Pflegestufen 2015 | Pflegereform 2015 | Pflegereform 2017 | Neue Pflegestufen

Was bringt die neue Pflegereform?

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Der Bundestag hat eine umfassende Pflegereform verabschiedet. Die Pflegeversicherung wird damit massiv umgebaut. Was aber bringt das neue Gesetz für die Betroffenen? Die Antwort: Viele Verbesserungen, besonders im Bereich demenzieller Erkrankungen.

Die Pflegeversicherung wird rund 20 Jahre nach ihrer Einführung mit dem neuen, sogenannten zweiten Pflegeergänzungsgesetz zu einem Großteil verändert und tritt am 1. Januar 2017 in Kraft. Die Änderungen haben zum Inhalt, dass nun auch psychisch erkrankte Menschen den gleichen Anspruch auf Pflegeleistungen besitzen, wie er auch körperlich erkrankten Menschen inne wohnt. Durch die hohe Zahl an psychischen Erkrankungen erhalten nun ca. eine halbe Million Menschen Unterstützung der gesetzlichen Pflegeversicherungen.

Individualität: Künftig entscheidet, was jemand kann oder wo er Hilfe braucht

Über die Leistungshöhe der Pflegeversicherung entscheidet künftig der Zustand der betroffenen Person. Es wird begutachtet, was jemand noch selbst kann und wo sie oder er Unterstützung benötigt – unabhängig davon, ob jemand an einer psychischen oder einer körperlichen Einschränkung leidet. Dieses Gesetz unterstützt damit vor allem Menschen mit Demenz künftig um ein vielfaches besser als bisher.
Zudem beginnt die Unterstützung in Zukunft deutlich früher - etwa, wenn eine Dusche altersgerecht umgebaut werden muss oder Hilfe im Haushalt benötigt wird. Diese Reformen und Gesetzesänderungen verstehen sich als außerordentlich positiv und stellen einen guten Schritt in die Gleichstellung aller erkrankten Personen dar.

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Ehepaar beim Frühstück | Pflegestufen 2015 | Pflegereform 2015 (Quelle: © rudolf_langer - Pixabay.com)

Neue Pflegestufen: Fünf Pflegegrade statt drei Pflegestufen

Kern des Gesetzes ist ein neues Begutachtungssystem. Hierzu werden die bisherigen drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt, die den Bedarf des Einzelnen besser erfassen sollen. Körperliche, geistige und psychische Einschränkungen sind dabei gleichberechtigt, werden gleichermaßen erfasst und in die Einstufung einbezogen. Mit der Begutachtung wird der Grad der Selbstständigkeit in sechs verschiedenen Bereichen gemessen, gewichtet und zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt. Die sechs Bereiche sind:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen 
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung & selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen 
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Daraus ergibt sich die Einstufung in einen Pflegegrad. Wer jetzt schon eine Pflegestufe hat, wird zukünftig in das neue System übertragen. Ein neuer Antrag muss nicht gestellt werden. Dabei soll niemand schlechter gestellt werden als im derzeitigen System.

Konkret gilt die Formel: Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen werden automatisch in den nächst höheren Pflegegrad übergeleitet. (Beispiele: Pflegestufe I wird in Pflegegrad 2, Pflegestufe III wird in Pflegegrad 4 übergeleitet). Menschen mit geistigen Einschränkungen werden automatisch in den übernächsten Pflegegrad eingeteilt. (Beispiel: Pflegestufe 0 wird in Pflegegrad 2, Pflegestufe II mit eingeschränkter Alltagskompetenz wird in Pflegegrad 4 übergeleitet.)

Übersicht Leistungsbeiträge der einzelnen Pflegegrade

Hauptleistungsbeiträge in EuroPflegegrad 1Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4Pflegegrad 5
Geldleistung ambulant125*316545728901
Sachleistung ambulant-689129816121995
Leistungsbetrag stationär125770126217752005

* als Geldbetrag, der für Erstattung der Betreuungs- und Entlastungsleistungen zur Verfügung steht

Für alle weiteren Informationen, sollten noch Fragen zu diesen Beiträgen aufkommen, können Sie sich direkt beim Bundesministerium für Gesundheit informieren.

Gleicher Eigenanteil in allen Pflegestufen

Für Menschen, die in Pflegeheimen leben, ist vor allem der Eigenanteil wichtig. Damit wird das Geld beschrieben, welches zusätzlich zur Leistung aus der Pflegeversicherung aus eigener Tasche bezahlt werden muss. Bisher stieg dieser Eigenanteil mit der Pflegestufe. Je pflegebedürftiger ein Bewohner war, desto teuer wurde auch das Pflegeheim. Das ist nun vorbei. Alle Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 bezahlen in einem Pflegeheim den gleichen pflegebedingten Eigenanteil. Dadurch werden viele Pflegebedürftige entlastet und Höherstufungen bei steigendem Bedarf erleichtert. Der Eigenanteil als solches bleibt allerdings bestehen und unterscheidet sich auch zwischen den Pflegeeinrichtungen. Auch die Kosten für Verpflegung, Unterkunft und Investitionen unterscheiden sich von Pflegeheim zu Pflegeheim.

Durch die Reform hat jeder Versicherte in stationären Pflegeeinrichtungen Anspruch auf zusätzliche Betreuungsangebote. Die Pflegeeinrichtungen werden dafür zusätzliche Betreuungskräfte einstellen. Auch für pflegende Angehörige gibt es Verbesserungen. Die Krankenkassen müssen kostenlose Pflegekurse anbieten. Wer zur Pflege aus dem Beruf aussteigt, erhält Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und höhere Rentenansprüche.

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Kompetente Betreuung in einer Pflegeeinrichtung | Pflegereform 2015 (Quelle: Fotolia ©Alexander Raths)

Mit der Einführung der neuen Pflegereform ab 2017 soll den Pflegekassen und Einrichtungen genügend Zeit zur Umstellung gegeben werden. Die Verbesserungen für Pflegebedürftige und deren Angehörige treten allerdings bereits zum 1. Januar 2016 in Kraft. So werden die Beratung verbessert, die Überprüfungen der Pflegeheime überarbeitet und mehr gesundheitsfördernde Maßnahmen in Pflegeheimen angeboten.   

Fazit

Klar ist: Eine bessere Pflege kostet Geld. Insgesamt fünf Milliarden Euro jährlich stehen künftig für die Pflege zusätzlich zur Verfügung. Dafür wurden die Beitragssätze der Pflegeversicherung bereits zum Jahresanfang 2016 um 0,3 Prozent angehoben.

Viele Informationen rund um passende Angebote, Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen in Ihrer Nähe erhalten Sie zum Beispiel bei der AWO Thüringen.

 


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Profilbild von Laura Jähnert

Laura Jähnert (geb. 1994) ist Studentin an der Bauhaus-Universität Weimar und schreibt seit September 2015 für basenio. Erfahrungen im journalistischen und crossmedialen Bereich sammelte sie durch Mitarbeit an der Universität sowie mehrere ...


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