Altersarmut in Deutschland | Jobs 50plus | Rente & Finanzen

Altersarmut geht uns alle etwas an, oder?

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(Quelle: Juliane Wappler)

Wie man finanziell und sozial im Alter aufgestellt ist, geht uns alle an, da wir alle älter werden und das auch möchten. So kommt man um das Thema Altersarmut nicht herum, sodass sich dieser Beitrag u.a. mit etwas Statistik dieser Thematik nährt.

Die Frage, ob die Alterarmut uns alle etwas angeht, sollte man eindeutig mit einem „Ja!“ beantworten, da man selbst einmal an diesem Punkt stehen möchte, der den Übergang von der Arbeitswelt in den Ruhestand markiert.

Meine Großmutter befindet sich -glücklicherweise- nicht in dieser Situation, sodass ich Altersarmut im engeren Umfeld nicht kennengelernt habe. Dass manche aber auch anders leben (müssen), ist mir bewusst, sodass ich mich aus diesem Grund mit dem doch etwas unschönen, aber wichtigen Thema beschäftigen möchte. Außerdem weiß man selbst nicht, ob man nicht doch später auch in so eine derartige Situationen geraten kann, auch wenn man die Hoffnung hat, dass sich das Studium auszahlt und man davon im Alter noch profitieren kann. Das führt eben genau zu einem Problem, was viel Unverständnis hervorruft: Normaler Menschenverstand legt den Schluss nahe, dass Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, auch im Alter eine gute und ausreichende Rente erhalten und ohne finanzielle Schwierigkeiten ihren Ruhestand genießen können. Leider ist das heute genau nicht mehr selbstverständlich. Ebenso sollte es Menschen möglich sein, die aus unterschiedlichen Gründen temporär nicht arbeiten konnten, gut als Rentner leben zu können. Dies ist aber nur ein Aspekt, der in der Rentenpolitik überdacht werden sollte.

Arm sein?

Was genau „arm“ bedeutet, betrachtet natürlich jeder aus einer ganz persönlichen Perspektive und ist in den Diskursen auch strittig. Manche fühlen sich nicht auf finanzieller Ebene arm, sondern eher auf sozialer oder kultureller Ebene. Man kann sich darüber einig sein, dass es auf allen drei Ebenen keine Defizite geben sollte, damit man das Leben und später auch den Ruhestand genießen kann – oftmals ist das aber nur eine Wunschvorstellung, da es nicht die Regel ist, dass es sich immer so ausgewogen verhält. Subjektiv betrachtet, empfinde ich allerdings, dass diese Ebenen stark zusammenhängen, da finanzielle Armut sich oft auf soziale Kontakte und kulturelles Erleben niederschlägt. Es kann einsam machen.

Die finanzielle Armut lässt sich in Zahlen erfassen, sodass dies nach dem Statistischen Bundesamt als Alleinlebender bei 11.749 Euro/Jahr die Armut beginnt; bei zwei Erwachsenen mit zwei Kindern (unter 14 Jahre) ist 24.673 Euro/Jahr der Schwellenwert (2013). Bei Rentnern gibt es die Möglichkeit der Inanspruchnahme der sogenannten Grundsicherung. Dies ist eine Zahlung, die es zusätzlich zur Rente und anderem Einkommen gibt, damit es für den Lebensunterhalt reicht. Wenn man im Durchschnitt weniger als 773 Euro im Monat zur Verfügung har, dann kann man prüfen lassen, ob man eben diesen Anspruch hat.  Fortführende Informationen zur Grundsicherung erhalten Sie hier.

Um diesen Zustand nicht für immer hinnehmen zu müssen, arbeiten viele Senioren weiter oder suchen sich Nebenjobs, um ihren Lebensstandard wenigstens zu erhalten oder sind gezwungen, arbeiten zu gehen. Eine Umfrage ergab diesbezüglich, dass 52 Prozent der 60- bis 64-Jährigen und 14 Prozent der 65- bis 69-Jährigen erwerbstätig sind (2014). Somit gab es einen enormen Anstieg im Vergleich zum Jahr 2005 (28 und 6 Prozent).

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Wenn die Ausgaben das Einkommen übersteigen, bekommt man schnell Probleme und muss handeln. (Quelle: Fotolia)

Armutsgefährdung

Nach dem Statistischen Bundesamt (Destatis) sind im Jahre 2013 20,3 Prozent der Menschen in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. In den 28 Ländern der Europäischen Union sind es 24,5 Prozent. Detailliert betrachtet, bedeutet dies für die Altersgruppe 65+ in Deutschland, dass 14,9 Prozent armutsgefährdet und 3,2 Prozent „erheblich materiell depriviert“ sind. Letzteres gehört seit dem Jahr 2010 gemeinsam mit einem weiteren Indikator („Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung“) zu der Erhebung LEBEN IN EUROPA und soll gemeinsam mit der Ermittlung der Armutsgefährdungsqote ein genaueres Bild über die Situation und Gefährdungslagen ergeben. Das Ziel der Europäischen Union ist es eben, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Eine erhebliche materielle Entbehrung/Deprivation liegt vor, wenn 4 der folgenden Kriterien zutreffen (per EU-Definition):

  • Finanzielles Problem, die Miete oder Rechnungen für Versorgungsleistungen rechtzeitig zu bezahlen.
  • Finanzielles Problem, die Wohnung angemessen heizen zu können.
  • Finanzielles Problem, unerwartete Ausgaben in einer bestimmten Höhe aus eigenen finanziellen Mitteln bestreiten zu können.
  • Finanzielles Problem, jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder eine gleichwertige vegetarische Mahlzeit einnehmen zu können.
  • Finanzielles Problem, jährlich eine Woche Urlaub woanders als zu Hause zu verbringen.
  • Fehlen eines Pkw im Haushalt aus finanziellen Gründen.
  • Fehlen einer Waschmaschine im Haushalt aus finanziellen Gründen.
  • Fehlen eines Farbfernsehgeräts im Haushalt aus finanziellen Gründen.
  • Fehlen eines Telefons im Haushalt aus finanziellen Gründen.

Mit dem Begriff Armutsgefährdungsquote wird darüber hinaus angezeigt, wie hoch der Anteil der Personen ist, der mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens, gemessen an der Bevölkerung, auskommen muss.

Wenn man diesen Sachverhalt auf die Geschlechter (65+) aufteilt, ergibt sich folgendes Verhältnis:

  • 18,3 Prozent der Frauen sind insgesamt armutsgefährdet oder von sozialer Ausgrenzung betroffen. 3,7 Prozent sind materiell benachteiligt (s.o.).
  • Die männliche Bevölkerung in dieser Altersgruppe ist davon zu 2,7 Prozent betroffen. Insgesamt sind es weniger Männer, die sich in dieser allgemeinen Situation der Armutsgefährdung und sozialen Ausgrenzung befinden (13,5 Prozent).

Im Vergleich zur Europäischen Union mit 18,3 Prozent ist der Anteil der Bevölkerung in dieser Lage in Deutschland mit 16 Prozent geringer. Im Vergleich der Geschlechter sind die Frauen allerdings prozentual wieder mehr betroffen als ihre männlichen Altersgenossen.

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Frauen sind eher von Armut betroffen als Männer. (Quelle: Juliane Wappler)

Arbeiten im Alter – Wie viel darf man?

Die Gründe, dass man im höheren Alter noch arbeiten geht, sind wahrlich vielfältig. Der eine möchte einfach noch nicht in den Ruhestand gehen und arbeitet freiwillig, andere wiederum sind gezwungen, da sie ansonsten mit den finanziellen Mitteln der Rente nicht auskommen würden.

Dieser Beitrag ersetzt keinesfalls die persönliche Beratung; Tipps möchte ich Ihnen dennoch geben.

Um von der eigenen gesetzlichen Rente profitieren zu können, sollte man auf die Hinzuverdienstgrenzen achten. Das Alter spielt hierbei eine wichtige Rolle. Hat man die Regelaltersgrenze (für vor 01.01.1947 geborene Versicherte: 65 Jahren; nach 31.12.1946 geboren: schrittweise auf 67 Jahre angehoben) erreicht, dann kann man allgemein unbegrenzt dazuverdienen. Wie sieht es nun aber bei Mitbürgern aus, die diese Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben? Bis man eben diese Grenze erreicht, gelten bei bestimmten Fällen auch einige Regelungen, wie beispielsweise bei Altersrente für langjährig Versicherte, für schwerbehinderte Menschen, wegen Arbeitslosigkeit oder für langjährig beschäftigte Bergleute. Wie es bei vielen Leistungen ist, die man beantragen und beziehen kann, hängt die tatsächlich bezogene Rente dann von dem hinzuverdienten Lohn ab. Je mehr, desto niedriger ist die Altersrente. Je nach Verdienst, was individuell berechnet werden muss, kann die Altersrente dann noch als Vollrente, Zwei-Drittel-Teilrente, Ein-Halb-Teilrente oder Ein-Drittel-Teilrente ausgezahlt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Rentenversicherungsträger und melden Sie Ihre Tätigkeiten, damit Sie auf der sicheren Seite sind und keine bösen Überraschungen erleben.

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(Quelle: Fotolia_64337452_Subscription_Jobs© Marco2811)

Fazit
Der Ruhestand kann viele verschiedene Facetten haben und Möglichkeiten bieten. Abhängig ist dies aber ebenso von den finanziellen Möglichkeiten, da es nun einmal ohne Geld heutzutage schwierig ist, zu leben. Dies ist kein Phänomen der älteren Generationen, sondern ist hier auch bei jüngeren Menschen schon spürbar. Da hat man wenigstens noch die Chance, seinen Berufsweg auf etwaige Vorteile aufzubauen und daran zu arbeiten, dass man wirtschaftlich gut aufgestellt ist. Ohne Geld ist es einfach nahezu unmöglich, aktiv am Leben teilzunehmen und zu existieren.

Da es aber viele Senioren gibt, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben, prekär beschäftigt waren oder mit der Kindererziehung und dem Haushalt eine Berufung gefunden haben, stehen sie nun vor der Situation, dass die einfach gesetzliche Rente nicht mehr ausreicht und man zusätzlich arbeiten muss. Weiterhin gibt es viele bedürftige ältere Menschen, die sich nur noch schwer am allgemeinen Leben beteiligen können, da auch die einfachsten Mittel für Lebensmittel und Kleidung fehlen. Um diese Entwicklungen positiv zu beeinflussen und dem demographischen Wandel ein bisschen Einhalt zu gebieten, müsste die Politik grundsätzliche Reformen auf den Weg bringen. Die Menschen werden nunmehr immer älter und dafür bin ich auch dankbar - aber jeder möchte dies auch auf eine würdevolle Art und Weise.


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