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10 Regeln, die Sie beim Fotografieren beachten sollten

Ein Urlaubsschnappschuss ist schnell gemacht. Damit Ihre Fotos qualitativ hochwertig und professionell wirken, sollten Sie einige wenige Regeln beachten. Die zehn wichtigsten haben wir in diesem Beitrag für Sie zusammengefasst.

Viele kennen das Problem - man besitzt eine gute Kamera, aber die Bilder wirken nicht so, wie man sich es wünscht. Aber warum ist das so? 

Es gibt zehn einfache Gestaltungsregeln, die jedes Bild besser machen. Diese Regeln existieren nicht erst seit der Fotografie. Schon Goethe hat sich damit beschäftigt. Diese Gestaltungsregeln, die im Folgenden vorgestellt werden sollen, findet man bei alten Meistern, wie auch in der modernen Werbung.

  1. Der Goldene Schnitt
  2. Kontraste
  3. Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund
  4. Linien
  5. Wohin mit der Sonne?
  6. Horizont
  7. Bildausschnitt
  8. Hochformat, Querformat, Quadrat
  9. Rahmen
  10. Regeln brechen

1. Der Goldene Schnitt

Fotografieren, Fotograf, Goldener Schnitt
Der Fokus des Bildes liegt bei diesem Bild auf der Kamera. (Quelle: © cegoh - Pixabay.com)

Viele Anfänger haben Probleme mit dem Bildaufbau. Eine einfache Methode ist der Goldene Schnitt, auch Drittelteilung genannt. Hierbei wird das Bild horizontal und vertikal in drei Teile geteilt. Wichtige Bildinhalte werden an einen der Schnittpunkte dieser Drittelteilung gesetzt. Das führt zu einem harmonischen Ergebnis und richtet die Aufmerksamkeit auf die für uns wichtigen Punkte. In unserem Beispiel wäre das die Kamera.

2. Kontraste

Kontraste richten unsere Aufmerksamkeit auf bestimmte Bildinhalte. Vieles davon passiert ganz unbewusst. Beispielsweise in der Werbung wird häufig auf diese Regel gesetzt.

Beispiel 

Art des Kontrasts

Marienkäfer, Käfer, Natur, grün, rot,
Beispiel für Komplementärkontrast (Quelle: © blickpixel - Pixabay.com)

Komplemetärkontrast

Hier werden die auf dem Farbkreis gegenüberliegenden Farben zusammengebracht und als Stilmittel genutzt.

In unserem Beispiel das Rot vom Käfer und das Grün der Wiese.

gelb, blau, Gebäude, Himmel
Beispiel für Warm-Kalt-Kontrast (Quelle: © Yummymoon - Pixabay.com)

Warm-Kalt-Kontrast

Wie der Name schon sagt, werden hier warme und kalte Farben gegenübergestellt.

Frau, schwarz, weiß, schwarzweiß, Porträt
Beispiel für Hell-Dunkel-Kontrast (Quelle: © gart - Pixabay.com)

Hell-Dunkel-Kontrast

Gegenüberstellung von hellen und dunklen Flächen.

Erst durch den dunklen Hintergrund wirkt dieses Portrait.

Schindeln, Dach, Farben
Beispiel für Farbe-an-sich-Kontrast (Quelle: © fill - Pixabay.com)

Farbe-an-sich-Kontrast

Hier geht es um die Abgrenzung der einzelnen Farben zu seinen Nachbarn. Auf den ersten Blick wirken die Dachschindeln chaotisch. Aber durch die strikte Abgrenzung der einzelnen Farben wirkt das Bild.

Schmetterling
Beispiel für Qualitätskontrast (Quelle: © MamaWirbel - Pixabay.com)

Qualitätskontrast

Dieser ist ein Kontrast zwischen leuchtenden und gebrochenen Farben - hier der bunte Schmetterling mit seinen leuchtenden Farben zum verwaschen Grau des Steins.

Gebrochene Farben sind Farben, die durch Zugabe von Schwarz oder Weiß aufgehellt oder abgedunkelt werden.

Blätter, Himmel, Herbst, blau, orange
Beispiel für Quantitätskontrast (Quelle: © claude05alleva - Pixabay.com)

Quantitätskontrast

Hier ist es eine Gegenüberstellung von Farbflächen.

Die Farben der einzelnen Blätter wirken gegen den Himmel.

Tulpen, Blumen, rot, lila, gelb, rosa
Beispiel für Simultankontrast (Quelle: © toddwmac - Pixabay.com)

Simultankontrast

ist die Wechselwirkung von nebeneinanderliegenden Farbflächen - hier die Farbe der einzelnen Blüten zueinander und die Farbe der Blüten zum Grün.

Blume, weiß, rot, Pflanze, Natur, Blüte
Beispiel für Sukzessivkontrast (Quelle: © Foto-Rabe - Pixabay.com)

Sukzessivkontrast

Der wohl am schwersten zu begreifende Kontrast. Hier geht es darum, dass sich Farben beim längeren Betrachten des Bildes verändern. Wenn Sie lange genug auf die weißen Blütenblätter schauen, bekommen diese einen grünlichen Rand.

3. Horizont

grün, blau, Landschaft, Wiese, Acker
Ein Beispiel für unterschiedliche Horizonte (Quelle: © Monsterfoto)

1 Motiv - 3 Horizonte - 3 Bildaussagen

Hier entscheiden Sie, auf welche Höhe Sie den Horizont setzen.

  • Ein niedriger Horizont betont die Weite des Himmels.
  • Ein Horizont in der Mitte sorgt für Ruhe und Ausgeglichenheit.
  • Ein hoher Horizont betont den Vordergrund.

4. Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund

grün, Landschaft, Wiese, Fotografie
Ein Beispiel für Vorder-, Mittel- und Hintergrund (Quelle: © Monsterfoto)
Jedes Bild sollte in Vorder-, Mittel- und Hintergrund unterteilt werden. Die Übergänge können fließend sein, aber das Auge möchte Trennungen vornehmen. Das gibt der Aufnahme Tiefe und Räumlichkeit.
Auf den ersten Blick wirkt auf diesem Bild nichts so, als könnte man es einteilen. In unserem Beispiel wäre der Vordergrund die Gräser, der Mittelgrund das Wasser und der Hintergrund die Bäume und der Himmel.

5. Linien

Linien sollen uns durch das Bild leiten, beziehungsweise auf bestimmte Details oder Aussagen hinweisen.

BeispielArt der Linie

See, Landschaft, Berge
Beispiel 1 (Quelle: © Unsplash - Pixabay.com)
Im ersten Beispiel führt uns die Holzplanke wie ein Pfeil in den See und zu den Bergen im Hintergrund.
Hochhaus, Skyscraper, Skyline, Haus, Gebäude, Architektur
Beispiel 2 (Quelle: © 8300 - Pixabay.com)
Bei diesem Beispiel zeigt der Pfeil nach oben, um die Größe des Gebäudes zu verstärken.
Weg, Schotter, Natur, Bäume, Straße, geschlängelt, Wiese
Beispiel 3 (Quelle: © Antranias - Pixabay.com)

Der Pfeil muss nicht immer gerade sein. Hier schlängelt er sich durch das Bild und macht neugierig, was wohl hinter der Ecke liegen mag.

6. Wohin mit der Sonne?

Sie sind im Urlaub unterwegs und haben das perfekte Motiv ausgemacht. Das einzige Problem: die Sonne scheint Ihnen entgegen und verursacht Blendflecke auf Ihrem Schnappschuss.

BeispielArt der Einbindung
Sonnenuntergang, Natur, Blendflecke, Berge, See
Beispiel 1 (Quelle: © DasWortgewand - Pixabay.com)

Umgehen kann man das teilweise, indem man eine Sonnenblende für das Objektiv verwendet. Dieses kann entweder die eigene Hand oder etwas Vergleichbares sein. Je tiefer die Sonne im Bild steht, umso weniger lässt sich das vermeiden. Häufig müssen Sie jedoch ausschließlich Ihren Aufnahmestandort ein wenig verändern, um die Flecken verschwinden zu lassen.

Wenn das nicht klappen sollte und Sie nicht zu einer anderen Zeit noch einmal wiederkommen können, nutzen Sie diese Flecken zur Bildgestaltung - legen Sie die Flecken so ins Bild, dass Sie auf ein bestimmtes Objekt zeigen.

Mädchen, Sonne, Gitarre, Natur, Wald, Strauch
Beispiel 2 (Quelle: © Pezibear - Pixabay.com)
Als zweites Beispiel ist ein Mädchen mit seiner Gitarre zu sehen. Die Sonne blendet ihm ins Gesicht, deshalb macht es automatisch die Augen zu. In diesem Bild wurde das gleich als Stilmittel genommen, so wirken die Augen nicht zusammengekniffen.
Frau, glücklich, Silhouette, Sonnenuntergang, Strand, Meer
Beispiel 3 (Quelle: © jill111 - Pixabay.com)
Hier steht die Sonne nun hinter dem Model. Es formt einen schönen Schattenriss.

Generell sollte bei Menschenaufnahmen das Licht hinter dem Fotografen sein. Es wirkt dann wie die Beleuchtung einer Bühne. Dabei sollten Sie jedoch darauf achten, dass die Sonne nicht zu stark scheint. Wenn möglich, versuchen Sie zumindest mit der Kamera im Schatten zu sein.

7. Bildausschnitt

Mit dem Bildausschnitt legen sie fest, was Ihnen wichtig an Ihrem Bild ist und welche Aussage Sie mit der Aufnahme machen wollen.

Winter, Schnee, ländlich, Haus, Häuschen
Beispiel 1 (Quelle: © jill111 - Pixabay.com)

Zwei Mal fast das gleiche Bild und zwei unterschiedliche Aussagen. Im linken Bild wird die Weite der Landschaft betont, in der das Haus einsam und alleine steht. In der rechten Aufnahme ist nichts mehr davon zu spüren. Genau gegenüber könnte noch ein Haus oder sogar noch mehr sein.

Fliegen, Sport
Beispiel 2 (Quelle: © skeeze - Pixabay.com)

Wieder zwei Bilder, aber hier ist nun die Bildaussage noch extremer. Im ersten Bild können Sie sehen, dass es ein Fallschirmtraining ist, im zweiten müssen Sie raten, was er da wohl macht.

8. Hochformat, Querformat, Quadrat

Brück, San Francisco,
Beispiel für unterschiedliche Bildformate (Quelle: © Unsplash - Pixabay.com)

Ein Motiv, drei Bilder, drei Aussagen.

  • Beim Querformat haben wir noch Raum um die Brücke. Sie zeigt sie in ihrer natürlichen Umgebung.
  • Beim Hochformat haben wir nur noch die halbe Brücke. Aber hier wird nun die Größe hervorgehoben. 
  • Im Quadrat haben wir wieder die ganze Brücke, aber reduziert auf den wichtigsten Inhalt: die Brücke selbst. 

Welches Format für welche Aufnahme man nehmen soll, hängt ganz von der Bildaussage ab. Generell sollten Sie für alles, wo Weite gezeigt werden soll (Landschaftsaufnahmen) das Querformat gewählt werden. Hochformate eignen sich für Portraits, das Quadrat für Detailaufnahmen.

9. Rahmen

Schaffen Sie um Ihre Bilder einen Rahmen. Woraus die Rahmen bestehen, ist Ihnen überlassen. Sie sollen den Fokus auf einen bestimmten Punkt richten.

BeispielUmsetzung des Rahmens
Spanien, Mauer, Durchgang, Weg, Meer, Promenade, Urlaub
Beispiel 1 (Quelle: © 96419 - Pixabay.com)
In diesem Bild ist ein altes Steintor der Rahmen, der uns den Weg zum Meer öffnet.
Tür, Busch, Haus, Eingang
Beispiel 2 (Quelle: © matrixine - Pixabay.com)
Hier entsteht ein Rahmen durch den Busch, der um die Tür wächst.
Schloss
Beispiel 3 (Quelle: © Monsterfoto)
Hier wirkt das Blätterdach eines Baumes und deren Schatten auf dem Boden als Rahmen.

10. Regeln brechen

Schon so manches Meisterwerk ist entstanden, ohne sich auch nur an eine dieser vorgestellten Regeln zu halten. Bewusst oder unbewusst wurden die Regeln missachtet. Mit der Zeit werden Ihnen diese Regeln in Fleisch und Blut übergehen - und zum Üben müssen sie nicht einmal fotografieren. Nehmen Sie sich Bilder aus Zeitschriften und Bücher und untersuchen Sie sie einfach nach den Regeln.

 


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seit 30 Jahren mit der Kamera unterwegs Spezialisiert auf Menschenfotografie.


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