Predigerkirche Erfurt | Andreaskirche | Reglerkirche

Predigerkirche Erfurt, Andreaskirche und Reglerkirche

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(Quelle: Martin Haucke)

Sie gehören zu den schönsten Wahrzeichen der Stadt: Die Predigerkirche, die Andreaskirche und die Reglerkirche. Zu diesen Kirchen finden Sie hier historische Hintergründe, Tipps für Touristen und aktuelle Öffnungszeiten.

Wer auf die Silhouette Erfurts schaut, erblickt die vielen Kirchen und Kirchtürme der Stadt. Sie zeugen von einer lebhaften religiösen Vergangenheit. Martin Luther lebte, lernte und predigte hinter den Stadtmauern Erfurts, deren Zentrum noch heute als eine der kirchenreichsten Altstädte Deutschlands gilt. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr zu den historischen Hintergründen und aktuellen Gegebenheiten dieser Kirchen:

Weitere Kirchen und Türme in Erfurt finden Sie in dieser Übersicht

Predigerkirche in Erfurt

Die Dominkaner, die leidenschaftliche Verkünder waren, hießen „die Prediger“. Daher bekam die Kirche ihres einstigen Bettelordens ihren Namen, deren Bau 1270 begann und sich etwa 200 Jahre hinzog. Beeindruckend sind die Größe und Höhe des Innenraums mit der dreischiffigen Kreuzgewölbedecke. Die neugotischen hohen Fenster mit den Oberfenstern im Mittelschiff durchfluten die Kirche auf ganz besondere Weise mit Licht. Sie gilt daher auch als ein architektonischer Höhepunkt des Bettelordensstils.

Evangelische Predigerkirche, Innenansicht des Kirchenschiffes
Die Innenansicht des Kirschenschiffes in der Predigerkirche. (Quelle: Martin Haucke)

1447 wurde der verhältnismäßig kleine Glockenturm erst fertig gestellt. Für uns heute ungewöhnlich - um 1275 wurden extra Chorschranken im Chorraum errichtet, und dann ab 1410 noch ein begehbarer Lettner als Trennung, um die Klosterbrüder von der öffentlichen Predigtkirche abzugrenzen. Besonders hervorzuheben sei der Hochaltar im Chorraum von 1492 mit Darstellungen aus den Evangelien, das Tafelgemälde-Kalvarienberg aus 1350 und die Stein-Figuren am Lettner.

Aber es gibt auch noch vieles andere zu entdecken. Untrennbar mit der Geschichte der Kirche ist der Name von Meister Eckhart (1260-1328) verbunden. Schon als Knabe trat er dem Erfurter Dominikanerorden bei, lebte als Mönch, studierte in Köln und Paris. Er machte sein Doktorat und war später auch Prior des Erfurter Prediger-Klosters und dann auch Vikar für ganz Thüringen. In diese Zeit, besonders zwischen 1294-1298, fallen seine Worte der Unterweisung. Meister Eckhart ging als der große Mystiker des Mittelalters in die Geschichte ein.

Als er später in Straßburg dem Papst mehrfach widersprochen hatte und nur seinem Gewissen gefolgt war, wurde er als ein Greis einer peinlichen Befragung (unter Folter) des Geistlichen Tribunals in Köln unterzogen. Es gelang ihm jedoch wieder freizukommen, starb aber wenig später. Das hinderte jedoch den Papst Johannes XXII. nicht daran, ihn 1329 noch ein Jahr nach seinem Tod schuldig zu sprechen, und nachträglich zum Tode zu verurteilen. Eine Bronzearbeit an der Tür der Nordfassade sowie eingelassene Aussprüche am Eingangsportal sind eine Homage auf ihn.

1521 hielt dann die Reformation Einzug in die Kirche und 15 Altäre sowie zahlreiche Bilder mussten weichen. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) nutzte der schwedische König und Führer der protestantischen Liga, Gustav Adolf II., die Predigerkirche als seine Hofkirche. Als dankbare Erinnerung stifteten die Schweden 1911 der Kirche den „Gustav-Adolf-Brunnen“ an der äußerlichen Nordseite. Ab 1806, während der französischen Besatzung, nutzte Napoleon die Kirche als Kriegsgefangenenlager und Heumagazin. Die Kirche verfiel immer mehr, darum plante er auch, diese abzureißen. Dazu kam es dann aber nicht mehr.

Im II. Weltkrieg erlitt die Kirche indirekte Schäden – Zerstörung der Fenster und eine fast komplette Dachabdeckung. Nach dem Krieg gestaltete der Erfurter Meister Heinz Hajna vier Chor-Fester mit Bruchstücken aus dem zerstörten Glas als mahnende Erinnerung. Von 1993 bis 2009 wurden sehr erfolgreich umfangreiche Sanierungen an Kirche und Kloster vorgenommen. Die u. a. dadurch wieder neu erstrahlenden Wappen auf den jeweiligen Schlusssteinen am schicken Deckenkreuzgewölbe weisen auf die ehemaligen Spender hin. Es waren Patrizierfamilien und verschiedene Zünfte.

In der Nähe der Predigerkirche finden Sie auch die Alte Synagoge, die Bartholomäusturm und den Paulsturm. Auch der Erfurter Dom und die St.-Severi-Kirche sind nicht weit weg.

Evangelische Predigerkirche, Orgel, Deckengewölbe
Der Blick auf das Prospekt mit der 1977 errichteten Orgel. (Quelle: Martin Haucke)

Öffnungszeiten: Dienstag – Samstag:  11.00 bis 16.00 Uhr, Sonn- und Feiertags: 12.00 bis 16.00 Uhr

 Die Evang. Andreaskirche in Erfurt

Die Andreaskirche im Andreasviertel, der Erfurter Altstadt zugehörig, wurde das erste Mal 1182 urkundlich erwähnt und ist damit seit über 800 Jahren die älteste Pfarrkirche Erfurts.Sie ist benannt nach dem Apostel Andreas, dem Bruder des Petrus, einem der am meisten benachteiligten Personen im Neuen Testament, weil er darin eigentlich nur einmal wirklich erwähnt wird, nämlich bei seiner Berufung. Wahrscheinlich hatte Jesus am wenigsten mit ihm Ärger, im Gegensatz zu den anderen „Mitkämpfern“. Überliefert ist, dass er unter Kaiser Nero an schräg aufgestellten Balken gekreuzigt worden sein soll, daher das Symbol für ihn – das „Andreas-Kreuz“. Noch heute finden wir es etwa auf manchen Bahnübergängen.

Evangelische Andreaskirche, Außenansicht von Kirchenschiff und Turm
Die Außenansicht der evangelischen Andreaskirche. (Quelle: Martin Haucke)

Gegenüber, auf dem Erfurter Petersberg, direkt lag das Benediktinerinnen-Kloster. Die Andreaskirche war über Jahrhunderte hinweg sehr eng mit diesem verbunden und auch deren Gottesdienstkirche. Ab 1522 dann zog die Reformation in die Andreaskirche ein und wurde somit evangelisch. Aus dieser Zeit erinnert auch das allererste Lutherdenkmal, eine Grabplattenanfertigung anlässlich seines Todes, welches die Kirche beherbergt. Es ist ein Holzoriginalschnitt aus der Cranachwerkstatt in Wittenberg, nach dem der Bronzeabguss durch eine Erfurter Firma getätigt wurde. Sie wurde nachträglich bemalt.

 

Evangelische Andreaskirche, Altar
Der Altar mit der originalen Luthergrabplatte. (Quelle: Martin Haucke)


Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche von den Schweden besetzt. Es wurde der Turmhelm abgerissen und eine Geschütz-Batterie aufmontiert, für die Sache der „Evangelischen Liga“. 1772 – 1781 war der Theologe Christian Gotthilf Salzmann (1744-1811) an der Andreaskirche als Gemeinde-Pfarrer angestellt. Er war ein Reformpödagoge und warb für eine verständnisvollere Beziehung zwischen Eltern und Lehrern gegenüber den Kindern. Er gründete mehrere Reformschulen in Thüringen und auch Goethe wurde auf ihn aufmerksam.In der französischen Besatzung zwischen 1806 – 1813 wurde die Kirche als Waffendepot benutzt.


Im 2. Weltkrieg dann erlitt die Kirche Schäden durch die englischen Luftbombardements.
Interessant ist die in der Kirche auf mehreren Schautafeln dargestellte Aufarbeitung der Haltung Luthers in seiner Spätphase gegenüber den Juden, sowie die Haltung der Evang. Kirche zum III. Reich und dem Holocaust, mit vielen Einzelbeispielen aus Thüringen und Deutschland.

Evangelische Andreaskirche, Kirchenschiff, Emporen, Orgel
Der Blick auf die Orgel und in das Kirchenschiff der Andreaskirche. (Quelle: Martin Haucke)


Für Liebhaber noch eine Einmaligkeit, die es zu bewundern gilt: Eine Dauerleihgabe eines privaten Sammlers – sämtliche Lutherbriefmarken, zusammen mit Themen und Personen der Reformation, wie Katharina von Bora, Philipp Melanchthon, Lukas Cranach, Paul Gerhardt, Johann Sebastian Bach usw. – vom 3.Reich bis in die Gegenwart mit Schwerpunkt DDR.
Die Andreaskirche ist täglich verlässlich geöffnet:
Mo. bis So. 13.00 bis 1700 Uhr.

Reglerkirche

Die Reglerkirche befindet sich in der Altstadt von Erfurt. Sie wird auch Augustinuskirche genannt und zählt zu den größeren Kirchen der Landeshauptstadt. Das Gotteshaus einer evangelischen Gemeinde galt bis zum Mauerfall als Zentrum für die Kirchenmusik in Erfurt. Der Bau dieser Kirche begann 1130 und wurde 1238 vollendet. Die romanische Stiftskirche wurde von den „canonici regulares“ in Auftrag gegeben. Die regulierten Augustiner-Chorherren lebten in klösterlicher Gemeinschaft nach den Regeln des hl. Augustin. Sie hatten die Pfarrechte für Taufe, Predigt, Beichte und Krankenbesuch inne und verstanden sich selbst als Priester.
Die Bezeichnung Reglerkirche geht somit auf eine alte Abkürzung aus dem Erfurter Sprachgebrauch zurück. Besonders ist, dass diese Kirche trotz romanischer Bauweise über ein Langhaus und einen Chor im gotischen Stil verfügt.

Evangelische Reglerkirche, Bahnhofsstraße, Außenansicht von Türmen und Kirschenschiff
Die Außenansicht der Reglerkirche in der Bahnhofsstraße. (Quelle: Martin Haucke)


1291 wurde die Kirche beim großen Stadtbrand stark zerstört, sodass ein Großteil des Baus abgetragen werden musst. Während der Reformation wurde das Gotteshaus 1525 in eine evangelische Pfarrkirche umgewandelt. In unmittelbarer Nähe befanden sich die Klostergebäude der augustinischen Gemeinde. Sie brannten zum Großteil im Jahre 1660 ab. Während der Besatzung durch Napoleon wurde die stark zerstörte Kirche als Lazarett genutzt, sodass weitere Schäden die Folge waren. Durch den andauernden Verfall musste die Reglerkirche 1845 geschlossen werden.In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolge eine umfangreiche Wiederherstellung und Rekonstruktion des Gebäudes. Schäden am Dachstuhl aus dem Zweiten Weltkrieg wurden bis 1973 umfassend saniert.

Besonders ist an der eigentlich romanischen Reglerkirche die Nutzung des gotischen Baustils. Dies betrifft das Langhaus und den Chor. Der spätgotische Flügelaltar hat eine kunstgeschichtlich hohe Bedeutung und gilt als einer der qualitätsvollsten und besterhaltenen Altäre seiner Zeit in Mitteldeutschland. Auch die Orgel der Reglerkirche ist von besonderer Qualität. Sie wurde in den Jahren 1968-1977 vom Erfurter Orgelbauer Friedrich Löbing erbaut. Der abschließende Einbau des Brustwerks erfolgte 1983.

Evangelische Reglerkirche, Bahnhofsstraße, Innenansicht, gotisches Langhaus, gotischer Chor, romanischer Bau
Das Kirchenschiff mit Blick auf den Chor der Reglerkirche. (Quelle: Martin Haucke)

Standort:
Altstadt Erfurt, Bahnhofstr. 7, 99084 Erfurt, maps: 50.975040, 11.036130
Öffnungszeiten:
Mo-Fr. geschlossen
Sa 10 – 12 Uhr
So 09:30 – 11 Uhr
Aktuelle Termine zum evangelischen Gottesdienst finden Sie auf der Webseite der Reglergemeinde: http://www.reglergemeinde.de/gottesdienst/.


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Martin Haucke war als Praktikant für basenio.de tätig.


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