im folgenden Artikel können Sie nachlesen, auf was man beim Wandern zur Zugspitze achten sollte und welche Routen besonders empfehlenswert sind.

Die Herbstzeit bietet gute Voraussetzungen, um eine Wanderung zur Zugspitze zu unternehmen. Die Höhensonne scheint nicht ganz so unerbittlich und der Massenansturm auf den 2.962 Meter hohen Gipfel hält sich ab Oktober in Grenzen. Freilich: Etwas Wetter-Fortune und wenig Schnee sind die Bedingungen. Wir haben uns für die lange und relativ leichte Tour durchs Reintal entschieden, die auch für Best-Ager und Senioren empfehlenswert ist. Sie erfordert -anders als andere Touren, beispielsweise durch das Höllental- keine besonderen Kletterfähigkeiten und keine Kletterausrüstung. Einige schwierige Passagen sind aber auch hier zu überwinden. Festes Schuhwerk, Wanderstöcke und wetterfeste Kleidung sind ein Muss.

Los geht es im Garmischer Morgengrauen. Entlang der Partnach, vorbei am Olympiastadion Richtung Partnachklamm. Tosend stürzen die Wassermassen durch glitschige Felswände, Wasser tropft von der Decke des in den Fels eingeschlagenen Weges. Nach der Klamm beginnt ein mäßig steigender und etwas eintöniger Weg durch waldiges Terrain, bevor er sich nach etwa drei Stunden öffnet und den Blick auf die Bergriesen zur rechten (Höllentalspitzen, Hoher Gaifkopf) und zur linken Hand (Hochwanner, Hinterreintalschrofen, Dreitorspitze) freigibt. Gen Westen laufen wir entlang der Partnach, passieren die Reintalangerhütte – mit herrlichem Blick auf die rund 1.400 Meter abfallende Hochwanner-Nordwand. Nach 650 Höhenmetern auf zwölf Kilometern erwartet uns das gleiche Pensum auf den kommenden zwei Kilometern bis zur unterhalb des Zugspitzplatts gelegenen Knorrhütte – der erste konditionelle Härtetest. Durch grobes Block- und Buschwerk, später über Serpentinen, die sich durch Geröllhänge winden, erreichen wir die Zwischenetappe nach rund acht Stunden.

Zwischenstopp in Tirol

Für schnelle Wanderer wäre der Aufstieg zur Zugspitze an einem Tag möglich, viele nutzen die Knorrhütte auch als Übernachtungsmöglichkeit, wir haben in den verbleibenden drei Sonnenstunden aber etwas anderes vor: Übers Gatterl wollen wir nach Tirol gelangen. Ziel: das malerische Steinerne Hüttl im österreichischen Gaistal. Nach dem Grenzzaun geht es am Drahtseil zwanzig Meter steil und links tief abfallend bergab. Rechts die massiven Felswände des östlichen Gatterlkopfes, links eine tief eingeschnittene Bergweide. Gemsen und Murmeltiere erinnern uns daran, dass wir hier oben nur Gäste sind. Wenig später folgen wir der linken Weggabelung –die rechte führt nach Ehrwald– eine Stunde bergab zum Hüttl. Vor der Nachtruhe lassen wir uns Sauerkraut, Frankfurter und Weißbier servieren. Unterhalb der Hochwanner-Südwand und mit den am Horizont glitzernden, schneebedeckten Zillertaler Alpen im Blick ein Gaumen- und Augenschmauß.
Am Morgen kraxeln wir zurück übers Gatterl zur 1855 erbauten Knorrhütte. Sofort hinter der Hütte beginnt ein steil ansteigendes Geröllfeld: Wanderstöcke sind hier empfehlenswert. Nach zwei Stunden übers Platt lockt deutlich sichtbar der Gipfel. Kommt man näher, sind Menschenumrisse auf dem Gipfelsteig zu erkennen.

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Ziel erreicht: Das Gipfelkreuz der Zugspitze (Quelle: Patricia Klamt)

Mit der Seilbahn ins Tal zurück

Von der Seilbahnstation Sonnalpin dauert der Anstieg etwa eine bis eineinhalb Stunden. Bei Bedarf ist das Festhalten an Stahlseilen möglich. Hier sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine ausgezeichnete Kondition unverzichtbar. Danach belohnt uns bei wolkenlosem Himmel ein grandioses Alpen-Panorama, wenn auch der Touristenauflauf nach den einsamen Erlebnissen am Felsen etwas irritiert. Ganz hinten Richtung Osten schimmert wieder das Zillertal, die Kuppe des Großglockner ist deutlich erkennbar und auch das Azurblau des Eibsees hält unsere Blicke fest. Je nach Laune, Zeitfenster und körperlicher Verfassung gibt es nun verschiedene Möglichkeiten zur Rückkehr: Mit der Bayerischen Zugspitzbahn nach Garmisch oder mit Seilbahnen zum Eibsee oder nach Ehrwald in Tirol. Wir entscheiden uns für die Route zurück nach Sonnalpin. Um den Abstieg durchs Reintal etwas zu beschleunigen, fahren wir gleich per Seilbahn dorthin, in rund zweiminütiger Fahrt.

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Gondelfahrt zurück ins Tal (Quelle: Patricia Klamt)

Fazit

Mit zwei Tagen sollten Wanderer für die gesamte Route von Garmisch-Partenkirchen zum Gipfel rechnen, wenn sie auch an einem Tag schnellen Schrittes möglich ist. Wer einen Abstecher nach Tirol einplant, fährt mit einer gemütlichen Drei-Tages-Tour noch sicherer. Allerdings schließen viele der Berghütten im Oktober, sodass Sie sich vorher gut informieren und immer ausreichend Proviant einpacken sollten. Mit etwas Glück kann eine frühherbstliche Zugspitzwanderung aber zu einem Freudenfest für die Sinne werden.


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Thomas Fritz (Jg. 1982) ist ein freier Journalist aus Leipzig, der seit 2010 in der Branche tätig ist und bundesweite Auftraggeber hat. Nicht die tagesaktuelle Berichterstattung, sondern gut recherchierte Hintergrundberichte, Porträts und Reportagen sind sein ...


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