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Hörgeräte - Welche Arten und Möglichkeiten gibt es?

In Deutschland sind über 700 Hörgeräte erhältlich. Wir informieren Sie gerne über deren verschiedenen Bauformen und Technologien damit Sie nicht den Überblick verlieren.

Wie wichtig unsere Ohren sind, merken wir oft erst, wenn sie nicht mehr richtig funktionieren. Rund 15 Millionen Menschen in Deutschland sind von diesem Problem betroffen und hören schlecht. Trotzdem tragen nur etwa 10 % dieser Personen ein Hörgerät. Sie wollen ihr Handikap nicht wahrhaben und fürchten sich vor dem sozialen Stigma, das Hörverlust gleichgesetzt mit einer reduzierten Auffassungsgabe. Dabei gibt es inzwischen kaum sichtbare High-Tech-Hörhilfen, die nicht nur ein fast normales Hören ermöglichen, sondern auch von unseren Mitmenschen fast nicht mehr bemerkt werden. Welche das sind und wie diese funktionieren erfahren Sie hier.

Die individuelle Anpassung von Hörgeräten ist entscheidend

Das Hörgerät ist ein elektronisches Gerät, mit dem das Hörvermögen bei Schwerhörigkeit verbessert wird. Es besteht aus Mikrofon, Verstärker und Hörer. Die Hörgerätetechnik ist heutzutage so weit fortgeschritten, dass sich in jeder Preisklasse, Bauart und Design ein adäquates Modell finden lässt. Die sechs größten über­regionalen Hörgeräte­akustikerketten in Deutsch­land sind Amplifon, Fielmann, Geers, Iffland, Kind und Seifert.

Ein Hörgerät kommt dann zum Einsatz, wenn hörverbessernde operative Eingriff nicht angewendet werden können, ein zu hohes Risiko darstellen oder vom Senioren nicht gewünscht werden. In jedem Fall ist es wichtig bei einer Schwerhörigkeit, eine frühzeitige Hörgeräteversorgung wahrzunehmen, damit die soziale Integration und Kommunikation nicht darunter leiden. Dabei sollte man sich zuerst genauestens durch geschultes Fachpersonal beraten lassen und sich mit den verschiedenen Modellen vertraut machen. Um das Hörgerät dann individuell auf den Senioren abzustimmen, spielen das unverbindliche Ausprobieren, die Anpassung des Ohrstückes und die spezielle Programmierung des Gerätes eine große Rolle. Weiterhin ist es entscheidend, das Hörgerät nach Art, Grad und dem Frequenzverlauf der Schwerhörigkeit anzupassen. Aus diesem Grund ist eine persönlich Betreuung zu empfehlen ist, da Geräte aus dem Versandhandel keine ausreichende Einstellmöglichkeiten auf die unterschiedlichen Hörverluste haben.

Die verschiedenen Hörgerätetypen und Bauformen

Die gängigsten Versorgungsformen der Schwerhörigkeit sind aktuell die Hinter-dem-Ohr-Geräte und die Im-Ohr-Geräte. Diese umfassen verschiedene Formen und bieten ein breites Sortiment an Modellen. Zusätzlich gibt es für bestimme Fälle von Schwerhörigkeit auch spezielle Formen oder implantierbare Hörsysteme.

Die Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO-Geräte) werden am häufigsten getragen. Sie sind robust, weniger störungsanfällig als andere Modelle und für fast jede Art des Hörverlusts einsetzbar. Weitere Vorteile sind die einfach Handhabung und ein harmonisches, natürliches Klangbild. Den HdO-Geräten steht gleichzeitig mehr Platz für die Elektronik zur Verfügung, wodurch die Geräte vielfältige Optionen sowie hohe Verstärkungsleistungen aufweisen; und der Gehörgang kann möglichst offen gehalten werden. Es entstehen dadurch ein hoher Tragekomfort und ein angenehmes Hörgefühl. Durch den sehr kleinen Schallschlauch ist das Hörgerät auch bei kurzem Haar beinahe unsichtbar und kann durch verschiedene Farben dem eigenen Haartyp angepasst werden.

Die Ex-Hörer-Geräte sind ähnlich geformt wie die HdO-Geräte, jedoch ist der Schallwandler extern gelagert. Die bringt viele akustische Vorteile mit sich. Es entsteht dabei keine Resonanzen, Verzerrungen oder Rückkopplungsneigungen. Durch das Fehlen eines eng anliegenden Ohrpassstückes werden außerdem Hautreizungen, Entzündungen oder Schwellungen an der Ohrmuschel vermieden. Die Schallwandler werden in den Leistungen S (Standard), M (Medium) und P (Power) angeboten, wodurch unterschiedliche Hörverluste kompensiert werden können.

Bei den Im-Ohr-Geräten (IdO-Geräte) unterscheidet man drei verschiedene Hörsysteme, die alle komplett im Ohr getragen werden:

  • In-The-Ear (ITE)
  • In-The-Canal (ITC)
  • Complete-In-Canal (CIC)

Das ITE-Hörsystem füllt die Ohrmuscheln (Concha) vollständig aus. Das ITC-Gehäuse schließt hingegen mit der Vorderkante des Gehörgangs ab und das CIC-Gerät endet innerhalb des Gehörganges, sodass es von außen kaum zu sehen ist.

Bei all diesen Varianten wird die Elektronik in eine individuell angefertigte Hohlschale eingearbeitet und in den Gehörgang eingeführt. Nachteile davon sind, dass sie aufgrund von Schweiß- und Ohrenschmalzbildung häufiger repariert werden müssen. Außerdem ist diese Bauform nur bei leichtem und mittelgradigem Hörverlust möglich, wohingegen bei starken Hörschäden eine HdO-Versorgung vorgezogen wird.

Bei einer Hörbrille ist das Hörgerät mit einem Adapter an der Brille befestigt oder direkt im Brillenflügel integriert. Da Brillen immer mehr in Mode kommen und verschiedenste Brillengestelle zu erwerben sind, findet auch die Hörbrille wieder mehr Beachtung. Sie ist die perfekte Lösung bei einer leichten Hochtonschwerhörigkeit und kann durch eine einfach bedienbare Steckverbindung an jedes Brillengestell angepasst werden.

Mittels eines Tinnitusmasker kann die technische Entwicklung der Hörgeräteakustik auch zur Tinnitus-Therapie genutzt werden. Der Tinnitusmasker ähnelt im Aufbau einem Standard-Hörgerät, erzeugt jedoch ein fest definiertes Geräterauschen. Dieses ist im Frequenzbereich und Pegel genau festgelegt und soll den Tinnitus überdecken, während es gleichzeitig den Schall verstärkt und somit als Hörgerät fungiert.

Neben den klassischen Hörgeräten gibt es auch noch Hörhilfen mit Implantaten. Diese sind jedoch keine Hörgeräte im traditionellen Sinne und werden mittels einer Operation in spezialisierten HNO-Kliniken im Ohr eingepflanzt. Man unterscheidet hierbei zwischen dem Cochleaimplantat, dem Hirnstammimplantat und dem Implantierbarem Hörgerät.

Hörgeräte, Hörhilfen
Hörgerätetypen und Bauformen (Quelle: © Isabelle Kocher)

Die moderne Technik von Hörgeräten

Moderne Hörgeräte sind winzige Klangsysteme. Der Schall wird von kleinen Mikrofonen aufgenommen, verstärkt und gelangt schließlich mittels eines winzigen Lautsprechers in den Gehörgang. Die heutigen High-Tech-Hörgeräte zeichnen sich aus durch eine hervorragende Signalverarbeitung und eine individuelle Anpassbarkeit. Im Bereich der Signalverarbeitung unterscheidet man zwischen volldigitalen, digital programmierbaren und analogen Hörgeräten.

Volldigitale Hörsysteme gelten heute als Standard, da sie die neuste und fortschrittlichste Technologien verwenden. Sie wandeln hierbei analoge Signale in digitale um und bearbeiten diese mittels der Computertechnologie. Die Hörsysteme werden dabei individuell auf den Schwerhörigen und seine Hörsituation eingestellt und können bei Bedarf jederzeit geändert werden. Zu beachten ist dabei, dass eine digitale Signalverarbeitung nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit hoher Qualität ist. Je hochwertiger die Technik, desto hochauflösender erfolgt auch die Digitalisierung und desto präziser und detailgetreu ist auch die Schallwiedergabe.

Digitale Hörgeräte
Vorteile Digitaler Hörgeräte (Quelle: © Isabelle Kocher)

Digital programmierbare Hörgeräte verarbeiten das Signal zwar analog, besitzen jedoch auch einen digitalen Speicher. Dieser beinhaltet die Frequenzeinstellungen und wird mithilfe eines Computers gesteuert. Diese Hörgeräte waren die Vorläufer der volldigitalen Hörsysteme und boten den Vorteil, dass man verschiedene Hörprogramme für unterschiedliche Hörsituationen erstellen konnte.

Analoge Hörgeräte kamen als erstes auf den Markt und verarbeiteten Schall in analoger Form. Hierbei werden die elektrischen Signale des Mikrofons verstärkt und durch einen kleinen Lautsprecher wieder in Schall umgewandelt. Mittels hochwertiger Bauteile können diese Hörgeräte teilweise sogar ein angenehmeres Klangbild besitzen als volldigitalisierte Hörgeräte. 

 

 


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Profilbild von Isabelle Kocher

Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


Kommentare

Wir haben vor einigen Wochen festgestellt, dass es doch mal an der Zeit ist für meine Mutter ein Hörgerät zu kaufen. Allerdings ist die Auswahl riesig und man weiß nicht genau was wirklich passt und welches Hörgerät wir nehmen sollen. Sinnvoll ist es sicherlich erstmal, wenn wir uns an einen Fachmann wenden. Vielleicht kann dieser uns auch etwas weiterhelfen. Trotzdem werde ich mal noch etwas mehr im Internet recherchieren um vorbereitet zu sein.

Sehr geehrte Frau Lambusch, vielen Dank für Ihre Anmerkung. Halten Sie uns gerne auf dem Laufenden, wie Sie zu dem passenden Hörgeräte für Ihre Mutter gekommen sind.

Mit freundlichen Grüßen

Steffen Gottschling
Leitender Redakteur basenio.de

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