Pflegeversicherung Leistungen | 2018

Pflegeversicherung: Die Leistungen für 2018 im Überblick

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(Quelle: © Halfpoint - Fotolia)

In der Pflegeversicherung gibt es Leistungen, die Bedürftige in Anspruch nehmen können. Hier haben wir einen Überblick über alle Leistungen der Pflegekassen, die 2018 möglich sind. Dazu finden Sie Ansprechpartner und Beratungsleistungen.

Die Pflegeversicherung als jüngster Zweig der sozialen Sicherung in Deutschland ist nun 20 Jahre alt. Seither hat das Thema Pflege mehr und mehr an Bedeutung gewonnen, unter anderem auch durch die Auswirkungen des demografischen Wandels. Die medizinische Forschung hat es möglich gemacht, dass die Lebenserwartung deutlich angestiegen ist. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass Männer aktuell eine Lebenserwartung von 78 Jahren haben. Frauen werden durchschnittlich 83 Jahre alt. Doch mit steigendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden. Daher ist das Thema Pflege von gesamtgesellschaftlichem Interesse.

 

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Leistungen der Pflegeversicherung helfen Versicherten und Angehörigen. (Quelle: © auremar - Fotolia)

Was ist die Pflegeversicherung?

Leistungen aus der Pflegeversicherung stehen jedem Pflicht-Versicherten in Deutschland zu. Wird ein Mensch pflegebedürftig, müssen ihm entsprechende Leistungen gewährt werden. Dazu gehören Geldleistungen, die für die Finanzierung der Pflege verwendet werden müssen beziehungweise können. 2018 beträgt der Beitragssatz der Pflegeversicherung 2,55 Prozent des Einkommens beziehungsweise 2,8 Prozent bei Kinderlosen.

Wichtig! Pflegeversicherungen sind in der Regel bei einer Krankenversicherung angesiedelt. Fragen Sie dort nach Ihrem Ansprechpartner für den Pflegefall.

Die Pflegeversicherung unterliegt seit Ihrer Einführung zahlreichen Prüfungen, ob die Leistungen den Ansprüchen der Versicherten im Alltag tatsächlich gerecht werden. Durch den Gesetzgeber wurden die Leistungsumfänge und -ansprüche in den letzten Jahren erweitert.

  • 2015 erhöhte das 1. Pflegestärkungsgesetz zahlreiche Leistungen für Pflegebedürftige und Angehörige.
  • 2016 folgte das 2. Pflegestärkungsgesetz. Es übernahm die bisherigen Veränderungen und ergänzt diese deutlich.
  • 2017 trat das 3. Pflegestärkungsgesetz in Kraft. Es gibt den Kommunen eine federführende Rolle bei der Beratung, Steuerung und Koordination von regionalen Beratungsangeboten für Pflegebedürftige und Angehörige. Ebenso erhalten die Kommunen das Recht, neue Pflegestützpunkte zu gründen. So sollen bisher unterversorgte Gegenden besser unterstützt werden. Weiterhin wurden neue Richtlinien bei Betrugsverdacht professioneller Pflegeanbieterr sowie Regelungen zur Pflegefinanzierung behinderter Pflegebedürftiger getroffen.

 

Der Pflegebegriff

Bis 2017 wurden die Leistungsempfänger ausschließlich aufgrund körperlicher Einschränkungen in Pflegestufen zugeordnet und erhielten entsprechende Leistungen der Pflegeversicherung. Seit den Pflegestärkungsgesetzen werden zusätzlich körperliche, geistige und seelische Einschränkungen bei der Einstufung in die Pflegegrade berücksichtigt. Diese ganzheitliche Betrachtungsweise führt dazu, dass auch Menschen bei dauerhaft eingeschränkter Alltagskompetenz - aber körperlicher Gesundheit - einen Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben. Dies betrifft beispielsweise Demenzkranke, langfristig psychisch Erkrankte oder Versicherte mit einer geistigen Behinderung.

Der Grundsatz: Ambulant vor Stationär

Dieser Grundsatz der Pflegeversicherung gilt seit ihrer Einführung. Er wurde durch die Pflegestärkungsgesetze weiter getragen und ausgeweitet. Die Leistungen der häuslichen Versorgung sind differenzierter und freier formuliert als Leistungen der vollstätionären Pflege. Auch neue Wohnformen, wie z. B. Pflege-WGs werden besonders unterstützt.

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Der Pflegebegriff - 2017 (Quelle: Cindy Hofmann)

Was bedeutet welcher Pflegegrad?

Entsprechend dem neuen Pflegebegriff wurden die ehemaligen Pflegestufen durch die Pflegegrade 1 bis 5 komplett ersetzt. Diese orientieren sich am Grad der Selbständigkeit des Versicherten bei der Durchführung von Alltagshandlungen. Anhand dieser Einstufung erhalten Versicherte ein entsprechendes Leistungspaket von ihrer Pflegeversicherung.

Pflegegrad 1 (geringe Beeinträchtigung) - Diesen Pflegegrad erhalten Versicherte ab 12,5 Punkten von 100 in der Einschätzung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Vergleichbar mit der ehemaligen Pflegestufe 0 - "Demenz" werden hier Versicherte zugeordnet, die geistig und seelisch dauerhaft eingeschränkt sind und einen entsprechenden Hilfebedarf bei der Alltagsbewältigung haben. Der Versicherte erhält in diesem Pflegegrad hauptsächlich Leistungen für Anleitung, Betreuung und Beratung.

Pflegegrad 2 (erhebliche Beeinträchtigung) - Dieser Grad liegt vor, wenn bei der Begutachtung mindestens 27 Punkte erreicht werden. mit ehemaliger Pflegestufe 1 vergleichbar

Pflegegrad 3 (schwere Beeinträchtigung). - Erreicht der Versicherte mindestens 47,5 Punkte, erhält er diesen Pflegegrad. Er entspricht der ehemaligen Pflegestufe 2.

Pflegegrad 4 (schwerste Beeinträchtigung) - werden bei der Begutachtung mindestens 70 Punkte erreicht, erhält der Versicherte Leistungen des Pflegegrad 4. Dieser entspricht etwa der ehemaligen Pflegestufe 3

Pflegegrad 5 (schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung). Personen mit einer Mindestpunktzahl von 90 erhalten Leistungen, die der ehemaligen Pflegestufe 3 + Härtefall-Anspruch entsprechen. Dies trifft beispielsweise auf Personen zu, bei denen eine aufwändige und professionelle pflegerische Versorgung aufgrund einer Ernährung per PEG-Sonde notwendig ist.

 

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Je mehr Punkte ein Versicherter bei der Begutachtung durch den MDK erhält, desto höher ist der Pflegegrad. (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit + Cindy Hofmann)

Welche Leistungen bietet die Pflegeversicherung 2018?

Die Situation, in der Pflegeleistungen nötig werden, ist bei jedem Versicherten individuell. Ziel der Pflegeversicherung ist, dass alle Versicherten nach ihren persönlichen Bedürfnissen bestmöglich versorgt werden. Daher sind auch die Leistungen der Pflegeversicherung vielfältig. Sie orientieren sich im Wesentlichen am Pflegegrad und am Wohnort des Versicherten.

Die nachfolgenden Abschnitte beinhalten einige Leistungen der Pflegeversicherung im häuslichen und stationären Bereich. Weiterführende Informationen erhalten Sie direkt bei Ihrer Pflegeversicherung oder beim Bundesministerium für Gesundheit unter dem Schlagwort Pflege.

 

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Die Leistungen der Pflegeversicherung sind vielfältig. Sie orientieren sich an Pflegegrad und Wohnort des Pflegebedürftigen. (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit 2017) (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit 2017)

 

Leistungen der Pflegeversicherung im eigenen Zuhause - ambulante Pflegeleistungen 2018

Es ist ein erklärtes Ziel aller Pflegeexperten, dem Versicherten so lange wie möglich das Leben in seinem eigenen Haushalt zu ermöglichen. Daher hat der Gesetzgeber Leistungen der Pflegeversicherung im ambulanten – also häuslichen – Bereich mit Anreizen versehen, die Menschen motivieren sollen, sich zu Hause pflegen zu lassen. Dafür gibt es entweder das Pflegegeld oder die Pflegesachleistungen. Als Pflegesachleistungen bezeichnet man die Erbringung konkreter Pflege durch einen professionellen Anbieter, also einen Pflegedienst oder ähnliche anerkannte Dienstleister. Pflegegeld erhalten Pflegeempfänger für die Hilfen durch eine Person im sozialen Umfeld. Das können Angehörige, Freunde oder Nachbarn sein, die z. B. bei der Reinigung der Wohnung helfen, mit dem Versicherten zum Arzt fahren oder Mahlzeiten kochen. Solche Leistungen werden auch von Seniorenbetreuungen angeboten.

Die Höhe Pflegegelds staffelt sich nach dem anerkannten Pflegegrad. Wofür das Pflegegeld ausgegeben wird, kann der Pflegebedürftige frei entscheiden. Er bekommt das Geld monatlich durch die Kasse ausgezahlt.

  • Pflegegrad 1: -
  • Pflegegrad 2: 316 Euro
  • Pflegegrad 3: 545 Euro
  • Pflegegrad 4: 728 Euro
  • Pflegegrad 5: 901 Euro (Stand: 2018)

Als Pflegesachleistungen werden Dienstleistungen von professionellen Pflegediensten bezeichnet. Die Gelder sind zweckgebunden und werden direkt an den Dienstleister ausgezahlt. Für die Pflegesachleistung können pro Monat folgende Beträge durch die Kasse erstattet werden:

  • Pflegegrad 1: -
    Pflegegrad 2: 689 Euro
    Pflegegrad 3: 1.298 Euro
    Pflegegrad 4: 1.612 Euro
    Pflegegrad 5: 1.995 Euro (Stand: 2018)

Sie können Pflegesachleistungen und Pflegegeld auch kombinieren. Das bedeutet, einen Teil der Pflege übernehmen Angehörige oder Freunde. Dafür bekommen Sie Pflegegeld. Einen anderen Anteil der Pflegedienstleistungen übernimmt ein mobiler Pflegedienst. Dafür bekommt er Entgelt direkt von der Pflegekasse.

Pflegehilfsmittel

Jeder Versicherte ab Pflegegrad 1 erhält monatlich bis zu 40 Euro von der Pflegekasse für den Erwerb von Pflegehilfsmitteln. Diese kann der Versicherte zur Erleichterung des pflegerischen Alltags im eigenen Haushalt nutzen. Damit sollen beispielsweise Kosten für Betteinlagen, Einmalhandschuhe, Inkontinenzhilfsmittel und ähnliches abgedeckt werden. Durch den Spitzenverband der Krankenkassen (GKV) wird ein Verzeichnis geführt, der solche Pflegehilfsmittel beinhaltet, die durch die Kasse erstattet werden können. Das Hilfsmittelverzeichnis ist online einsehbar. 

Alle Produkte, die in der Produktgruppe 54 (PG 54) aufgeführt sind, können ohne ärztliches Attest bestellt werden. Die Kasse übernimmt in der Regel nach einmaliger Antragsstellung die monatlichen Kosten in Höhe der 40 Euro. Allerdings ist es möglich, dass die Pflegekasse nach einem bestimmten Zeitraum prüft, ob noch Bedarf besteht. Dann muss der Antrag auf Kostenerstattung neugestellt werden. Viele Sanitätshäuser haben sich bereits darauf spezialisiert, solche "zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel" als Paket anzubieten. 

Zusätzliche Leistungen in ambulant betreuten Wohngruppen

In den letzten Jahren setzt sich das Konzept der ambulant betreuten Pflege-Wohngruppen in Deutschland zunehmend durch. Mehrere Versicherte leben selbständig gemeinsam in den so genannten Pflege-WGs und werden durch professionelle Anbieter in der Pflege unterstützt. Die Grundgedanken dieser Wohnform sind gegenseitige Hilfen der Bewohner sowie die Aufrechterhaltung der sozialen Kontakte der Versicherten untereinander. Die Bewohner können zusätzliches Geld von ihrer Pflegeversicherung für den Umzug und die Räumlichkeiten erhalten. 2018 kann jeder Versicherte so bis zu 214 Euro pro Monat zusätzlich erhalten. Mit dem Geld kann zum Beispiel ein Betreuer für die Wohngruppe finanziert werden.

Die Pflegeversicherung fördert ebenfalls die Neugründung von Pflege-WGs. Bei der Übernahme sieht die Pflegeverischerung eine sogenannte Anschubfinanzierung vor. In diesem Fall kann jeder Pflegebedürftige eine Anschubfinanzierung von 2.500 Euro von der Pflegeversicherung erhalten (maximal aber 10.000 Euro pro Wohngruppe.) Das gilt für Pflegebedürftige in allen fünf Pflegegraden. Auch hier empfiehlt sich eine persönliche Beratung bei Ihrer Pflegeversicherung.

Pflegevertretung und Kurzzeitpflege

Es kommt vor, dass eine private Pflegeperson durch Krankheit oder Urlaub ausfällt. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, die Finanzierung der Pflege weiterzuführen.

1. Die Verhinderungspflege

Bei Verhinderung der eigentlichen Pflegeperson durch Krankheit oder Urlaub erhält der Versicherte ab Pflegegrad 2 eine Ersatzpflege. Dies ist im Kalenderjahr für bis zu sechs Wochen möglich. Die Ersatzpflege kann dann zum Beispiel ein ambulanter Pflegedienst übernehmen. Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten für eine Ersatzpflege über einen Zeitraum bis zu sechs Wochen. Pro Jahr sind das maximal 1.612 Euro für Versicherte mit den Pflegegraden 2 bis 5.

2. Die Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim

Für die Rehabilitation nach einer Krisensituation oder einem Krankenhausaufenthalt benötigt jeder Versicherte Zeit zum Wiederaufbau seiner alten Fähigkeiten. Dies erfolgt zumeißt vollstationär. Solche Rehamaßnahmen zählen ebenfalls zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Die individuelle Dauer und Fragen der Kostenübernahme klären Sie idealerweise mit Ihrem persönlichen Berater Ihrer Pflegeversicherung vor Ort. Die Versicherung übernimmt die Kosten bis zu acht Wochen im Jahr. Auch hier sind dies maximal 1.612 Euro pro Jahr für Versicherte mit den Pflegegraden 2 bis 5. Mit dem Pflegegrad 1 kann man bis zu 125 Euro Zuschuss für die Kurzzeitpflege erhalten. Das ist über den Entlastungsbetrag möglich.

Die teilstationäre Pflege

Die teilstationäre Pflege nennt man auch Tages- und Nachtpflege. Hier wird der Pflegebedürftige einmal oder mehrmals pro Woche in einer professionellen stationären Einrichtung versorgt. Die Pflege übernehmen dort professionelle Pflegefachkräfte, Betreuer und Pflegehelfer.

Die Pflegeversicherung zahlt dafür maximal pro Monat:

  • Pflegegrad 1: -
  • Pflegegrad 2: 689 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.298 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.612 Euro
  • Pflegegrad 5: 1.995 Euro (Stand 2018)

Geld für barrierefreien Umbau

Wenn Pflegebedürftige zu Hause gepflegt werden, kann ein barrierefreier Umbau nötig werden. Die Pflegekassen können auf Antrag bis zu 4.000 Euro pro Person für solche Baumaßnahmen erstatten. Wenn mehrere Pflegebedürftige zusammen wohnen, werden Umbauarbeiten bis zu 16.000 Euro bezuschusst. Das kommt zum Beispiel in einer ambulant betreuten Wohngruppe vor. Anspruch auf diese Leistungen haben Pflegebedürftige in allen fünf Pflegegraden.

Die Gelder der Kasse sind zweckgebunden und dürfen nur für bestimmte Baumaßnahmen verwendet werden. Möglich ist beispielsweise der Einbau eines Treppenlifts oder die Barrierereduzierung im Bad durch rutschhemmende Fliesen und einen ebenerdigen Duschzugang. 

Zusmmenfassung:
Grafik – Welche Leistungen stehen ihnen in der häuslichen Pflege zu.

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Die Auswahl der Leistungen im häuslichen Bereich sind freier formuliert und können kombiniert werden. (Quelle: Cindy Hofmann - eigene Darstellung)

Leistungen bei vollstationärer Pflege

In der vollstationären Pflege wohnt der Versicherte dauerhaft in einer Pflegeeinrichtung, z. B. einem Pflegeheim. Diese Geldleistung wird mit der Einrichtung abgerechnet. Diese dienen beispielsweise dazu, die Kosten der 24-h-Betreuung sowie für den Wohnraum in Pflegeheimen anteilig zu decken. Die Pflegeversicherung zahlt pro Monat bei

  • Pflegegrad 1: Zuschuss in Höhe von 125!
  • Pflegegrad 2: 770 Euro
  • Pflegegrad 3 1.262 Euro
  • Pflegegrad 4:1.775 Euro
  • Pflegegrad 5: 2.005 Euro (Stand: 03/2018)

Zudem hat jeder Pflegeversicherte einen eigenen Anspruch auf zusätzliche Betreuung und Aktivierung in jeder vollstationären Pflegeeinrichtung. Dies gilt unabhängig vom Pflegegrad. Dazu zählen beispielsweise die Kosten für zusätzliche Betreuung beim Essen, Vorlesen oder die Teilnahme an Beschäftigungs- und Sportveranstaltungen, bei denen auch zusätzliche Betreuungskräfte eingesetzt werden.

Einige pflegebedürftige Menschen leben in einer Einrichtung der Behindertenhilfe, z. B. in einem Wohnheim für Menschen mit Schwerstbehinderung. Dann zahlt die Versicherung einen Zuschuss von 266 Euro pro Monat für Pflegebedürftige in allen fünf Pflegegraden. Unabhängig davon bekommen sie Eingliederungshilfe.

Entlastungsbetrag

Jeder Versicherte mit einem anerkannten Pflegegrad erhält bei stationärer Pflege einen Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich. Dieser Betrag ist zweckgebunden. Er kann also ausschließlich für konkrete Leistungen, wie z. B. Tages- oder Nachtpflege, Kurzzeitpflege aber auch für anerkannte Unterstützungsleistungen, wie z. B. Fahrtkosten in einen Senioren-Sportverein (also zur Aufrechterhaltung mobiler Fähigkeiten und sozialer Kontakte) genutzt werden.

Der Pflegeantrag: Wie erhalten Sie Leistungen Ihrer Pflegeversicherung?

Die Einstufung in die Pflegegrade gilt für alle Versicherten, die Leistungen der Pflegeversicherung beantragt und bewilligt bekommen haben. Dabei wird unterschieden zwischen Versicherten, die vor der Umstellung auf die Pflegegrade bereits Leistungen der Pflegeversicherung erhielten und denen, welche einen Pflegegrad neu beantragen. Wie in der nachfolgenden Infografik sichtbar, wurden mit der Einführung der Pflegegrade zunächst alle bisherigen Leistungsempfänger automatisch anhand ihrer bisherigen Pflegestufe einem Pflegegrad zugeordnet.

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Wer vor 2017 bereits Leistungen der Pflegekasse erhielt, wurde automatisch dem entsprechenden Pflegegrad zugeordnet. (Quelle: Cindy Hofmann)

 

Einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung stellt der Versicherte selbst oder ein Vertreter (Bevollmächtigter) bei der zuständigen Pflegeversicherung. Diese erreichen Sie in der Regel bei Ihrer Krankenversicherung. Da der Antrag sehr komplex und umfangreich ist, sollte man sich hierfür beraten lassen.

Nach der Antragstellung erhält der Versicherte einen schriftlichen Termin zur Begutachtung durch den MDK.

Seit 2017 werden alle Neuanträge mit dem Prüfverfahren "Neues Begutachtungsassessment" (NBA) durch einen Mitarbeiter des MDK bearbeitet. Dafür erfolgt eine Einschätzung durch Befragung des Versicherten oder Bevollmächtigten und Beobachtung der konkreten Lebenssituation des Antragsstellers an seinem Wohnort.
Das NBA ist ein komplexer Fragenkatalog, der verschiedene Alltagskompetenzen in sechs verschiedenen Lebensbereichen (Module) überprüft. Jede Frage wird einer bestimmten Punktzahl zugeordnet. Anhand der Gesamtpunktzahl entscheidet die Pflegekasse, ob und welchen Pflegegrad der Antragsteller erhält und welche monatlichen Leistungen der Pflegeversicherung ihm zustehen. Den abschließenden Bescheid über Ihren Pflegegrad - und damit Ihren Leistungsanspruch - erhalten Sie ebenfalls schriftlich.

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Bei der Begutachtung durch den MDK werden sechs Lebensbereiche betrachtet. (Quelle: Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen 2016)

Wie lange dauert die Bearbeitung eines Pflegeantrags?

Die Fristen zur Bearbeitung eines Pflegeantrages sind gesetzlich festgelegt und unter § 18 Abs. 3b SGB XI nachzulesen.
Jeder gestellte Antrag sollte binnen 25 Arbeitstagen bearbeitet werden. Das heißt, Begutachtung und Bescheid sollten innerhalb dieser Zeit erfolgen. Laut Sozialgesetzbuch ist diese Frist verbindlich. Für besondere Fälle gilt eine entsprechende Fristverkürzung, welche ebenfalls gesetzlich festgelegt und im Sozialgesetzbuch nachzulesen sind.

Erhält der Antragsteller innerhalb dieser Fristen weder Begutachtung noch Bescheid, drohen der Versicherung sogar Strafen:
„3b: Erteilt die Pflegekasse den schriftlichen Bescheid über den Antrag nicht innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Eingang des Antrags oder wird eine der in Absatz 3 genannten verkürzten Begutachtungsfristen nicht eingehalten, hat die Pflegekasse nach Fristablauf für jede begonnene Woche der Fristüberschreitung unverzüglich 70 Euro an den Antragsteller zu zahlen.„

Tipp! Bei Verzögerungen wenden Sie sich bitte direkt an Ihre bearbeitende Pflegeversicherung. 

Wo erhalten Sie Hilfen?

Ein Pflegefall in der Familie ist immer eine schwierige Lebenssituation. Daher bieten der MDK und auch die Pflegeversicherungen zahlreiche Informationen an, die jedem Versicherten frei zur Verfügung stehen.

Sie können diese auf den jeweiligen Websites nachlesen, ausdrucken oder die Publikationen kostenlos nach Hause bestellen. Nachfolgend zwei ausgewählte Links:

Seit Oktober 2017 stellt das Bundesgesundheitsministerium auch unter der Behördennummer 115 Beratung und Informationen rund um die Pflege zum Festnetztarif zur Verfügung. Da sich dieser Service bei der Veröffentlichung dieses Beitrages noch im Aufbau befindet, finden Sie hier eine Übersicht über die Regionen in Deutschland, unter denen Sie diesen Service bereits erreichen.

 

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Unter der Telefonnummer 115 erhalten Sie alle Informationen zum Thema Pflege (Quelle: Cindy Hofmann)

Fazit

Das Thema Pflege und die Leistungen der Pflegeversicherungen sind sehr komplex. Neben der Pflege für Versicherte, werden beispielsweise durch den MDK auch Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste und andere professionelle Anbieter von Pflege und Hilfen regelmäßig auf die Qualität der dort durchgeführten Pflege überprüft. Auch Pflegepersonal, pflegende Angehörige und Berater müssen optimal geschult, gefördert und unterstützt werden. Die umfassenden Reformen in der Pflege haben zahlreiche Verbesserungen gebracht, die nun auch Ihnen oder Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen helfen sollen, den Alltag trotz Pflegebedürftigkeit bestmöglich zu gestalten.

Kognitiv Eingeschränkte und psychisch kranke Menschen sind nun besser gestellt und können einen höheren Pflegegrad erhalten. Dazu wurden in den Fragebögen NBA speziell neue Fragen installiert. Diese drehen sich vor allem auch darum, wie die Antragssteller mit anderen Menschen umgehen und sozial eingebunden sind. Zum Beispiel: Können sie ein Telefon oder Handy bedienen?

 

Weiterführende Links in unserem Ratgeber finden Sie hier:


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Profilbild von Cindy Hofmann

Cindy Hofmann, Jahrgang 1977 ist Diplom-Pflegewirtin (FH) und nebenberuflich als Autorin für den Fachverlag Kohlhammer tätig. Derzeit absolviert sie eine Umschulung zur Kauffrau für Büromanagement/Spezialisierung Marketing.


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