Pflegedienst | häuslicher, privater, ambulanter Pflegedienst | Kosten

Wie finde ich den passenden Pflegedienst?

Vielen Senioren ist es wichtig, auch im Alter noch in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können. Wie Sie für sich den passenden Pflegedienst finden, um Ihren Alltag zu erleichtern, erfahren Sie bei uns.

Die meisten älteren Menschen möchten so lange wie möglich in ihrem vertrauten zu Hause wohnen bleiben und dort alt werden. Durch das Alter oder Erkrankungen gestaltet sich das selbstständige und unabhängige Wohnen jedoch nicht immer einfach. Eine Alternative zu der Unterbringung in einem Alten- oder Seniorenheim bieten ambulante Pflegedienste. Da es jedoch mittlerweile eine große Anzahl von ambulanten Pflegediensten in Deutschland gibt, soll nachfolgend aufgezeigt werden, wie der richtige Pflegedienst gefunden werden kann und mit welchen Kosten gerechnet werden muss.

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Eine helfende Hand ermöglicht es, seine Zeit auch im Alter noch in seinen eigenen vier Wänden verbringen zu können. (Quelle: © PublicDomainPictures - pixabay.com)

Wie findet man einen passenden Pflegedienst & welche Möglichkeiten gibt es?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden im Jahr 2050 ein Drittel der deutschen Bevölkerung 60 Jahre oder älter sein. Ihnen gegenüber steht eine geringere Anzahl an Nachkommen und Angehörigen. Obwohl die Lebenserwartungen steigen und auch ältere Menschen noch aktiv und fit bleiben, steigt mit einem höheren Alter der Bedarf an Hilfe- und Pflegeleistungen. Werden heute noch viele ältere Menschen von Angehörigen und Familienmitgliedern gepflegt, wird sich diese Situation in den kommenden Jahren verändern.

In aktuellen Umfragen zeigt sich immer wieder, dass die große Mehrheit (80 Prozent) der befragten Personen laut www.statista.com am liebsten selbstständig in den eigenen Vier-Wänden wohnen bleiben möchte. Durch das Alter und Erkrankungen ist es jedoch oftmals nicht mehr möglich, komplett selbstständig einen Haushalt zu führen oder sich eigenständig zu versorgen. Um einer Unterbringung in einem Alten- oder Seniorenheim zu vermeiden und den Angehörigen zu helfen, haben sich als eine Alternative ambulante Pflegedienste etabliert.

Der ambulante Pflegedienst hilfthierbei einerseits Pflegebedürftige bei den alltäglichen Erledigungen zu Hause und unterstützt andererseits die Angehörige dabei, Beruf und Pflege zu organisieren.

Das Leistungsangebot der ambulanten oder auch häuslichen Pflege genannt, kann sich über verschiedene Bereiche erstrecken. Hierzu gehören zum Beispiel:

  • Hilfe bei der Grundpflege wie Körperpflege, Ernährung und Mobilisation
  • Häusliche Krankenpflege wie Medikamentengaben oder Injektionen
  • Beratung und Unterstützung der Pflegebedürftigen und deren Angehörige
  • Hauswirtschaftliche Versorgung wie Einkaufen, Kochen und Reinigen der Wohnung

Im Jahr 2009 waren in Deutschland insgesamt 12.000 ambulante Pflegedienste zugelassen, die bundesweit 555.000 Pflegebedürftige versorgten. Von den Pflegebedürftigen befanden sich hierbei mehr als die Hälfte (55 Prozent) in Pflegestufe 134 Prozent der pflegebedürftigen Bürger erhielten Leistungen der Pflegestufe 2. Der Anteil der Schwerstpflegebedürftigen (Pflegestufe 3) betrug 12 Prozent.

Die ambulanten Pflegedienste werden von unterschiedlichen Trägern finanziert. Von den rund 12.000 ambulanten Pflegediensten waren laut Statistischem Bundesamt 2009 rund 7.400 (entspricht einem Anteil von 62 Prozent) in privater Trägerschaft. Mit 37 Prozent übernahmen freigemeinnützige Träger, wie die Diakonie oder die Caritas, einen weiteren Großteil der ambulanten Pflegedienste. Der Rest von 2 Prozent, das heißt rund 240 ambulante Pflegedienste, befanden sich in der Hand öffentlicher Träger, wie Städten, Kommunen und Gemeinden und werden im Sozialgesetzbuch elf geregelt.

Aufteilung Pflegedienste nach Trägerschaft

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Aufteilung der Pflegedienste nach Trägerschaft (Quelle: © Noemi Haderlein)

Die große Anzahl an eingetragenen ambulanten Pflegediensten macht deutlich, dass es nicht einfach ist, den richtigen Pflegedienst für sich oder seine Angehörigen zu finden. Um dennoch einen ambulanten Pflegedienst herauszufiltern, sollen nachfolgend Schritte sowie Tipps zur Auswahl aufgezeigt werden.

Check-Liste: Den richtigen Pflegedienst finden

Anfangsschritte

Am Anfang der Suche ist es sinnvoll, die Auswahl anhand von vier Schritten einzugrenzen:

1. Je näher umso einfacher

Empfehlenswert ist es, einen ambulanten Pflegedienst, der in der näherenUmgebung ansässig ist, zu wählen, da dadurch weite Anfahrten entfallen und im Notfall schnell Hilfe zur Stelle ist.

Erkundigen Sie sich hierfür in Ihrer Stadt- oder Gemeindeverwaltung nach Anbietern. Diese werden oftmals auch auf der Homepage der Stadt- oder Gemeindeverwaltung ausgeschrieben. Auch Krankenhäusern oder Kirchenverwaltungen können Auskunft über verschiedene ortsässige ambulante Pflegedienste geben.

2. Leistungsübersicht

Um die verschiedenen Anbieter in der Nähe zu vergleichen und die Auswahl einzuschränken, lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag mit Leistungsübersicht aufstellen. Oftmals genügt hierfür ein Anruf beim jeweiligen Pflegedienst und erstes Interesse an den Leistungen.

3. Persönliches Beratungsgespräch

Um einen ersten Eindruck von der Einrichtung und der Leitung zu bekommen, vereinbaren Sie ein persönliches Beratungsgespräch. In diesem können Sie verschiedene Fragen stellen und sich mit der Einrichtung und Philosophie vertraut machen.

4. Probezeit

Fragen Sie in diesem Gespräch oder telefonisch nach, ob ein Vertrag mit Probezeit abgeschlossen werden kann, welcher innerhalb der Probezeit kurzfristig kündbar ist. So können Sie bei Unzufriedenheit mit dem Pflegedienst am Anfang reibungslos wechseln.

Im persönlichen Gespräch können anschließend genaue Fragen zu den verschiedenen Dienstleistungen gestellt werden. Eine Auswahl relevanter Fragensindnachfolgend zusammengestellt:

Informationen zu den Leistungen
  • Verfügt der ambulante Dienst über einen Leistungskatalog, den ich in Ruhe durchschauen kann?
  • Wie wird die Pflegeplanung erstellt, wird Sie mit den Angehörigen abgestimmt?
  • Werden die vereinbarten Leistungen in einem Vertrag fixiert?
  • Pflegt der ambulante Dienst Kontakt zum betreuenden Arzt, um sich mit diesem abzustimmen?
  • Wer verfügt über den Wohnungsschlüssel und was passiert im Fall eines Verlusts?
  • Kann der ambulante Pflegedienst ein umfassendes Angebot aus einer Hand anbieten, zum Beispiel Hauswirtschaft, Betreuung, Fußpflege…?
  • Bietet der ambulante Dienst Serviceleistungen (Abholen und Einlösen von Rezepten, kostenfrei – kostenpflichtig?)
  • Berät der Pflegedienst bei der Auswahl und Beschaffung von sinnvollen Pflegehilfsmitteln und Pflegematerial?
  • Kann der Pflegevertrag kurzfristig gekündigt werden, bzw. wie sehen die Kündigungsfristen aus? (Enthält der Vertrag keine Regelung, kann man sofort kündigen!)
  • Ist der Pflegedienst telefonisch immer (rund um die Uhr) besonders in Notsituationen schnell zu erreichen?
  •  Hat der Pflegedienst Verträge über Betreuungsleistungen für von Demenz betroffene Personen?
Informationen zu Kosten
  • Erstellt der Dienst einen durchsichtigen und nachvollziehbaren Kostenplan für die notwendigen Pflegeleistungen sowie Einsicht in die Pflegedokumentation?
  • Berät der Pflegedienst über mögliche Kostenträger, Zuschüsse und finanzielle Hilfen?
  • Werden Pflegeleistungen nach Modulen oder nach Zeit angeboten?
Informationen zu den Mitarbeitenden
  •  Führen qualifizierte Fachkräfte die Pflegeleistungen aus?
  • Über welche Sprachkenntnisse verfügen die Mitarbeitenden?
  • Kommt stets die gleiche Fachkraft (außer an Feiertagen und am Wochenende)?
  • Nimmt der ambulante Pflegedienst Rücksicht auf kulturelle und/ oder religiöse Bedürfnisse?
  • Ist eine Haustierhaltung unproblematisch? (Zum Beispiel Angst der Mitarbeiter vor Hunden, Allergien (Katzenhaar etc.))
Informationen für die Angehörigen
  • Werde ich als Angehöriger in die Vorgespräche mit einbezogen?
  • Bietet der ambulante Dienst auch Kurse für die Angehörigen an?
  • Gibt es auch entlastende Angebote für die Angehörigen?
  • Unterstützt der Dienst bei Antragstellungen für verschiedene Leistungen oder gibt Informationen?
  • Informiert der Pflegedienst Betroffene und Angehörige über die notwendige Pflege verständlich und ausführlich?

Was sind die Kosten für einen Pflegedienst?

Die Kosten für einen ambulanten Pflegedienst richten sich nach verschiedenen Kriterien und werden im Sozialgesetzbuch § 89 SGB XI geregelt. Meistens werden die pflegerischen Leistungen in Tagessätzen abgerechnet. Berücksichtigt bei der Höhe der Tagessätze werden neben den erforderlichen Pflegeleistungen auch die Qualifikation (Sprachkenntnisse sowie Erfahrungen) der betreuenden Pflegekraft.

Die Tagessätze richten sich nach einzelnen Teilleistungen und wie oft diese erbracht werden. Die Teilleistungen werden in Leistungskomplexe (LK) unterteilt. Über diese Leistungskomplexe werden die Kosten nach einem Punktesystem abgerechnet.

Ein Beispiel: Zum Leistungskomplex eins (LK 1) gehört die »Ganzwaschung«. Die Kosten für diese können zwischen 15,90 Euro bis 18,45 Euro variieren.

Zusätzlich gibt es sogenannte verbundene Leistungskomplexe, welche sich aus verschiedenen einzelnen Leistungskomplexen zusammensetzen. Die verbundenen Leistungskomplexe sind jeweils preiswerter als die einzelnen Leistungskomplexe zusammengefasst. Im LK 12 zum Beispiel ist die "Große Grundpflege" zusammengefasst, welche die Leistungskomplexe LK 1+3+4+7 beinhaltet. Die "Große Grundpflege" beinhaltet damit eine "Ganzwaschung", "Ausscheidung", "Selbstständige Nahrungsaufnahme" und "Lagern/Betten". Der Durchschnittspreis hierfür beträgt um die 25 Euro.

Je nach der erforderlichen Anzahl der einzelnen Leistungskomplexekönnen die Kosten fürden ambulanten Pflegedienst bei bis zu 2.000 Euro monatlich liegen.

Übersicht zu den einzelnen Leistungskomplexen

LK 1GanzwaschungLK 18Große Grundpflege mit Lagern/Betten und selbstständiger Nahrungsaufnahme (LK 1+3+4+7)
LK 2TeilwaschungLK 19Große Grundpflege (KL 1+3)
LK 3AusscheidungenLK 20Kleine Grundpflege mit Lagern/Betten und selbstständiger Nahrungsaufnahme (LK 2+3+4+7)
LK 4Selbstständige NahrungsaufnahmeLK 21Kleine Grundpflege (LK 2+3)
LK 5Hilfe bei der NahrungsaufnahmeLK 22Große hauswirtschaftliche Versorgung (KL 13+14)
LK 6Sonderernährung bei implantierter MagensondeLK 23Große Grundpflege mit Lagern/Betten (LK 1+3+7)
LK 7Lagern/BettenLK 24Große Grundpflege mit Lagern/Betten und Hilfe bei der Nahrungsaufnahme (LK 1+3+5+7)
LK 8MobilisationLK 25Kleine Grundpflege mit Lagern/Betten (LK 2+3+7)
LK 9Behördengänge und ArztbesucheLK 26Kleine Grundpflege mit Lagern/Betten und Hilfe bei der Nahrungsaufnahme (LK 2+3+5+7)
LK 10Beheizen des WohnbereichsLK 27Kleine pflegerische Hilfestellung 1
LK 11EinkaufenLK 28Kleine pflegerische Hilfestellung 2
LK 12Zubereiten von warmen SpeisenLK 29Kleine pflegerische Hilfestellung 3
LK 13Reinigen der WohnungLK 30Kleine pflegerische Hilfestellung 4
LK 14Waschen und Pflegen der Wäsche und Kleidung  
LK 15Hausbesuchspauschale  
LK 15aErhöhte Hausbesuchspauschale  
LK 16Erstgespräch  
LK 17Beratungsbesuch nach § 37.3 SGB XI nach Stufe 1  
LK 17aBeratungsbesuch nach § 37.3 SGB XI nach Stufe 2  
LK 17bBeratungsbesuch nach § 37.3 SGB XI nach Stufe 3  
LK 17cBeratungsbesuch nach § 37.3 Satz 6 SGB XI nach Stufe 0  

Die genaue tägliche oder monatliche Preisspanne hängt damit stark von der Hilfe- und Pflegebedürftigkeit der zu betreuenden Person ab. Im individuellen Gespräch mit dem ambulanten Pflegedienst kann ein erster Kostenüberblick erstellt werden. Sinnvoll ist es, sich mehrere Leistungsübersichten von verschiedenen ambulanten Pflegedienste einzuholen. Manche ambulanten Dienste bieten eine günstige Grundpflege an, haben hierfür bei anderen Leistungen einen erheblich höheren Tagessatz als andere Anbieter. Mit dem Angebot von mehrere Leistungsübersichten, können Sie gezielt Ihre persönlichen Leistungen herausfiltern und die einzelnen Anbieter speziell auf Ihr Profil miteinander vergleichen.


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Profilbild von Noemi Haderlein

Noemi Haderlein stammt ursprünglich aus einem kleinen Dorf in Franken und studiert aktuell Medienkultur an der Bauhaus-Universität in Weimar. Sie interessiert sich für Themen wie die Veränderung der Arbeitswelt und der Umgang mit Medien in der ...


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