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Pflegestufe 2 - Schwerpflegebedürftigkeit

Hier erfahren Sie, wann Pflegebedürftige der Pflegestufe 2 zugeteilt werden, welche finanziellen Leistungen diese beinhaltet und wie diese beantragt werden kann.

Aufgrund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung können Personen pflegebedürftig werden. Laut Pflegegesetz sind sie dies, wenn sie im Bereich der Körperpflege, der Mobilität, der Ernährung und der hauswirtschaftlichen Versorgung für mindestens 6 Monate erheblicher Hilfe bedürfen. Momentan trifft dies in Deutschland auf etwa 2,6 Millionen Menschen zu. Die steigende Zahl der Pflegebedürftigen lässt jedoch laut dem Bundesministerium für Gesundheit 2,9 Millionen für das Jahr 2020 prognostizieren.

Pflegebedürftige, Darstellung
Anzahl der Pflegebedürftigen im Jahr 2013. (Quelle: © Isabelle Kocher)

Was bedeutet die Kategorie Schwerpflegebedürftigkeit?

In Deutschland unterscheidet man das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit mittels drei verschiedener Pflegestufen. Pflegestufe 1 steht dabei für erhebliche Pflegebedürftigkeit, Pflegestufe 2 für schwere Pflegebedürftigkeit und Pflegestufe 3 für schwerste Pflegebedürftigkeit. Die Einstufung richtet sich danach, wie häufig, wie lange und zu welcher Tageszeit die Hilfe von Angehörigen oder ausgebildeten Pflegekräften bei der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt wird. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere unabhängige Gutachter prüfen dies und erklären, welche Pflegestufe beim Betroffenem vorliegt.

Pflegestufetäglicher Hilfebedarf... davon Grundpflege... davon im Haushalt
Stufe 190 Minutenmehr als 45 Minutenmehrmals in der Woche
Stufe 23 Stundenmindestens 2 Stunden
(3x täglich zu verschiedenen Tageszeiten)
mehrmals in der Woche
Stufe 35 Stundenmindestens 4 Stunden
(rund um die Uhr)
mehrmals in der Woche

Pflegestufe 2 repräsentiert im deutschen Pflegesystem die Schwerpflegebedürftigkeit. Pflegebedürftige erreichen diese Stufe, wenn sie täglich mindestens 180 Minuten auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Davon müssen mindestens 120 Minuten der Grundpflege (Ernährung, Körperpflege, Mobilität) dienen und zu drei verschiedenen Zeiten ausgeführt werden. Außerdem muss der Schwerpflegebedürftige mehrmals in der Woche Hilfe in der hauswirtschaftlichen Versorgung in Anspruch nehmen, zum Beispiel für den Einkauf oder die Wohnungsreinigung.

Grundpflege, Pflege, Darstellung
Leistungen der Grundpflege (Quelle: © Isabelle Kocher)

Finanzielle Verbesserungen für Schwerpflegebedürftige ab 2015

In der Pflege wurden ab Beginn diesen Jahres (2015) umfassende Reformen durchgeführt. Aufgrund der Inflation sind die Pflegeleistungen in den letzten Jahren um circa 4 % gestiegen. Dadurch erhalten Pflegebedürftige der Pflegestufe 2 nun beispielsweise 1144,00 Euro für Pflegesachleistungen statt den vorherigen 1100,00 Euro. In Zukunft soll deshalb die Preisentwicklung alle drei Jahre geprüft werden, um so die finanziellen Leistungen dementsprechend anpassen zu können.

Weiterhin wurde die Höhe des Pflegegeldes angehoben und die Leistungen für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege optimiert. Für wohnumfeldverbessernden Maßnahmen sowie Wohngemeinschaften wurden ebenso höhere Beiträge festgesetzt.

Die Möglichkeit, seit Januar 2015 verschiedenen Leistungen miteinander zu kombinieren, erleichtert für viele Pflegebedürftige und Angehörige den Alltag. Tages- und Nachtpflege können nun ungekürzt neben den Leistungen der ambulanten Pflege in Anspruch genommen werden. Außerdem können die Jahrespauschalen für die Kurzzeit- und Verhinderungspflege flexibler eingesetzt und deren Leistungen aufeinander übertragen werden.

Auf welche Leistungen haben Pflegebedürftige der Stufe 2 Anspruch?

Das Pflegegeld wird direkt an Versicherte ausgezählt, die sich zu Hause pflegen lassen. Das Geld soll die Angehörigen oder ehrenamtlichen Pflegekräfte unterstützen, welche sich um die ambulante Pflege des Senioren kümmern. Für die Pflegestufe 2 beträgt das Pflegegeld seit diesem Jahr (2015) 1.144,00 Euro.

Sachleistungen hingegen gehen direkt an professionelle ambulante Pflegedienste oder an die Pflegeeinrichtung, in welcher der Pflegebedürftige stationär betreut wird. Sie betragen bei häuslicher Pflege 1.298,00 Euro und bei einer vollstationären Pflege 1.330,00 Euro.

Zudem ist es seit diesem Jahr möglich, sich eine Kombination aus Pflegegeld und Sachleistungen auszahlen zu lassen. Sowohl der Betrag der Sachleistungen, als auch der des Pflegegeldes erhöht sich zudem bei an Demenz erkrankten, psychisch kranken oder geistig behinderten Menschen der Pflegestufe 2.

Leistungen
(pro Monat)
GrundlagePflegestufe 2Pflegestufe 2 mit Demenz
Pflegesachleistungen für häusliche Pflege§ 36 SGB XI1.144,00 Euro1.298,00 Euro
Pflegegeld für häusliche Pflege§ 37 SGB XI458,00 Euro545,00 Euro
Teilstationäre Pflege (Tages- und Nachtpflege)§ 41 SGB XI1.144,00 Euro1.298,00 Euro
Vollstationäre Pflege§ 43 SGB XI1.330,00 Euro1.330,00 Euro

Für eine Betreuung in Gruppen oder Einzelbetreuung zu Hause können anerkannte Pflegebedürftige der Pflegestufe 2 monatlich 104,00 Euro beantragen. Dies gilt ebenso für Entlastungsleistungen (z.B. Hilfen in Haushalt, im Garten, bei Arzt- oder Behördengängen) und verdoppelt sich auf 208,00 Euro monatlich für Demenzkranke. Für Betreuungs- und Entlastungsleistungen können auch 40 Prozent der bezogenen Sachleistungen verwendet werden.

Bei einer krankheits- oder urlaubsbedingten Abwesenheit der pflegenden Angehörigen kann bis zu 28 Tage im Jahr Verhinderungspflege beantragt werden, welche mit 1.612,00 Euro gefördert wird. Diese kann auf 42 Tage im Jahr und maximal 2.418,00 Euro ausgedehnt werden, wenn keine Kurzzeitpflege im gleichen Jahr beansprucht wurde. Kurzzeitpflege wird häufig nach einem Klinikaufenthalt, bei rasch erhöhter Pflegebedürftigkeit oder bei einer Wartezeit auf einen Heimplatz benötigt. Diese wird für 28 Tage im Jahr mit 1.612,00 Euro vergütet oder für 56 Tage im Jahr mit bis zu 3.224,00 Euro, wenn keine Verhinderungspflege in Anspruch genommen wurde.

Tages- und Nachtpflege für Pflegebedürftige der Pflegestufe 2 wird monatlich mit 1.144,00 Euro bezuschusst. Bei einer vollstationären Pflege in einem Alten- oder Pflegeheim zahlt die Pflegekasse 1.330,00 Euro für die Pflegeleistungen der Einrichtung. Für die Unterkunft und Verpflegung muss der Pflegebedürftige jedoch selbst oder gegebenenfalls das Sozialamt aufkommen. Förderungen für Wohnungsanpassungen werden mit 4.000,00 Euro je Maßnahme und Jahr unterstützt.

Bestimmte Pflegemittel werden neuerdings ebenfalls finanziell mit 40,00 Euro im Monat gefördert. Schwerpflegebedürftige haben außerdem Anspruch auf Hilfsmittel wie Rollstühle oder einen Hausnotruf und zwei kostenlose Beratungseinsätze des Pflegedienstes pro Jahr.

Rollstuhl, Reha, Rehabilitation, Gang, Flur
Im Falle von Pflegebedürftigkeit werden nach der Einordnung in eine bestimmte Pflegestufe Hilfsmittel wie Rollstühle bereitgestellt, um das Wohlbefinden des Betroffenen gewährleisten zu können. (Quelle: © stux - Pixabay.com)

Musterformular zur Beantragung der Pflegestufe 2

Die Pflegestufe 2 muss immer bei der jeweiligen Krankenkasse beantragt werden. Dort finden Sie die entsprechenden Formulare, welche von Ihnen ausgefüllt und an die Krankenkasse zurück gesendet werden müssen. In diesem Antrag werden Fragen nach den nötigen Hilfebedarf gestellt und persönliche Daten verlangt. Weiterhin ist zu entscheiden, ob eine Pflege durch die Angehörigen, den ambulanten Pflegedienst oder eine Pflegeeinrichtungen erfolgen soll.

Nach Einreichung des Antrags erfolgt im Normalfall nach wenigen Wochen ein Besuch des Medizinischen Diensts der Krankenversicherung. Dieser begutachtet die/den Pflegebedürftige/n und teilt sie/ihn in die jeweilige Pflegestufe ein. Da dieses Gutachten ausschlaggebend für die Einstufung der Pflegeklasse und die daraus entstehenden Leistungen der Pflegekasse ist, sollte man sich darauf gut vorbereiten. Ein Pflegetagebuch (PDF, 313 KB) ist hierfür empfehlenswert, indem alle Pflegemaßnahmen inklusive dem dafür benötigten zeitlichen Aufwand festgehalten werden können.

Da es im Falle einer Pflegebedürftigkeit wichtig ist, schnellstmöglich zu handeln, um so einen Anspruch auf finanzielle Leistungen zu erhalten, empfiehlt es sich, einen formlosen schriftlichen Antrag zu stellen. Dieser Antrag ist schnell und einfach auszufüllen und kann somit umgehend der Pflegekasse zugeschickt werden. Im Anschluss daran prüft ein Gutachter der Pflegekasse Ihre Situation, um die jeweilige Pflegestufe alsbald zu bestimmen. Mit Hilfe dieses kurzen Mustertextes können Sie bei Ihrer Pflegekasse die Leistungen der Pflegeversicherung beantragen: 

  

Name und Anschrift des Pflegebedürftigen

An meine Krankenversicherung
- Pflegeversicherung

Anschrift Ihrer Krankenkasse

 

Hiermit beantrage ich Leistungen der Pflegeversicherung (Pflegestufe 1) und bitte um eine kurzfristige Begutachtung.


Mit freundlichen Grüßen,

Unterschrift

 

Hinweis zur Verwendung des Mustertextes:

  1. Kopieren Sie den Text in ein Textverarbeitungsprogramm (MS WORD, Open Office, etc.).
  2. Ersetzen Sie die kursiven Hinweise mit Ihren Angaben bzw. Ihrer Unterschrift.
  3. Drucken Sie ihn aus und senden ihn Ihrer Krankenkasse zu.

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Profilbild von Isabelle Kocher

Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


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