Pflegestützpunkte Thüringen | Sachsen | Sachsen-Anhalt

Pflegestützpunkte in Thüringen, Sachsen & Sachsen-Anhalt - Hier sitzt Ihr Pflegeberater

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(Quelle: © Robert Kneschke - Fotolia)

Wo sind die Pflegestützpunkte in Thüringen, Sachsen & Sachsen-Anhalt? Welche Beratungsleistungen werden angeboten? Wie schätzen Experten die Organisationsform der Pflegestützpunkte ein?

Werden Menschen pflegebedürftig, stehen Ihnen Leistungen aus der Pflegeversicherung zu. Pflegegeld, Verhinderungspflege, Tagespflege, Familienpflege­Zeit, Sachleistungen und Entlastungsbetrag können in Anspruch genommen werden. Doch wie werden diese beantragt und bei wem kann der Antrag eingereicht werden? All das kann in einer Pflegeberatung angesprochen und geklärt werden. Die rechtliche Grundlage ist in § 7a SGB XI (Sozialgesetzbuch – Buch 11) niedergeschrieben.

Laut der Vorschrift haben gesetzlich Versicherte einen Anspruch auf eine Pflegeberatung. Im Online-Angebot des Bundesministeriums für Gesundheit heißt es dazu: „Wer einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung stellt, dem bietet die Pflegekasse von sich aus einen Termin für eine Pflegeberatung an, die innerhalb von zwei Wochen nach Antragstellung stattfinden soll.“ Soll heißt jedoch nicht muss. Daher ist die Frist von zwei Wochen für die Kassen nicht bindend.

Privatversicherte können sich laut Ministerium an das Unternehmen „Compass Private Pflegeberatung“ wenden. Telefonisch erreicht man den Service unter der kostenfreien Rufnummer: 0800/101 88 00.

Auch bei basenio-Kooperationspartner Lettau-Personal-Dienst können sich Interessierte kostenfrei beraten lassen. Unter der Rufnummer 036201/39 08 71 oder unter der Mail: info[at]lettau-personal.de kann man sich informieren. Das Unternehmen vermittelt qualifizierte Pflegekräfte aus Osteuropa an Pflegebedürftige in Deutschland. Damit bedient man einen immer stärker werdenden Trend. Hierzulande pflegen Menschen aus Osteuropa bereits in über 163.000 Haushalten.

Inhaltsverzeichnis dieses Beitrags:

Was sind Pflegestützpunkte?

Wer sich in Deutschland über Pflegeangebote beraten lassen möchte, kann sich neben den zuvor genannten Kontakten auch an Einrichtungen wie Krankenhäuser, Verbraucherzentralen und -verbände, Pflegediensten, Sozialstationen und freie Pflegeberater wenden. Gerade bei letztgenannten können Beratungen kostenpflichtig sein. Darüber hinaus hat der Gesetzgeber die sogenannten Pflegestützpunkte initiiert.

Diese werden von Pflegekassen auf Initiative eines Bundeslandes eingerichtet. Dort informieren Pflegeberaterinnen und Pflegeberater der Kassen über mögliche Leistungen, die Bedürftige in Anspruch nehmen können. Beraten lassen können sich die Bedürftigen und deren Angehörige.

In den Pflegestützpunkten soll ein persönlicher Ansprechpartner für Pflegebedürftige sein, der die möglichen Hilfen vermittelt und koordiniert. So können Bedürftige oder deren Angehörige beispielsweise Pflegegeld beantragen und bekommen dazu Kontaktdaten von Pflegedienstleistern, bei denen sie für das Pflegegeld versorgt werden.

Mit den Pflegestützpunkten will der Gesetzgeber kommunale Strukturen in der Pflegeberatung aufbauen. Den Menschen soll vor Ort geholfen werden. Doch in der Realität zeigt sich, dass die Organisation von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich stark ist. Laut Stiftung Warentest gab es im Januar 2017 deutschlandweit rund 500 solcher Pflegestützpunkte. In Rheinland-Pfalz seien es zu Jahresbeginn mehr als 135 gewesen, in Niedersachsen über 70.

Eine wirklich aktuelle Übersicht über sämtliche Pflegestützpunkte in der Bundesrepublik hat unsere Redaktion in einer Web-Recherche nicht gefunden. Zwar gibt es auf pflegestützpunkte-online.de eine Übersicht, die ist aber nach Ansicht unserer Redaktion nicht aktuell.

In folgendem Videobeitrag des Sozialverbands VDK aus 2012 sehen Sie, wie die Pflegestützpunkte gedacht waren:  

Das erfahren Sie in einer Pflegeberatung

Wer sich in einem Pflegestützpunkt beraten lasst, soll dort kostenfrei, umfassend und unabhängig informiert werden. Die Beratung soll also nicht durch kommerzielle Interessen beeinflusst sein.

Auf der Online-Präsenz des VDEK (Verband der Ersatzkassen e. V.), dem Interessenverband der Ersatzkassen, zu der die Barmer, die DAK, die Hanseatische Krankenkasse, die Handelskrankenkasse, die  Kaufmännische Krankenkasse und die Techniker Krankenkasse gehören, finden sich die konkreten Aufgabengebiete, die durch einen Pflegestützpunkt abgedeckt werden. Das sind:

  • Allgemeine Information, Auskunft- und Beratung
  • Caremanagement (care (engl.) = kümmern)
  • Casemanagement (case (engl.) = Fall)
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Für eine adäquate Pflege kommt es auch auf die Organisation an. (Quelle: Kzenon - Fotolia)

Unter Caremanagement versteht man das gesundheits- und sozialpflegerische Hilfesystem einer Stadt oder Region, also wohnortnahe Dienstleister der Pflegeversorgung. Als Casemanagement wird die individuelle Beratung bezeichnet. Jeder Pflegefall ist anders, daher soll auch die Beratung individuell angepasst sein.

In der Beratung kann man sich über sämtliche Pflegeleistungen informieren und erhält Hinweise, wie und wo man die dafür notwendigen Anträge stellt. Es kann auch um ganz praktische Sachen gehen. Darf ich in meiner Wohnung einen Treppenlift einbauen und welche Fördermöglichkeiten gibt es dafür? Welche weiteren baulichen Maßnahmen tragen dazu bei, die Wohnung barrierefrei zu gestalten? All das kann der Berater in einem vertraulichen Gespräch mit Pflegebedürftigen und deren Angehörigen klären.

Die Stiftung Warentest hat noch einen Tipp für Pflegebedürftige, bevor sie den Stützpunkt besuchen: „Vereinbaren Sie telefonisch einen Beratungstermin und notieren Sie sich bis dahin alle wichtigen Fragen. Bringen Sie zum Gespräch alle bereits vorhandenen Pflegeunterlagen mit. Die Mitarbeiter der Beratungsstellen wissen, welche Hilfen es wo gibt und wie Sie diese beantragen und finanzieren können. Machen Sie sich während des Gesprächs Notizen und bitten Sie um schriftliche Informationen, insofern diese vorliegen.“

Das Angebot der Pflegestützpunkte wird aber nicht überall positiv gesehen. Gegenüber der Ärzte Zeitung wertete ein Sprecher des Selbsthilfenetzwerks Pro Pflege die Stützpunkte als „Fehlinvestition“ und kritisierte ihre „behördliche Struktur“.

Pflegestützpunkte Thüringen

In Thüringen gibt es aktuell in Jena, Nordhausen und Sondershausen drei Pflegestützpunkte. Ihre Beratungsangebote bestehen parallel zu denen einiger Pflegedienstleister und denen der Pflegekassen. In der folgenden Grafik finden Sie die Kontaktdaten der derzeit bestehen Pflegestützpunkte in Thüringen.

Pflegestützpunkt
Die Pflegestützpunkte in Thüringen. Weitere Kontaktdaten und Informationen gibt es auf der offiziellen Internetseite des Freistaats Thüringen. (Quelle: eigene Darstellung)

Basenio.de sprach mit Dr. Jan Steinhaußen, Geschäftsführer des Landesseniorenrats in Thüringen, über die Angebote der aktuell bestehenden Pflegestützpunkte in Thüringen. Nach seiner Einschätzung ist es notwendig, dass über Pflegeleistungen unabhängig beraten wird. Seiner Meinung nach fehle es bei der aktuellen Form der Pflegestützpunkte an Unterschieden zu bereits bestehenden Beratungsangeboten. „Das Alleinstellungsmerkmal der Pflegestützpunkte gegenüber anderen Pflegeberatungsangeboten etwa der Pflegekassen ist nicht klar konstruiert“, gibt Dr. Steinhaußen zu verstehen. „Unterschiede verschiedener Pflegeberatungsangebote werden so nicht deutlich“.

Zum gleichen Schluss kam auch eine Studie des Organisationsberatungsinstituts Thüringen (ORBIT). Von daher stehe die Frage im Raum, was die Pflegestützpunkte in ihrem Service abhebt von anderen Beratungsangeboten. Hier wäre eine deutliche Abgrenzung nötig.

Pflegestützpunkte Sachsen

Im Freistaat Sachsen entschied man sich gegen Pflegestützpunkte. Es gibt also bis zum heutigen Tag keine solchen kommunal organisierten Einrichtungen. Stattdessen setzt man auf bereits etablierte Beratungsmöglichkeiten in den Pflegekassen und Kommunen und vernetzt diese zusehends miteinander. Ausdruck dieser Strategie ist eine in Deutschland einzigartige Online-Datenbank, auf der Pflegebedürftige Ansprechpartner für Ihre Fragen finden.

Auf pflege.sachsen.de können Interessierte zunächst ihren Standort angeben, wo Sie die Hilfe benötigen. Unter Pflegeleistung und Gesundheitsleistung gibt es weitere Auswahloptionen, die man markieren kann. Klickt man auf „Suchen“, zeigt die Seite Ansprechpartner für die jeweils eingegebene Suche an. Dieser Service der „vernetzten Pflegeberatung“ ist kostenfrei.

In Sachsen gibt es zudem das Engagement in der Nachbarschaftshilfe. Kosten dafür können als Entlastungsbetrag von den zuständigen Kostenträgern erstattet werden.

Pflegestützpunkte Sachsen-Anhalt

Auch in Sachsen-Anhalt gibt es keine Pflegestützpunkte. Wie in Sachsen auch entschied man sich gegen ein weiteres Beratungssystem und setzt stattdessen auf etablierte Strukturen. Auch hier liegen also die öffentlichen Beratungsleistungen bei den Kostenträgern in den Pflegekassen und Kommunen.

Auch in Sachsen-Anhalt gibt es eine offizielle Online-Präsenz (Pflegeberatung in Sachsen-Anhalt), die über Beratungsangebote und Ansprechpartner informiert.

Fazit zu Beratungen in Pflegestützpunkten

In den deutschen Bundesländern wird die Organisation von Pflegestützpunkten unterschiedlich gehandhabt. Während in Rheinland-Pfalz viele Kommunen einen solchen Stützpunkt für eine unabhängige Beratung zu Pflegeleistungen eingerichtet haben, gibt es in Sachsen und Sachsen-Anhalt keine Pflegestützpunkte. Die beiden letztgenannten Länder setzen auf etablierte Beratungsleistungen und wollen keine parallelen Strukturen aufbauen. In Thüringen gibt es aktuell drei Pflegestützpunkte.

Pflegeberatungen werden deutschlandweit von den Pflegekassen angeboten. Darüber hinaus gibt es Dienstleister und Institutionen, die Interessierte über Pflegeleistungen beraten. Es gibt kostenfreie aber auch kostenpflichtige Beratungen. So zahlt man beispielsweise bei den Verbraucherzentralen einen Beitrag für die unabhängige Beratung.


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Profilbild von Steffen Gottschling

Steffen Gottschling (Jg. 1978) lebt und arbeitet in Erfurt. Seit 2012 ist er in der Medienbranche tätig. Hier sammelte er Erfahrungen in der Redaktion von Radio F.R.E.I. und arbeitete als Journalist in der Online-Redaktion der Thüringer Allgemeine. Für ...


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