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Die Härtefallregelung der Pflegestufen

Was passiert, wenn Pflegestufe 3 nicht mehr ausreicht und der Pflegebedürftige rund um die Uhr betreut werden muss? Wir informieren Sie gerne über die "Härtefallregelung".

Um das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit zu bestimmen, unterscheidet man in Deutschland drei Pflegestufen: Pflegestufe 1 für erheblich Pflegebedürftige, Pflegestufe 2 für Schwerpflegebedürftige und Pflegestufe 3 für Schwerstpflegebedürftige. Ist bei Letzteren ein besonders hoher und intensiver Aufwand für die tägliche Pflege notwendig, tritt die Härtefallregelung in Kraft. Für diese Personen, denen rund um die Uhr eine Pflegeperson zur Verfügung stehen muss, bestehen dementsprechend auch angepasste Leistungen der Pflegeversicherung.

Ein Beispiel eines Härtefalls:

Ein Patient leidet an einer Krebserkrankung im Endstadium. Er ist bettlägerig und seine Körperfunktionen versagen langsam. Aus diesem Grund benötigt er permanente Unterstützung durch professionelle Pflegekräfte und ist auch in den Abend- und Nachtstunden auf intensive Betreuung angewiesen. Außerdem wird er mehrmals am Tag an spezielle Beatmungsgeräte angeschlossen, da er mit Atemproblemen zu kämpfen hat. Die Pflegepersonen übernehmen Tätigkeiten aus den Bereichen der Behandlungspflege und hauswirtschaftlichen Versorgung und leisten mehrfach täglich die Grundpflege am Krankenbett.

Wen betrifft die Härtefallregelung?

Die Härtefallregelung kann in Anspruch genommen werden, wenn die Voraussetzungen der Pflegestufe 3 erfüllt sind und ein außergewöhnlich hoher beziehungsweise intensiver Pflegeaufwand benötigt wird. Für Personen, die unter diese Regelung fallen, bestehen angepasste Leistungen von Seiten der Pflegeversicherung.

Wie bei allen Pflegestufen sind Zeit und Intensität der benötigten Pflege die entscheidenden Kriterien für das Eintreten der Härtefallregelung. Für die Feststellung eines außergewöhnlich hohen Pflegeaufwandes ist eine Voraussetzung, dass die Hilfe bei der Grundpflege mindestens sechs Stunden täglich beträgt. Die Grundpflege unterteilt sich in Körperpflege, Ernährung und Mobilität und muss für die Härtefallregelung mindestens dreimal in der Nacht erforderlich sein. Das bedeutet, dass dem Pflegebedürftigen rund um die Uhr eine Pflegeperson zur Verfügung stehen muss. Befindet sich der pflegebedürftige Senior in einer vollstationären Einrichtung, muss ebenfalls die Dauer der bestehenden medizinischen Behandlungspflege berücksichtigt und kann als Teil dieser aufzuwendenden Zeit betrachtet werden.

Auf die Härtefallregelung kann ebenfalls Anspruch erhoben werden, wenn die Grundpflege für den Pflegebedürftigen auch nachts von mehreren Pflegekräften durchgeführt werden muss. Bei diesen Verrichtungen müssen mindestens eine professionelle Pflegekraft und eine weitere Pflegeperson anwesend sein. Letztere muss nicht beim Pflegedienst beschäftigt sein. Es können deshalb auch Angehörige oder ehrenamtliche Helfer bei der Pflege helfen.

Zusätzlich zu einem der beiden oberen Kriterien, muss die pflegebedürftige Person bei einer Härtefallregelung ständig auf Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung angewiesen sein. Da jedes dieser beiden Merkmale für sich bereits die Voraussetzungen der Pflegestufe 3 im qualitativen und quantitativen Sinne überschreitet, greift die Härtefallregelung ein. Jedoch darf die Härtefallregelung als extreme und sehr teure Maßnahme innerhalb einer Pflegekasse nur bei maximal drei Prozent der Pflegebedürftigen, die in den eigenen vier Wänden versorgt werden, angewendet werden. 

Pflegestufetäglicher Hilfebedarf... davon Grundpflege... davon im Haushalt
Stufe 190 Minutenmehr als 45 Minutenmehrmals in der Woche
Stufe 23 Stundenmindestens 2 Stunden
(3x täglich zu verschiedenen Tageszeiten)
mehrmals in der Woche
Stufe 35 Stundenmindestens 4 Stunden
(rund um die Uhr)
mehrmals in der Woche
Härtefallregelungmehr als 6 Stunden6 Stunden
(3x in der Nacht zwischen 22 und 6 Uhr)
ständig

Pflegeleistungen bei Härtefallregelungen

Um eine intensivere Unterstützung von Pflegebedürftigen, die unter die Härtefallregelung fallen, zu ermöglichen, gewährt die Pflegekasse zusätzliche Pflegesachleistungen. Diese Sachleistungen betrugen bis zu diesem Jahr 1.918,00 Euro monatlich. Durch das im Januar 2015 eingeführte Pflegestärkungsgesetz wurden diese jedoch auf 1.995,00 Euro erhöht. Sie sind gleichbleibend hoch bei einer häuslichen Pflege, einer teilstationären Tages- und Nachtpflege und einer vollstationären Versorgung und gelten gleichermaßen für Patienten mit und ohne Demenzerkrankung. Das Pflegegeld hingegen wird bei der Härtefallregelung nicht angehoben. Demnach bezieht sich die Pflegestufe 3+ ausschließlich auf die Pflegesachleistungen.

Hand, alt
Wenn der Alltag nicht mehr allein bewältigt werden kann, ist eine helfende Hand nötig. (Quelle: © Witizia - Pixabay.com)

Voraussichtliche Neuerungen ab 2017

Im Laufe der aktuellen Wahlperiode will die Bundesregierung einen neuen Begriff für die Pflegebedürftigkeit einführen. Das bisherige System der drei Pflegestufen soll in diesem Zusammenhang auf fünf Pflegegrade erhöht werden. Dies soll zu einer differenzierteren Bestimmung der benötigten Pflegeleistungen führen und den Anforderungen des Pflegens von Härtefallpatienten gerecht werden. Da bei den neuen Pflegegraden, ein eigener Pflegegrad für Härtefälle eingeführt werden soll, profitieren vor allem Pflegebedürftige der Härtefallregelung von der Neuerung.

Es ist weiterhin geplant, sehr viel mehr Pflegende auszubilden und einzustellen. Außerdem soll ein neues Begutachtungsmodell eingeführt sowie pflegenden Angehörigen zusätzliche Hilfen gewährleistet werden. Frühestens 2017 soll diese umfassende Reform greifen und dann den Alltag von Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und ihren Pflegern erleichtern.

Aktuelle PflegestufePflegegrad ab 2017
Pflegestufe 0Pflegegrad 1
Pflegestufe 1Pflegegrad 2
Pflegestufe 1 + eingeschränkte AlltagskompetenzPflegegrad 3
Pflegestufe 2Pflegegrad 3
Pflegestufe 2 + eingeschränkte AlltagskompetenzPflegegrad 4
Pflegestufe 3Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 + eingeschränkte AlltagskompetenzPflegegrad 5
HärtefallPflegegrad 5

Dimensionen von Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftigkeit weist mehrere Dimensionen auf. Sie ist die Ursache verschiedener Probleme und schneidet in diverse Bereiche des Lebens von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen ein.

Hinsichtlich der sozialen Dimension kann Pflegebedürftigkeit zu Isolierung führen. Davon müssen nicht nur Patienten betroffen sein. Auch Angehörige können sich zunehmend von ihrer Außenwelt abgrenzen, wenn sie die Pflege des Familienmitgliedes oder die Sorgen über dessen Krankheit stark vereinnahmt. Neben dem Pflegebedürftigen selbst sind vor allem Frauen davon betroffen, da Töchter und Ehefrauen häufig die Pflege ihrer Angehörigen übernehmen.

Die ökonomische Dimension kennzeichnet sie vor allem durch die Tatsache, dass Pflegebedürftigkeit sehr teuer ist. Selbst in Deutschland sind die Kosten für die Pflegeleistungen durch die Pflegeversicherung nicht vollständig abgedeckt. Hinzu kommt, dass sich die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, mit dem Alter erhöht. Als Rentner hat man jedoch meist ein geringeres Einkommen, wodurch die Finanzierung von Eigenmitteln und pflegerischen Unterstützungen erschwert wird. Der Aufbau von Schulden und die Abhängigkeit vom Sozialamt können deshalb Folgen von Pflegebedürftigkeit sein.

Auf psychischer Ebene ist die Erfahrung, pflegebedürftig zu werden, sehr. Mit der Pflegebedürftigkeit gehen große Einschränkungen in der Lebensqualität einher. Diese betreffen vor allem den Pflegebedürftigen selbst, der plötzlich auf fremde Hilfe angewiesen ist. Doch auch die Angehörigen sind gezwungen, ihr bisheriges Leben umzukrempeln, um sich der Pflege des Familienmitgliedes anzunehmen oder passende Unterstützung zu finden.

Letztlich existiert bei Pflegebedürftigkeit auch eine gesellschaftliche Dimension. Diese bezieht sich darauf, dass das Risiko, pflegebedürftig zu werden, für jeden Menschen vorhanden ist. Die Wissenschaft versucht herauszufinden, wie dieses Risiko verringert werden kann. Bisher ist bewiesen worden, dass eine aktive und gesunde Lebensführung dieses vermindern kann. Um jedoch ein Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen und der Bevölkerung zu erklären, wie sie Pflegebedürftigkeit vorbeugen kann, werden staatliche Förderprogramme und Initiativen in Städten und Gemeinden benötigt.

Pflege, Pflegebedürftigkeit
Die vier Dimensionen der Pflegebedürftigkeit. (Quelle: © Isabelle Kocher)

Musterformular zur Beantragung der Härtefallregelung

Im Falle einer Pflegebedürftigkeit oder einer drastischen Verschlechterung des aktuellen Zustandes sollten Pflegeversicherte oder deren Angehörige schnellstmöglich einen formlosen schriftlichen Antrag stellen. Dieser Antrag muss bei der Pflegekasse beziehungsweise Krankenkasse des Betroffenen eingereicht werden und bildet die Grundlage für die Einstufung in eine Pflegestufe und die daraus resultierenden finanziellen Leistungen.

Nach Eingang des Antrages bei der Pflegekasse wird dieser bearbeitet und ein Gutachter des medizinischen Dienstes der Krankenversichrung (MDK) zu Ihnen geschickt. Dieser prüft, welche Pflegestufe vorliegt beziehungsweise ob eine Härtefallregelung beantragt werden kann. Er wird danach ein Pflegegutachten verfassen und dies zur Genehmigung an die Pflegekasse weiterleiten.

Mit Hilfe des untenstehenden Mustertextes können Sie bei ihrer Pflegekasse die Leistungen der Pflegeversicherung beantragen: 

  

Name und Anschrift des Pflegebedürftigen

An meine Krankenversicherung
- Pflegeversicherung

Anschrift Ihrer Krankenkasse

 

Hiermit beantrage ich Leistungen der Pflegeversicherung (Pflegestufe 1) und bitte um eine kurzfristige Begutachtung.


Mit freundlichen Grüßen,

Unterschrift

 

Hinweis zur Verwendung des Mustertextes:

  1. Kopieren Sie den Text in ein Textverarbeitungsprogramm (MS WORD, Open Office, etc.).
  2. Ersetzen Sie die kursiven Hinweise mit Ihren Angaben beziehungsweise Ihrer Unterschrift.
  3. Drucken Sie ihn aus und senden Sie ihn Ihrer Krankenkasse zu.

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Profilbild von Isabelle Kocher

Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


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