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Verhinderungs- und Kurzzeitpflege als temporärer Ersatz der häuslichen Pflege

Oftmals werden Pflegebedürftige von ihren Angehörigen privat versorgt. Aber was passiert, wenn die Angehörigen verhindert sind? In solchen Fällen hilft die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Erfahren Sie hier alles Wichtige darüber.

In den letzten Jahren gab es in Deutschland rund 2,5 Millionen Pflegebedürftige, von denen etwa die Hälfte von Ihren Angehörigen versorgt wurden. Die meisten dieser Angehörigen sind dabei erwerbstätig und versorgen gleichzeitig noch ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder. Bei so viel Arbeit und Verantwortung ist es selbsterklärend, dass diese engagierten Pfleger und Pflegerinnen auch einmal frei benötigen, eine Erholungsurlaub brauchen oder krankheitsbedingt ausfallen. In diesen Fällen übernimmt die Verhinderungs- oder die Kurzzeitpflege und vertritt die Angehörigen bei der Betreuung des Pflegebedürftigen.

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Pflege durch Angehörige (Quelle: geralt)

Verhinderungs- und Kurzzeitpflege – was ist das?

Verhinderungspflege kann zeitweise in Anspruch genommen werden, wenn die Pflegeperson vorübergehend in der Pflege ausfällt. Der Pflegebedürftige kann während dieser Zeit weiterhin in seiner gewohnten häuslichen Umgebung bleiben und vom ambulanten Pflegedienst bzw. von Freunden und Bekannten versorgt werden. Obwohl dies nicht üblich ist, besteht jedoch auch die Möglichkeit ihn für diesen begrenzten Zeitraum vollstationär unterzubringen. Maximal kann die Verhinderungspflege für 42 Tage im Jahr in Anspruch genommen werden. Dies kann entweder am Stück oder in Teilabschnitten geschehen, wobei sogar eine stundenweise Verhinderungspflege möglich ist. Voraussetzungen, um die Verhinderungspflege in Anspruch nehmen zu können, sind, dass dem Pflegebedürftige die Pflegestufe 0-3 zugeordnet wurde, die Pflegeperson einen Grund für Ihren Ausfall vorweisen kann (z.B. Krankheit, Urlaub oder berufliche Gründe) und dass die Pflegeperson zuvor bereits für mindestens sechs Monate die häusliche Pflege übernommen hat.

Die Kurzzeitpflege hingegen wird häufig genutzt, um den Pflegebedürftigen nach einem Klinikaufenthalt auf die Rückkehr nach Hause vorzubereiten oder den Angehörigen in Krisensituationen (z.B. Krankheit, Urlaub, Reha oder Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit) zu entlasten. In diesen Fällen kann die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden und der Pflegebedürftige für maximal 28 Tage im Jahr in einer vollstationären Einrichtung untergebracht werden.

In beiden Fällen ist es wichtig, dass zuvor die Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege bei der entsprechenden Pflegeversicherung oder auch der Krankenkasse beantragt wird. Dadurch können die Höhe sowie die Dauer der Leistung bereits im Vorfeld geklärt werden. Es ist jedoch nicht zwingend nötig, diese im Voraus zu beantragen, da man auch im Nachhinein noch das Geld ausgezahlt bekommt.

Die neuen Leistungen seit 2015

Im letzten Jahr (2015) wurden die Regelungen zur Verhinderungs- und Kurzzeitpflege geändert. In diesem Zusammenhang sind auch die Leistungen gestiegen, sodass nun 1.612,00 € für vier Wochen Kurzzeitpflege und 1.612,00 € für sechs Wochen Verhinderungspflege im Jahr in Anspruch genommen werden können. Zudem wird während der Kurzzeitpflege die Hälfte des Pflegegeldes für bis zu vier Wochen im Jahr weitergezahlt. Zusätzliche Kosten müssen von den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen selbst übernommen werden. Da manche selbst übernommenen Kosten jedoch steuerlich abzugsfähig sind, sollten diese Ausgaben danach individuell mit dem Steuerberater besprochen werden.

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Hilfe im Alltag (Quelle: © rudolf_langer - Pixabay.com)

Eine Kombination der zwei Pflegemodellen

Seit 2015 ist es außerdem möglich die Verhinderungs- und die Kurzzeitpflege besser miteinander zu kombinieren. Bei Bedarf können nun Gelder von einer Ersatzpflege für die andere verwendet werden. Wurde beispielsweise der Betrag für die Kurzzeitpflege in diesem Jahr noch nicht ausgeschöpft, so können die noch nicht verbrauchten Leistungen für die Verhinderungspflege eingesetzt werden und umgekehrt.

Wird zum Beispiel aufgrund eines längeren Krankenhausaufenthaltes des Pflegebedürftigen eine intensiviere Kurzzeitpflege benötigt, um ihn im Anschluss wieder durch die Angehörigen zu Hause versorgen zu können, kann das gesamte unverbrauchte Budget der Verhinderungspflege auf die Kurzzeitpflege übertragen werden. Dadurch kann der Betrag für die Kurzzeitpflege verdoppelt und insgesamt 3.224,00 € hierfür verwendet werden. Zudem kann die Kurzzeitpflege auf bis zu acht Wochen im Jahr ausgedehnt werden. Beides kann jedoch auch nur anteilig geschehen, sodass Zeitraum und Betrag für die Kurzzeitpflege nur aufgestockt werden und sich der Leistungsbetrag der Verhinderungspflege gleichzeitig entsprechend verringert.

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Geschulte Pflegekräfte für den Notfall (Quelle: pixabay)

Eine neue Kombinationsmöglichkeit gibt es auch für die Verhinderungspflege. Ist der pflegende Angehörige längere Zeit verhindert und die Pflege wird von professionellen Pflegern oder Bekannten übernommen, die nicht mit dem Pflegebedürftigen verwandt sind oder zusammen wohnen, können Leistungen von der Kurzzeitpflege für die Verhinderungspflege verwendet werden. Dabei können bis zu 50 % des Kurzzeitpflegegeldes für die Finanzierung der Verhinderungspflege genutzt werden. Insgesamt können für maximal sechs Wochen oder bis zu 2.418,00 € im Jahr für die Verhinderungspflege eingesetzt werden, wenn auf die Kurzzeitpflege verzichtet wird.

Durch diese gesetzlichen Neuerungen erhalten die Betroffenen nicht nur höhere Leistungen von der Pflegeversicherung sowie eine längere Anzahl potentiell freier Tage, sondern haben auch die Möglichkeit die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege individuell miteinander zu kombinieren. Dadurch können sich nun pflegende Angehörige ihren eigenen passenden Pflegemix ausbalancieren.


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Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


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