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Pflegestufe 0 - Wann habe ich ein Anrecht auf Hilfe im Haushalt?

Wir informieren Sie gerne, welche finanzielle Unterstützungen und Pflegeformen Menschen mit eingeschränkten Alltagskompetenzen wahrnehmen können.

In Deutschland unterscheidet man drei Pflegestufen. Je nachdem, wie viel Hilfe Pflegebedürftige im Alltag benötigen, werden sie in diese eingeteilt. Diese Pflegestufen entscheiden über die Höhe der Pflegegelder und Pflegesachleistungen, welche Pflegebedürftige von ihrer Pflegekasse erhalten. Da jedoch auch Personen mit dauerhaft vorhandener erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz finanzielle Unterstützungen benötigen, wurde 2008 ein Betreuungsbetrag für die sogenannte Pflegestufe 0 eingeführt. In diese Sparte fallen Menschen, welche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung und Grundpflege benötigen, jedoch nicht die Voraussetzungen für die Einstufung in Pflegestufe 1 erfüllen.

Was genau bedeutet Pflegestufe 0?

Alle Patienten, die einen nur sehr geringen Pflegebedarf aufweisen, ihren Alltag jedoch nicht selbstständig bewältigen können, fallen in die Pflegestufe 0. Diese Personen sind aufgrund einer dauerhaft erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz auf die Hilfe anderer angewiesen. Im Bereich der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung weisen diese einen Hilfebedarf auf, jedoch reicht dieser nicht für die Einstufung in Pflegestufe 1 aus. Seit dem 1. Juli 2008 wurde deshalb für Personen mit eingeschränkten Alltagskompetenzen ein Betreuungsbetrag in Höhe von 100,00 Euro bis 200,00 Euro eingeführt.

Die Pflegestufe 0 bezieht sich vor allem auf Senioren mit eingeschränkten Alltagskompetenzen, zum Beispiel aufgrund Demenzerkrankungen. Die Einteilung in die jeweiligen Pflegestufen erfolgt immer durch einen unabhängigen Gutachter oder einen Prüfer des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Dieser beurteilt anhand von verschiedenen Kriterien, ob ein Anspruch auf Betreuungsgeld vorhanden ist. Dabei schätzt er den Senioren ein hinsichtlich bestehender Weglauftendenzen, dem Erkennen oder Verursachen von gefährlichen Situationen, der unsachgemäßen Handhabung von gefährlichen Substanzen oder Gegenständen, inadäquatem Verhalten im situativen Kontext, aggressiven oder tätliches Verhalten durch Verkennung einer Situation und der Unfähigkeit zur Wahrnehmung eigener seelischer und körperlicher Bedürfnisse und Gefühle ein. Weiterhin prüft er ob eine Störung der Hirnfunktion vorliegt, ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus, Alltagssituationen oft missdeutet werden und inadäquat auf diese reagiert wird, das Verhalten labil oder unkontrolliert emotional ist und ob Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Verzagt- und Niedergeschlagenheit bei einer therapieresistenten Depression vorliegen. Andere Kriterien für die Einstufung in eine Pflegestufe sind, dass kein geplanter oder strukturierter Tagesablauf durchführbar ist und keine Kooperation bei schützenden oder therapeutischen Maßnahmen wegen Depressionen oder Angststörungen möglich ist.

Wenn von diesen 13 Kriterien mindestens zwei zutreffen, wird der Patient aufgrund von erheblich eingeschränkten Alltagskompetenzen der Pflegestufe 1 zugeordnet. In diesem Fall benötigt der Senior am Tag ca. 90 Minuten Hilfe, wobei 45 Minuten der Grundpflege dienen müssen. Wenn weniger als zwei Kriterien zutreffen, tritt die Pflegestufe 0 ein. Diese Stufe bezieht sich eher auf Hilfestellungen für unterschiedliche hauswirtschaftliche Versorgungen, wie beispielsweise das Begleiten zu Arztbesuchen, das Einkaufen, Kochen, Wäsche waschen oder die Unterstützung bei Behördengängen.

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Die 13 Kriterien zur Einordnung eines Pflegebedürftigen in eine Pflegestufe (Quelle: © Isabelle Kocher)

Leistungen der Pflegestufe 0

Am 1. Januar 2013 trat das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) in Kraft, welches weitere Leistungsverbesserungen für demenzkranke Menschen beinhaltet. Während in Pflegestufe 1 und Pflegestufe 2 die bisherigen Beträge aufgestockt wurden, hat Pflegestufe 0 einen Anspruch auf Pflegegeld und Pflegesachleistungen erhalten. Das Pfleggeld beträgt für die Stufe 0 120,00 Euro im Monat, während die Pflegesachleistungen monatlich 225,00 Euro umfassen. Weiterhin wurde durch das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz die häusliche Betreuung verbessert und Zuschüsse für Pflegehilfsmittel, Verhinderungspflege und der Verbesserung des eigenen Wohnumfeldes eingeführt. Menschen mit Demenz können außerdem die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst mittels der Pflegesachleistungen finanzieren und so Unterstützung im häuslichen Umfeld oder der Gestaltung des Alltags erlangen.

Durch das Pflegestärkungsgesetz, welches im Januar 2015 eingeführt wurde, erhalten Senioren der Pflegestufe 0 außerdem Zuschüsse für Kurzzeitpflege, Tages- und Nachtpflege sowie zur Gründung, Organisation und dem Umbau ambulant betreuten Wohngruppen. Anerkannte Demenzkranke werden außerdem finanziell beim Erwerb von Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder einem Hausnotruf, sowie bei Pflegehilfsmitteln mit 40,00 Euro monatlich und bei Baumaßnahmen für ein barrierefreies Wohnen mit 4.000,00 Euro pro Maßnahme und Jahr gefördert.

Sind die pflegenden Angehörigen aufgrund von Krankheit oder Urlaub kurzzeitig nicht in der Lage den Senioren zu pflegen, kann eine Verhinderungspflege von 1.612,00 Euro für 28 Tage jährlich in Anspruch genommen werden. Diese kann auf 42 Tage und 2.418,00 Euro ausgedehnt werden, wenn im gleichen Jahr keine Kurzzeitpflege gebraucht wurde. Die Kurzzeitpflege ist zum Beispiel wichtig zur Nachsorge nach einem Krankenhausaufenthalt und beträgt ab 2015 für 28 Tage 1.612,00 Euro. Wird im gleichen Jahr keine Verhinderungspflege benötigt, so kann auch die Kurzzeitpflege auf insgesamt 56 Tage im Jahr und 3.224,00 Euro ausgedehnt werden.

Leistungen (pro Monat)GrundlagePflegestufe 0 mit Demenz
Pflegesachleistungen für häusliche Pflege§ 36 SGB XI231,00 Euro
Pflegegeld für häusliche Pflege§ 37 SGB XI123,00 Euro
Teilstationäre Pflege (Tages- und Nachtpflege)§ 41 SGB XI

231,00 Euro

Vollstationäre Pflege§ 43 SGB XI0,00 Euro

Voraussichtliche Neuerungen ab 2017

Die Bundesregierung plant im Laufe der aktuellen Wahlperiode einen neuen Begriff für die Pflegebedürftigkeit einzuführen. Dadurch soll das bisherige System der drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade erweitert werden. Dies soll zu einer differenzierteren Bestimmung der benötigten Pflegeleistungen führen und den Anforderungen von Pflegebedürftigen mit eingeschränkter Alltagskompetenz gerecht werden. Da bei den neuen Pflegegraden neben den körperlichen Einschränkungen auch geistige Faktoren berücksichtigt werden, profitieren vor allem Demenzkranke und deshalb auch Pflegebedürftige der Stufe 0 von dieser Neuerung.

Weiterhin ist geplant, dass sehr viel mehr Pflegende ausgebildet und eingestellt werden sollen. Es soll außerdem ein neues Begutachtungsmodell eingeführt werden. Zudem sollen pflegende Angehörige zusätzliche Hilfen in Anspruch nehmen können. Frühestens 2017 soll diese umfassende Reform greifen und den Alltag von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Pflegern erleichtern.

Aktuelle PflegestufePflegegrad ab 2017
Pflegestufe 0Pflegegrad 1
Pflegestufe 1Pflegegrad 2
Pflegestufe 1 + eingeschränkte AlltagskompetenzPflegegrad 3
Pflegestufe 2Pflegegrad 3
Pflegestufe 2 + eigeschränkte AlltagskompetenzPflegegrad 4
Pflegestufe 3Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 + eingeschränkte AlltagskompetenzPflegegrad 5
HärtefallPflegegrad 5

Musterformular zur Beantragung der Pflegestufe 0

Im Falle einer Pflegebedürftigkeit oder einer Demenzerkrankung, sollten Pflegeversicherte oder deren Angehörige schnellstmöglich einen formlosen schriftlichen Antrag stellen. Dieser Antrag wird bei der Pflegekasse beziehungsweise Krankenkasse des Betroffenen gestellt und ist die Voraussetzung für die Einstufung in eine Pflegestufe und die daraus resultierenden finanziellen Leistungen.

Nachdem die Pflegekasse Ihren Antrag bearbeitet hat, wird ein Gutachter bei einem Begutachtungstermin prüfen, ob der Betroffene die Voraussetzungen der Pflegestufe 0 erfüllt, beziehungsweise welcher Pflegestufe er zugeordnet werden muss. Das daraus resultierende Pflegegutachten wird dann zur Genehmigung an die Pflegekasse weitergeleitet.

Mit Hilfe des untenstehenden Mustertextes können Sie bei Ihrer Pflegekasse Leistungen der Pflegeversicherung beantragen: 

  

Name und Anschrift des Pflegebedürftigen

An meine Krankenversicherung
- Pflegeversicherung

Anschrift Ihrer Krankenkasse

 

Hiermit beantrage ich Leistungen der Pflegeversicherung (Pflegestufe 1) und bitte um eine kurzfristige Begutachtung.


Mit freundlichen Grüßen,

Unterschrift

 

Hinweis zur Verwendung des Mustertextes:

  1. Kopieren Sie den Text in ein Textverarbeitungsprogramm (MS WORD, Open Office, etc.).
  2. Ersetzen Sie die kursiven Hinweise mit Ihren Angaben bzw. Ihrer Unterschrift.
  3. Drucken Sie ihn aus und senden Sie ihn Ihrer Krankenkasse zu.

 

 


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Profilbild von Isabelle Kocher

Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


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