Polnische & osteuropäische Pflegekräfte | Kosten

Polnische Pflegekräfte in Deutschland - Alle Kosten in der Übersicht

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(Quelle: Isabelle Kocher)

Die Kosten für eine 24-Stunden-Pflege im häuslichen Umfeld hängen in großem Maß von den ausgeführten Leistungen und dem Betreuungspersonal ab. Mit Betreuungskräften aus Polen können Pflegebedürftige hierzulande viel Geld sparen.

Unter dem Begriff der 24-Stunden-Pflege werben Anbieter in Deutschland für Leistungen der Seniorenbetreuung. Darunter sind keine medizinischen Pflegeleistungen zu verstehen, sondern soziale Betreuungsangebote. Die sollen die Lebensqualität älterer Menschen aufrechterhalten oder im Idealfall sogar steigern. Allerdings sind mit diesen Angeboten auch Kosten verbunden, die so manches Renteneinkommen übersteigen. Auch Gelder aus der Pflegeversicherung können oft nur einen Teil der Kosten abdecken.

Durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der Europäischen Union gibt es günstige Alternativen zu deutschen Betreuungskräften. Die kommen vor allem aus Osteuropa, da dort die Sozialabgaben günstiger als hierzulande sind. Laut Schätzungen der Hans-Böckler-Stiftung leben und arbeiten rund 400.000 Osteuropäerinnen in Haushalten von deutschen Pflegebedürftigen. Ein Großteil davon kommt aus unserem Nachbarland Polen.

Leistungen in der 24-Stunden-Pflege

Bei einer 24-Stunden-Pflege beziehungsweise Seniorenbetreuung leben die Betreuungskräfte mit den zu betreuenden Klienten in einer Wohnung. Dort muss ihnen in aller Regel ein abschließbares Zimmer zur Verfügung stehen, damit sie einen Rückzugsort für sich haben.

Denn auch wenn der Begriff „24-Stunden-Betreuung“ eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung suggerieren mag, so gibt es doch die gesetzlich einzuhaltenden Arbeitszeiten. Diese sind in Deutschland laut Arbeitszeitgesetz höchstens auf 48 Stunden pro Woche begrenzt. Zwischen den Arbeitseinsätzen müssen zudem Ruhepausen eingehalten werden.

Während der Arbeitszeit können die Betreuungskräfte je nach fachlicher Eignung verschiedene Aufgaben übernehmen. Die stützen sich meist auf drei grundlegende Tätigkeiten:


Unter Grundpflege werden unter anderem Aufgaben im Bereich der Körperpflege und Hilfe bei der Nahrungsaufnahme angeboten. Ausdrücklich davon ausgenommen sind medizinische Pflegeleistungen wie Spritzen setzen oder Verbände wechseln. Diese Aufgaben müssen von Pflegefachkräften übernommen werden, die bei ambulanten oder stationären Pflegedienstleistern arbeiten.

In der Haushaltsführung kümmern sich die Betreuungskräfte um die Wohnung. Darunter zählt vor allem das „Reinemachen“ der Räumlichkeiten.

Die Alltagsbegleitung zielt auf die sozialen Bedürfnisse der Klienten ab. Hier können Spielabende, Spaziergänge und ähnliches den Alltag auflockern und Lebenskräfte stärken.

Lohn hängt von Qualifikation und Sprachniveau ab

Eine einheitliche Bezahlung für Betreuungskräfte aus Polen gibt es in Deutschland nicht. Dazu muss auch unterschieden werden, ob man eine private Betreuungskraft anstellt oder sie über eine Vermittlungsagentur bezieht. In erstem Fall muss man als Arbeitgeber den Lohn und die Lohnnebenkosten selber tragen. Hier lässt sich keine seriöse Kosteneinschätzung treffen, da es sich bei jedem Arbeitsverhältnis um eine Einzelvereinbarung handelt.

Etwas übersichtlicher können Kosten für vermittelte Betreuungskräfte dargestellt werden. Diese sind in der Regel auch günstiger als eine private Anstellung, da Klienten nicht für die Lohnebenkosten aufkommen müssen.

Es zeigt sich allerdings, dass es auch zwischen den Vermittlungsagenturen auf dem deutschen Markt Unterschiede im Preisniveau gibt. Selbst innerhalb der Agenturen existieren unterschiedliche Angebote mit erheblichen Preisunterschieden. Das hängt zumeist mit der fachlichen Qualifikation und dem Sprachniveau der Betreuungskräfte zusammen. Für gut ausgebildete und sprachlich versierte Betreuungskräfte wird in aller Regel mehr Geld verlangt als für weniger gut ausgebildete Hilfskräfte mit geringen Deutschkenntnissen.

Polnische Pflegekraft helfen im Alltag.
Die Pflegekräfte aus Polen helfen im Haushalt. (Quelle: ©tibanna79 - Fotolia)

Kosten für 24-Stunden-Betreuung aus Polen

Basenio.de hat bei mehreren deutschen Vermittlungsagenturen für Seniorenbetreuungskräfte aus Polen nach den Kosten gefragt. Die günstigsten Angebote fangen bei knapp 1.500 Euro pro Monat an. Dafür erhält man allerdings weniger gut ausgebildete Betreuungskräfte mit schlechten Deutschkenntnissen.

Nach oben hin besteht keine Grenze. Das mittlere Niveau liegt bei einem Tagessatz von 72 Euro. Das sind im Monat 2160 Euro, die als Kosten für die 24-Stunden-Betreuung entstehen. Dazu können allerdings noch weitere Kosten kommen. Es gibt Agenturen, die für ihre Vermittlungstätigkeit von den Kunden eine einmalige Gebühr verlangen. Auch die Reisekosten von und nach Polen stellen einige Dienstleister in Rechnung.

Ähnliche Zahlen ermittelte auch die Stiftung Warentest, als sie 2017 mehrere Vermittlungsagenturen der Branche miteinander verglich. Hier reichte die Preisspanne von 1.470 Euro bis 3.400 Euro monatlich. Allerdings verglichen die Tester nur 13 Agenturen. Daher ist auch diese Erhebung nur bedingt aussagekräftig.

Download: Testbericht zu Vermittlungsagenturen

Der Testbericht „Betreuungskraft aus Osteuropa – die besten Vermittler“ kann kostenpflichtig auf der Internetseite der Stiftung Warentest heruntergeladen werden. Zum Testbericht 05/2017

Pflegekasse übernimmt Kosten

Betreuungsleistungen können wie Pflegeleistungen durch Gelder aus der Pflegeversicherung bezahlt werden. Grundvoraussetzung ist ein zugeteilter Pflegegrad. Der muss bei der Pflegekasse beantragt werden. Gesetzlich Versicherte finden ihre Ansprechpartner bei ihrer Krankenversicherung, da dort die jeweilige Pflegekasse angegliedert ist. Privatversicherte haben ein Wahlrecht und können sich ihre Pflegeversicherung unabhängig zur Krankenversicherung aussuchen. Pflegebedürftigen stehen diese Geldleistungen zu:


Die Versicherten können sich zusätzlich zur gesetzlichen und privaten Pflichtversicherung auch noch freiwillig für den Pflegefall absichern. Dafür gibt es drei unterschiedliche Modelle:

Auch aus diesen Versicherungsangeboten können Gelder für eine pflegebedürftige Betreuungsleistung verwendet werden.

Mit diesen Geldern kann der Eigenanteil für die Betreuungskosten gesenkt werden. Ein recht anschauliches Rechenbeispiel gibt es auf der Seite der Vilena – Pflege zuhause GmbH. Die Agentur vermittelt deutschlandweit Betreuungskräfte aus Polen und anderen osteuropäischen Staaten.

Monatliche Gesamtkosten & mögliche ZuschüsseBetrag in Euro
Tagessatz: 72 Euro2160 Euro (auf 30 Tage gerechnet)
Pflegegeld für Pflegegrad 3- 545 Euro
Verhinderungspflege (2.418 Euro/Jahr)- 201,50 Euro (auf Monat gerechnet)
Steuerliche Förderung (4.000 Euro/Jahr)- 333 Euro (auf Monat gerechnet)
Vermittlungs- und Fahrtkosteninklusive
Effektive monatliche finanzielle Belastung1080,50 Euro

Fazit

Die Kosten für eine 24-Stunden-Betreuung sind in Deutschland nicht einheitlich. Vor allem fachliche Leistungen und Deutschkenntnisse haben Einfluss auf die Betreuungskosten. Die Preisspanne erstreckt sich von knapp 1.500 Euro bis über 3.000 Euro.


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Profilbild von Steffen Gottschling

Steffen Gottschling (Jg. 1978) lebt und arbeitet in Erfurt. Seit 2012 ist er in der Medienbranche tätig. Hier sammelte er Erfahrungen in der Redaktion von Radio F.R.E.I. und arbeitete als Journalist in der Online-Redaktion der Thüringer Allgemeine. Für ...


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