Reitstiefel | Springen | Dressur | Chaps | Erfahrungen | Tipps

Die besten Reitstiefel: Reitlehrerin gibt Schuhtipps fĂŒr Dressur & Springen

Bild zum Artikel: Reitstiefel | Springen | Dressur | Chaps | Erfahrungen | Tipps
(Quelle: © DOC RABE Media)

Eine Reitlehrerin gibt Tipps, welche Reitstiefel fĂŒr welchen Typ Reiter sich eignen. Ob Dressur, Springen oder Polo, jeder Reitsport stellt seine eigenen AnsprĂŒche an das Schuhwerk. Reitlehrerin Katja Stahl gibt Tipps fĂŒr Reit-AnfĂ€nger.

14 Millionen Deutsche interessieren sich für den Reitsport, das ergab 2016 eine Studie des renommierten Allensbacher Marktforschungsinstituts. Etwa 3,89 Millionen Menschen bezeichneten sich laut der Studie selbst als Reiter. Ob im Alter oder in der Jugend, Pferde faszinieren generationsübergreifend die Menschen.

Um sicher hoch zu Ross zu sein, braucht es eine gute Ausrüstung. Der Reithelm ist für Reiter wohl das wichtigste Utensil in Sachen Sicherheit. Doch auch Reithose und Reitstiefel gehören zur kompletten Ausrüstung dazu. Welche Reitstiefel zu welchem Reitertypen passen und wie sie zur Sicherheit beitragen, dafür hat sich basenio.de bei Reitlehrerin Katja Stahl vom Reiterhof Fiala aus dem thüringischen Hopfgarten nahe Weimar erkundigt.

Tipps im Umgang mit Pferden

Reiten? Aber das ist doch teuer und noch dazu gefährlich. Vielleicht ist Ihnen genau das gerade durch den Kopf gegangen. Es mag sein, dass Reiten eine der kostspieligeren Freizeitbeschäftigungen ist, jedoch zahlt sich das auf voller Länge aus. Bei dieser Sportart wird nämlich der Körper trainiert, die Haltung verbessert und auch die Konzentrationsfähigkeit wird geschult. Man verbringt mehr Zeit in der Natur und natürlich das Hauptaugenmerk des Reitens: Man geht eine Verbindung mit einem Tier ein. Die Beziehung zu einem Lebewesen, dessen Sprache man nicht spricht, aber welchem man dennoch sein Leben anvertraut, ist etwas, was nur wenige andere Sportarten mit dem Reitsport teilen.

Reiten ist ein Hobby, durch das man mehr in der Natur unterwegs ist, offline von jeglichem Drama. Man muss Verantwortung übernehmen und lernt wichtige Lektionen über Vertrauen. So mancher fürchtet sich jedoch vor Pferden oder hat zumindest großen Respekt vor ihnen. Und das ist nachvollziehbar, schließlich sind Pferde mächtig stark und um ein Vielfaches schwerer als wir Menschen. Der Gedanke, von einem so hohen Punkt wie dem Pferderücken zu stürzen, kann ebenso Furcht in einem Menschen auslösen. Tatsächlich werden jedoch die meisten Unfälle mit Pferden durch einen falschen Umgang mit den Tieren ausgelöst. Für die eigene Sicherheit gibt es drei ganz wichtige Regeln:

  1. Verhalten Sie sich vorhersehbar. Schnelle ruckartige Bewegungen sind in der Nähe eines Fluchttieres wie dem Pferd unangebracht. Dieses kann sonst Angst bekommen und flüchten wollen. Wenn das Pferd aber gerade festgehalten oder geführt wird, oder noch angebunden ist, besteht die Gefahr, dass umstehenden Menschen Schaden zugefügt wird oder das Pferd sich in seine Angst hineinsteigert und womöglich selbst verletzt. Um das zu vermeiden, sollten sich Menschen im Sichtfeld des Pferdes nur ruhig bewegen. Gleiches gilt auch fürs Sprechen. Eine ruhige Stimmlage wirkt sich beruhigend auf das Tier aus.
  2. Nicht in die Augen sehen. Für uns Menschen scheint diese Anweisung etwas komisch, verstehen wir Augenkontakt doch als Zeichen von Aufmerksamkeit und Freundlichkeit. Aufgrund von Jäger-Beute-Beziehungen sehen Pferde direkten Augenkontakt jedoch als Drohung oder Provokation. Versuchen Sie also, diesen zu vermeiden. Bei der ersten Annäherung können Sie beispielsweise den Kopf leicht senken, um friedliche Absichten zu symbolisieren.
  3. Selbstsicherheit. Pferde verfügen über die Fähigkeit, unsere Körpersprache mitunter besser zu deuten als unsere Mitmenschen. Darum ist es empfehlenswert, ähnlich der Leitstute einer Pferdeherde, stets so selbstbewusst und überzeugt von seinem Handeln wie möglich zu wirken. Dadurch wird dem Pferd vermittelt, dass Sie die Situation im Griff haben und alles in Ordnung ist. Das ist die Basis fürs Vertrauen des Pferdes Ihnen gegenüber. Das Ganze funktioniert jedoch auch andersherum. Wenn Sie Angst ausstrahlen, bemerkt das Pferd dies mit hoher Wahrscheinlichkeit und je nach Persönlichkeit und Temperament des Tiers könnte es Versuche anstellen, Sie zu überlisten.

Die richtigen Reitstiefel finden

Wie wichtig sind die richtigen Reitschuhe? Man könnte argumentieren, dass der Reithelm und die Reithose die wichtigsten Reitutensilien sind. Doch auch das korrekte Schuhwerk trägt maßgeblich zur Sicherheit bei. Reitlehrerin Katja Stahl meint, dass ohne richtige Reitschuhe maximal drei einfach gehaltene Reitstunden möglich sind. Wer das Hobby längerfristig in Erwägung zieht, sollte sich ein paar ordentliche Reitschuhe anschaffen.

Laut der Pferdeexpertin stellen beispielsweise Turnschuhe eine große Gefahrenquelle dar, da diese in der Regel keine Absätze besitzen. Doch gerade das ist wichtig, denn durch einen Absatz wird verhindert, dass der Fuß durch den Steigbügel durchrutscht. Anfängern empfiehlt Katja Stahl, zuerst Reitstiefel aus Gummi zu nutzen. Wenn sich das Hobby über die Jahre hält, kann auf Lederreitstiefel umgestiegen werden. Die Reitlehrerin legt dabei nahe, erst Stiefel aus weicherem Leder zu erwerben, da diese vielseitiger nutzbar sind. Teure Dressurstiefel, die deutlich starrer sind, empfiehlt Sie nur Profis. Auch befürwortet sie die Kombination aus Stiefelette und sogenannten „Chaps“. Durch diese ist das Reiterbein ähnlich beweglich wie in einem Reitstiefel und nicht so unflexibel, wie es in einigen Gummireitstiefeln der Fall ist.

Wie viel kosten Reitschuhe

Laut Katja Stahl kosten gute Reitstiefeletten zwischen 40 und 70 Euro. Sie sollten stutzig werden, wenn die Schuhe unter 25 Euro kosten. Reitanfängern rät sie davon ab, Schuhe zu kaufen, die über 150 Euro kosten. Solch hochwertiges Schuhwerk ist nach ihrer Einschätzung für Beginner nicht notwendig. Katja Stahl empfiehlt folgende Marken:

 

  • Steeds: Preiswertere Schuhe - gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Felix Bühler: Hochwertige Qualität zu entsprechendem Preis

 

Im stationären Schuhhandel gibt es in der Regel, keine Reitschuhe zu kaufen. Hier muss man den Fachhandel aufsuchen. Große Pferdesporthäuser wie Loesdau oder Krämer verfügen über einige Standorte in Deutschland, verkaufen ihre Angebote aber auch online. Wir empfehlen diese drei Shops:

 

Tipps zu Reitstiefeln

Reitstiefel gibt es in vielen verschiedenen Farben, Formen und auch Größen. Für jeden ist etwas dabei, egal ob Freizeitreiter oder professioneller Dressurreiter. Basenio.de zeigt die Vor- und Nachteile der gängigsten Modelle für Reitstiefel.

Reitstiefel, Allrounder
Reitstiefel: So sind Allrounder aufgebaut. (Quelle: Katja Bolz)

 

Allround-Stiefel (Freizeitstiefel). Allround-Stiefel sind aus verhältnismäßig weichem Material, sodass sie sowohl in der Dressur als auch beim Springen verwendet werden können. Dennoch sind sie sehr robust, sodass sie das Reiterbein auch im Gelände schützen. Diese Stiefel sind eher bequem. Allround-Stiefel sind gut für Anfänger geeignet, da mit ihnen eine Vielzahl von Disziplinen ausführbar ist. Das unterstützt den Reitanfänger dabei, sich auszuprobieren und die Disziplin zu finden, in der er sich am wohlsten fühlt. Für Kinder eignen sich besonders Reitstiefel aus Gummi. Diese sind einfacher zu reinigen und unempfindlicher. Auch für den Geldbeutel machen Gummireitstiefel für Kinder sind. Da sie ihren Schuhen mit zunehmendem Alter entwachsen, sind Neuanschaffungen weniger preisintensiv als bei Modellen aus Leder.

Reitstiefel, Dressur
Aufbau von Reitstiefeln für die Dressur. (Quelle: Katja Bolz)

 

Dressurstiefel. Dressurstiefel sind traditionell aus hartem und weniger biegsamem Leder, wie zum Beispiel Kalbsleder oder Rinderleder. Es gibt sie jedoch mittlerweile auch aus Gummi. Sie sind an der Außenseite versteift, was eine ruhigere Lage des Unterschenkels fördert. Die weichere Innenseite lässt den Reiter dennoch guten Kontakt zum Pferd haben. Im Fersenbereich schafft eine hochgezogene Hinterkappe zusätzliche Stabilität. Die Sohle der Stiefel sollte glatt sein, wodurch sich der Reiter schnell aus dem Steigbügel befreien kann, wenn er stürzt. Verschließbar sind sie entweder durch einen Reisverschluss oder eine Schnürung. Da Dressurstiefel sehr steif sind, bieten sie anfangs nur wenig Tragekomfort.

Reitstiefel, Springen
So sind Reitstiefel fürs Springen aufgebaut. (Quelle: Katja Bolz)

 

Springstiefel. Weil das Reiterbein beim Springen flexibel sein muss, sind Springstiefel weicher als Dressurstiefel. Sie sind auch kürzer als ihre Pendants für die Dressur. Dadurch zwicken sie nicht in der Kniekehle beim leichten Sitz, wenn der Reiter sich leicht aus dem Sattel aufrichtet und nach vorne beugt. Springstiefel werden gerne auch bei Fuchsjagden eingesetzt. Darum gibt es Modelle, bei welchen der oberste Teil als andersfarbiger Schaft gearbeitet ist. Mit Springstiefeln ist es möglich, auch Dressurlektionen zu reiten. Daher sind viele Allround-Modelle in ihrem Aufbau eher einem Springstiefel als einem Dressurstiefel ähnlich.

Reitstiefel, Polo
Aufbau von Reitstiefeln für den Polosport. (Quelle: Katja Bolz)

 

Polostiefel (Field-Boots). Polostiefel sind aus mehreren Lagen Material, welches sich jedoch schnell einläuft. Dieses schützt den Reiter gegen Balltreffer oder Pferdetritte. Traditionell sind Polostiefel aus Höflichkeit gegenüber den Mitspielern braun. Bei Körperkontakt können nämlich mit schwarzer Schuhcreme gepflegte Stiefel Flecken auf den weißen Reithosen der Spieler hinterlassen. In der Regel befindet sich ein Reißverschluss oder Klettverschluss an den Stiefeln, welcher das An- und Ausziehen erleichtert.

Reitstiefel, Chaps
Reitstiefel: So sehen Chaps und Stiefeletten aus. (Quelle: Katja Bolz)

 

Stiefeletten und Mini-Chaps. Die nur bis knapp an den Knöchel reichenden Reitstiefeletten stellen eine bequeme Alternative zum traditionellen Reitstiefel dar. Häufig werden sie mit Reitchaps oder Reitsocken kombiniert. Reitstiefeletten bieten im Gegensatz zum Reitstiefel mehr Flexibilität und einen luftigeren Tragekomfort, was besonders im Sommer sehr angenehm sein kann. In der Praxis zeigt sich zudem, dass sie sich schneller an- und ausziehen lassen. Diese Vorzüge gehen jedoch zu Lasten der Sicherheit, denn das Material ist dünner und schützt daher weniger. Auch in punkto Stabilität sind Stiefeletten schwächer einzuschätzen als Reitstiefel. Chaps gibt es in zweierlei Ausführung. Einerseits die langen Chaps, die eher einer Hose, welche nur aus Gürtel und Beinen besteht, ähneln und häufig von Cowboys getragen werden. Und andererseits die kurzen Chaps - auch Mini-Chaps genannt - welche an ein paar Kniestrümpfe ohne Fußteil erinnern. Sie werden mit einem Riemen oder Gummiband unter dem Fuß vor dem Schuhabsatz angebracht.

Reitstiefel, Reit- und Stallschuh
Kombinierte Reit- und Stallschuhe. (Quelle: Katja Bolz)

 

Reit- und Stallschuh. Stallschuhe sind als multifunktionaler Schuh gestaltet. Ihre wichtigsten Eigenschaften sind Funktionalität und Robustheit. Sie haben eine Profilsohle, welche bei der Arbeit im Stall auch auf rutschigen Böden Halt bietet. Weil Stallschuhe oft den ganzen Tag getragen werden, verfügen sie über ein ausgearbeitetes Fußbett, das stoßdämpfende Eigenschaften haben sollte. Sie sind jedoch auch schmal genug geformt, um problemlos beim Reiten in den Steigbügel zu passen. Sie reichen, ähnlich wie Reitstiefeletten, bis knapp über den Knöchel und können mit Chaps kombiniert werden.

In diesem Ratgeber-Video gibt eine Expertin Tipps zu den richtigen Schuhen fürs Reiten:  



Zusammenfassend ist zu sagen,…

…dass das Reiten ein wunderschönes Hobby für Groß und Klein ist. Sollten Sie selbst einmal damit anfangen wollen, sollten Sie daran denken, das richtige Schuhwerk zu tragen. Falls Sie das Hobby längerfristig verfolgen wollen, sollten Sie in ein ordentliches Paar Reitschuhe investieren. Für Anfänger empfiehlt Reitlehrerin Katja Stahl, vorerst ein paar Gummireitstiefel oder Stiefeletten zu nutzen. Fortgeschrittene Reiter sollten preisintensivere Lederstiefel tragen, da die insgesamt mehr Vorzüge als ihre Pendants aus Gummi haben. 


DIESEN BEITRAG: KommentierenDrucken
Bewerten:
Empfehlen:

Mehr von Katja Bolz
Profilbild von Katja Bolz

Katja Bolz hat im Februar 2019 im Rahmen eines akademischen Praktikums eine Woche lang bei Basenio mitgearbeitet. Ihre Freizeit verbringt sie entweder auf einem Reiterhof oder malend.


Kommentar schreiben

Sicherheitscode