Goldener Schnitt berechnen | Portraits fotografieren | Fotografie | Tipps

So gelingt mit dem Goldenen Schnitt das perfekte Portrait!

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(Quelle: Pixabay)

Alle Jahre wieder müssen neue Portraits der Liebsten für den Kamin-Sims her. Mit dem Goldenen Schnitt lässt sich die richtige Positionierung leicht errechnen und das perfekte Foto ohne hohe Kosten selber schießen. Lesen Sie hier mehr dazu.

In der heutigen digitalen Vielfältigkeit entstehen an jeder Ecke Fotos. Sei es eine spontane Momentaufnahme mit dem Handy oder der Griff zur digitalen Kamera, wenn die Kinder im Garten spielen. Sogar Sofortbildkameras erleben ihr Comeback in der weiten Welt der Fotografie. Doch beim Durchstöbern der gemachten Bilder wird schnell klar, es wurde zwar oft auf der Auslöser gedrückt, doch das Vorzeigefoto ist meist nicht dabei. Und ist man dann doch mal überzeugt vom Schnappschuss eines lachenden Familienmitglieds am Kaffeetisch, ist meist dieser nicht zufrieden und es folgt ein ermahnendes „Das hängst du aber bitte nicht für alle sichtbar in der Küche auf.“

Der Gedanke liegt nah, dass ein professioneller Fotograf her muss, damit ein Bild entsteht, mit dem alle zufrieden sind. Das Angebot ist breitgefächert, die Preise jedoch hoch. Doch das muss nicht sein! Mit ein bisschen Geduld kann jeder ein perfektes Portrait schießen und das Fotoshooting dabei zum Spaß für die ganze Familie werden lassen. Wichtig ist, das Ganze nicht zu verkrampft zu betrachten. Zum Fotografieren gehört immer auch Intuition dazu! Beißt man sich zu sehr an Regeln fest, geht oft die Emotion im Bild verloren.

Der erste Schritt zum eigenen Fotoshooting ist die Auswahl einer Location. Das kann vom Garten bis zum Wohnzimmer alles sein. Eine vertraute Umgebung oder man verbindet die Foto-Aktion gleich mit einem Besuch am Badesee. Sind die familiären Fotomodelle zusammengetrommelt, kann es losgehen. Gebraucht wird eine Kamera, dabei muss es nicht die teuerste sein. Es gibt kostengünstige Spiegelreflexkameras für Einsteiger, aber auch gute Digitalkameras.

Der Goldene Schnitt

Wichtig für ein harmonisches Fotoergebnis ist die Wahl des richtigen Bildausschnitts. Motive, die zu mittig fokussiert werden, können schnell langweilig werden oder monoton wirken. Die Schönheit liegt in dem gekonnten Umgang mit Asymmetrien. Zurückzuführen ist unser Schönheitsempfinden auf den feinen Grad zwischen Symmetrie und Asymmetrie: Betrachtet man das menschliche Gesicht, so scheinen sich die Gesichtshälften auf den ersten Blick zu gleichen. Bei genauem Hinsehen wird jedoch klar, sie sind nicht identisch. Perfekte Symmetrie würde langweilig wirken, charakterlos. Ist die Anordnung der Proportionen jedoch zu verschieden, wirkt das Gesicht entstellt. Um das zu verhindern, gibt es den Goldenen Schnitt. Hierbei handelt es sich um ein Raster, welches in Kunst, Fotografie und Architektur eingesetzt wird.

Betrachtet man den Goldenen Schnitt in seiner Theorie, so kann man von einer mathematischen Verhältnislehre sprechen. Das zu betrachtende Ganze wird in einem großen und einem kleinen Teil gespalten, wobei sich der kleine Teil genauso zum großen verhält, wie der große zum Ganzen. Für die Betrachtung bleibt das Verhältnis symmetrisch, da die Verteilung der Proportionen gleich ist. Zur selben Zeit liegt jedoch eine Asymmetrie in den Grundverhältnissen vor. Wer sich genau über die mathematische Herleitung informieren möchte findet alle Details hier.

Doch so viel Abstraktion ist für ein gelungenes Portraitfoto nicht nötig. Beim Goldenen Schnitt in der Fotografie geht es mehr um ein intuitives, gedankliches Auflegen des Rasters auf das Motiv. Hierfür muss sich dieses zunächst vor Augen gehalten werden. Dabei wird das gewünschte Bild in vier Teile unterteilt:

Goldener Schnitt, Raster, Fotogtafie
Raster des Goldenen Schnitts (Quelle: Sina Jurkowlaniec)

Auch hier lässt sich die Wahl der Ausschnitte mathematisch herleiten. Hierbei geht es um die Verhältnisse der Teilstrecken zueinander. Um sich das Raster besser einzuprägen, ist es sinnvoll, sich mit dieser Formel kurz auseinanderzusetzen. Für die weitere Fotografie reicht es dann, die Linien intuitiv über das Bild legen zu können. Für die ideale Wirkung wird der Mittelpunkt des Motivs bei der Wahl des Bildausschnittes nun auf den Kreuzpunkt der zwei Linien positioniert. Bei Bildern im Freien bietet es sich an, den Horizont auf die Teilungslinie (horizontale Strecke A-B) zu legen.

Goldener Schnitt, Raster, Fotogtafie
Goldener Schnitt | Raster | Fotografie (Quelle: Sina Jurkowlaniec)
Goldener Schnitt, Raster, Fotogtafie
Goldener Schnitt | Raster | Fotografie | Portrait (Quelle: Sina Jurkowlaniec)
Goldener Schnitt, Raster, Fotogtafie
Goldener Schnitt | Raster | Fotografie | Portrait (Quelle: Sina Jurkowlaniec)

Die Drittelregel

Eine ähnliche Möglichkeit zur Ermittlung der besten Positionierung ist die Drittelregel. Das Prinzip entspricht dem des Goldenen Schnitts. Diesmal ergibt sich das Raster jedoch aus neun Abschnitten. Der zu fotografierende Ausschnitt wird mit jeweils drei gleichmäßigen horizontalen und vertikalen Linien unterteilt. 

Drittelregel, Raster, Fotografie
Drittelregel | Raster | Fotografie (Quelle: Sina Jurkowlaniec)

Um dieses Raster nun effektiv einzusetzen, wird der Inhalt der fotografischen Szenerie auf 1/3 und 2/3 aufgeteilt. Hier sollten die prägnantesten Detailpunkte des Motives an eine der Linien- Schnittpunkte positioniert werden. Für das Portraitbild bedeutet dies auch, dass die Elemente, die für die Wirkung relevant sind, in den äußeren Dritteln Platz finden. Dies sorgt im Vergleich zur mittigen Fokussierung für Spannung bei der Bildbetrachtung. 

Drittelregel, Raster, Fotografie
Drittelregel | Fotografie | Raster (Quelle: Sina Jurkowlaniec)
Drittelregel, Raster, Fotografie
Drittelregel | Fotografie | Raster (Quelle: Sina Jurkowlaniec)
Drittelregel, Raster, Fotografie
Drittelregel | Fotografie | Raster | Portrait (Quelle: Sina Jurkowlaniec)

Entscheidet man sich für eine Portraitaufnahme im Hochkant-Format, so sollten Sie darauf achten, dass Nase oder Augen in etwa auf der Mittellinie der oberen 2/3 positioniert werden.

Drittelregel, Raster, Fotografie
Drittelregel | Fotografie | Raster | Portrait (Quelle: Sina Jurkowlaniec)

Weitere Tipps und Tricks

Egal, welches Raster man anzuwenden gedenkt, es ist stets wichtig, flexibel und spontan zu bleiben. Die Orientierung an den Linien sind Hilfsmittel, die nicht exakt bemessen und beibehalten werden müssen. So verhält es sich ebenfalls mit der Wahl des Motives. Fällt die Wahl auf die klassische Portraitfotografie, die sich auf das Gesicht fixiert, dann muss auch dieses nicht immer Haaransatz bis Schultern erfassen. Die Stirn gehört beispielsweise nicht zu den ausdruckstärksten Teilen des menschlichen Körpers, weshalb man ruhig Mut haben kann, die Stirn über den Bildrand hinausgehen zu lassen. Auch wenn auf dem Foto ein Teil der seitlichen Haare nicht zu sehen ist, tut dies der Schönheit des Bildes keinen Abbruch, kann dadurch jedoch aufregender und individueller wirken.

Drittelregel, Raster, Fotografie
Drittregel | Raster | Portrait | Fotografie (Quelle: Sina Jurkowlaniec)

Zusammenfassung der Rastertechniken

  • Auf mittige Fokussierung verzichten
  • Bei der Drittelregel die wichtigen Details im äußeren Bildrand positionieren
  • Das hervorzuhebende Motiv im Goldenen Schnitt um den Kreuzpunkt anordnen
  • Das Motiv mit Gefühl positionieren, nicht strikt mathematisch fokussieren
  • Die Raster im Hinterkopf behalten und auf das eigene Gespür achten, wann es an der Zeit ist, den Auslöser zu betätigen

Wer noch mehr über die wichtigsten Tipps und Tricks der Fotografie, zum Beispiel über Kontraste, Licht und Rahmen, erfahren will, findet hier 10 weitere spannende Regeln für ein gelungenes Foto.


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Sina Jurkowlaniec (Jahrgang 1992) studiert Medienwissenschaft an der Bauhaus Universität Weimar. Als Unterstützerin des Tageblattes ihrer Heimatstadt ist sie in die journalistische Tätigkeit eingestiegen und arbeitet regelmäßig für ...


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