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Pflegestufe 3 - Schwerstpflegebedürftigkeit

In diesem Jahr (2015) wurden die Leistungen für die Pflegestufe 3 angehoben. Hier erfahren Sie alles über diese Pflegestufe sowie aktuelle finanzielle Unterstützungen.

Der demografische Wandel Deutschlands hat zur Folge, dass die Zahl der Menschen im Seniorenalter zunimmt, wohingegen die Anzahl der jungen, erwerbstätigen Menschen abnimmt. Dadurch steigt auch die Pflegebedürftigkeit im Alter immer weiter an. Momentan liegt die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bei 2,6 Millionen. Das Bundesministerium für Gesundheit prognostiziert für das Jahr 2020 eine Zunahme auf 2,9 Millionen, während im Jahre 2050 bereits 3,76 Millionen Menschen pflegebedürftig sein könnten. Für die Gesellschaft ergeben sich daraus zunehmend Probleme im Bereich der Erbringung sowie Finanzierung der Pflege. Auch aus diesem Grund wurden zu Beginn diesen Jahres (2015) die Leistungen der Pflegekasse angehoben und die Rechte der Angehörigen und Schwerstpflegebedürftigen optimiert.

Pflegestufetäglicher Hilfebedarf... davon Grundpflege... davon im Haushalt
Stufe 190 Minutenmehr als 45 Minutenmehrmals in der Woche
Stufe 23 Stundenmindestens 2 Stunden
(3x täglich zu verschiedenen Tageszeiten)
mehrmals in der Woche
Stufe 35 Stundenmindestens 4 Stunden
(rund um die Uhr)
mehrmals in der Woche

Wann wird von einer Schwerstpflegebedürftigkeit gesprochen?

Mittels dreier Pflegestufen wird in Deutschland das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit bestimmt. In Pflegestufe 1 werden erheblich pflegebedürftige Personen eingestuft, in Pflegestufe 2 Personen mit schwerer Pflegebedürftigkeit und in Pflegestufe 3 Schwerstpflegebedürftige. Die Einstufung richtet sich danach, wie oft, wie lange und zu welcher Tageszeit die Hilfe von Angehörigen oder Pflegekräften benötigt wird. Die Einteilung erfolgt mittels eines Gutachters des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Dieser entscheidet, wie hoch die Leistungen ausfallen, die der Pflegebedürftige erhält.

Pflegestufe 3 betrifft Personen, die schwerstpflegebedürftig sind. Sie benötigen rund um die Uhr Hilfe bei der Grundpflege (Ernährung, Körperpflege und Mobilität) und mehrmals in der Woche Unterstützung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. Durchschnittlich muss die Hilfe am Tag mindestens fünf Stunden in Anspruch nehmen, wobei vier Stunden davon der Grundpflege zuteil werden. Diese Hilfestellungen zur Grundpflege des Pflegebedürftigen müssen nicht in einer Pflegeeinrichtung von professionellen Kräften geleistet werden. Sobald die Pflegestufe offiziell festgestellt wurde, können die Leistungen der Pflegekasse auch für pflegende Angehörige verwendet werden. Häufig ist es den Angehörigen jedoch nicht möglich, den großen Pflegeaufwand alleine zu stemmen, weshalb das Hinzuziehen eines ambulanten Pflegedienstes hilfreich ist.

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Die Pflegeleistungen Schwerstpflegebedürftiger (Quelle: © Isabelle Kocher)

Pflegeformen und Finanzierung

Generell unterscheidet man zwei Formen der Pflege: ambulante und stationäre Pflege. Bei der ambulanten Pflege wird der Schwerstpflegebedürftige von Angehörigen, ehrenamtlichen Helfern oder einem ambulanten Pflegedienst versorgt. Erfolgt die Fürsorge durch professionellen Pfleger, so kann diese mithilfe der Pflegesachleistungen finanziert werden. Die Pflegesachleistungen werden von der Pflegeversicherung des Schwerstpflegebedürftigen ausgerichtet und haben sich ab Beginn diesen Jahres von 1.550,00 Euro auf 1.612,00 Euro erhöht. Übernehmen hingegen Angehörige oder Ehrenamtliche die häusliche Pflege, haben diese Anspruch auf das Pflegegeld. Dieses wurde für Schwerstpflegebedürftige um 28,00 Euro im Monat angehoben und beträgt somit nun 728,00 Euro. Seit Januar 2015 ist es ebenfalls möglich, diese beiden Gelder miteinander zu kombinieren. Sowohl der Betrag der Sachleistungen, als auch der des Pflegegeldes erhöht sich zudem bei Demenzkranken, psychisch Kranken oder geistig behinderten Menschen der Pflegestufe 3.

Im Bereich der häuslichen Pflege kann außerdem bei einer krankheits- oder urlaubsbedingten Abwesenheit der pflegenden Angehörigen Verhinderungspflege beantragt werden. Diese wurde auf 1.612,00 Euro angehoben und kann auf insgesamt 42 Kalendertage ausgedehnt werden. Die Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege können zukünftig miteinander kombiniert werden. Entweder können beide Beträge in Anspruch genommen werden oder nur einer von ihnen, wobei sich bei Letzterem die Leistungen der jeweiligen Pflege erhöhen. Die Kurzzeitpflege wird häufig nach einem Klinikaufenthalt, bei rasch erhöhter Pflegebedürftigkeit oder bei einer Wartezeit auf einen Heimplatz genutzt. Sie beträgt ebenfalls 1.612,00 Euro für vier Wochen, kann jedoch auf acht Wochen pro Kalenderjahr und 3.224,00 Euro ausgedehnt werden, wenn die Verhinderungspflege noch nicht in Anspruch genommen wurde.

Wenn häuslich Pflege nicht im ausreichenden Umfang sichergestellt werden kann oder ergänzt werden muss, haben Schwerstpflegebedürftige die Möglichkeit teilstationär in Einrichtungen der Tages- oder Nachtpflege gepflegt zu werden. Diese beträgt 1.612,00 Euro im Monat und beinhaltet zudem den Transport des Pflegebedürftigen von seiner Wohnung zur Einrichtung und zurück. Reicht die teilstationäre Pflege nicht aus, so kann der Pflegebedürftige auch vollstationär betreut werden. In diesem Fall wird der in einem Pflegeheim lebende Senior laut § 43 SGB XI ebenfalls mit 1.612,00 Euro unterstützt.

Bei einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft erhalten die Bewohner einen pauschalen Zuschlag von 205,00 Euro im Monat. Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes können mit 4.000,00 Euro pro Maßnahme unterstützt werden. Um ein barrierefreies Wohnen zu fördern, können die Zuschüsse sogar auf 16.000,00 € angehoben werden, wenn mehrere Anspruchsberechtigte zusammen leben. Für die Erstattung der Kosten bestimmter Hilfsmittel erhält der Schwerstpflegebedürftige monatlich 40,00 Euro.

Leistungen (pro Monat)GrundlagePflegestufe 3
(mit und ohne Demenz)
Pflegesachleistungen für häusliche Pflege§ 36 SGB XI1.612,00 Euro
Pflegegeld für häusliche Pflege§ 37 SGB XI728,00 Euro
Teilstationäre Pflege (Tages- und Nachtpflege)§ 41 SGB XI1.612,00 Euro
Vollstationäre Pflege§ 43 SGB XI1.612,00 Euro

Musterformular zur Beantragung der Pflegestufe 3

Pflegestufe 3 muss immer bei der jeweiligen Krankenkasse beantragt werden. Die entsprechenden Formulare müssen deshalb von Ihnen ausgefüllt und an die Krankenkasse des Pflegebedürftigen geschickt werden. Für die Beantragung einer Pflegestufe erhalten Sie bei Ihrer Krankenkasse spezielle Bögen, in denen Ihnen Fragen nach dem nötigen Hilfebedarf gestellt und persönliche Daten verlangt werden. Weiterhin ist in diesem Zusammenhang zu klären, ob eine Pflege durch die Angehörigen, den ambulanten Pflegedienst oder eine Pflegeeinrichtung erfolgen soll.

Einige Wochen nach Einreichung des Antrags erhalten Sie Besuch des Medizinischen Diensts der Krankenversicherung oder eines unabhängigen Gutachters. Dieser beurteilt die Pflegebedürftigkeit des Senioren und teilt ihn/sie im Anschluss in die jeweilige Pflegestufe ein. Um dem Gutachter bei der richtigen Einstufung der Pflegeklasse zu helfen und die für den Schwerstpflegebedürftigen rechtmäßigen Leistungen der Pflegekasse zu beziehen, empfiehlt es sich, ein Pflegetagebuch zu führen. In diesem können über etwa zwei Wochen hinweg alle Pflegemaßnahmen inklusive dem dafür benötigten zeitlichen Aufwand festgehalten werden.

Dieses Verfahren benötigt jedoch einige Zeit. Da es im Falle einer Pflegebedürftigkeit jedoch wichtig ist, schnellstmöglich zu handeln, um so einen Anspruch auf finanziellen Leistungen zu erhalten, empfiehlt es sich, einen formlosen schriftlichen Antrag zu stellen. Dieser Antrag ist unkompliziert und kann in kürzester Zeit ausgefüllt werden. Dieser kurze Mustertext hilft Ihnen dabei die Leistungen der Pflegeversicherung umgehend zu beantragen: 

  

Name und Anschrift des Pflegebedürftigen

An meine Krankenversicherung
- Pflegeversicherung

Anschrift Ihrer Krankenkasse

 

Hiermit beantrage ich Leistungen der Pflegeversicherung (Pflegestufe 3) und bitte um eine kurzfristige Begutachtung.


Mit freundlichen Grüßen,

Unterschrift

 

Hinweis zur Verwendung des Mustertextes:

  1. Kopieren Sie den Text in ein Textverarbeitungsprogramm (MS WORD, Open Office, etc.).
  2. Ersetzen Sie die kursiven Hinweise mit Ihren Angaben bzw. Ihrer Unterschrift.
  3. Drucken Sie ihn aus und senden Sie ihn Ihrer Krankenkasse zu.

 


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Profilbild von Isabelle Kocher

Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


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