Erfurter Dom | Severikirche Erfurt | Gloriosa

Der Erfurter Dom & die St. Severikirche

Bild zum Artikel: Erfurter Dom | Severikirche Erfurt | Gloriosa
(Quelle: Martin Haucke)

Sie sind Wahrzeichen der Stadt: Der Erfurter Dom, die Severikirche und die Gloriosa. Zu beiden sakralen Bauten finden Sie hier historische Hintergründe, Tipps für Touristen und aktuelle Öffnungszeiten.

Es gibt wohl kaum ein Besucher, der nicht fasziniert ist, von dem pittoresken Ensemble des Erfurter Doms und der Severi Kirche. Dazwischen führen die stolz aufsteigenden 70 Domstufen bis zu den Eingangsportalen der beiden sakralen Bauten. Die schönste architektonische Baugruppe Thüringens ist auch zugleich eines der beliebtesten Fotomotive im Freistaat. Was wäre Erfurt ohne diese bezaubernde Silhouette? Sie ist Wahrzeichen der Stadt und Kulisse für Veranstaltungen wie die Domstufen-Festspiele und den Weihnachtsmarkt.

Der Kath. Dom "St. Marien" in Erfurt

Während andere Dombauten Europas Jahrhunderte brauchten, um fertiggestellt zu werden - und es zum Teil bis heute nicht sind -, kennen wir den Erfurter Dom in seiner heutigen Form seit 1465. Also bereits über 550 Jahre. Die Gründung hängt mit der Entstehung der Stadt Erfurt zusammen. Der Mönch und Missionar Bonifatius brachte das Evangelium des Neuen Testamentes im Jahre 725 hierher und ließ eine Marienkirche gegenüber der Siedlung „Erphesfurt“ erbauen – Furt für Flußüberquerung. 742 machte er ein Bistum daraus mit der Kirche St. Marien als Bischofskirche.

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Einblick in den Erfurter Dom. Der neugotische Chorraum mit dem Hochaltar. (Quelle: Martin Haucke)

In einem völligen Neubau von einer Kirche zum einem Dom gelang eine technische Meisterleistung, wie man sie bis dahin in Deutschland noch nicht kannte. Dazu gehören: Die steinerne Hügel-Erweiterung als vorgezogener Hochbau auf dem der gesamte Chorraum ruht. Diese 14 Meter hohen Karvaten  (lat. cavus: hohl-gewölbt) sowie dem darauf befindlichen Chorbau mit noch einmal 26 Meter Höhe aus dem 14. Jahrhundert machen den Charme des Anblicks und die bezaubernde Ausstrahlung des Doms - und damit auch der gesamten sakralen Baugruppe - aus. Im Chor selber brillieren die 15 hochgotischen Buntglasfenster mit je 18 Meter Höhe und  2,5 Meter Breite.

Der Dom „St. Marien“ beeindruckt auch besonders durch viele äußerliche lebensnahe Steinkunstarbeiten des Mittelalters. Vor allem an den Portalen sind sie sichtbar. Die Apostelgruppe am Haupteingang oder die klugen und törichten Jungfrauen am westlichen Triangel-Portal mit ihren sehr echten Gesichtszügen sind wahre Blickfänger.   Im Inneren befindet sich ein reich verziertes Chorgestühl, verschiedene Reliquien aus dem Mittelalter, eine hübsche Bronzestatue – eine der ersten in Deutschland überhaupt, viele Gemälde, besonders die des Heiligen Christopherus, welcher in der Sage das Christuskind trägt und eine übergroße Wandarbeit.

In dieser digitalen Karte sind der Erfurter Dom (blaue Markierung) und St. Severikirche (rote Markierung) gekennzeichnet. Mit Minus und Plus kann die Karte größer beziehungsweise kleiner gezogen werden.

Noch eindrücklich zu erwähnen sei die „Gloriosa“, die größte freischwingende Glocke weltweit. Im Mittleren der drei Türme des Doms kann man sie besichtigen. Sie wurde 1497 fertiggestellt. Als Martin Luther 1507 im Dom zum Priester geweiht wurde, konnte er sie bereits hören. Die Glocke wiegt 11,5 Tonnen, ist auf ein tiefes E gestimmt, und bei idealen Bedingungen 30 Kilometer weit zu hören. Sie hat einen Nachklang von sechs Minuten. Heute läutet sie etwa zehnmal im Jahr, etwa zu den hohen Feiertagen. Napoleon übrigens hatte den Dom während der französischen Besatzung, 1806-1814, zum einem Pferdestall degradiert. Dafür hatte der Dom im II. Weltkrieg mehr Glück, er blieb weitestgehend unversehrt.

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Die Gloriosa im Erfurter Dom. Sie ist die größte mittelalterliche freischwingende Glocke der Welt, die noch funktioniert. (Quelle: Martin Haucke)

Öffnungszeiten: Der katholische Mariendom ist täglich zu Besuchszwecken geöffnet. Montag bis Samstag von 9.30 Uhr – 17.00 Uhr und Sonntag 13.00 Uhr – 17.00 Uhr.

Öffentliche Verkehrsmittel: Stadtbahnlinien 3 & 6; Bus 90 - Haltestelle Domplatz Nord, Stadtbahnlinie 4 - Haltestelle Domplatz Süd

Parken: Parkhaus Domplatz

Die Kath. Kirche "St. Severi" in Erfurt

Rechts neben dem Dom ist St. Severi die zweite prägende Kirche auf dem Erfurter Domhügel. Charakteristisch sind die schier unendlich spitz zulaufenden drei Türme, wobei der Mittlere mit 72 Meter der Höchste in der thüringischen Landeshauptstadt ist und damit die Spitze des Doms noch überragt. Ein Kunstideal aus der damaligen Zeit.

Die erste Bebauung geschah bereits im 9. Jahrhundert. Ein Benediktinerinnenkloster, das später zu einer romanischen Kirche erweitert wurde. Die Kirche, so wie wir sie heute kennen, entstand bereits zwischen 1278 und 1340. Damit stand die neugotische und großangelegte fünfschiffige Hallenkirche noch vor Fertigstellung des Doms. Charakteristisch für die Neugotik sind die extrem hochgezogenen und schlanken Fenster, um maximales Licht in die Kirche hineinzubringen. In der Form auch eine der ersten Bauten dieser Art in Deutschland.

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Die Severikirche steht auf dem Domhügel in Erfurt. (Quelle: Martin Haucke)

Im Jahre 836 ließ der Mainzer Erzbischof die Reliquien des Heiligen Severus von Ravenna aus Italien über die Alpen holen. Daher bekam die Kirche ihren heutigen Namen. Severus war ein Tuchmacher. Doch bei der Bischofswahl vor der Gemeinde soll sich eine weiße Taube auf seinem Kopf niedergelassen haben, was zu jener Zeit als ein Zeichen Gottes gewertet wurde. Daraufhin wählte man ihn zum neuen Bischof.

Dem Heiligen Severus begegnet man überall in der Kirche. Auf dem großen Hauptaltar im Chorraum steht er links, und Bonifatius, welcher auch als Missionar der Deutschen gilt, rechts. Auch im vorderen Bereich der Kirche steht Severus in einer lebensechten Darstellung aus dem 14. Jahrhundert mit seiner Frau und Tochter. Sie gilt als eine sehr schöne Steinarbeit. Auch sein Sarkophag aus Sandstein ist zu sehen. Auf ihm sind kunstverzierte Motive aus seinem Leben abgebildet. Wie ein Kamel aussieht, wusste der Steinmetz noch nicht; er stellte es sich offensichtlich wie einen Saurier vor. Aber mit dem Christuskind ist ihm ein ungewöhnlich heiteres Kerlchen gelungen.

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Innenansicht der Severikirche in Erfurt. Im Bild ist das Kirchenschiff mit der Orgel. (Quelle: Martin Haucke)

Erwähnenswert ist noch eine Reliefarbeit des Erfurter Lehrmeisters von Tielmann Riemenschneider. Sie ist aus Alabaster geschnitzt. Das Werk entstand 1467. Es zeigt den Erzengel Michael aus dem Alten Testament, der mit einem Arm einen kleinen Menschen beschützt, und mit dem anderen dabei den bösen Drachen, als Gehörnter, fast beiläufig mit seiner Lanze durchbohrt. Michael Gorbatschow soll, als er es sah, von dieser Michael-Darstellung sehr begeistert gewesen sein.

Öffnungszeiten: Die Severikirche ist täglich von 9.30 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Öffentliche Verkehrsmittel: Stadtbahnlinien 3 & 6; Bus 90 - Haltestelle Domplatz Nord, Stadtbahnlinie 4 - Haltestelle Domplatz Süd

Parken: Parkhaus Domplatz


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Profilbild von Martin Haucke

Martin Haucke war als Praktikant für basenio.de tätig.


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