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Hausnotruf-Kosten: Infos über Systeme für Senioren

In diesem Beitrag: Informationen zu Kosten für einen Hausnotruf für Senioren. Welche Systeme es gibt und ein Video, das zeigt, wie ein Hausnotruf funktioniert, finden Sie in diesem Beitrag.

Unsere Situation ist verfahren. Die Mutter meines guten Freundes, Gerlinde E. (75) aus Sömmerda, kann ihre Wohnung nun seit bereits drei Jahren nicht mehr verlassen. Denn sie zog sich bei einem Sturz vor ihrer eigenen Haustür einen Oberschenkelhalsbruch zu, nachdem sie jahrelang unter Schwindelanfällen litt. Einige Monate nach dem Bruch folgte dann ein Bandscheibenvorfall, an dem sie zweimal operiert wurde. Wir schlugen ihr bereits mehrere Male vor, sie solle nach Erfurt in unsere Nähe ziehen. Doch ihre Antwort war immer nur: „Ich wohne jetzt schon 25 Jahre hier. Hier bleibe ich auch. Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Bis zum Telefon, das in ihrem Flur steht, braucht sie mittlerweile schon ein bis zwei Minuten. Zwar hat sie ihren Rollator in der Wohnung, aber es geht eben alles nicht mehr so schnell.

Natürlich machen wir uns Sorgen. Schließlich wird sie nicht jünger und ihre Genesung geht nur sehr langsam voran. Auch wenn wir mindestens einmal in der Woche von Erfurt nach Sömmerda fahren, um alles Nötige zu erledigen – den Einkauf, Behördengänge, die Hauswoche – bleibt immer noch das Gefühl, dass das auf Dauer alles zu unsicher ist. Es könnte ja immer etwas sein. Und im Falle eines Falles sind wir erst frühestens in einer Stunde vor Ort. Kurzum: Wir wollen mehr Sicherheit für sie, sie jedoch will weiterhin Unabhängigkeit, in dem sie in ihrem Zuhause in Sömmerda bleiben kann. Grund genug, uns also über weitere Möglichkeiten zu informieren. Wir denken, dass ein Hausnotruf eine gute Variante ist, damit sie noch lange und sicher in ihren eigenen vier Wänden bleiben kann.

Wie funktioniert ein Hausnotruf?

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Der Funkfinger wird bequem wie eine Armbanduhr getragen. (Quelle: Initiative Hausnotruf)

Im Prinzip funktioniert ein Hausnotruf ganz einfach. Unsere Gerlinde würde eine Art Armband mit einem Knopf tragen, etwa in der Größe einer Armbanduhr oder wahlweise ein kleines Gerät an einer Kette um den Hals mit sich führen. Diese Geräte – sie werden Funkfinger genannt - sind über Funk mit einer Basisstation verbunden, die wiederum über die Telefonleitung mit einer Einsatzzentrale verbunden ist. In dieser Einsatzzentrale ist immer jemand erreichbar. Wenn Gerlinde mal etwas passiert, z. B. wenn sie stürzt oder sie einen schlimmen Schwindelanfall hat, dann drückt sie den Knopf und wird sofort mit einem Mitarbeiter verbunden. Das kann auch nachts oder an Feiertagen sein. Weil die Anlage eine Freisprechfunktion hat, wird sie auch gehört, wenn sie sich in einem anderen Raum aufhält.

Die Einsatzzentrale hat dann im Gegensatz zum normalen Notruf bereits alle Daten vorliegen. Name, Adresse, zu informierende Angehörige, chronische Krankheiten und die behandelnden Ärzte sind in einer Datenbank gespeichert und werden dem Mitarbeiter in der Einsatzzentrale sofort angezeigt. Das alles hat den Vorteil, dass die Mutter meines Freundes nicht erst bis zum Telefon laufen und eine Nummer wählen muss, was für sie in der Tat eine Schwierigkeit darstellt. Und sie muss sich auch nicht erst lang und breit erklären. Wenn sie dann über den Hausnotruf spricht, braucht sie z. B. nur zu sagen: „Ich bin gestürzt“ und schon kommt der Bereitschaftsdienst zu ihr in die Wohnung und leistet erste Hilfe.

Sollte es nötig sein, wird im Ernstfall zusätzlich der Notarzt in-formiert. Im weiteren Verlauf werden dann auch die Angehörigen benachrichtigt. Eine zusätzliche Möglichkeit ist es, seinen Haustürschlüssel zu hinterlegen, sodass der Bereitschafts- oder Rettungsdienst keine Zeit verliert. Es ist aber nicht so, dass immer gleich der Rettungswagen mit Blaulicht vor der Türe steht, sondern zunächst wird abgeklärt, ob Angehörige, Nachbarn oder der Bereitschaftsdienst die nötige Hilfe leisten können. Wenn es sich tatsächlich um einen Notfall handelt, kommt natürlich schnell der Notarzt und wenn es sich um eine dringende Pflegeangelegenheit handelt, fährt gegebenenfalls die diensthabende Pflegekraft zur Wohnung.

So funktioniert der Hausnotruf. Video: Initiative Hausnotruf

Neben der Notruftaste gibt es an vielen dieser Geräten noch eine Service-Taste, die benutzt werden kann, wenn es weniger drängende Fragen an das Pflege- und Serviceteam gibt. Wenn wir z. B., und das kann natürlich in den nächsten Jahren irgendwann der Fall sein, einen Essen-auf-Rädern-Dienst engagieren oder eine Pflegekraft notwendig wird oder einfach eine Fahrt zur Hausärztin organisiert werden soll, dann würde Gerlinde nur den Serviceknopf drücken. So bleibt die Notrufleitung frei.

Die erste Frage, die sich uns stellte, war natürlich, was passiert, wenn sie den Notrufknopf aus Versehen drückt. Im Prinzip passiert dann nichts weiter. Es ist sogar eine Art Routine für die Mitarbeiter des Hausnotrufes. Zwar sollte das nicht vorkommen, aber wenn es passiert, ist es nicht weiter schlimm. Laut DRK-Angaben sind von den täglich 1.000 eingehenden Hausnotrufen lediglich 5 % ernsthafte Notfälle. Man sagt dann einfach kurz Bescheid, dass es sich nur um ein Versehen handelt und der Dienst leitet keine weiteren Maßnahmen ein. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Wenn der Notrufknopf gedrückt wurde und die Zentrale keinen Sprechkontakt herstellen kann, dann wird von einem Notfall ausgegangen. Es kann ja immer sein, dass die betroffene Person gar nicht mehr sprechen kann. Wenn nach mehrmaligen Nachfragen des Mitarbeiters in der Zentrale keine Antwort kommt, dann wird der Bereitschaftsdienst losgeschickt.

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Der Hausnotruf kann mit einem Knopf aktiviert werden. (Quelle: © Ingo Bartussek - Fotolia)

Welche technischen Voraussetzungen sind notwendig?

In der Wohnung von Gerlinde E. befindet sich ein Festnetztelefonanschluss und eine freie Steckdose (230 V) in dessen Nähe. Von der technischen Seite her würde dies ausreichen. Wenn die normale Telefonleitung gerade besetzt ist, dann funktioniert der Hausnotruf trotzdem, denn das System hat eine sogenannte Vorrangschaltung. Es wählt sich darüber ein, auch wenn der Hörer daneben liegt oder ein Anruf eingeht. Sollte die Leitung der Hausnotrufzentrale besetzt sein, dann wählt das System automatisch unterschiedliche Rufnummern an, solange bis eine freie Leitung ermittelt ist. Die Alarmknöpfe sind in der Regel wasserdicht, so dass Gerlinde sogar damit in die Badewanne gehen könnte. Wenn nach einer gewissen Zeit die Batterie leer geht, benachrichtigt ein Fernauslöser automatisch die Zentrale, sobald der Batteriestand nur noch 20 % vorweist und veranlasst so einen Batteriewechsel. Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit, einen Rauchmelder mit dem Hausnotruf zu verknüpfen.

Welche Hausnotruf-Anbieter gibt es?

Die Anbieter, die den Hausnotruf anbieten, sind in der Regel die Wohlfahrtsverbände. Es gibt jedoch in vereinzelten Städten auch private Anbieter. Für die Region Erfurt kommen z. B. diese vier bekannten Anbieter in Frage: - DRK (Deutsches Rotes Kreuz) - Die Johanniter/Diakonie - Malteser/Caritas und - Die Volksolidarität. Der DRK-Hausnotrufdienst gibt in ihrem Image-Video an, dass sie deutschlandweit 130.000 Teilnehmer betreuen. Die DRK hat einen eigenen Fahrdienst und es gibt ebenfalls die Möglichkeit, den Schlüssel zu hinterlegen. Im Schlüsselkasten der DRK stehen jedoch nur zugewiesene Nummern, sodass ein unberechtigter Zugriff nahezu ausgeschlossen werden kann.

Die Johanniter erklären auf ihrer Internetseite, dass sie nach dem Gespräch mit der Zentrale zunächst Nachbarn oder Angehörige informieren, aber im Notfall wird der Notarzt, Rettungsdienst oder die Polizei alarmiert. Auf den Seiten der Malteser wird vorgeschlagen, den Hausnotruf zunächst einen Monat kostenlos zu testen. Zudem sei der Dienst bereits ab 0,00 Euro beanspruchbar, was jedoch sicherlich nur funktioniert, wenn die Kosten von der Pflegekasse übernommen werden. Die Volkssolidarität wirbt auf ihrer Internetseite u. a. damit, dass sie im Osten bereits 8.000 Teilnehmer betreut, dass sie die Wohnungsschlüssel ohne Mehrkosten in Verwahrung nehmen und dass sie die Beantragung bei den Pflegekassen übernimmt. Außerdem bieten sie nur von den Pflegekassen zugelassene Geräte an und kümmern sich selbst um den Geräteservice.

Welche Kosten entstehen bei einem Hausnotruf

Zunächst fällt bei den meisten Anbietern eine Einrichtungsgebühr an. Diese beläuft sich beispielsweise beim DRK, laut telefonischer Auskunft, derzeit auf 13,49 Euro. Dann wird jeden Monat eine Art Miete oder Grundgebühr fällig, bei der aber der Fahrdienst nicht inklusive ist. Dieser Basispreis beträgt 18,36 Euro. Wenn ein Schlüssel hinterlegt wird, kostet das beim DRK in Thüringen noch einmal monatlich 3 Euro. Im erweiterten Servicepaket für 38,00 Euro sind dann der Fahrdienst und die Schlüsselhinterlegung enthalten. Bucht man dieses Angebot, dann kann der Fahrdienst einmal im Monat kostenfrei in Anspruch genommen werden. Für jede weitere Anfahrt fällt dann jeweils eine Pauschale von etwa 20,00 Euro an.

Was man jedoch beachten sollte ist, dass jeder Bezirksverband unterschiedliche Preise veranschlagt. Die Kosten für den Hausnotruf bei den Johannitern, Maltesern, der Volkssolidarität und dem DRK bewegen sich jedoch alle in derselben Region und können ebenfalls alle telefonisch erfragt werden. Von diesen Kosten übernimmt die Pflegekasse 10,26 Euro der Installationsgebühr und die Basisversorgung in Höhe von 18,36 Euro. Die Voraussetzungen für die Kostenübernahme bestehen darin, dass Pflegestufe 1 vorhanden ist und dass der Anbieter ein Vertragspartner der Pflegekasse ist. Außerdem muss der oder die Pflegebedürftige für die Kostenübernahme über weite Teile des Tages zu Hause allein leben und es sollte auch in gewisser Weise wahrscheinlich sein, dass eine Notsituation eintreten kann. Beim Antragsprozedere wird man jedoch vom Hausnotruf-Anbieter in der Regel un-terstützt. Laut der Initiative Hausnotruf, einem Fachverband für diesen Dienst, ist es zudem auch möglich, den Ersatz der Kosten beim Sozialamt zu beantragen.

Welche Erfahrungen haben andere im Bekanntenkreis?

Mittlerweile haben wir uns auch in unserem Bekanntenkreis umgehört. Ein befreundeter Ergotherapeut, der täglich mit Senioren zu tun hat, ist der Meinung, dass ein Hausnotruf sehr sinnvoll sei: „Ja wir hatten es z. B. schon, dass ein Patient aus dem Rollstuhl gefallen ist. Dann drückt er einfach den Knopf und innerhalb kurzer Zeit kommt jemand vom Fahrdienst und hilft ihm wieder hoch." Eine Freundin äußerte sich jedoch kritisch zu diesem System: „Immer wenn ich meine Großeltern besuche, dann liegt der Knopf in der Schrankwand. Wenn sie das nicht tragen, dann nützt es ja auch nichts.“ Was wir nun tun werden? Wir werden Gerlinde E. die Einrichtung eines Hausnotrufs mit dem Basispaket vorschlagen.

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Daniela Butterich (Jg. 1986) hat Kommunikationsforschung: Politik und Gesellschaft und Psychologie studiert. Seit 2011 arbeitet sie in der Medienbranche im Nachrichtenbereich und war zudem in einem regionalen Kulturverband angestellt. Sie interessiert sich für ...


Kommentare

Interessant für Menschen mit kleinem Portemonaie könnte noch der Hinweis auf "Deutschlands preiswertesten Hausnotruf" (Stiftung Warentest 9/2011) sein, der bundesweit (Stadt, Land, Insel) flächendeckend vertreten ist, sein. Es handelt sich um den Hausnotruf vom Engelschutz e.V. aus Berlin. Hier gibt es Hausnotruf inkl. Schlüsselhinterlegung für mtl. 9,90 €. Mehr Infos unter http://www.euronotruf.de

Mit freundlichen Grüßen,
Rainer Herz

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