Wie schreibe ich ein Testament richtig | Muster

Wie schreibe ich ein Testament richtig?

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(Quelle: Monique Fritzsch)

Viele Menschen stehen vor der Frage, soll ich wirklich ein Testament schreiben? Ist es wirklich nötig? Welche Möglichkeiten habe ich und was muss ich beim Schreiben alles beachten? Im folgenden Artikel soll darauf näher eingegangen werden.

Grundsätzlich sollte man wissen, dass jeder selber entscheiden kann, ob er ein Testament schreibt oder nicht. Denn das Schreiben eines Testaments bedeutet folglich, dass man sich mit dem eigenen Tod auseinandersetzt. Doch liegt kein letzter Wille vor, so tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Das bedeutet, dass das Erbe unter den Hinterbliebenen aufgeteilt wird und dies wiederum führt häufig zu unerwünschten Ergebnissen.

Man könnte also meinen, dass jeder, der nichts zu vererben hat, auch kein Testament schreiben braucht. Das ist aber nicht unbedingt richtig. Fakt ist, bei einem ansehnlichen Vermögen sollte ein Testament auf jeden Fall geschrieben werden. Doch auch wer nur ein Haus zu besitzt, sollte ein Testament schreiben, um sicherzugehen, dass das Haus an das richtige Kind geht und es nicht zu einem Streit darum kommt. Dabei sollte aber beachtet werden, dass andere Kinder, die das Haus nicht erben, Vermögen zum gleichen Wert erhalten. Ebenfalls sollte ein Testament aufgesetzt werden, wenn der Erblasser einer seiner Erben bevorzugt behandeln will oder beispielsweise einer Stiftung eine Summe spendet. In diesem Fall ist ein Testament unumgänglich.

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Mögliche Gründe für ein Testament. (Quelle: Monique Fritzsch)

"Testierfähig", was ist das?

Der Begriff bedeutet nichts anderes, als dass jemand rechtlich in der Lage ist, sein Testament anzufertigen. Dies geht schon mit 16 Jahren los. In diesem Fall allerdings wird beim Erstellen eines Testaments ein Notar benötigt. Erst mit 18 Jahren darf ein Erblasser seinen letzten Willen eigenhändig verfassen. Die Alterseinschränkung soll in diesem Fall sicherstellen, dass der Betroffene die Folgen, die ein Testament nach sich zieht, einschätzen kann. Doch auch für Menschen mit fortgeschrittener Demenz oder anderen Geisteskrankheiten gelten Sonderregelungen. Sie verlieren ihre Testierfähigkeit. Daher ist es möglich, ein Testament anzufechten, wenn nachgewiesen wird, dass der Verfasser nicht testierfähig war. Dies kann im Nachhinein schwer zu beweisen sein und zu Rechtsstreitigkeiten führen. Wer dennoch Zweifel hegt, sollte vor dem Verfassen seine Testierfähigkeit von einem Neurologen nachweisen lassen. Daher sollte ein Erblasser ein Testament so früh wie möglich schreiben, solange er noch gesund ist.

Wie kann ich mein Testament verfassen?

Um ein Testament zu schreiben, gibt es drei grundsätzliche Möglichkeiten. Zu einem kann der Erblasser sein Testament handschriftlich selber schreiben. Wer will, kann es anschließend von einem Notar beurkunden lassen, was aber nicht unbedingt notwendig ist. Zum anderen ist es möglich, gleich zum Notar zu gehen und mit ihm gemeinsam das Testament zu schreiben. Dies garantiert, dass das Testament rechtlich fehlerfrei ist. Außerdem müssen sich die Hinterbliebenen keinen Erbschein ausstellen lassen, um als Erben anerkannt zu werden. Jedoch sollte man bedenken, dass es bei Änderungen Probleme geben kann. Außerdem verlangt der Notar Geld für seine Dienste. Eine dritte Variante ist das Berliner Testament. Bei ihm wird der letzte Wille zweier Partner festgehalten.

Was ist ein Berliner Testament?

Das Berliner Testament ist ein Testament, das von zwei Ehegatten oder eingetragen Lebenspartnern geschrieben ist. Im Fall, dass einer der beiden Partner stirbt, erbt zunächst der Partner und erst wenn auch dieser verstorben ist, die Kinder. Dieses Testament lässt sich aber nur unter der Voraussetzung ändern, dass beide Partner zustimmen. Dies gilt auch dann, wenn einer der beiden schon verstorben ist. Der Partner ist somit an das Testament gebunden und darf es nicht ändern. Es sei denn, es wurde vorher eine Freistellungsklausel festgelegt, damit er das Testament ändern kann.

Was sollte man bei einem handschriftlichen Testament beachten?

Wer sein Testament selber schreiben möchte, sollte einige grundlegende Regeln beachten. Auf jeden Fall sollte das Testament mit der Hand geschrieben werden. Auf keinen Fall sollte der Erblasser es mit der Schreibmaschine oder dem Computer schreiben. Sollte jedoch die Gefahr bestehen, dass man das Testament aufgrund der Handschrift nicht lesen kann, so ist es möglich, ein mit dem Computer geschriebenes Testament hinzuzufügen. Mit einem handschriftlichen Testament kann ein Gutachter, im Falle eines Streits, erkennen, ob das Testament eventuell gefälscht wurde. Auch ist es nicht möglich, eine dritte Person das Testament schreiben zu lassen. In diesem Fall ist ein Gang zum Notar unumgänglich. Denn bei ihm reicht die Unterschrift des Erblassers.

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Wie kann man ein Testament verfassen? (Quelle: Monique Fritzsch)

Welche Bestandteile hat ein handschriftliches Testament?

Ein handschriftliches Testament besteht aus vier Teilen: der Überschrift, dem Inhalt, Datum und Ort und der Unterschrift.
Aus der Überschritt sollte klar hervorgehen, dass es sich im folgenden Dokument um ein Testament handelt. Am besten sind Überschriften mit dem Titel „Mein Letzter Wille“ oder „Mein Testament“ Beim Inhalt sollte klar sein, wer was erbt. Erben sollten mit Vor- und Nachnamen genannt werden. Auch der Geburtstag und was sie erben sollen, gehört dazu. Zum Schluss gehören noch Ort, Datum und Unterschrift auf das Testament. Bei der Unterschrift ist zu beachten, dass man mit Vor- und Nachnamen unterschreibt. Wer dennoch Zweifel hat, sollte ich von einem Fachanwalt helfen lassen.

Im folgenden Abschnitt erhalten Sie ein Muster-Testament:

Testament

Ich, Max Mustermann, geb. am 01.01.1945, verfüge als meinen letzten Willen folgendes:

(Erbeinsetzung)

Mein Sohn, Ralf Mustermann, geb. am 08.09.1969 und meine Tochter Susan Mustermann, geb. am 04.05.1975, sollen zu gleichen Teilen erben.

(Einsatzverfügung)

Sollte einer von beiden noch vor mir sterben, sollen ihre Kinder und Enkel stattdessen erben.

(Vermächtnis)

Aus meinem Nachlass vermache ich:

- An meine Nichte Lisa Mustermann meine Briefmarkensammlung.

- An den Schützenverein „Gut gezielt“ in Hamburg 10.000 €

(Testamentsvollstreckung)

Als Testamentsvollstrecker ernenne ich Frau Rosalie Musterfrau, geb. am 15.3.1978. Sollte diese nach meinem Tode bereits verstorben sein, soll das Nachlassgericht einen Testamentsvollstrecker ernennen. 

Erfurt, 10.09.2015

Unterschrift des Erblassers

Sind Änderungen im Testament möglich?

Grundsätzlich ist es jederzeit möglich, ein Testament zu ändern. Voraussetzung ist, dass man noch testierfähig oder nicht an ein Berliner Testament gebunden ist. Jedoch sollte man davon absehen, einfach Änderungen im alten Dokument nachzutragen. Besser ist es, das Dokument zu vernichten und ein neues zu schreiben. Wer sein Testament notariell verfasst hat, muss seinen Rechtsexperten auffordern, das alte Testament zu vernichten und mit ihm gemeinsam ein neues aufsetzen.

Wo bewahre ich mein Testament am besten auf?

Natürlich ist das Nachtschränkchen neben dem Bett nicht unbedingt der beste Aufbewahrungsort für das wichtige Dokument. Denn damit überlässt man es dem Zufall, wer es zuerst findet. Außerdem läuft man Gefahr, dass der Finder das Dokument vernichten oder fälschen könnte, sollte es nicht gerade ihn begünstigen. Das Sicherste ist, wenn man das Schriftstück, gegen eine Gebühr von 75 €, bei einem Amtsgericht seines Wohnortes hinterlegt. Im Fall des Todes eröffnet es dann das Testament und benachrichtigt die Erben darin sowie die Pflichtteilsberechtigten.

 


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Profilbild von Monique Fritzsch

Monique Fritzsch hat bis 2015 an der Fachhochschule Schmalkalden Multimedia-Marketing studiert. In ihrer Freizeit liest sie gerne ein Buch auf der Couch.


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