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Hilfe zur Pflege - Was ist das und wer kann sie beantragen?

Wenn die Pflegeversicherung und das eigene Einkommen nicht mehr ausreichen, um die Pflegekosten zu decken, können Sie Sozialhilfe beantragen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Hilfe zur Pflege erhalten können.

Viele Senioren benötigen die Unterstützung des Sozialamtes, um ihre Pflegeleistungen finanzieren zu können. Die Sozialhilfe muss heutzutage immer häufiger für die Pflege armer Menschen aufkommen. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt und die Pflegegelder der Kasse reichen meist nicht aus. Das ist der Grund, weshalb auch die Anzahl der Sozialhilfebedürftigen steigt. Laut dem Statistischen Bundesamt erhielten im Jahr 2011 rund 423.000 Menschen die sogenannte Hilfe zur Pflege. Das sind bereits 2,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Tendenz ist weiter steigend. Wir zeigen Ihnen, wie Sie für die Pflegekosten aufkommen können, wann Sie Sozialhilfe erhalten und wie Sie diese beantragen können.

Was ist Sozialhilfe?

Wenn Senioren pflegebedürftig werden, tritt die Pflegeversicherung in Kraft. Diese stellt jedoch nur eine Grundabsicherung dar und kommt nicht für alle Pflegeleistungen auf. Für die restliche Finanzierung der Pflegekosten muss mit dem eigenen Kapital aufgekommen werden. Wenn dieses nicht ausreicht, um die Leistungen voll finanzieren zu können, kommt die Sozialhilfe ins Spiel. Sie ergänzt die Leistungen von Bedürftigen bis zur vollen Höhe des Bedarfs.

Bei ambulanter, teilstationärer und stationärer Pflege kommt die Sozialhilfe laut §§ 61 f. SGB XII für Pflegeleistungen, Pflegehilfsmittel, Pflegegeld, Beihilfen und Beiträge für eine Pflegekraft oder eine ehrenamtliche Pflegeperson auf. Bei stationärer Pflege kann die Sozialhilfe außerdem die Kosten der Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten übernehmen. Bei einer ambulanten Pflege durch die Angehörigen hat der Pflegebedürftige normalerweise Anspruch auf ein Pflegegeld. Reicht dieses nicht aus, kann er Sozialhilfe beantragen, solang er keine anderen höheren Sachleistungen der Pflegeversicherung bezieht.

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Wenn die eigene Rente nicht mehr ausreicht, können Ihnen Ihre Kinder zu Hilfe kommen. (Quelle: © Luisb - Pixabay.com)

Wer hat Anspruch auf Sozialhilfe?

Wenn die Versorgung durch die Familie nicht mehr ausreicht und die finanziellen Mittel erschöpft sind, können pflegebedürftige Menschen Sozialhilfe erhalten. Anspruch darauf haben sie, wenn die Pflegebedürftigkeit von der Pflegekasse festgestellt wurde, der Pflegebedürftige nicht pflegeversichert ist und keine gleichartige andere Leistung gewährt wurde. Ebenfalls wenn die Leistungen der Pflegekasse nicht ausreichen, da sich die Pflege als sehr kostenintensiv erweist. Dabei ist zu beachten, dass die Pflegebedürftigen die Einkommensgrenze nach §§ 85 ff. SGB XII nicht überschreiten dürfen. Bei Schwerstpflegebedürftigen der Pflegestufe 3 dürfen dabei nur maximal 40 Prozent des Betrages, welcher über der Einkommensgrenze liegt, angerechnet werden.

Unter Umständen kann die Sozialhilfe auch Pflegebedürftigen der Pflegestufe 0 gewährt werden. Dies ist der Fall, wenn für die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung am Tag weniger als 90 Minuten Hilfe benötigt werden. Für diese Hilfe durch Angehörige oder Freunde werden dem Pflegebedürftigen die Aufwendungen der Pflegeperson und angemessene Beihilfen erstattet. Bei Pflegebedürftigen der Pflegestufen 1, 2 und 3 leistet das Sozialamt vor allem Hilfe für die Finanzierung der nicht von der Pflegekasse übernommenen Kosten. Können Pflegebedürftige nicht für die Pflege aufkommen, erhalten sie von der Sozialhilfe die Kosten für die Unterkunft und Verpflegung in Heimen erstattet und ein persönliches Taschengeld, mit welchem sie frei verfügen können.

In jedem Fall wird zunächst die finanzielle Bedürftigkeit der Person geprüft. Kann der Pflegebedürftige sich selbst helfen, die Familie für die finanziellen Kosten aufkommen oder Träger anderer Sozialleistungen den Pflegebedürftigen unterstützen, erhält er keine Sozialhilfe. Kann für die Kosten jedoch auf keine andere Weise aufgekommen werden, so wird die finanzielle Hilfe im Rahmen der Sozialhilfe geleistet.

Im Zweifelsfall können Sie sich immer an direkt an die Pflegekasse, alle Pflegedienstleister, das Sozialamt oder das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit wenden. Letzteres erreichen Sie Montag bis Donnerstag von 8-18 Uhr und Freitag von 8-15 Uhr unter der Nummer 030 3406066-02.

Hilfe zur Pflege beantragen

In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie Ihre Sozialhilfe rechtzeitig beantragen. Sobald sich eine dauerhafte Pflegebedürftigkeit abzeichnet oder der Senior in ein Pflegeheim umziehen wird, sollte man sich schnellstmöglich mit der Frage der Finanzierung beschäftigen. Ist es wahrscheinlich, dass weder das eigene Vermögen ausreicht, noch die Angehörigen die Pflegekosten tragen können, sollte bereits vor dem Umzug ins Pflegeheim ein Antrag auf Sozialhilfe gestellt werden. Das ist essentiell, da diese Form der Sozialleistung nicht rückwirkend ausgezahlt wird. Erst ab der Kenntnisnahme der Pflegebedürftigkeit beim Sozialamt wird die Hilfe zu Pflege ausgezahlt.

Der Antrag kann formlos bei dem Amt für Soziales der zuständigen Stadt oder Gemeinde eingereicht werden. Sie können sich jedoch auch einen Vordruck für den Antrag auf Sozialhilfe beim Sozialamt beschaffen.

Folgende Dokumente sollten Sie dem Antrag beifügen:

  • Bankbescheinigungen
  • Kopien der Einkommens- & Vermögensnachweise
  • Gutachten des MDK & zusätzliche ärztliche Bescheinigungen
  • Adressen der nächsten Angehörigen (Ehepartner & Kinder)
  • Informationen über die Wohnsituation (Mietverträge & Wohngeldbescheide)
  • Versicherungspolicen
  • evtl. Schwerbehindertenausweis

Finanzierungen der Pflege ohne Sozialleistungen

Wenn Ihnen keine Sozialhilfe gewährleistet wurde, müssen Sie auf Eigenleistungen, Ihre Rente und Ihr Vermögen sowie die Unterstützung Ihrer Angehörigen zurückgreifen.

Die Pflegekasse übernimmt im Pflegefall einen Teil der Kosten. Dieser reicht jedoch, gerade bei der Unterbringung in einem Pflegeheim, kaum aus. Leider werden zudem viele Sonderleistungen, die nicht unmittelbar mit der Pflege zusammenhängen, nur selten von der Pflegekasse berücksichtigt. Für die daraus entstehende Restsumme muss der pflegebedürftige Senior selbst aufkommen. Diese zusätzlichen Kosten werden zunächst mit der Rente und dem gesamten Einkommen ausgeglichen. Bei einem Heimaufenthalt wird das gesamte Einkommen bis auf ca. 100,00 Euro monatlich einbezogen. Bei einer ambulanten Pflege hingegen gilt die Einkommensgrenze von 748,00 Euro zuzüglich der Nettokaltmiete. Alles was über diesen Betrag hinausgeht, muss selbst eingebracht werden. Reicht die Rente nicht aus, wird auf die Ersparnisse und Vermögenswerte zurückgegriffen. Lediglich ein Schonvermögen von 2.600,00 Euro bleibt davon verschont. Sollten auch das Vermögen des Pflegebedürftigen nicht mehr ausreichen, wird geprüft ob die Kinder unterhaltspflichtig sind. Entscheidend dabei ist deren finanzielle Situation. Beziehen die Kinder des Pflegebedürftigen selbst ein ausreichend hohes Einkommen und verfügen über die finanziellen Mittel, wird die Unterhaltspflicht wirksam. 


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Profilbild von Isabelle Kocher

Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


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