Schenkungssteuer | Freibetrag | umgehen | Deutschland | Kinder | Enkel

Die Schenkungssteuer & der Freibetrag in Deutschland: Muss ich Steuern zahlen, wenn ich meinen Kindern oder Enkeln Geld schenke?

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Mit einem Privatkredit oder einer Schenkung kann man lieben Menschen Geld zukommen lassen. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten. Was bei der Steuer wichtig ist und welche Vor- und Nachteile es gibt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Die Zeiten sind günstig, einen Kredit aufzunehmen. So liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank seit einiger Zeit bei null Prozent (Stand Januar 2017). „Der Leitzins ist der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz des Hauptrefinanzierungsinstruments. Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich die Geschäftsbanken kurzfristig Geld bei der Notenbank ausleihen können.“ Diese Definition findet sich auf dem Börsenportal der ARD. Doch trotz dieser kreditnehmerfreundlichen Konditionen sind auch Kredite unter Privatleuten beliebt.

Ist die Pensionskasse gut gefüllt und keine größeren Ausgaben geplant, dann können auch Rentner ihr Geld verleihen. Enkel oder andere Familienangehörige freuen sich dann über eine „Geldspritze“, mit der sie dringend notwendige Anschaffungen finanzieren können. Im Folgenden zeigen wir Ihnen welche Vor- und Nachteile bei privaten Geldleihen bestehen, und welche Regelungen dabei mindestens getroffen werden sollten.

Vorteile bei Privatkrediten

Verleiht man sein Geld an Verwandte oder Bekannte, gibt es einige Vorteile gegenüber einem Geschäft mit der Bank. An erster Stelle sind die persönliche Beziehung und die daraus bestehende enge Bindung zu nennen. So lassen sich Geschäfte einfacher gestalten und basieren auf Vertrauen. Es muss nicht alles nach strengen Vorschriften geregelt werden, sondern die Konditionen des Kredits lassen sich frei aushandeln und festlegen. Beansprucht man ein solches Darlehen, gibt es auch keinen Schufa-Eintrag, der die eigene Bonität für andere Kreditaufnahmen senkt. Ein weiterer Vorteil, während Banken auf bestimmte Sicherheiten bestehen, ist dies bei privaten Geldleihen nicht zwingend nötig. Auch hier lässt sich eine Regelung frei aushandeln.

 

Grafik, Vorteile bei Privatkrediten, Privatkredit
Die Vorteile bei Privatkrediten. (Quelle: eigene Darstellung)

Nachteile bei Privatkrediten

Verleiht man Geld an Verwandte oder Bekannte birgt das auch immer ein Konfliktpotential. Nicht nur aus der persönlichen Beziehung heraus, sondern auch aus den zumeist frei ausgehandelten Vereinbarungen. Während ein möglicher Streitfall bei einem Bankgeschäft beim Verbraucherschutz oder einem entsprechenden Ombudsmann geregelt werden kann, ist dies bei einer Geldleihe unter Privatleuten nicht möglich. Der Streitfall müsste untereinander geklärt werden oder mit dem Gang vor ein Gericht.

Grafik, Nachteile bei Privatkrediten, Privatkredit
Die Nachteile bei Privatkrediten. (Quelle: eigene Darstellung)

 

Um das Risiko auf einen Konflikt gering zu halten, können beide Seiten einen Kreditvertrag aushandeln. In diesem Vertrag können mögliche Streitpunkte zuvor geklärt werden. Auf dem gemeinnützigen Online-Portal „Finanztip“ können Sie einen solchen Mustervertrag herunterladen. Einen Vertrag allerdings so aufzusetzen, dass er bei einem Streitfall vor Gericht in jedem Punkt nicht anfechtbar ist, dürfte für Laien nur schwerlich möglich sein. Notarielle Hilfe ist hier ratsam.

Ein Tipp: Verleihen Rentner Geld, können Sie über den geltenden Freibetrag hinaus Zinsen einnehmen, ohne darauf Steuern zu zahlen. Der Freibetrag, bei dem keine Steuern fällig werden, liegt 2018 bei 801 Euro pro Jahr. Der Betrag verdoppelt sich bei Ehepaaren. Erhält man darüber hinaus Zinseinkünfte, müssten diese normalerweise besteuert werden. Rentner haben jedoch die Möglichkeit, diese Besteuerung zu umgehen. Dafür sollten sie erstens nicht über den steuerlichen Grundfreibetrag kommen – 2018 liegt dieser bei 9.000 Euro für Alleinstehende, 18.000 Euro für Ehepartner – und zweitens bei der Bank eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung (bei dortigen Kapitaleinlagen) vorlegen. Diese kann man beim Finanzamt beantragen.

Schenkungssteuer: Wie viel Steuern werden fällig, wenn man Enkeln Geld schenkt?

Wenn Oma und Opa ihrem Enkel Geld zukommen lassen, dann doch meist als Geschenk. Doch solche Schenkungen können steuerrechtlich relevant sein! Blicken wir zunächst darauf, was der Gesetzgeber als Schenkung versteht. Im Bürgerlichen Gesetzbuch findet sich die entsprechende Vorschrift. Dort heißt es im § 516: „Eine Zuwendung, durch die jemand aus seinem Vermögen einen anderen bereichert, ist Schenkung, wenn beide Teile darüber einig sind, dass die Zuwendung unentgeltlich erfolgt“. Gibt man seinem Enkel etwas Geld, weil man ihm etwas Gutes tun will oder eine gute Leistung honoriert, ist dies im rechtlichen Sinne eine Schenkung. Dafür kann in Deutschland eine Steuer fällig werden, die sogenannte Schenkungsteuer. Entscheidend für die Höhe der möglichen Steuer ist dabei, in welcher Art Beziehung Schenker und Beschenkter stehen. Je enger der Verwandtschaftsgrad, desto niedriger die Steuerklasse.

 

  • Steuerklasse I: Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Kinder, Stiefkinder, Kinder verstorbener Kinder, Enkel
  • Steuerklasse II: Eltern, Großeltern, geschiedene Ehegatten, Geschwister, Stiefeltern, Schwiegereltern und -kinder, Nichten, Neffen
  • Steuerklasse III: übrige Personen (z.B. Freunde, Nachbarn)

 

Die Steuersätze innerhalb der Steuerklassen sind zudem variabel. Sie richten sich nach der Höhe des geschenkten Geldbetrags.

 

Steuerklasse Schenkungsteuer, Grafik
Steuerklassen bei Schenkung. (Quelle: eigene Darstellung)

 

Bei Schenkungen gelten im Übrigen auch Freibeträge. Liegt die Summe aller Schenkungen unter diesem, werden keine Steuern fällig. Der Gesetzgeber hat jedoch eine Frist von zehn Jahren festgelegt, innerhalb der diese Freibeträge gelten.

 

  • 500.000 Euro an Ehepartner bzw. eingetragene Lebenspartner
  • bis 400.000 Euro an Kinder und Stiefkinder sowie an Enkel, wenn das Kind bereits verstorben ist
  • bis 200.000 Euro an Enkel und Urenkel
  • bis 20.000 Euro an Eltern und Großeltern (100.000 Euro bei der Erbschaft), Nichten, Neffen, Stief- oder Schwiegereltern, Schwiegersöhne und -töchter oder Freunde  

 

Liegt die Summe aller Schenkungen über dem Freibetrag, werden Steuern fällig. Ein Beispiel: Vater A schenkt seinem Kind B im ersten Jahr 300.000 Euro. Zwei Jahre später schenkt A seinem Sohn erneut 300.000 Euro, damit würde dann Schenkungsteuer anfallen. Würde zwischen den Schenkungen mindestens zehn Jahre liegen, würde dies nicht vom Finanzamt besteuert. Die aktuellsten Anpassungen bei Erbschafts- und Schenkungsteuer kann man im Bundesgesetzblatt nachlesen. Wer hingegen kleinere Geldbeträge verschenkt, muss keine Steuern zahlen oder dies irgendwo angeben. Der 20-Euro-Schein für eine gute Note kann also bedenkenlos überreicht werden.

Fazit

In diesem Beitrag wurde erläutert, wie man Geld per Privatkredit oder einer Schenkung überlassen kann. Bei beiden Möglichkeiten können Steuern fällig werden, sofern Freibeträge überschritten werden. Oft sind bei Privatkredit und Schenkung persönliche Beziehungen die Basis. Aus dieser Bindung können Vorteile aber auch Nachteile entstehen. Eine Alternative, um an Geld zu kommen, ist der Weg über einen unabhängigen Finanzdienstleister. 

 


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Profilbild von Steffen Gottschling

Steffen Gottschling (Jg. 1978) lebt und arbeitet in Erfurt. Seit 2012 ist er in der Medienbranche tätig. Hier sammelte er Erfahrungen in der Redaktion von Radio F.R.E.I. und arbeitete als Journalist in der Online-Redaktion der Thüringer Allgemeine. Für ...


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