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Pflegestufe 1 - Erhebliche Pflegebedürftigkeit

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(Quelle: Patricia Klamt)

Anfang diesen Jahres (2015) wurden die Pflegegelder der Pflegestufe 1 erhöht. Profitieren Sie davon und beantragen Sie hier die Leistungen Ihrer Pflegeversicherung.

Pflegebedürftige Menschen benötigen die Hilfe von Pflegekräften für die Bewältigung ihres Alltages. Dabei wird differenziert zwischen den Pflegestufen 1, 2 und 3. Diese repräsentieren, welche Art der Unterstützung Senioren im Haushalt und bei der Grundpflege brauchen. Weiterhin sind sie ausschlaggebend für die Leistungen und finanziellen Ansprüche der Patienten. Um diese Pflegestufe genauestens zu bestimmen, schätzt ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversichrung (MDK) die Pflegebedürftigkeit anhand der für die Pflege aufgewendeten Zeit ein.

Pflegestufetäglicher Hilfebedarf... davon Grundpflege... davon im Haushalt
Stufe 190 Minutenmehr als 45 Minutenmehrmals in der Woche
Stufe 23 Stundenmindestens 2 Stunden
(3x täglich zu verschiedenen Tageszeiten)
mehrmals in der Woche
Stufe 35 Stundenmindestens 4 Stunden
(rund um die Uhr)
mehrmals in der Woche

Wann liegt eine erhebliche Pflegebedürftigkeit vor? 

Im dreigliedrigen Pflegesystem Deutschlands bildet die Pflegestufe 1 die unterste Stufe. Personen, welche dieser Pflegestufe zugeordnet werden, müssen eine erhebliche Pflegebedürftigkeit nachweisen. Dies bedeutet, dass sie mindestens einmal täglich bei mindestens zwei Verrichtungen der Grundpflege auf Hilfe angewiesen sind. Zur Grundpflege zählen Ernährung, Körperpflege und Mobilität, jedoch nicht die allgemeine Beaufsichtigung oder Hilfestellungen bei der Freizeitgestaltung. Im Bereich der Ernährung benötigt der Pflegebedürftige vor allem Hilfe bei der mundgerechten Zubereitung oder Aufnahme der Nahrung. Unter die Körperpflege fällt hingegen das Waschen, Duschen, Baden, Kämmen und Rasieren sowie die Zahnpflege und die Darm- und Blasenentleerung. Zu Hilfestellungen im Bereich der Mobilität zählen das Aufstehen und Zubettgehen, das An- und Auskleiden, das Gehen, Stehen und Treppensteigen sowie das Verlassen oder Wiederaufsuchen der Wohnung.

Im Wochendurchschnitt müssen täglich 90 Minuten für die Unterstützung der Pflegebedürftigen Person eingeplant werden, wobei mehr als 45 für die Grundpflege anfallen. Zusätzlich werden mehrmals wöchentlich Hilfestellungen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt. Die hauswirtschaftliche Versorgung beinhaltet beispielsweise Hilfe beim Einkaufen, Kochen, Putzen, Spülen, Wäsche waschen oder Beheizen.

Pflegebedürftige der Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.
SGB XI §15

Geschirr, Haushalt, Tasse, Teller
Wenn der Haushalt nicht mehr alleine zu bewältigen ist, können Pflegekräfte aushelfen. (Quelle: © chefkeem - Pixabay.com)

Pflegegelder und Sachleistungen für erheblich Pflegebedürftige

Mithilfe von Sachleistungen unterstützt die Pflegekasse die Finanzierung eines ambulanten Pflegedienstes oder einer professionellen Pflegeeinrichtung. Dies wird direkt an den Pflegedienst oder die Pflegeeinrichtung gezahlt. Das Pflegegeld hingegen wird an den Versicherten ausgezahlt, welcher sich durch ehrenamtliche Pflegekräfte oder Angehörige zu Hause pflegen lässt. Wird der Anspruch auf Sachleistungen nicht vollständig genutzt, kann eine Kombination aus Pflegegeld und Sachleistungen ausgezahlt werden.

Mit der Bewilligung der Pflegestufe 1 steht Pflegebedürftigen ab diesem Jahr (2015) ein monatliches Pflegegeld von 244,00 Euro bei häuslicher Pflege von Angehörigen zu. Bei einer Pflege durch den Pflegedienst erhöht sich dieser Betrag auf 468,00 Euro für Sachleistungen. Bei an Demenz erkrankten, psychisch kranken oder geistig behinderten Menschen der Pflegestufe 1 erhöht sich das Pflegegeld auf 316,00 Euro. Gleichzeitig werden Sachleistungen auf bis zu 689,00 Euro erhöht.

Leistungen (pro Monat)GrundlagePflegestufe 1Pflegestufe 1 mit Demenz
Pflegesachleistungen für häusliche Pflege§ 36 SGB XI468,00 Euro689,00 Euro
Pflegegeld für häusliche Pflege§ 37 SGB XI244,00 Euro316,00 Euro
Teilstationäre Pflege (Tages- und Nachtpflege)§ 41 SGB XI468,00 Euro689,00 Euro
Vollstationäre Pflege§ 43 SGB XI1.064,00 Euro1.064,00 Euro

Weitere Leistungen und Zuschüsse

Neben Pflegegeld und Sachleistungen haben erheblich Pflegebedürftige seit 2015 Anspruch auf weiter finanzielle Unterstützungen.

Für niedrigschwellige Betreuungen in Gruppen oder Einzelbetreuungen zu Hause sowie für Entlastungsleistungen (z.B. Hilfen im Haushalt und Garten oder Arzt- und Behördengängen) können alle anerkannten Pflegebedürftigen mit Pflegestufe 1 monatlich 104,00 Euro einbeziehen. Im Jahr summiert sich dieser Betrag auf 1.248,00 Euro. Leiden Pflegebedürftige ebenfalls unter schwerer Demenz, erhöht sich dies auf 208,00 Euro im Monat und somit auf 2.496,00 Euro im Jahr.

Seit diesem Jahr haben Senioren mit der Pflegestufe 1 Anspruch auf die Verwendung von 40 Prozent ihrer Sachleistungen für Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Sie können außerdem einen monatlichen Zuschuss von 468,00 Euro für die Tages- und Nachtpflege beantragen und bis zu 1.612 Euro auf 28 Tage Verhinderungspflege erhalten, sollten die pflegenden Angehörigen aufgrund von Krankheit oder Urlaub abwesend sein. Dieser Betrag erhöht sich auf 2.418,00 Euro für 42 Tage im Jahr, wenn keine Kurzzeitpflege genutzt wurde. Von der Kurzzeitpflege wird häufig Gebrauch gemacht bei einer rasch erhöhten Pflegebedürftigkeit, nach einem Klinikaufenthalt oder bei einer Wartezeit auf einen Heimplatz. Wird diese für bis zu 28 Tage benötigt, so erhält man ebenfalls eine Förderung von 1.612,00 Euro im Jahr. Bei einer Ausdehnung auf bis zu 56 Tagen erhält man für die Aufwendungen der Kurzzeitpflege 3.224,00 Euro, solange die Verhinderungspflege nicht genutzt wurde.

Bedarf ein Pflegebedürftiger der Pflegestufe 1 einer vollstationären Pflege, so zahlt die Pflegekasse 1.064,00 Euro für die Pflegeleistungen der Einrichtung. Für die Finanzierung der Unterkunft und Verpflegung sind jedoch die Pflegebedürftigen selbst zuständig beziehungsweise das zuständige Sozialamt.

Bei einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft erhalten die Bewohner einen WG-Gründungszuschuss von jeweils 2.500,00 Euro von der Pflegekasse. Höchstens vier dieser Bewohner dürfen diesen Zuschuss beantragen, sodass maximal 10.000,00 Euro in den Aufbau der WG fließen können. Zur Beschäftigung einer Organisationskraft hat jeder Bewohner der WG einen Anspruch auf den monatlichen Organisationszuschuss von 205,00 Euro. Weiterhin kann ein Zuschuss für den Umbau zum barrierefreien Wohnen beantragt werden, der bis zu 4.000,00 Euro für höchstens vier Bewohner der WG betragen darf.

Letztlich haben Pflegebedürftige der Pflegestufe 1 auch Anspruch auf Hilfsmittel wie Rollstühle oder einen Hausnotruf. Deshalb erhalten sie eine monatliche Förderung von 40,00 Euro für bestimmte Pflegehilfsmittel. Zuschüssen zur Wohnungsanpassung können bis zu 4.000,00 Euro je Maßnahme und Jahr genehmigt werden. Desweiteren können Pflegebedürftige zwei kostenlose Beratungseinsätze des Pflegedienstes pro Jahr wahrnehmen. 

Musterformular zur Beantragung der Pflegestufe 1

Pflegeversicherte oder deren Angehörige sollten im Falle eine Pflegebedürftigkeit schnellstmöglich einen formlosen schriftlichen Antrag stellen. Dieser Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung wird bei der zuständigen Pflegekasse gestellt, welche der Krankenversicherung des Betroffenen angegliedert ist. Dies gilt für gesetzliche Krankenversicherungen genauso wie für private Krankenversicherungen.

Im Anschluss daran prüft ein Gutachter durch einen Begutachtungstermin, ob der Senior den Voraussetzungen der Pflegestufe 1 entspricht. Das daraus resultierende Pflegegutachten leitet er zur Genehmigung an die Pflegekasse weiter.

Mit Hilfe dieses kurzen Mustertextes können Sie bei Ihrer Pflegekasse die Leistungen der Pflegeversicherung beantragen: 

 

Name und Anschrift des Pflegebedürftigen

An meine Krankenversicherung
- Pflegeversicherung

Anschrift Ihrer Krankenkasse

 

Hiermit beantrage ich Leistungen der Pflegeversicherung (Pflegestufe 1) und bitte um eine kurzfristige Begutachtung.


Mit freundlichen Grüßen,

Unterschrift

 

Hinweis zur Verwendung des Mustertextes:

  1. Kopieren Sie den Text in ein Textverarbeitungsprogramm (MS WORD, Open Office, etc.).
  2. Ersetzen Sie die kursiven Hinweise mit Ihren Angaben bzw. Ihrer Unterschrift.
  3. Drucken Sie ihn aus und senden Sie ihn Ihrer Krankenkasse zu.

 


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Profilbild von Isabelle Kocher

Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


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