Kreuzfahrten Mittelmeer - Senioren - Mein Schiff 3

Kreuzfahrt im Mittelmeer mit "Mein Schiff 3" - Erfahrungsbericht

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(Quelle: Andreas Göbel)

Unser Autor Andreas Göbel war mit der ganzen Familie auf einwöchiger Kreuzfahrt mit "Mein Schiff 3" im Mittelmeer. Welche Erfahrungen und Eindrücke er gesammelt hat lesen Sie imer nachfolgendem Beitrag.

Kinder, die am liebsten den ganzen Tag im Pool verbringen, Senioren, die Wert auf Kultur und Abwechslung legen und dazwischen die Eltern - und am Ende soll jeder Spaß haben und auf seine Kosten kommen? Auf den ersten Blick ist ein Drei-Generationen Urlaub ein Drahtseilakt, der ans Unmögliche grenzt. Da erscheint eine Kreuzfahrt als eierlegende Wollmilchsau unter den verschiedenen Urlaubsangeboten. Denn während sich die Kleinen am Strand oder im Pool amüsieren, kommen auch die Bedürfnisse der Erwachsenen nicht zu kurz. Gelingt das Abenteuer 3-Generationen-Urlaub? Oder bleiben am Ende doch Wünsche offen? Eine Testfahrt auf der luxuriösen "Mein Schiff 3" soll es zeigen.

Mein Schiff 3 - TUI Crusis

Im Prinzip scheint alles perfekt: Schon beim ersten Rundgang über den Dampfer, der mit 15 Stockwerken in manchem Hafen das höchste Gebäude weit und breit ist - und einem Luxus, der kaum Wünsche offen lässt, sind Nörgeleien wegen der Zimmer und der Unterkunft schon einmal abgehakt. Ein gutes Dutzend Restaurants und noch einmal so viele Bars an Bord machen auch Diskussionen wegen des Essens überflüssig.

Zudem wird einiges geboten - von der Kids- und Teens-Lounge über Steak- und Whiskeytastings bis hin zum opulenten Schokoladenbuffet oder Tanz unter dem Sternenhimmel. Für die nötige Stimmung bei den Erwachsenen sorgt außerdem das All-Inclusive-Angebot - weil alles ohnehin bezahlt ist, wird schon mal gern vor dem Mittagessen der erste Cocktail geordert.

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(Quelle: Andreas Göbel)

Die Vielfalt der Attraktionen ist überwältigend - und würde den Rahmen dieser Beschreibung bei weitem sprengen. Das Flaggschiff der TUI-Flotte macht es zugegebenermaßen leicht, den Alltag zu vergessen und sich ganz verwöhnen zu lassen. Immer wieder ist es beeindruckend, das Schiff in seinen riesigen Ausmaßen zu sehen: 300 Meter lang und 35 Meter hoch mit fast 1.000 Balkonkabinen.

Unsere Kreuzfahrt 2014 - Volle Kraft Richtung Mittelmeer

Die Tour geht - zum Test erst einmal eine Woche - in die östliche Adria: Dubrovnik (Kroatien), die an nordische Fjorde erinnernde Bucht von Kotor (Montenegro), Brindisi (Italien) und das griechische Korfu stehen auf der Reiseroute. An- und Abreise erfolgt über den Heimathafen des Schiffs in Malta.

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(Quelle: Andreas Göbel)

Die Vorteile dieser Art zu reisen, wird schnell klar: Ohne einen Fuß zu bewegen, ist man ständig auf Achse. Frühaufsteher bekommen es mit, wenn das Schiff am frühen Morgen in einem neuen Hafen anlegt. Für alle anderen hält jeder morgendliche Blick aus dem Fenster eine neue reizvolle Kulisse bereit. Ausgepackt wird der Koffer nur zu Beginn der Reise, das lästige Leben aus dem Koffer wie zum Beispiel bei Busreisen entfällt.

Und tatsächlich scheint der Plan aufzugehen: Während die Kinder sich mit anderen Gleichaltrigen treffen, die Bordvideothek ausloten und die Eisbar belagern, können die Erwachsenen ungestört auf Erkundungstour gehen. Beim Landgang erklimmen Papa und der rüstige Opa die malerischen Stadtmauern von Dubrovnik, während Oma mit einem der Kinder eine kleine Shoppingtour unternimmt.

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(Quelle: Andreas Göbel)

Ein paar Tage später fahren alle gemeinsam zu einem hübschen Strand am Stadtrand von Brindisi. Nur Opa ist von den malerischen Flaniermeilen in der Stadt so beeindruckt, dass er auf eigene Faust die Stadt erkundet. Und während Oma und die jüngste Tochter an einem heißen Tag auf dem Schiff bleiben, ist der Rest der Familie in den verwinkelten Gassen von Kotor unterwegs.

Nach Lust und Laune wechselt die Zusammensetzung bei den Tagesausflügen. Am Abend und am Morgen versammeln sich alle in einem der Gourmet-Restaurants und erzählen von ihrem Tag und ihren Erlebnissen. Anstelle von Planungsstress und Ausflugszwang sind alle entspannt und verbringen die Tage ganz nach Belieben.

Arbeitsbedingungen für die Crew hinterlassen ein schales Gefühl

Rund 2.500 Passagiere passen an Bord. Um deren leibliches Wohl und die haarsträubende Logistik, die hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf sorgt, kümmern sich rund 1.000 Crewmitglieder. Deren Auskommen ist es am Ende, das wohl den größten Wermutstropfen bei denen hinterlässt, die einen Blick hinter die Kulisse der verschwenderischen Wohlfühlwelt an Bord werfen.

Am härtesten sind die Bedingungen für Angestellte aus Schwellenländern in Asien oder Südamerika. Neun Monate verbringen die meisten von Ihnen für einen Billiglohn auf See - ohne einen einzigen Tag frei zu haben. Die ersten Monate wird erst einmal gearbeitet, um die teuren Flüge zum Hafen der Einschiffung zu bezahlen. Erst dann bleibt ein wenig Geld hängen, das nach Hause zur Familie geschickt werden kann, verrät ein Crewmitglied im Gespräch. Solche Konditionen können den Besatzungsmitgliedern aus den reichen Industrieländern natürlich nicht zugemutet werden: Für sie gibt es eigene Verträge mit besseren Rahmenbedingungen.

Und obwohl gezwungenermaßen viele der Billiglöhner froh sind, überhaupt eine Arbeit zu haben, bleibt doch das schale Gefühl, dass der ganze Luxus des Schiffes letztlich auf den Schultern der Schwachen getragen wird. Das ist nicht nur ein Problem von Mein Schiff 3, sondern ein Übel einer ganzen Branche (siehe auch Artikel Zeit Online).

Fazit: Kreuzfahren für Familien funktioniert

Seltsamerweise wird auch der Luxus schon nach wenigen Tagen für einige in der Reisegruppe etwas schal. Vor allem die beiden Schiffstage ohne Stopp im Hafen werden ohne Ablenkung schnell eintönig. Dank Lesematerial, Bordvideothek und Sauna hält sich das zwar in Grenzen, bei mehreren Schiffstagen auf längeren Reisen kommen aber zumindest die rastlosen Entdecker nicht auf ihre Kosten.

Zudem sind viele Städte schnell überlaufen, wenn gleich mehrere Schiffe anlegen. Dann erreicht die Zahl der Reisenden, die die Sehenswürdigkeiten stürmen, schnell die einer Kleinstadt. Wer auf etwas Individualismus Wert legt, sollte die großen, auch vom Schiff aus angebotenen Touren also eher meiden und auf eigene Faust starten. Kein Problem, solange man zum Ablegen wieder an Bord ist.

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(Quelle: Andreas Göbel)

Das Fazit des Drei-Generationen-Experiments fällt dennoch eindeutig aus: Wer einen stressfreien Urlaub sucht, bei dem Abenteurer, Sporturlauber, Wellness- oder Ruhesuchende unter einen Hut gebracht werden, sollte einmal über eine Kreuzfahrt nachdenken - auch für den kleineren Geldbeutel gibt es mittlerweile zahlreiche Angebote. Zu viele Gedanken über die moralische Seite sollte man sich dabei nicht machen. Doch das gilt freilich auch für die zahlreichen Touristenhochburgen in der Türkei, Griechenland oder anderswo in der Welt.


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Andreas Göbel berichtet aus der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt überaktuelle Themen aus Thüringen und ganz Deutschland - von Politik,Wissenschaft und Kultur bis hin zu Panorama-Themen. Als Freier Journalist lange Jahre für die Nachrichtenagentur dapd tätig,schreibt ...


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