Ehegattentestament | Erbrecht | Berliner Testament

Worauf sollte man beim Ehegattentestament unbedingt achten?

Rechtsanwältin Carina Winges beschäftigt sich in diesem Beitrag intensiver mit dem Thema des Ehegattentestaments und geht dabei auf Tipps bei der wirksamen Erstellung sowie dem Urteil des OLG München von 2014 ein.

Mein Ehemann ist gestorben, Kinder haben wir keine. In einem Ehegattentestament aus dem Jahr 2012, welches mein Ehemann geschrieben und unterschrieben hat, haben wir uns gegenseitig zu alleinigen Erben eingesetzt und als Schlusserbin meine Nichte eingesetzt. Nun behauptet der Bruder meines Mannes, dass er auch Erbe geworden sei. Ich halte das für falsch, da doch ein Ehegattentestament vorliegt und ich als Überlebende meines Mannes dessen Alleinerbin geworden bin. Stimmt das etwa nicht? Über eine baldige Antwort wäre ich sehr dankbar, Frau M. aus E.

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Rechtsprechung zum Thema des unwirksamen Ehegattentestaments (Quelle: Kanzlei Carina Winges)

Sehr geehrte Frau M.,

zu beachten ist, dass Sie und Ihr Ehegatte bei der Testamentserrichtung nicht die Form eingehalten haben, die für ein gemeinschaftliches Testament erforderlich ist. Ein gemeinschaftliches, eigenhändiges Testament genügt nur dann den gesetzlichen Formerfordernissen, wenn beide Ehegatten den Testamentstext auch unterschreiben. Da eine Mitunterzeichnung Ihrerseits unterblieben ist, liegt keine formwirksame Errichtung eines gemeinschaftlichen Testaments vor.

Allerdings schließt sich nun die Frage an, ob dieser Entwurf eines gemeinschaftlichen Testaments möglicherweise als Einzeltestament Ihres Ehemanns aufrechterhalten werden kann. Denn an und für sich hat Ihr Ehemann die Formerfordernisse, die das Gesetz an die Errichtung eines Einzeltestaments stellt, erfüllt. Denn er war es, der den Text eigenhändig geschrieben und auch unterschrieben hat.

Allerdings ist es nicht so ohne weiteres möglich, nun von einem Einzeltestament Ihres Ehemanns auszugehen. Schließlich wollte er doch mit Ihnen gemeinsam ein Testament errichten. Also muss das Testament ausgelegt und der wirkliche Wille Ihres Ehegatten erforscht werden. 

Es muss also die Frage geklärt werden, ob Ihr Ehegatte das, was er im gemeinschaftlichen Testament erklären wollte, auch als Einzeltestament wollte. In dem Ehegattentestament wollte er Sie, Frau M., zu seiner alleinigen Erbin einsetzen. Allerdings ist er davon ausgegangen, dass auch Sie ihn zu Ihrem alleinigen Erben einsetzen. Da Ihr gemeinschaftliches Testament formunwirksam ist, haben Sie, Frau M., ihn aber nicht zu Ihrem Alleinerben bestimmt. Ein wirksames Testament Ihrerseits liegt ja nicht vor. Und hier liegt die Problematik des Falls. Die Frage lautet also, hätte Ihr Ehegatte gewollt, dass Sie -aufgrund seines Einzeltestaments- seine Alleinerbin werden, während er jedoch nicht Ihr Alleinerbe wird.      

In der Regel haben kinderlose Ehegatten eben kein Interesse daran, dass der überlebende Ehegatte neben entfernteren Verwandten des erstversterbenden Ehegatten lediglich Miterbe wird.

Sie sollten sich auf jeden Fall anwaltlich beraten lassen, da die Auslegung eines Testaments sehr umfangreich ist und alle Umstände des Einzelfalls berücksichtigt werden müssen. 

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser kurzen Ausführung weiterhelfen konnte.

Herzliche Grüße, Carina Winges

Rechtsanwältin

 

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Carina Winges ist Rechtsanwältin und hat in Erfurt ihre eigene Kanzlei gegründet. Sie ist ausschließlich auf dem Gebiet des Erbrechts und des Familienrechts tätig. http://www.rechtsanwalt-winges.de


Kommentare

Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Ich denke es ist bei solch einem Thema immer ratsam, wenn man sich an einen Rechtsanwalt wendet.

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