Eine kleine Geschichte zum Thema Testament & Erbrecht

Eine kleine Geschichte zum Testament & Erbrecht

Sie lieben kleine Geschichten? Dann wird Ihnen die nachfolgende sicher gefallen. Es geht dabei um das Thema des Erbrechts und lieb gewonnenen Kunstsammlung, die in die richtigen Hände geraten soll.

Gemälde entführen – sie entführen in eine zauberhafte Welt, in eine rätselhafte Welt.

Schritt für Schritt wird der Betrachter aus der Wirklichkeit geführt und in eine Welt mitgenommen, in der nichts mehr so ist wie es war, in der nichts mehr so ist wie es scheint. Hier trifft sich Faszination und Staunen, Imagination und Wahrheit.

 

Herr E. liebt solche Gemälde.

Herr E. sammelt solche Gemälde.

 

Sie schmücken sein Haus, sie verschönern sein Leben.

 

Würden doch nur seine Kinder seine Leidenschaft zur Kunst mit ihm teilen. Dann könnte er sicher sein, dass die Sprache seiner Bilder auch nach seinem Tod nicht verstummt. Dann könnte er sicher sein, dass seine Bilder zumindest bei einem seiner Kinder ein neues Zuhause finden.

Aber keines seiner drei Kinder teilt diese Leidenschaft mit ihm. Ja, regelrecht zu verstehen gegeben haben sie, dass sie seine geliebten Bilder nicht haben wollen, wenn er einmal nicht mehr auf dieser Welt ist.

In all den Jahren hatte Herrn E. das nichts ausgemacht. In all den Jahren führte er mit seiner Ehefrau ein glückliches und ausgefülltes Leben. Die Gemälde gaben dem gemeinsamen Zuhause eine Wärme, von der sie gerne umhüllt waren.               

Aber nun, seine Frau war verstorben und er hatte das Rentenalter schon längst erreicht, machte er sich so seine Gedanken. So viel Freude er an seinen Bildern in all den Jahren auch hatte, so viele trübe Gedanken hatte er nun ihretwegen. Was wird mit seinen Bildern nach seinem Tod passieren? Werden seine Kinder diese verkaufen? Werden diese dann auch in die richtigen Hände gelangen, in die Hände eines Kunstliebhabers? Es machte Herrn E. ganz fertig, das nicht zu wissen. Denn schließlich war seine Gemäldesammlung auch Spiegel seiner wirtschaftlichen Lebensleistung. Und seine wirtschaftliche Lebensleistung muss doch auch nach seinem Tod irgendwie Beachtung finden.  

Ach, könnte doch nur der freundliche Kunststudent X, den er immer öfters beim Einkaufen trifft, seine Gemälde nach seinem Tod bekommen.

Aber seine Kinder sind seine Erben. Das soll auch so bleiben. Seine Frau hätte das auch nicht anders gewollt. Nur eben seine Gemäldesammlung sollen die Kinder nicht bekommen. Geht so etwas?

Ja. Der Errichtung eines Testaments kommt hier besondere Bedeutung zu. Mit der Errichtung eines Testaments hat Herr E. es in der Hand, seinem Willen über den Tod hinaus Geltung zu verschaffen und genau zu bestimmen, in wessen Hände seine Gemälde einmal gelangen sollen.   

Das Erbrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs gewährt dem Erblasser Testierfreiheit und räumt seinem Willen eine Vorrangstellung ein. Vorrang vor der gesetzlichen Erbfolge.

Die Testierfreiheit ist allerdings nicht grenzenlos. Nur unter Verwendung der vom Gesetz zugelassenen Regelungstypen ist Herr E. frei, das Schicksal seiner Gemälde zu bestimmen. Grundsätzlich muss Herr E. beachten, dass nach deutschem Erbrecht das Vermögen als Ganzes und damit auch seine Kunstsammlung auf die Erben übergeht.

Allerdings kann Herr E. in seinem Testament ein Vermächtnis des Inhaltes anordnen, dass die in seinem Eigentum stehende Gemäldesammlung nach seinem Tod auf den Kunststudenten X übergehen soll. Der Kunststudent wird damit nicht als Erbe eingesetzt, vielmehr erlangt er einen schuldrechtlichen Anspruch gegen die Erben des Herrn E. auf Übereignung der vermachten Gemäldesammlung. Auf diese Weise kann dem Willen des Herrn E. entsprochen werden und Herr E. erlangt in dem Wissen, alles geregelt zu haben, seine Lebensfreude wieder zurück.   

 


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Profilbild von Carina Winges

Carina Winges ist Rechtsanwältin und hat in Erfurt ihre eigene Kanzlei gegründet. Sie ist ausschließlich auf dem Gebiet des Erbrechts und des Familienrechts tätig. http://www.rechtsanwalt-winges.de


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