Berliner Testament | Pflichtteil | Muster | Beispiel | Vorlage

Berliner Testament und der Pflichtteil: Muster & Tipps für das Nachlassdokument

Bild zum Artikel: Berliner Testament | Pflichtteil | Muster | Beispiel | Vorlage
(Quelle: Monique Fritzsch)

Wie wird ein Berliner Testament rechtssicher formuliert? Basenio.de gibt Ihnen Tipps zu Pflichtteil und Pflichtklauseln. Außerdem zeigen wir Ihnen ein kostenfreies Muster für den Pflichtteil.

| Monique Fritzsch

Das Berliner Testament ist ein Nachlassdokument für Eheleute und Partner in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft. Es nutzt das Modell des Letzten Willens und ist eine besondere Form der Nachlassregelung. Sie dient hauptsächlich der Absicherung des Partners im Falle eines Todes.

Dieser soll auch nach dem Tod seines Partners seinen gewohnten Lebensstandard weiterführen können, ohne irgendwelche Nachteile zu haben. Aus diesem Grund muss das Testament auch von beiden Partnern unterschieben sein. Ebenso ist eine Änderung oder Auflösung ohne Einverständnis des Partners, auch nach dessen Tod, nicht mehr möglich.

Übersicht: Erbfolge mit Berliner Testament

Durch das Berliner Testament ändert sich die Erbfolge zum Guten für den eigenen Partner, da dieser damit abgesichert werden soll. Kinder erhalten in der Regel nichts, sondern erst nachdem der zweite Partner ebenfalls gestorben ist. Sie sind damit die Schlusserben in der Erbfolge.

Erbfolge, Berliner Testament, Übersicht, Vollerbe, Schlusserbe
Die Erbfolge des Berliner Testaments. (Quelle: Monique Fritzsch)

Was bedeuten Pflichtteil & Pflichtklausel?

Der Pflichtteil ist einer der wichtigsten Punkte, die man beim Schreiben des Berliner Testaments beachten sollte. Der Pflichtteil legt fest, dass, wenn ein Ehepartner stirbt, die Kinder die Hälfte des gesetzlichen Erbteils erhalten, den Rest erhält der Partner. Doch das kann dem Partner auch ganz schnell zum Verhängnis werden, wie im folgenden Beispiel:

Partner A und B sind verheiratet. Das einzige Vermögen der beiden ist ein Haus, das sie selber nutzen. Nun stirbt Partner A. Im Testament ist keine Reglung über den Pflichtteil vorhanden. Damit muss Partner B das Haus verkaufen, um dem Pflichtteil auszahlen zu können.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, diesem Problem aus dem Weg zu gehen, mit der sogenannten Pflichtteilsklausel. Sie soll die Kinder davon abgehalten, den beim Versterben eines Elternteils zustehenden Pflichtteil zu verlangen.

Beispiel:

„Sollte eines unserer beiden Kinder beim Ableben des zuerst versterbenden Partners den Pflichtteil durchsetzen, so soll dieses Kind im zweiten Todesfall kein Erbe mehr erhalten. Außerdem wird das betreffende Kind mitsamt seinen eigenen Kindern beim Tode des zweiten Elternteils auf den Pflichtteil verwiesen.“

Heißt also, im schlimmsten Fall erhält das Kind, das den Pflichtanteil nach dem Tode des ersten Elternteils einfordert, beim Tode des zweiten Elternteils nicht mehr als den Pflichtteil seines Erbes erhält.

Einen weiteren Vorteil hat die Pflichtteilsklausel außerdem. Denn nach dem Tod seines Ehegatten könnte der Partner dazu aufgerufen werden, eine Auskunft über den Nachlass abzugeben. Der Umfang muss dabei sehr detailliert erfolgen. Das kann dazu führen, dass auch andere pflichtteilberechtigte Auskunft über den Nachlass wollen.

Dies wiederum kann auch durch einen Sachverständigen erfüllt werden. Das bedeutet für den Ehepartner, dass er ein geordnetes oder notarielles Nachlassverzeichnis erstellen und vorlegen muss. Es ist sogar möglich, dass dafür ein teures Gutachten verlangt werden kann. Damit entstehen dem erbenden Partner Kosten, die aus dem Nachlass bezahlt werden müssen. Doch genau das verhindert die Pflichtteilsklausel.

Sie bestraft also nicht nur die Forderung nach dem Pflichtteil, sondern verhindert damit gleichzeitig die Durchsetzung der Auskunft über den Nachlass und damit auch Kosten und Ärger.

Pflichtteil: Gesetzlich festgelegter Anteil, den die Kinder erben (die Hälfte des Erbteils).

Pflichtteilsklausel: Soll Kinder davon abhalten, den beim Versterben eines Elternteils zustehenden Pflichtteil zu verlangen.

Erbfolge, Berliner Testament, Übersicht, Schlusserbe, Erbe, Tod
Die Pflichtteilsklausel nochmal zusammengefasst. (Quelle: Monique Fritzsch)

Tipps zur Pflichtteilsklausel

„Sollte der Fall eintreten, dass eines unserer Kinder beim Tod des zuerst Versterbenden seinen Pflichtteil fordert, so erhält dieses Kind beim zweiten Tod nur den Pflichtteil. Zudem wird es in diesem Falle nicht mehr Erbe.“

Welche Reglungen muss ich sonst noch beachten?

Erbschafssteuer:

Im Falle eines Todes, erbt der Ehegatte das gesamte Vermögen seines Partners und damit auch die gesamte Last der Erbschaftssteuer. Daher sollte man es nicht versäumen, die Steuerlast vorher zu berechnen. Bedenkt man bei jedem Erbfall die Kinder mit, bürdet man dem Ehegatten keine Last auf.

Wiederverheiratungsklausel:

Diese Klausel dient dazu, Ärger zu vermeiden, sollte sich der überlebende Partner ein weiteres Mal verheiraten. Denn durch den neuen Gatten und durch weitere Kinder, kann das Erbe der ursprünglichen Schlusserben stark verkleinert werden. Um dies zu verhindern, ist es möglich, eine Wiederverheiratungsklausel mit in das Testament zu schreiben. Damit wird sichergestellt, dass der Heiratende seinen Erbteil vom ersten Ehegatten nur an die Kinder dieser ersten Ehe auszahlt und nicht an die Kinder der zweiten Ehe.

Vormundschaft:

Haben beide Paare noch minderjährige Kinder, so ist zu beachten, dass für diese ein entsprechender Vormund beim Vormundschaftsgericht hinterlegt ist.

Vor- und Nacherbschaft:

Im Berliner Testament findet bereits die Vor- und Nacherbschaft seine Anwendung. Denn in diesem Fall wird der Ehepartner als Vorerbe bestimmt und die Kinder als Nacherben. Zum Vergleich: Ohne Testament würden die Kinder als Vorerben in Kraft treten, dann erst der Ehepartner als Nacherbe.

"Wir bestimmen uns gegenseitig zu befreiten Vorerben. Nacherben sollen unsere Kinder (Namen!) jeweils zu gleichen Teilen sein.“

Wie wird ein Berliner Testament formuliert?

Das gemeinschaftliche Testament in Form des Berliner Testaments steht nur Ehegatten oder anderen Paaren in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft offen. Daher ist es nicht möglich, dass auch unverheiratete Paare und Paare, die nicht in eine Lebensgemeinschaft eingetragen sind, so ein Nachlassdokument schreiben.

Es gibt, genau wie beim normalen Testament, verschiedende Möglichkeiten, es zu schreiben. Eine Variante ist das Testament handschriftlich zu verfassen. Dabei ist es möglich, dass einer der beiden Ehegatten das Testament verfasst und beide darauf unterschreiben.

Ebenfalls möglich ist, dass beide Partner ein Nachlassdokument anfertigen. Dabei ist aber zu beachten, dass in beiden Testamenten die Zielsetzung, also dass der andere Partner erbt, übereinstimmt. Der zweite Weg wäre, das beide Partner das Testament zusammen mit einem Notar verfassen, der es gleich zur Aufbewahrung für das Amtsgericht behält.

Muster & Vorlage Berliner Testament (Pflichtteil)

"Unser Testament

Es ist unser gemeinsamer Wille, uns gegenseitig zum Alleinerben einzusetzen. Ohne Rücksicht auf die Pflichtteilsberechtigten soll der Überlebende von uns alles erben. Der zuletzt Versterbende wird verfügen, dass unsere gemeinsamen Kinder Katrin und Lars zu gleichen Teilen erben. Tritt der Fall ein, dass eines unserer Kinder zum Zeitpunkt des Erbfalls nicht mehr lebt, erben dessen Kinder.

Ortsangabe, Datum

Max und Lisa Muster"

 

Diesen Beitrag: KommentierenDrucken

Mehr von Monique Fritzsch
Profilbild von Monique Fritzsch

Monique Fritzsch hat bis 2015 an der Fachhochschule Schmalkalden Multimedia-Marketing studiert. In ihrer Freizeit liest sie gerne ein Buch auf der Couch.

Kommentare


Hallo,
ich habe eine wichtige Frage. Die Eltern haben ein Testament beim Notar vor über 20 Jahren hinterlegt. Sie haben festgelegt, dass wir Kinder erst nach dem Ableben beider Elternteile erben. Wenn beide Elternteile verstorben sind, soll das Erbe aufgeteilt werden. Danach werden 4 Häuser aufgeteilt, die zu dem damaligen Zeitpunkt nicht viel an Wert darstellten. So wurde dem einen Erben 3 Häuser und dem anderen eines vererbt. Dieses Testament wurde durch Zufall entdeckt. Wir Erben wussten davon nichts. Auf das Testament angesprochen, reagierten die Eltern sehr verwundert und meinten, dass das schon so lange her wäre. Beide Eltern fanden die Aufteilung nicht mehr gerecht und meinten, dass sie das so nicht wollten. 2 der 3 Häuser haben eine sehr gr. Wert Steigerung erhalten, da in diesen viel Geld investiert wurde. Es wurde in einem der beiden Häuser im Dachgeschoss ein Bad installiert, vorher war oben kein sanitärer Raum. Im 1ten Geschoss wurde das Bad komplett neu gemacht. In dem anderen Haus wurde sehr vieles neu investiert, da die Eltern dort selbst eingezogen sind. Hier wurden die Türen, das Bad, der Garten, die Garage uvm. neu gemacht. Dadurch sind diese beiden Häuser enorm an Wert gestiegen. Damals dachten die Eltern, dass die Aufteilung 3 zu 1 gerecht wäre. Dies fanden beide nicht mehr. Leider ist bevor eine Änderung herbeigeführt wurde, ein Elternteil verstorben. Ich habe allerdings per Handy die Einwände gefilmt, da im Gespräch mir klar war, dass dies vielleicht wichtig für mich sein wird. Habe leider nicht vorher die Eltern darüber informiert, dass das ganze aufgezeichnet wird. Was kann ich tun? Was passiert mit dem Testament, wenn ich meinen Pflichtteil einfordere? Wird das Testament dann ungültig? Mein Bruder möchte natürlich das das Testament seine Gültigkeit behält, da es ja zu seinen Gunsten ist.
Noch eines ist wichtig. Mein Vater hat zu Lebzeiten und in der Ehe mit meiner Mutter zwei außereheliche Kinder gezeugt. Ich selbst wusste nichts davon, mir wurde es erst vor kurzem gesagt. Wie sieht es aus. Wie erfahren diese, dass der Erzeuger, mein Vater gestorben ist. Auch denen steht ja ein Pflichtteil zu. Wie hoch ist dieser? Anscheinend wurden die zwei weiteren Kinder nicht benannt. Auch ich kenne sie nicht, auch nicht deren Namen. Meine Mutter hat diese nicht angegeben, als jemand von der Stadt da war. So wurden nur wir zwei als Erbberechtigt mit meiner Mutter aufgenommen. Ist das nicht mitteilungspflichtig?
Herzlichen Dank, mit freundlichem Gruß
Claudia

Kommentar schreiben

Ratgeber Beitrag

Ratgeber Beitrag

Auf basenio.de können werbende Ratgeber-Beiträge veröffentlicht werden. Stellen Sie sich oder Ihren Kunden auf einem... reichweitenstarken und unabhängigen Online-Portal vor, das sich an die „Generation 50plus“ wendet. Unsere hauseigene Redaktion recherchiert und schreibt zu Themen, die die Lebenswelten der Best Ager und Senioren trifft. Jeder Beitrag ist in Inhalt und Ansprache einzigartig und wird nach den Kriterien der Suchmaschinenoptimierung erstellt. So steigern Sie Ihr eigenes Renommee oder das Ihres Kunden in der digitalen Welt des Word Wide Webs.

452,20 €
zum Produkt