Baumkrankheit | Schädling | Feuerbrand | Scharka | San-José-Schildlaus

Meldepflichtige Baumkrankheiten & –schädlinge - Feuerbrand, Scharka und San-José-Schildlaus

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(Quelle: Fotolia)

Um Epidemien zu vermeiden, gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Meldepflicht von bestimmten Baumkrankheiten und -schädlingen. Feuerbrand, Scharka und die San-José-Schildlaus sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz meldepflichtig.

Bei Baumkrankheiten unterscheidet man grob zwischen Pilzen, Viren, Bakterien und Krankheiten, die von Schädlingen überbetragen bzw. ausgelöst werden. Einige von ihnen bringen enorme Gefahren für die Umwelt mit sich und erfordern gesonderte Anstrengungen, um sie zu bekämpfen. Solche Krankheiten müssen bei den Behörden gemeldet werden. Ansprechpartner sind hier die Landesämter bzw. Landesanstalten für Landwirtschaft.

Die Meldepflicht gilt nicht für den privaten Kleingärtner, sondern für Gewerbetreibende und bestimmte Berufsgruppen. Dennoch wird empfohlen, dass auch Privatpersonen solche Schädlinge und Krankheiten anzeigen. Auf der Internetseite des Julius-Kühn-Instituts (JKI) gibt es eine Übersicht zu allen meldepflichtigen Pflanzenschädlingen und –krankheiten. "Als selbständige Bundesoberbehörde und Bundesforschungsinstitut ist das heutige Julius Kühn-Institut als Ressorteinrichtung für alle Fragen zuständig, die das Schutzziel "Kulturpflanze" betreffen", heißt es auf der Seite des Institus.

In diesem Beitrag stellen wir drei Baumkrankheiten bzw. -schädlinge näher vor, die in Deutschland gemeldet werden müssen. Die qualifizierten Mitarbeiter von der Baumpflege Kühn können Ihnen dabei helfen, Baumkrankheiten bzw. -schädlinge zu identifizieren.

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Baumläuse richten zwar Schäden an den Kulturen an, sind aber im deutschsprachigen Raum nicht meldepflichtig. (Quelle: © nidan - Pixabay.com)

Der Feuerbrand

Das Bakterium „Erwinia amylovora“ ist Ursache einer der gefährlichsten Krankheiten für Apfel-, Birnen- und Quittenbäume, den sogenannten Feuerbrand. Besonders bei der feuchtwarmen Witterung des Frühlings droht die Gefahr durch das Bakterium. Es kann über die Blüten in das Gehölz eindringen und verstopft dort die Leistungsbahnen. Dadurch werden Blätter nicht mehr mit Wasser und Nährstoffen versorgt, worauf sie sich schwarzbraun verfärben.

Der befallene Trieb biegt sich und nimmt letztlich die Form eines Feuerhakens an. Weil die Schadstelle dann wie abgebrannt aussieht, wird die Erkrankung Feuerbrand genannt. Erfahrene Obstbauern wissen, dass eine mögliche Epidemie oft von Rot- und Weißdornsträuchern ausgeht und nicht von den Obstbäumen. So habe man zu DDR-Zeiten diese Sträucher „massiv gerodet“, weiß eine Expertin in der Thüringer Allgemeine zu berichten. Über Wind, Regen oder Insekten wird der Schleim des Bakteriums weitergetragen und landet so letztlich an den Bäumen. Vorfälle von Feuerbrand sind seit 1985 in Deutschland meldepflichtig, das schreibt die Verordnung zur Bekämpfung der Feuerbrandkrankheit vor.

Gegenmaßnahmen zu Feuerbrand:

  • Vorfall der zuständigen Behörde melden
  • bei akutem Befall großzügig den befallenen Trieb ausschneiden; bis 30 Zentimeter ins gesunde Holz

  • bei etabliertem Befall entweder die gesamte Pflanze bis auf die Wurzel zurückschneiden oder die gesamte Pflanze roden

  • Nach Verschnitt, die eingesetzten Werkzeuge mit mindestens 70-prozentigem Alkohol desinfizieren

  • Schnittgut, sofern nach regionaler Brennverordnung erlaubt, verbrennen oder abgedeckt in dafür vorgesehene Verbrennungsanlage bringen

Einige Obstsorten sind robust gegen den Feuerbrand. Sie sind weniger anfällig, können aber dennoch erkranken. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau hat eine Übersicht zu feuerbrandrobusten Apfel- und Birnensorten online gestellt. Pflanzt man eine dieser Sorten, trägt man ein geringeres Risiko auf eine mögliche Infektion. In Österreich und der Schweiz gilt im Übrigen eine Meldepflicht bei Verdachtsfällen auf Feuerbrand.

Die Scharka-Krankheit

Pflaumen, Zwetschgen, Aprikosen, Pfirsiche, Schlehen und eine Reihe von Ziergehölzen aus der Gattung der Prunus können durch das Scharka-Virus befallen werden. Es löst bei den Bäumen die gleichnamige Krankheit aus. In einem Online-Merkblatt der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft heißt es: „bei dieser Krankheit handelt es sich um einen wirtschaftlich sehr bedeutsamen Schaderreger.“ Zwar ist das Merkblatt schon über zehn Jahre alt, es hat dennoch an Aktualität nichts verloren. Auch heute gibt es noch kein effizientes Pflanzenschutzmittel, mit dem man die Krankheit bekämpfen kann.

Erstmals soll es bereits 1917 in Osteuropa entdeckt worden sein. Inzwischen findet man es fast in ganz Europa. Hauptsächlich im Mai - aber auch ab September - bis zum Ende Vegetationszeit breitet es sich aus und befällt die Wirtspflanzen. Für Laien ist die Scharka-Krankheit nur schwer erkennbar, da die Schadbilder sehr vielfältig und sortenabhängig sind. Ursächlich für die vielfältigen Ausprägungen sind auch mehrere Virenstämmen des Scharka-Virus. Bekannt sind ein D-Stamm, M-Stamm, EA-Stamm, C-Stamm und rekombinanter Stamm. Symptome an den Blättern sind hell- bis gelbgrüne Flecken, die vor allem im Frühjahr auftreten. Im Verlauf können die Flecken zu schwarzen Punkten werden, die abgestorbenes Gewebe anzeigen.

Der Virus befällt auch die Fruchtkörper. Sie bilden durch die Krankheit Einsenkungen aus, die entweder pockenartig oder linienförmig auf der Frucht verlaufen. Das Fruchtfleisch kann sich rot färben und eine gummiartige Konsistenz erhalten. Letztlich ist die Frucht ungenießbar für den Menschen. Überträger des Virus sind Blattläuse. Sie transportieren die Krankheit von infizierten Bäumen auf gesunde. Allerdings hat auch der Mensch zur Verbreitung beigetragen. Bei Veredelungen von Obstpflanzen können konterminierte Reiser und Unterlagen den Virus verteilen.

In Deutschland ist die Meldepflicht durch die Verordnung zur Bekämpfung der Scharkakrankheit vorgeschrieben. Das Virus kann nicht direkt bekämpft werden, es gibt aber eine Reihe von Maßnahmen, die eine Verbreitung verhindern sollen. Im folgenden Videobeitrag (englisch) können Sie sehen, welche Auswirkungen der Scharka-Virus hat.

Gegenmaßnahmen zur Scharka-Krankheit:

  • Nur gesundes Pflanzmaterial verwenden

  • Weniger anfällige und tolerante Sorten beim Anpflanzen wählen

  • Vektorenbekämpfung im Mai/Juni und September

  • Erkrankte Bäume sofort roden und vernichten

Es gibt derzeit nur eine bekannte Zwetschgensorte, die resistent gegen den Virus ist. Die „Jojo-Zwetschge“ erkrankt nicht an Scharka. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau hat eine Übersicht zu robusten Steinobstsorten online gestellt.

Die San-José-Schildlaus

Dieser Schädling aus der Insektenfamilie der Deckelschildläuse befällt mehrere Obstbaumarten und ist deswegen sehr gefürchtet. Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Johannisbeere und Zitruspflanzen sind unter anderem gefährdet. Dass die Pflanze infiziert ist, erkennt man an der geschädigten Rinde. Diese ist von vielen runden Schildchen aus Wachs übersäht, die von gelbbraun bis schwarzgrau gefärbt sein können.

Unter dieser Schicht leben die Läuse. Besonders stark befallene Stellen sehen aus, als wenn sie mit Asche bestäubt wären. Die Insekten selbst erscheinen wie zitronengelbe, sackförmige Gebilde. Deren Larven sind hingegen von Juni bis Oktober als helle Pünktchen zu erkennen. Genau in diesem Zeitraum befallen die Insekten auch Blätter und Früchte. Geschädigte Früchte verlieren erheblich an Qualität und können nicht mehr genossen werden. Die Laus lässt sich aufgrund ihres Schilds chemisch nur schwerlich bekämpfen. Mineralöl kann jedoch wirksam eingesetzt werden. Unter dem Ölfilm ersticken die Schädlinge. Schonender kann man, dem Insekt biologisch mit der Zehrwespe Prospaltella perniciosi zu Leibe rücken.

Gegenmaßnahmen zur San-José-Schildlaus:

  • Mineralöl oder Rapsöl auf betroffene Stellen versprühen

  • Zehrwespe „Prospaltella perniciosi“ ansiedeln lassen, Insekten können im Fachhandel bestellt werden

Laut dem Industrieverband Agrar tauchte die San-José-Schildlaus Mitte des 20. Jahrhunderts in Süddeutschland auf. Ursprünglich kommt dieser Schädling aus dem asiatischen Raum. Findet man das Insekt, muss das bei der zuständigen Behörde gemeldet werden.

Fazit

Feuerbrand, Scharka und die San-José-Schildlaus sind in Deutschland meldepflichtig. Von der Pflicht sind Kleingärtner ausgenommen. Es ist es dennoch ratsam, ein mögliches Auftreten zu melden. So können Behörden das Risiko auf eine Epidemie senken. Um sich sicher zu sein, ob ein Baum erkrankt ist oder ein Schädling sich eingenistet hat, fragen Sie einen Baumsachverständigen. Solche Schäden können bei einer Baumkontrolle und einem Baumgutachten entdeckt werden. 


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Profilbild von Steffen Gottschling

Steffen Gottschling (Jg. 1978) lebt und arbeitet in Erfurt. Seit 2012 ist er in der Medienbranche tätig. Hier sammelte er Erfahrungen in der Redaktion von Radio F.R.E.I. und arbeitete als Journalist in der Online-Redaktion der Thüringer Allgemeine. Für ...


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