Inkassoverfahren | Inkassokosten | außergerichtliche Mahnverfahren | berechnen

Inkasso- & außergerichtliche Mahnverfahren: Überblick zu Ablauf und Kosten

Bild zum Artikel: Inkassoverfahren | Inkassokosten | außergerichtliche Mahnverfahren | berechnen
(Quelle: Isabelle Kocher)

Wie läuft ein Inkasso- oder ein Mahnverfahren ab? Hier finden Sie Tipps, wie sich am besten verhalten in einem solchen Verfahren.

Überraschend bekommt man Post von einem Inkassounternehmen und befindet sich plötzlich als Schuldner in einem außergerichtlichen Mahnverfahren. Dabei ergeben sich oft viele Fragen bezüglich des Ablaufs, der Kosten und Konsequenzen. Meist fehlt es dem Betroffenen an Informationen zu seinen Rechten und Pflichten, was zu Überforderung und Fehlverhalten im gesamten Verfahren führen kann.  Hier finden Sie eine Übersicht aller wichtigen Informationen zu Ablauf, Kosten & Tipps und wie Sie sich bei einem außergerichtlichen Mahnverfahren verhalten sollten.

Was ist ein Inkassoverfahren?

Der Begriff Inkasso bezeichnet den Einzug von Forderungen. Ein geschäftsmäßiger Einzug fremder Forderungen braucht nach §§ 2 Abs. 2 und 10 Abs. 1 Nr. 1 RDG eine Erlaubnis. Es wird zwischen verschiedenen Arten von Tätigkeiten von Inkassounternehmen unterschieden. Bei der Einziehung wird ein Inkassounternehmen im Auftrag des Gläubigers tätig. Durch der Einzugsermächtigung wird das Inkassounternehmen bevollmächtigt, im eigenen Namen die Zahlung zu verlangen. Die Inkassozession bezeichnet die Abtretung der Forderung nach § 398 BGB, damit die Forderung eingezogen werden kann. Die Vollabtretung bezeichnet den Forderungskauf, also die Abtretung an das Inkassobüro ohne Zweckbindung. Der Ablauf eines Inkassoverfahrens lässt sich in vier Abschnitte gliedern:

  1. das vorgerichtliche bzw. außergerichtliche Inkassoverfahren

  2. das gerichtliche Mahnverfahren

  3. das nachgerichtliche Inkassoverfahren und

  4. das Überwachungsverfahren

Voraussetzungen für ein Inkassoverfahren

Die grundlegende Voraussetzung eines Inkassoverfahrens ist eine fällige Forderung gegen einen Schuldner. Die kann aus unterschiedlichen vertraglichen Vereinbarungen entstanden sein. So können Schulden entstehen, wenn sie über einen Versandhändler etwas kaufen und die Rechnung nicht bezahlen. Gleiches gilt, wenn eine Telefonrechnung nicht bezahlt wird. Erstes Beispiel ist vertragsrechtlich ein Kauf, zweites Beispiel ein Dienstleistungsvertrag. Ein Inkassoverfahren umfasst also eine erbrachte Leistung eines Unternehmens, für die ihm eine Bezahlung zusteht. Es handelt sich dann um eine rechtmäßige Forderung, die aus Verträgen oder Rechnungen hervorgeht. Wenn ein Kunde nicht zahlt, obwohl der Betrag fällig ist, wird meistens durch das Unternehmen eine Zahlungserinnerung versendet. Hierzu sind Unternehmen nicht verpflichtet, in den meisten Fällen handeln sie jedoch aus Kulanz gegenüber dem Kunden so. Der Kunde könnte dann noch die Rechnung begleichen, ohne Aufschläge zu bezahlen. Erfolgt auch dann kein Zahlungseingang, schicken Unternehmen in der Regel zusätzlich zwei weitere Mahnungen. Auch hierzu sind sie nicht verpflichtet. Spätestens ab der ersten Mahnung befindet sich der Kunde jedoch im Zahlungsverzug und das Unternehmen ist berechtigt, einen entsprechenden Dienstleister mit der Angelegenheit zu beauftragen und damit im Zusammenhang ein Inkassoverfahren einzuleiten.

Wer kann ein Inkassounternehmen in Anspruch nehmen?

Jeder, der nach erbrachten Leistungen nicht vergütet wurde, kann ein Inkassobüro und dessen Dienstleistung in Anspruch nehmen. Dazu zählen zum Beispiel Unternehmen, handwerkliche Betriebe, aber auch Privatpersonen. 

Ablauf eines Inkassoverfahrens

 

Inkasso, Ablauf Inkassoverfahren
In diesen vier Schritten läuft ein Inkassoverfahren ab. (Quelle: eigene Darstellung)

Sobald das Inkassounternehmen mit dem Forderungseinzug beauftragt ist, handelt es als erster Ansprechpartner gegenüber dem Schuldner. Das heißt, dass Schuldner ab diesem Zeitpunkt im laufenden Inkassoverfahren alle Fragen und Zahlungen mit dem Inkassobüro absprechen und nicht an ihren eigentlichen Geschäftspartner, den Gläubiger, richten. Zahlungen sollten auf das Konto des Inkassounternehmens überwiesen werden, damit keine Zuordnungsprobleme entstehen. So kann das Inkassoverfahren schnell und unkompliziert gestoppt werden.

 

Die Schlüssigkeitsprüfung ist der erste Schritt des Inkassoverfahrens. Die Forderung des Gläubigers, die der Dienstleister für ihn eintreiben soll, wird zunächst geprüft. Dieses Verfahren gibt Aufschluss darüber, ob die Forderung überhaupt berechtigt ist. Anschließend erhalten Schuldner eine Zahlungsaufforderung, in der sie über die Höhe der Hauptforderung und mögliche Nebenforderungen informiert werden. Empfängt der Schuldner die Aufforderung, sollte er selbst prüfen, ob diese berechtigt ist oder ob sie bereits von ihm beglichen wurde.

Ist die Rechnung noch nicht bezahlt, sollte der Schuldner nach Möglichkeit den entsprechenden Betrag sofort an das Konto überweisen, das in der Zahlungsaufforderung ausgewiesen ist. Im Normalfall gibt es dann neben der Hauptforderung noch eine Nebenforderung und Inkassokosten, die zu begleichen sind. Das Inkassoverfahren wird nicht abgeschlossen, ehe diese Posten nicht bedient wurden. Wichtig ist, dass der Schuldner den Kontakt zum Inkassounternehmen sucht und die Zahlungsaufforderung nicht einfach ignoriert. Ansonsten kann das Inkassoverfahren kostspielige Folgen haben - in Bezug auf Nerven, Zeit und Geld!

Inkasso: Kosten & Gebühren - Übersicht

Wie hoch dürfen Inkassokosten sein und wer muss sie eigentlich zahlen? Die Gebühren für Inkassounternehmen waren lange Zeit gesetzlich nicht eindeutig geregelt. Es war intransparent, welche Inkassogebühren zulässig waren und welche nicht. Mittlerweile hat der Gesetzgeber darauf reagiert und die Kosten werden einheitlich festgelegt.

Warum gibt es Gebühren?

Bei einem außergerichtlichen Mahnverfahren durch ein Inkassounternehmen entstehen manchmal zusätzliche Kosten. Diese müssen meist zusätzlich zur Hauptforderung vom Schuldner bezahlt werden. Die Kosten entstehen durch die Arbeit des Inkassobüros, welches eine Dienstleistung anbietet und bezahlt werden muss. Oftmals gibt es den Einwand, dass entsprechende Kosten von demjenigen bezahlt werden sollten, der das Inkassounternehmen beauftragt. In vielen Fällen ist es so, dass die Gläubiger den Dienstleister im Voraus bezahlen. Ihnen steht jedoch das Recht zu, sich den durch Zahlungsverzug entstandenen Schaden von dem Schuldner erstatten zu lassen. Entsprechende Regelungen finden sich in den §§ 280 BGB und 286 BGB.

Dem Verzugsschaden werden auch die Rechtsverfolgungskosten zugeordnet, weshalb die Inkassokosten bei dem Schuldner liegen. Alle weiteren Kosten, die im sogenannten Betreibungsprozess anfallen, werden zusätzlich dem Schuldner auferlegt. So können auch Mahnbescheide als Nebenforderung anerkannt werden. Auch beim Inkassounternehmen entstehen während des Prozesses Kosten. Kontaktiert man den Schuldner im außergerichtlichen Mahnverfahren, können Post- und Telefongebühren anfallen. Kommt es zu einem gerichtlichen Mahnverfahren, fallen weitere Kosten durch juristische Überprüfungen der Sachlage und durch tiefergreifende Ermittlungen an.

Gesetzliche Rahmenbedingungen für Inkassogebühren

Generell gilt für Inkassounternehmen die gleiche Vergütung wie für Rechtsanwälte. Inkassogebühren orientieren sich außerdem an der Höhe der Forderung. Wenn ein Gläubiger ein Inkassounternehmen beauftragt, muss der Schuldner alle anfallenden Kosten an das Inkassobüro zahlen. Gebühren, die über die eigentliche Schuld hinausgehen, darf das Inkassounternehmen behalten. Sie sind letztlich dessen Gewinn.

 

Inkasso
So wirtschaftet ein Inkassounternehmen. (Quelle: eigene Darstellung)

Ein Unternehmen darf nur als Inkassobüro tätig sein, wenn es die sogenannten Registrierungsvoraussetzungen erfüllt. Diese sind in § 12 RDG geregelt. Das Gesetz wurde im Juli 2008 verabschiedet und erlaubt es Inkassounternehmen, selbstständig Mahn- und Vollstreckungsbescheide zu beantragen. Nach dem ein Unternehmen einen Inkassodienstleister mit dem Forderungseinzug beauftragt hat, läuft der weitere Austausch allein über diesen Dienstleister. Offene Zahlungen müssen dann über die Bankverbindung des Inkassounternehmens beglichen werden. Auf die früher vorliegenden Unklarheiten hat der Gesetzgeber inzwischen reagiert und das Einführungsgesetz zum Rechtsdienstleistungsgesetz ergänzt. In § 4 EGRDG wurde festgelegt, dass Inkassounternehmen keine höheren Gebühren als Rechtsanwälte für die gleiche Tätigkeit verlangen dürfen. An dieser Stelle wird außerdem formuliert, dass ein solches Unternehmen nur dann eine Gebühr für entsprechende Tätigkeiten verlangen darf, wenn ein Rechtsanwalt dies ebenfalls dürfte. Kann ein Rechtsanwalt also keine Gebühren für eine Sache erheben, darf ein Inkassounternehmen dies auch nicht.

 

Seit 2013 gilt ein neues „Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken“, welches das RDG ergänzt und die Arbeit von Inkassounternehmen regelt. Es soll dem Schuldner mehr Klarheit und Transparenz bringen. Das neue Gesetz trägt außerdem dazu bei, dass alle Informationen für den Schuldner aufgelistet werden und er die Forderung bestmöglich nachvollziehen kann. Die Kosten bei einem außergerichtlichen Mahnverfahren  liegen zwar beim Schuldner, der Gläubiger steht jedoch nach § 254 Abs. 2 BGB in der Pflicht, die Kosten für den Schuldner so gering wie möglich zu halten. Die Kosten orientieren sich dabei an der Höhe der Hauptforderung, also nach dem Gegenstandswert. In einem außergerichtlichen Mahnverfahren wird durch das RVG eine halbe (0,5) bis höchstens zweieinhalbfache (2,5) Gebühr festgehalten.

Welche zusätzlichen Kosten und Gebühren können anfallen?

  • Inkassogebühren bei Ratenzahlungsvereinbarungen

Oft bieten Inkassobüros dem Schuldner auch Ratenzahlungsvereinbarungen an. Erkennt er die gesamte Schuld an, verzichtet er gleichzeitig auch auf mögliche Einwände oder Einsprüche gegen die gestellten Forderungen. Grundsätzlich darf das Inkassobüro eine Einigungsgebühr erheben. Die darf dann allerdings nicht 20 Prozent des ursprünglichen Anspruchs überschreiten. Wenn die Ratenzahlungsvereinbarung widerrufen wird, entfällt auch die Einigungsgebühr.

  • Mahngebühren und Vollstreckungsbescheid 

Für einen rechtskräftigen Mahn- und Vollstreckungsbescheid dürfen maximal Gebühren in Höhe von 25 Euro erhoben werden. Wenn die Mahnkosten nicht pauschal verlangt werden, müssen diese Kosten für jedes Schreiben einzeln nachgewiesen werden. Diese Mahngebühren müssen in jedem Fall angemessen und verhältnismäßig sein. So darf der Betrag 2,50 Euro nicht übersteigen. Zu den Mahngebühren zählen Portokosten für die Zahlungserinnerung, erste und zweite Mahnung sowie das Material (Papier, Briefumschläge für die Zahlungserinnerung und die Mahnungen). Kosten für die Verwaltung, das Personal und die Technik gehören nicht zu den Mahngebühren, weil es sich hierbei um Aufgaben des allgemeinen Geschäftsbetriebs handelt. Gläubiger und Inkassobüro dürfen ausschließlich die reinen Materialkosten für die Mahnbriefe einfordern. Deswegen können maximal Kosten von zwei bis drei Euro verlangt werden, für ein Mahnschreiben maximal nur ein Euro. Im Zweifelsfall müssen Gläubiger und Inkassobüro die Anzahl der Mahnschreiben nachweisen. Außerdem müssen sie beweisen, dass der Schuldner diese auch erhalten hat. Es empfiehlt sich daher, diese Schreiben als Einschreiben/Rückschein zu versenden. Bei einer pauschalen Berechnung der Portopauschale dürfen nicht zusätzlich noch Kosten für das Mahnschreiben verlangt werden.

  • Auslagenpauschale

In der Regel sind zusätzlich zu den Inkassogebühren, Auslagenpauschalen zu entrichten. Diese beinhalten Entgelte für Post- und Telekommunikationsdienstleistungen. Eine Auslagenpauschale ist zulässig und kann 20 Prozent des Gegenstandwertes haben. Maximal darf sie jedoch nur 20 Euro betragen.

  • Verzugszinsen

Wenn die Forderungen aus einem Kreditgeschäft zwischen einem Verbraucher und einem Darlehensnehmer stammen, kann der Gläubiger pauschalierte Verzugszinsen gemäß § 288 BGB einfordern. Diese sind zulässig und müssen daher vom Schuldner geleistet werden. Die Höhe dieser Zinsen darf höchstens fünf Prozent (neun Prozent bei gewerblichen Schuldnern) über dem Basiszins liegen. Enthalten sind darin zwei Prozent Bearbeitungs- und Verwaltungskosten. Kosten für Mahnschreiben oder Adressermittlung dürfen nicht zusätzlich in Rechnung gestellt werden, sofern Verzugszinsen beansprucht werden.

  • Hebegebühren

Im RVG wurde eine Hebegebühr festgehalten, die manchmal von Inkassounternehmen geltend gemacht werden kann. Die Hebegebühr ist eine Gebühr, die für die Auszahlung, Rückzahlung und Verwaltung geltend gemacht werden kann. Die Gebühr darf aber nur erhoben werden, wenn die notwendigen Leistungen aus dem Rahmen sonstiger anwaltlicher Tätigkeiten fallen.

  • Mehrwertsteuer

Die Mehrwertsteuer von 19 Prozent darf auf die geforderte Inkassogebühr nur dann veranschlagt werden, wenn der Auftraggeber bzw. Gläubiger nicht gewerblich handelt und somit nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist.

Rechenbeispiel für eine offene Forderung im Wert von 50 Euro:

Inkasso
Rechenbeispiel für Inkassoverfahren (Quelle: eigene Darstellung)

Eine offene Forderung in Höhe von 50 Euro bedarf einer gesetzlichen Bearbeitungsgebühr von 58,80 Euro. Angenommen, der Kunde wurde mehrmals gemahnt, sodass zehn Euro Mahngebühren anfallen. Ein Verzugsschaden, der vom vereinbarten Zinssatz und der Verzugsdauer abhängt, muss ebenfalls vom Schuldner getragen werden. Er beträgt in diesem Rechenbeispiel zehn Euro. Wenn der Schuldner also 128,50 Euro überweist, ist dies einen Erfolgsfall, sodass der Kunde zehn Prozent Erfolgshonorar an das Inkassobüro zahlt. Das Honorar setzt sich aus der Summe der offenen Forderung, den Mahngebühren und dem Verzugsschaden zusammen. Es sind also sieben Euro Honorar zu leisten. Dieses wird vom gezahlten Betrag des Schuldners abgezogen, der dem Gläubiger zusteht.

Das außergerichtliche Mahnverfahren

Werden Rechnungen oder Forderungen nicht innerhalb fester oder gesetzlich automatisch eintretender Fristen bezahlt, wird ein Mahnlauf fällig.  Dabei ist es am günstigsten, ein Inkassounternehmen mit dem Forderungsfall zu beauftragen. Dieses leitet dann das Mahnverfahren ein.

Was ist ein außergerichtliches Mahnverfahren?

Bei einem Mahnverfahren strebt der Gläubiger schnellstmöglich einen Vollstreckungstitel ein. Hat er diesen, kann er das Recht auf seinen Anspruch durchsetzen. Nur Ansprüche, die auf die Zahlung einer bestimmten Summe gerichtet sind, können geltend gemacht werden. Es wird zwischen außergerichtlichem und gerichtlichem Mahnverfahren unterschieden. Im außergerichtlichen Mahnverfahren kann mithilfe eines Inkassodienstleisters überprüft werden, ob bereits andere Einträge in Schuldnerverzeichnissen bei einem Schuldner vorliegen. Dann gilt es zu klären, wie Forderungseintreibungen noch sinnvoll gestaltet werden können. Im außergerichtlichen Mahnverfahren gibt es verschiedene Tätigkeitsbereiche: Nach Bedarf werden bei unauffindbaren Schuldnern Adressprüfungen durchgeführt. Mahnungen werden verfasst und an den Schuldner versendet. Anschließend wird in vorbereitenden Telefonaten und mithilfe von Telefoninkasso versucht, eine Einigung zu erreichen.

Wie läuft ein außergerichtliches Mahnverfahren ab?

Mahnverfahren
So läuft ein außergerichtliches Mahnverfahren ab. (Quelle: eigene Darstellung)

Eine Mahnung im Allgemeinen bezeichnet die Aufforderung eines Gläubigers an den Schuldner, seine Verbindlichkeiten zu erfüllen. Der Ablauf eines außergerichtlichen Mahnverfahrens ist vom Gesetz nicht vorgeschrieben, sondern liegt im Ermessen der Partei des Gläubigers. Eine Mahnung beginnt normalerweise mit einem außergerichtlichen Mahnverfahren, also ohne den Gang vors Gericht. Das Ziel, eine zeitnahe Zahlung des Rechnungsbeitrags zu bewirken, bestimmt die Art und Weise, wie die einzelnen Maßnahmen durchgeführt werden. Der Kunde soll in vielen Fällen für weitere Geschäfte nicht verloren gehen, weshalb ein respektvoller und freundlicher Kontakt eine große Rolle in der Vermittlung zwischen beiden Parteien spielt. Zunächst wird daher in der Regel mit einem freundlichen Erinnerungsschreiben begonnen. Darin wird der Schuldner an seine Zahlungsverpflichtung erinnert. Reagiert und zahlt der Kunde nicht, werden eindeutig als solche gekennzeichnete Mahnungen schriftlich an den Gläubiger verschickt. Die Schriftform empfiehlt sich aus Beweissicherungsgründen. Die Mahnung sollte zudem auf den fälligen Betrag und den überfälligen Termin hinweisen. Es ist üblich, dass der Schuldner 14 Tage nach Überschreiten des Fälligkeitstages eine Rechnungskopie oder einen Kontoauszug als Zahlungserinnerung erhält. Darauf kann dann die erste Mahnung folgen. In der Regel liegen zwischen Erinnerung und erster Mahnung zwei Wochen. In dem Schreiben soll die Frist zur Zahlung gesetzt sein, mit dem Hinweis wohin der fällige Betrag transferiert werden soll.

Sollte die Zahlung weiterhin ausbleiben, folgt eine erneute Mahnung mit einem nachdrücklichen Hinweis auf die Fälligkeit, auf die gesetzte Frist und auf Konsequenzen. Letztere könnten Kreditkosten - also Zinsen - sein. Reagiert der Schuldner hierauf immer noch nicht, kann eine weitere Mahnung verschickt werden. Darin setzt man eine neue Frist und kann seiner Enttäuschung über die bisher ausgebliebene Zahlung zum Ausdruck bringen. Reagiert der Schuldner auch dann noch nicht, kann eine letzte Mahnung folgen. Darin setzt man die letzte Zahlungsfrist und mit einem gerichtlichen Mahnverfahren (Mahnbescheid oder gerichtliche Mahnung) drohen.

Wie verhalte ich mich, wenn ich von einem außergerichtlichen Mahnverfahren betroffen bin?

Manchmal kommt es vor, dass ältere Menschen plötzlich und unvorhergesehen von einem Inkassoverfahren betroffen sind. Auf einmal konnte der zu zahlende Betrag nicht vom Konto abgebucht oder die ausstehende Rechnung nicht beglichen werden. Der oder die Betroffene ist im Verzug und plötzlich mit einer neuen Situation konfrontiert, die verunsichert und Sorgen macht. Welche Ursachen können dazu führen, dass man plötzlich im Alter betroffen ist, obwohl dies vorher noch nie vorkam?

Nach einem langen Berufsleben kommt irgendwann der Zeitpunkt, da man in die Rente eintritt. Damit ergeben sich einige Umstellungen und Veränderungen, sich an die neue Situation zu gewöhnen und anzupassen. Anstelle des bisherigen Gehalts bekommt man nun Rente und somit nur 67,9% seines bisherigen Verdiensts. Dieser Prozentsatz richtet sich nach dem Rentenniveau und wird anhand der Relation zwischen Höhe der Standardrente und dem Entgelt eines Durchschnittsverdienstes errechnet. Am Ende des Monats bleibt somit weniger übrig, obwohl die Kosten und Ausgaben gleich geblieben sind. Altersarmut ist ein großes Problem in Deutschland und die Tendenz ist steigend. Viele Menschen über 60 sind auf staatliche Hilfe angewiesen. Von Armut wird gesprochen, wenn die betroffene Person über maximal 50 Prozent des Medianeinkommens verfügen. Gründe liegen vor allem im demographischen Wandel, den niedrigen Zinsen und dem niedrigen Rentenniveau.

Wie verhalten Sie sich am besten, wenn Sie von einem außergerichtlichen Mahnverfahren betroffen sind? Haben Sie auf die erste Zahlungserinnerung zunächst nicht reagiert, mahnt Sie das Inkassounternehmen im vorgerichtlichen Mahnverfahren an, Ihre Schulden zu begleichen.  Zunächst sollten Sie sich über das Inkassounternehmen informieren und prüfen ob dieses in Deutschland zugelassen ist. So können Sie feststellen, ob die Inkassokosten gerichtlich durchsetzbar sind oder nicht. Ist das Inkassoverfahren rechtmäßig durchsetzbar, sollten Sie sich eine Zahlungsstrategie überlegen, um sich gütlich zu einigen. Das erspart Ihnen im weiteren Verlauf ein gerichtliches Mahnverfahren. Sie sollten das Problem nicht ignorieren, sondern selbst aktiv werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Ihnen helfen das Verfahren zu bewältigen.

Können Sie die Summe nicht auf einmal bewältigen, bietet sich eine Ratenzahlung an. Lassen Sie die Forderungen und Verpflichtungen vertraglich festlegen und sprechen Sie mit einem Mitarbeiter des Inkassounternehmens ab, welche monatliche Summe sie zahlen können. Dabei fallen mögliche weitere Zinsen und Kosten an, die Sie einkalkulieren müssen. Es bietet sich auch an, einen Privatkredit in Erwägung zu ziehen, um so die Summe an das Inkassobüro zu zahlen. Dort fallen oft weniger zusätzliche Kosten an und Sie können moderate Rückzahlungen vereinbaren.

Sollten Sie Zahlungsunfähig sein, ist es ratsam, dies dem Inkassounternehmen mitzuteilen und Nachweise beizufügen. Achten Sie darauf, vertrauliche Informationen unkenntlich zu machen. So gelangen Ihre Daten nicht in falsche Hände. Wenn Sie als Privatperson wirklich zahlungsunfähig sind, bespricht das Inkassounternehmen mit Ihnen die weiteren Möglichkeiten. Grundsätzlich gilt, dass die Forderungen 30 Jahre Bestand haben. Sollten sich Ihre Vermögensverhältnisse ändern, kann Ihr Fall neu betrachtet werden. Generell sollten Sie den zügigen und offenen Austausch mit dem inkassounternehmen suchen und Ihre Situation besprechen. Es gibt Möglichkeiten und Perspektiven, die sich Ihrer finanziellen Lage und den Kosten anpassen. Somit kann das außergerichtliche Mahnverfahren noch ein positives Ende finden.

Inkassoverfahren - So kommen Sie zu Ihrem Geld

Wie bekommen Sie Ihr Geld zurück, wenn der Schuldner nicht zahlen will? Vielleicht haben Sie jemandem guten Gewissens ein privates Darlehen gegeben oder privat etwas verkauft und warten nun auf Ihr Geld. Häufig bürgen Privatpersonen auch für Angehörige oder Bekannte, mit der Annahme Ihr Geld schnell wieder zu erhalten. Bleiben Sie auf den Schulden sitzen oder bekommen auf Ihre Forderungen keine Reaktion, haben Sie die Möglichkeit, die oben genannten Schritte einzuleiten und  ein Inkassounternehmen zu beauftragen. Sie können den Fall als Gläubiger abgeben, das Unternehmen leitet danach alles Weitere in die Wege.

Übergeben Sie den Inkassofall an das Inkassounternehmen, leitet dieses das Verfahren ein. Zunächst wird zeitnah eine erste Mahnung verschickt und der Schuldner über das Verfahren informiert. Oft reicht diese erste Mahnung aus und dient als offizieller Weckruf. Der Schuldner ist dann meist bereit, die offenen Forderungen zu zahlen. Hat die erste Mahnung jedoch nicht zum Erfolg geführt, wird nach 14 Tagen eine zweite verschickt. Diese unterstreicht inhaltlich die Ernsthaftigkeit der Forderungssache und übt Druck aus. Erfolgt darauf ebenfalls keine Reaktion, versuchen Inkassobüros, in aller Regel persönlich Kontakt aufzunehmen. So lassen sich solche Anliegen gemeinsam klären.

Führen die obigen Maßnahmen des außergerichtlichen Mahnverfahrens zu keinem Erfolg/Ergebnis, wird der nächste Schritt eingeleitet. Hier wird dann ein Anwalt eingeschaltet. Es hat mehrere Vorteile, wenn Sie sich entscheiden, ihren Fall an ein Inkassounternehmen abzugeben und ein vorgerichtliches Mahnverfahren in die Wege leiten. Ihnen werden keine Kosten in Rechnung gestellt, die Kosten werden direkt beim Schuldner geltend gemacht. Dieser hat die Gebühren unter den Voraussetzungen des Verzugs zu tragen (§§ 280 I, II, 286 BGB). Detaillierte Informationen zu den Gebühren und Kosten finden Sie hier unter der gesetzlichen Gebührenordnung.

 

 

 


DIESEN BEITRAG: KommentierenDrucken
Bewerten:
Empfehlen:

Kommentar schreiben

Sicherheitscode