Paulsturm Erfurt | Wigbertikirche | Crusiskirche

Paulsturm Erfurt, Wigbertikirche und Cruciskirche

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(Quelle: Lisa Angrick)

Sie gehören zu den interessantesten schönsten Denkmälern der Stadt: Der Paulsturm, die Wigbertikirche und die Crusiskirche. Zu diesen Kirchen finden Sie hier historische Hintergründe, Tipps für Touristen und aktuelle Öffnungszeiten.

Die thüringische Landeshauptstadt Erfurt ist reich an Kirchen und Klöstern. Im Mittelalter war die Stadt an der Gera eine prospierende Metropole, die auch in der Bildung eine herausragende Stellung einnahm. Die Universität Erfurt zählt zu den ältesten deutschen Hochschulen. Einer der berühmtesten Studenten der Universität war Martin Luther. Schon zu seinen Lebzeiten standen viele der sakralen Bauten Erfurts. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über:

Weitere Kirchen und Türme in Erfurt finden Sie in dieser Übersicht.

Paulsturm in Erfurt 

Der Paulsturm bei der kleinen Arche ist der Turm der ehemaligen Paulskirche. Diese wurde erstmals 1216 erwähnt. Nachdem sie bei einem Stadtbrand Mitte des 18. Jahrhunderts zerstört wurde, baute man sie nicht wieder auf. Vom Turm aus hat man einen prächtigen Blick auf die Predigerkirche und das nebenan stehende Erfurter Ratsgymnasium. Der Bau des Turmes begann 1465, wobei keine bekannten Hinweise überliefert sind, warum er errichtet wurde. Im Zuge der Reformation ging der Turm 1525 in die Evangelische Kirchengemeinde über. Ein Jahr nach dem Stadtbrand 1736, wurde die beschädigte Turmspitze wieder aufgerichtet und der Turm um ein Stockwerk mit Schallöffnung erhöht. Die Glocke im Turm gehört der Predigergemeinde. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Gemeindehaus am Turm angebaut.

Paulsturm, Stockwerk mit Schallöffnung, Paulsstraße
Der Paulsturm mit dem Gemeindehaus und erhöhtem Stockwerk mit Schallöffnung. (Quelle: Martin Haucke)

Bis 1995 wurde dessen Obergeschoss als Archiv genutzt. Im Erdgeschoss befand sich der Abstellraum eines Kindergardens. Nebenan im Gemeindehaus befand sich die Wohnung des Küsters und des Rendanten. Der Kindergarten und die Paramentenwerkstatt der kirchlichen Werkstätten war später im Gemeindehaus des Paulsturms untergebracht. Heute sind im Paulsturm das Café Paul und der Predigerkindergarten. Die kleine Kapelle im Turm stellt einen Raum der Ruhe und Besinnung dar, indem all die Hektik des Alltags vergessen werden soll. Der Turm kann nicht besichtigt werden. Doch die Glocke ist zu besonderen Anlässen in der Predigerkirche zu hören.

Um einen Großteil der Erfurter Kirchen zu besuchen, haben sie die Möglichkeit sich einen Elektro-Scooter auszuleihen.

Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahnlinie 3,4 und 6 – Haltestelle Fischmarkt/ Rathaus

Parken: Parkhaus Forum 2/3 (Fußweg 10 Minuten)

Wigbertikirche

Vom Paulsturm 150 Meter entfernt befindet sich die katholische Wigbertikirche. Die einschiffige Pfarrkirche wurde um 1233 fertiggestellt und wahrscheinlich vom Kloster Hersfeld in Auftrag gegeben, zu dessen Hof sie gehörte. Das spätgotische Langhaus wurde ungefähr 1434 vollendet, der dazu gehörige Chor folgte nach zwei Jahren Bauzeit 1475. Während der Zeit der Reformation gingen abwechselnd Katholiken und Protestanten in der Kirche ein und aus. Schwedische Garnisonskirche war die Wigbertikirche während der Besetzungszeit der Schweden in Erfurt. Die endgültige Sicherung als katholische Kirche gelang 1635 nach Anerkennung des Prager Friedens. Nach Reparaturarbeiten und Instandsetzungen in den Jahren 1653 bis 1670 wurde die Wigbertikirche den Mönchen des Augustinerklosters zugesprochen.

Katholische Wigbertikirche, Angerbrunnen, Turm, Kirschenschiff
Die Wigbertikirche aus der Sicht des Angerbrunnens. (Quelle: Martin Haucke)

1699 wurde die Wigbertikirche zur Hofkirche, was im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Statthalterei steht, die der Mainzer Statthalter von Stromberg in Auftrag gegeben hatte. Als 1822 das Kloster vom preußischen Pfarrer aufgehoben wurde, ging die bisherige Hofkirche wieder zur katholischen Pfarrkirsche über.´Nach zwei Jahren aufwändiger Sanierungsarbeit konnte die Wigbertigemeinde am 4. Juli 2004 die Kirche wieder in Besitz nehmen. Der Höhepunkt beim Festgottesdienst bestand aus der Einweihung des neuen Altars.

Katholische Wigbertikirche, Kirschenschiff, Beichtstuhl, Deckengewölbe
Die Wigbertikirche von innen mit Blick auf den Chor, dem Altar und dem Beichtsuhl auf der linken Seite. (Quelle: Martin Haucke)

Die Ausstattung in der Kirche ist trotz beachtlicher Kunstwerke schlicht. So befinden sich beispielsweise an der Westfassade eine ausgezeichnete Madonna mit Kind, ein Schmerzensmann aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und zwei große Plastiken. Der weitere Innenraum ist mit Bänken und Beichtstühlen im Rokokostil ausgestattet.

Öffnungszeiten: Bis zu einem Schaugitter ist die Kirche mehrere Stunden täglich zugänglich. Ganz geöffnet ist die Wigbertikirche in den Sommermonaten, von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr, oder zu den Gottesdiensten am Dienstag und Donnerstag, um 9:00 Uhr, und Sonntag, um 10:00 Uhr. Die zweite Kirche der Gemeinde ist die Cruciskirche nur wenige Straßen weiter in der Neuwerkstraße.

Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahnlinie 2 – Haltestelle Angerbrunnen

Parken: Parkhaus Forum 2/3 (Fußweg ca. 5 Minuten)

Cruciskirche

Die katholische St. Crucis-Kirche wird von den Erfurter auch Neuwerkkirche genannt. Grund dafür ist ihre Lage in der Neuwerkstraße. Sie gehört zur katholischen Pfarrgemeinde der St. Wigbert- Kirche, von der die knapp 850 Jahre alte Kirche nur drei Minuten zu Fuß entfernt steht.
Die Kirche wurde 1194 bis 1196 in die neue Klosteranlage einbezogen, nachdem das Augustinerkloster vom Hospital zum Heiligen Geist in die St. Crucis verlegt worden war.

1291 vernichtete der Stadtbrand die gesamte Anlage und mehr als 30% der Stadt. Nachdem die Kirche bereits nach wenigen Jahren wieder hergerichtet war, wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts innerhalb von sieben Jahren der romanische Bau der Kirche durch einen spätgotischen Bau ersetzt. Selbst als während des Bauernkrieges 1525 der Kirchenschatz geplündert wurde, und 1631 die Reste des Klosterschatzes von den Schweden übernommen wurden, konnten die katholischen Augustinnerinnen das Kloster weiterhin für sich behalten.

Katholische Cruciskirche, Neuwerkstraße, Glockenturm
Der Glockenturm der Cruciskirche. (Quelle: Martin Haucke)

Umfangreiche Erneuerungsarbeiten wurden mit dem heute noch vorhandenen Grundstein Anfang des 18. Jahrhunderts begonnen und 1735 mit der Fertigstellung der gotischen Mauern beendet. Die fünf Jahre später fertige Inneneinrichtung können Sie noch heute bestaunen. Vier Jahre nachdem das Kloster als Militärlazarett gedient hat, folgte schließlich die Aufhebung des Klosters und wenige Jahre später der Abbruch der Klostergebäude. Von 1978 bis 1986 gab es eine letzte umfassende Restaurierung der Kirche.

Die Kirche hat eine besondere Schönheit. Die Crucis-Orgel des Meisters Franziskus Volckland, die für die damaligen Augustiner Chorfrauen 1739 errichtet wurde. Nach vielen Spendenaktion und einem eigens für den Wiederaufbau der Orgel gegründeten Verein, konnte die Orgel im Sommer 2003 nach drei Jahren Bauzeit wieder klangvoll ertönen. Im mitteldeutschen Raum zählt sie heute zu den bedeutendsten Barockinstrumenten. Wenn Sie gerne einmal dem Klang der Crucis-Kirche lauschen möchten, dann besuchen Sie einfach den sonntäglichen Gottesdienst, um 8:30 Uhr. Es lohnt sich!

Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahnlinie 2 – Haltestelle Lange Brücke (Fußweg ca. 5 Minuten) oder Karl – Marx – Platz (Fußweg 2 Minuten)

Parken: Parkplatz Eichenstraße (Fußweg 6 Minuten)


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Profilbild von Lisa Angrick

Lisa Angrick absolvierte ein zweiwöchiges Praktikum bei Basenio.de.


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