Ehegattenerbrecht | Trennung | Berliner Testament

Hat das gesetzliche Ehegattenerbrecht nach einer Trennung noch Gültigkeit?

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(Quelle: Patricia Klamt)

Wer verheiratet ist, möchte seinen Ehegatten in der Regel auch zu seinen gesetzlichen Erben wissen. Doch entspricht dies dem Wunsch beider Ehegatten auch noch, wenn sie sich getrennt haben? Hier erfahren Sie mehr zu diesem heiklen Thema.

Viele Ehen haben sich über die Jahre hinweg zu einem gut funktionierenden System entwickelt. Mit Anfang 20 erklärte man vor dem Standesbeamten, die Ehe miteinander eingehen zu wollen. Man verpflichtete sich zu einer lebenszeitlichen Verantwortungsgemeinschaft und baute in vielen Jahren eine gemeinsame und wertvolle Lebensgeschichte auf. Kinder wurden geboren und man übte die elterliche Sorge gemeinschaftlich aus. Jeder Partner hatte seine Aufgabe, die er Tag für Tag mit viel Einsatz auch erledigte. Es war viel los, in all dieser Zeit.

Nach der Silberhochzeit folgt oft die Trennung

Aber plötzlich ist alles aus. Man trennt sich im größten Krach, der eine Partner zieht aus dem gemeinsamen Haus/der gemeinsamen Wohnung aus. Und am Ende bleibt nur noch ein Scherbenhaufen. Was vor 25 oder mehr Jahren begonnen hat, ist zerstört. Das mag unerklärlich sein. Schließlich hat man doch fast sein ganzes Leben miteinander verbracht, aber irgendwann hat jeder nur noch sein eigenes Ding gemacht. Die gemeinsamen Kinder, um die man sich die Jahre gemeinsam gekümmert hat, sind herangewachsen und aus dem Elternhaus ausgezogen. Das Wir-Gefühl ist immer mehr verloren gegangen. Vielleicht war es ein schleichender Verlust, vielleicht aber auch nicht. Immer mehr Paare trennen sich nach der Silberhochzeit, so das Statistische Bundesamt. Sie entschließen fortan getrennte Wege zu gehen. Die Sehnsucht nach dem Ich hat das Wir-Gefühl abgelöst. Manche haben sogar wieder neue Partner.

Aber ab wann geht man wirklich getrennte Wege, so ganz ohne rechtliche Folgen?

Das Gesetz sagt, dass Ehegatten getrennt leben, wenn eine häusliche Gemeinschaft zwischen ihnen nicht mehr besteht und ein Ehegatte sie erkennbar nicht herstellen will, weil er die eheliche Lebensgemeinschaft ablehnt. Aber so ganz wird das rechtliche Band, durch das die Ehegatten miteinander verbunden sind, nicht durch die bloße räumliche Trennung und einem nach außen erkennbaren Trennungswillen eines Gatten zerstört. Es ist nahezu gefährlich, sich einfach nur zu trennen, so ganz ohne Scheidung. Denn eine Trennung im Sinne eines Getrenntlebens hat für sich genommen keine Auswirkungen auf das Erbrecht. Und das wiederum heißt, dass das gesetzliche Ehegattenerbrecht bestehen bleibt.  

Wenn die Ehe gescheitert ist, entspricht dies jedoch nur in den seltensten Fällen dem Interesse und dem wirklichen Willen der Ehegatten. Es ist keine beruhigende Vorstellung, den Ehegatten, von dem man sich doch getrennt hat, zu seinem Erben zu wissen. Fatal wird es dann, wenn Ehegatten mit voller Selbstverständlichkeit annehmen, dass das schon nicht passieren wird. Man ist doch schließlich getrennt, kein „richtiges“ Ehepaar mehr, sodass der andere Ehegatte nicht einfach so mehr erben kann. Das gesetzliche Ehegattenerbrecht wird schon irgendwie durch die Trennung erloschen sein, so ganz automatisch und ohne Zutun. Ist es aber eben nicht! 

Wann hat das gesetzliche Ehegattenerbrecht keine Gültigkeit mehr?

Das gesetzliche Ehegattenerbrecht besteht auch nach einer Trennung fort. Es besteht solange fort, bis dem anderen Ehegatten, dem Antragsgegner sozusagen, der Scheidungsantrag zugestellt wird. Dann ist das gesetzliche Ehegattenerbrecht des Antragsgegners erloschen und er kann seinen Ehegatten -sofern dieser in dieser Phase versterben sollte- nicht mehr beerben. Andersherum sieht es aber schon wieder anders aus. Der Ehegatte, der die Scheidung beantragt hat, kann in dieser Phase immer noch seinen Ehegatten, den Antragsgegner, beerben. Es gibt jedoch auch für den Antragsgegner Möglichkeiten und taktische Erwägungen, das gesetzliche Erbrecht seines Ehegatten, der die Ehescheidung beantragt hat, auszuschließen.

Spätestens mit Rechtskraft der Scheidung jedoch wird das gesetzliche Ehegattenerbrecht endgültig ausgeschlossen. Was viele Ehegatten also für einen Automatismus halten, ist in Wahrheit ein komplexes Unterfangen. Eine Trennung allein regelt das nicht.    Soll dem Ehegatten sein gesetzliches Erbrecht schon mit der Trennung genommen werden, kann dies nur durch Errichtung eines Testaments erfolgen. Mehr bedarf es nicht, aber auch nicht weniger. Wird auf die Errichtung eines Testaments verzichtet, wird der überlebende Ehegatte neben den Kindern bei Bestehen einer Zugewinngemeinschaft gesetzlicher Erbe zu ½. Es spielt dann keine Rolle, dass man ja eigentlich getrennt war und auch sonst nichts mehr miteinander zu tun haben wollte.        


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Profilbild von Carina Winges

Carina Winges ist Rechtsanwältin und hat in Erfurt ihre eigene Kanzlei gegründet. Sie ist ausschließlich auf dem Gebiet des Erbrechts und des Familienrechts tätig. http://www.rechtsanwalt-winges.de


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