Lorenzkirche Erfurt | Schottenkirche | Ursulinenkloster

Lorenzkirche Erfurt, Schottenkirche und Ursulinenkloster

Bild zum Artikel: Lorenzkirche Erfurt | Schottenkirche | Ursulinenkloster
(Quelle: Martin Haucke)

Die Lorenzkirche, die Schottenkirche und das Ursulinenkloster in Erfurt. Zu diesen sakralen Bauten finden Sie hier historische Hintergründe, Tipps für Touristen und aktuelle Öffnungszeiten.

Erfurt ist reich an Kirch- und Turmbauten. Sie zeugen vom Wohlstand der Stadt, den sie im Mittelalter durch den Handel erlangte. Zu jenen Zeiten gewann die Stadt an der Gera auch in der Kirchenwelt an Bedeutung. Die theologische Fakutlät der hiesigen Universität zog auch den Reformator Martin Luther an. In diesem Beitrag finden Sie historische Hintergründe und Informationen zu diesen sakralen Bauten (inklusive Parkmöglichkeiten & Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln): 

Weitere Kirchen und Türme in Erfurt finden Sie in dieser Übersicht.

Lorenzkirche

Direkt am Anger steht die katholische St. Lorenzkirche. Sie gehört gemeinsam mit der St. Georgkirche, der St. Nicolai-Jacobi-Kirche und dem Ursulinenkloster zur Innenstadtpfarrei St. Laurentius. 1140 stiftete der aus Mainz stammende Vitztum Gislebert den Kirchbau. Die Lorenzkirche wurde 1318 durch den Mainzer Erzbischof Peter von Mainz dem sehr armen Reglerkloster zugeschrieben. Während der Reformation konnte das Kloster jedoch das Patronat über die Kirche nicht mehr aufrecht erhalten. Einerseits hatte man zu wenig Mönche, andererseit spaltete die Reformation die Einheit. Während in der Reglerkirche fortan der evangelische Glaube gepredigt wurde, blieb der Pfarrer in der Lorenzkirche katholisch. Peter von Mainz verschenkte 1615 das inzwischen leere Reglerkloster an die Jesuiten. Als das Kloster 1660 abgebrannt war, verzichteten die Jesuiten auf Ihren Zuspruch der Lorenzkirche, verlangten dafür aber die freie Mitbenutzung.

Katholische Lorenzkirche, Kirchenschiff, Turm, am Anger
Die Außenansicht der Lorenzkirche am Anger in Erfurt. (Quelle: Martin Haucke)

Der ursprünglich romanische Bau ist nicht mehr erhalten. Der Turm und Teile der Westwand gehören mit einem Alter von acht bis sieben Jahrhunderten zu den ältesten Bauteilen. 1413 wurde die Lorenzkirche wie viele andere Bauten bei einem verherrendem Stadtbrand schwer beschädigt. Die Renovierungsarbeiten im 15. Jahrhundert führten für damalige Verhältnisse zu einem besonderen Kunstbau. Das drückte sich im Anbau des nördlichen Seitenschiffs, an der runderneuerten Wand zur Angerseite und an den Fenstern, die über den Dachgesims hinaus mit Giebeln erhöht wurden, aus. Weitere Restaurierungen fanden von 1888 bis 1893 und 1965 bis 1966 statt. Heute findet man ein klares und übersichtliches Hauptschiff, ein nach Osten schmaler werdendes Seitenschiff und eine spätgotische Tür mit Zugang zur Sakristei vor. Im Erdgeschoss befindet sich eine Beichtkapelle, die mit einem Alter von rund 720 Jahren zu den ältesten Bauteilen des Gotteshauses gehört.

Katholische Lorenzkirche, Kirchenschiff, Chor, Altar
Das Kirchenschiff und der Chor der Lorenzkirche am Anger. (Quelle: Martin Haucke)

Öffnungszeiten: Die Kirche kann in den Sommermonaten von 9:00 Uhr bis 11.30 Uhr besichtigt werden. An jedem Tag außer Montag finden zu unterschiedlichen Zeiten Gottesdienste und andere Veranstaltungen statt. Die Kirche kann außerhalb der Öffnungszeiten über die Glastür am Eingang besichtigt werden.

Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahnlinien 1, 2, 3, 4, 5 und 6 – Haltestelle Anger

Parken: Parkplatz Anger (Fußweg 6 Minuten) oder Parkplatz Forum 4 (Fußweg 7 Minuten)

Die Lorenzkirche (blau), die Schottenkirche (gelb) und das Ursulinenkloster (weinrot) im Erfurter Stadtplan.

Schottenkirche

Das Schottenkloster stand in der Erfurter Altstadt. Nach dem Muster der Abtei St. Jakob in Regensburg entstand der sakrale Bau 1136. Wie in Regensburg lebten irische Mönche hinter den Mauern des Klosters. 1299 und 1472 zerstörten große Stadtbrände die Kirche und das anliegende Kloster. Anfang des 16. Jahrhunderts wurden die irischen Mönche von den namengebenden Schotten aus dem Kloster verdrängt. Im II. Weltkrieg wurden bei Luftangriffe besonders der Turm und die Orgel der Kirche beschädigt. Ein Großteil konnte jedoch im Laufe der Jahre wieder hergerichtet werden.

Äußerlich veränderte sich die Kirche von ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild. So wurde das massive Gewölbe im aufstrebenden Mauerwerk durch ein Scheingewölbe aus Holz ersetzt, ebenso wie die Fensterausbrüche in den Seitenschiffen, welche die romanischen Rundbogenfenster vergrößerten. Die romanische und sehr große Basilika im inneren der Kirche blieb jedoch erhalten. 1956 wurde der Fußboden auf das ursprüngliche Niveau des 12. Jahrhunderts abgesenkt. Bei alten Städten ist es üblich, dass sich das Geländeniveau nach 800-900 Jahren gehoben hat. Aus diesem Grund befinden sich am Eingang der Schottenkirche, die auch St. Jacobi und Nicolai-Kirche genannt wird, einige Stufen, die etwa einen Meter zum Vergleich des Außenniveaus nach unten führen.

Katholische Schottenkirche, Kirschenschiff, Blick zum Altar
Die romanische Basilika in der Schottenkirche. (Quelle: Martin Haucke)

Heute ist die Schottenkirche die einzig lebendig gebliebene romanische Kirche der Stadt Erfurt. Seit 1975 besteht die Schola der Kirche, welche liebevoll die „Schottenspatzen“ genannt wird. Kinder und Jugendlichen lernen hier Grundkenntnisse im Singen und Spielen von Instrumenten. Es herrscht der christliche Grundsatz des Gebens und Nehmens. Zurzeit gehören etwa 30 Kinder und Jugendliche im Alter von 6-17 Jahren der Schola an. 

Öffnungszeiten: Durch den Einbau des Glaswindfangs im Jahr 2012 ist es möglich, vom 01.05 – 30.09 täglich von 10:00 – 17:00 Uhr einen Blick in die Kirche zu werfen. Besichtigungen sind samstags von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr möglich.

Öffentliche Verkehrsmittel: vom Hauptbahnhof mit der Straßenbahnlinien 1 und 5 - Haltestelle Stadtmuseum/ Kaisersaal. 

Parken: Parkhäuser Hotel am Kaisersaal  oder Q – Park Anger 1

Ursulinenkloster

Direkt am Erfurter Anger befindet sich das ca. 1136 erbaute Ursulinenkloster. Als 1246 dessen romanische Kirche abbrannte, wurde an gleicher Stelle 1300 ein neugotischer Bau fertiggestellt. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde das Konventsgebäude Stück für Stück erweitert. Bis 1198 gehörte das Kloster den Augustinerchorfrauen. Ab 1198 war das Ursulinenekloster für die nächsten 470 Jahre das Kloster der Magdalenerinnen, die die Aufgabe hatten, Mädchen zu lehren und zu erziehen. Schließlich übergab Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn 1667 das Kloster den namensgebenden Ursulinen.

1672 folgte eine Ausgestaltung von Chörchen und dem alten Sprechzimmer im Barockstil. Nachdem 1700 ein zweites Ursulinenkloster in Duderstandt gegründet wurde, folgte 1712/13 die Ausgestaltung von Refektorium und Kommunität ebenfalls im Stil des Barocks. Angela Merici, die Gründerin der Ordensgemeinschaft aus der die Ursulinen hervorgingen, wurde 1768 seliggesprochen und 1807 folgte ihre Heiligsprechung. Den Schutz der Gemeinschaft stellte sie unter den Schutz der Heiligen Jungfrau und der Märtyrerin Ursula. Angela Merici‘s Glaubenskraft und Standhaftigkeit sollte die Mitglieder der „Gesellschaft der heiligen Ursula“ bestärken. Als 1803 der Kaiser beschloss, dass das Ursulinenekloster samt Schule bestehen bleiben sollte, folgte 1868 die Einrichtung der Kleinkinderbewahranstalt und des späteren Kindergartens.

katholische Ursulinenkloster, Haupteingang, Anger
Die Seite des Ursulinenklosters die zum Anger zeigt. (Quelle: Martin Haucke)

Aufgelöst wurde das Kloster 1879, aber die Schwestern konnten weiterhin im Kloster wohnen. Die Schule gehörte von da an zur Stadt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche des Klosters renoviert und die alten Grabplatten im Vorgarten aufgestellt. Im II. Weltkrieg wurde die Klosterkirche zerstört und bis 1950 wieder aufgebaut. In den darauffolgenden Jahren folgten viele Sanierungen. Der Kindergarten ist noch heute erhalten. Auch heute leben noch Ordensfrauen im Ursulinenkloster. Ein erst kürzlich fertiggestellter Neubau ist barrierefrei und hat einen Aufzug. 

Öffnungszeiten: Führungen werden angeboten in zwei historischen Räumen und in der Klosterkirche. Ein Termin kann vereinbart werden; Zeiten sind vorrangig zwischen 9 Uhr und 11 Uhr, zwischen 14 Uhr und 17 Uhr.

 

Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahnlinien 1,2,3,4, 5 und 6 – Haltestelle Anger (Fußweg 2 Minuten)

Parken: Parkplatz Anger (Fußweg 3 Minuten) oder Parkhaus Q-Park Anger 1 (Fußweg 3 Minuten)


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Profilbild von Lisa Angrick

Lisa Angrick absolvierte ein zweiwöchiges Praktikum bei Basenio.de.


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