Grillen auf dem Balkon | erlaubt | Mietrecht | Gasgrill | Elektrogrill | Holzkohlegrill

Grillen auf dem Balkon: Was ist erlaubt und was ist verboten? Tipps zu Elektrogrill, Gasgrill & Holzkohlegrill

Grillen auf dem Balkon | erlaubt | Mietrecht | Gasgrill | Elektrogrill | Holzkohlegrill
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Ist Grillen auf dem Balkon erlaubt? Die Frage ist brisant, da schon so mancher Grillabend Ausgang eines Nachbarschaftsstreits wurde. Auch aus brandtechnischen Erwägungen ist die Frage interessant. Was ist also erlaubt und was nicht?

| Steffen Gottschling

Rein statistisch betrachtet, werden gerade in dieser Sekunde mehrere Grills in Deutschland angefeuert. Rund 1,6 Milliarden Mal grillen wir Deutschen im Jahr. Und Orte, wo man dieser Leidenschaft frönen kann, gibt es viele. Am See, im Hof, im Garten – die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Doch wie sieht es eigentlich mit dem Balkon aus? Verbietet das Mietrecht es, dort zu grillen?

Grillen auf dem Balkon erlaubt?

Die Grundlagen des bundesdeutschen Mietrechts sind im Bürgerlichen Gesetzbuch definiert. In den Paragraphen 535 bis 580a werden Rechte und Pflichten von Mietern und Vermietern geregelt. Darin findet sich jedoch kein Verweis, ob Grillen auf dem Balkon erlaubt oder verboten ist. Der Gesetzgeber macht hier also ausdrücklich keine Vorgaben, daher ist Grillen auf dem Balkon grundsätzlich erlaubt.

Allerdings kann der Mietvertrag dieses Recht einschränken oder gar gänzlich untersagen. Der Vermieter kann eine solche Klausel rechtskräftig in den Vertrag aufnehmen und seinem Mieter das Grillen auf dem Balkon verbieten. Wer dann dennoch grillt, der riskiert sogar sein Mietverhältnis.

Der Deutsche Mieterbund weist in einer Stellungnahme auf die möglichen Konsequenzen hin: „Ist im Mietvertrag ausdrücklich das Grillen auf Balkon oder Terrasse verboten, müssen sich Mieter daran halten. Wer das Grillverbot missachtet, riskiert eine Abmahnung oder sogar die Kündigung.“ Ein entsprechendes Urteil findet sich unter dem Aktenzeichen (AZ) „LG Essen 10 S 438/01“.

Doch es gibt eine weitere Einschränkung beziehungsweise ein Gebot, worauf Grillfreunde achten sollten. Bei der fröhlichen „Brutzelei“ bleibt es nicht aus, dass Rauch vom Grill aufsteigt. Hier sollte man darauf achten, dass Nachbarn davon nicht belästigt werden.

In Deutschland gibt es keine einheitliche Regelung, wie oft man dem Nachbarn im Monat Grillrauch zumuten kann. Bei Streitfällen, die vor Gericht landeten, gab es bislang unterschiedliche Urteile hinsichtlich der Anzahl.

Ausgesuchte Urteile zu Grillen auf dem Balkon

Laut Deutschem Mieterbund drohen bei „wesentlichen Beeinträchtigungen durch Ruß, Rauch oder dichten Qualm“ Bußgelder. Daher hat man hier den generellen Tipp, die Rauchbelästigung so gering wie möglich zu halten.

Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt in diesem Video-Blog, was beim Grillen auf dem Balkon erlaubt ist:

Youtube Video

Tipps fürs Grillen auf dem Balkon

Die meisten Grills in Deutschland werden mit Holzkohle befeuert. Fast schon synonym steht damit die starke Rauchentwicklung. Elektrogrills werden hingegen als raucharm angesehen. Doch stimmt das eigentlich? „Nein“, erklärt ein Experte in Sachen Grillgeräte. Basenio.de sprach für einen Testbericht verschiedener Grills mit Otto Bräuer, der einst im Grill-Ressort Erfurt täglich mit den Geräten zu tun hatte.

„Die Rauchentwicklung hat grundsätzlich nichts mit dem Gerät zu tun“, gab er auf Nachfrage zu verstehen. Rauch kann mit jedem „Brennmaterial“ entstehen, aber auch vermieden werden. So kann die Rauchentwicklung mit einem Deckel auch bei einem Holzkohlegrill minimiert werden. Positiver Nebeneffekt, das Grillgut kann indirekt gegrillt und damit schonender zubereitet werden.

Im Gegensatz dazu kann ein Elektrogrill durchaus den Nachbarn im Qualm stehen lassen. Ist die Grillfläche nicht gereinigt und das Grillgut brennt an, dann wandern auch vom Elektrogrill die Rauchschwaden in nachbarschaftliche Gefilde.

Eine Sprecherin des Deutschen Mieterbunds hat einige grundsätzliche Tipps, welche Grillgeräte auf dem Balkon angebracht sind.

  • Holzkohlegrill: Sollte schon aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht auf dem Balkon verwendet werden.
  • Gasgrill: Hier ist es bedenklich, dass eine Gasflasche in der Wohnung steht.
  • Elektrogrill: Für den Balkon sicherlich die einfachste Art zu grillen.

Elektrogrill für Balkon im Test

Solche Elektrogrills werden mit Strom auf Temperatur gebracht. Es braucht dann also lediglich noch eine Steckdose, um das Grillgut zu erhitzen. Handelsüblich sind elektronische Kontaktgrills und Flächengrills. Beim Kontaktgrill kommt die Hitze für das Grillgut von oben und von unten, beim Flächengrill „nur“ von unten.

Die meisten Geräte haben Programme, bei denen Grill-Temperaturen für Fleisch, Fisch und Gemüse eingestellt sind. Mit einem Knopfdruck wird so die ideale Temperatur für das jeweilige Grillgut erreicht.

Stiftung Warentest hat 2020 ausgewählte Elektrogrills getestet und die besten Flächen- und Kontaktgrills gekürt. Bei den Flächengrills waren:

  • Philips HD4419/20
  • George Foreman 22460-56

die Testsieger.

Die zwei besten Kontaktgrills wurden auch im 2020er Test ermittelt:

Otto Bräuer empfiehlt die Grillgeräte-Serie „Puls“ von Weber. Die ist 2018 auf den Markt gekommen und hat eine einzigartige Temperaturstabilität im Garraum.

Fazit

Grillen ist grundsätzlich auf dem Balkon erlaubt. Allerdings können Vermieter diesen Grillspaß im Mietvertrag verbieten oder reglementieren. Auch die Rechtsprechung hat sich mehrfach mit dem Grillvergnügen auf dem Balkon beschäftigt.

Hier gibt es keine einheitlichen Urteile, sondern Einzelfallentscheidungen. Generell sollte man beim Grillen auf dem Balkon darauf achten, den Nachbarn nicht mit Rauch zu belästigen.


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Profilbild von Steffen Gottschling

Steffen Gottschling ist der leitende Redakteur der Ratgeber-Redaktion. Bevor er 2016 bei basenio.de begann, war er im Rundfunk und in der Online-Redaktion einer regionalen Tageszeitung tätig. Seine Themenschwerpunkte sind die Bereiche Pflege & Recht.

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