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Pflegebedürftigkeit im Alter - Wie sollte man damit umgehen?

Es ist häufig nicht leicht, Pflegebedürftige von Hilfe zu überzeugen. Wie Sie am besten mit der Pflegebedürftigkeit Ihrer Angehörigen im Alter umgehen, erfahren Sie bei uns.

Die meisten Senioren werden nicht über Nacht pflegebedürftig. Es handelt sich vielmehr um einen schleichenden Prozess, bei dem die Betroffenen mehr und mehr auf die Hilfe anderer angewiesen sind und sich im Alltag immer weniger zurechtfinden. Sich selbst die Unselbstständigkeit einzugestehen, ist jedoch meist schwierig. Vor allem wenn das bedeutet, auf Dauer die Hilfe von Angehörigen oder fremden Personen annehmen zu müssen. Nach einem Leben in Unabhängigkeit weigern sich viele Senioren, die Kinder ans Steuer zu lassen und sich selbst die eigene Pflegebedürftigkeit einzugestehen. Deshalb erklären wir Ihnen, auf welche Schwierigkeiten Sie sich dabei gefasst machen müssen und auch wie Sie diese meistern können.

Probleme bei der Überzeugung Ihrer Eltern

Die eigenen Eltern davon zu überzeugen, dass sie pflegebedürftig sind und Hilfe benötigen, ist meist nicht einfach. Viele reagieren dabei mit Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in Bezug auf ihre Erkrankung. Sie brauchen deshalb Zeit, um zu akzeptieren, dass sie nun nicht mehr alleine über ihr Leben bestimmen können, sondern die Angehörigen miteinbeziehen müssen. In dieser Zeit, in der sie noch mit ihrem Schicksal hadern und sich noch nicht in die Situation eingefunden haben, sind sie deshalb oft quengelig oder gereizt. Möglicherweise fürchten sie sich auch vor der Zukunft und haben Angst, dass sich ihre körperliche oder geistige Situation verschlimmert. Manche Senioren machen sich auf selbst Vorwürfe für ihre Pflegebedürftigkeit und haben Schuldgefühle, dass sie Ihnen zur Last fallen.

Das Verhalten der Eltern kann jedoch auch in eine andere Richtung umschlagen. Anstatt traurig und ängstlich hinsichtlich der neuen Situation zu sein, können sie sich auch wütend oder stur Ihnen gegenüber zeigen. Viele weigern sich lange die Ratschläge ihrer Kinder zu befolgen und klammern sich weiterhin an die klassische Rollenverteilung von Eltern und Kindern. Häufig reden sie Ihnen dann in Ihre Angelegenheiten hinein und wollen weiterhin darüber bestimmen, wie etwas zu kochen ist, wie richtig geputzt wird oder wie der Haushalt geführt werden muss. Vor allem wenn Sie die häusliche Pflege übernehmen, benötigen Sie viel Geduld und Konsequenz in solchen Momenten.

Pflege, Verzweiflung, Angst, Wut
Oft fühlen sich Pflegebedürftige unverstanden - zeigen Sie Verständnis (Quelle: © geralt - pixabay.com)

Letztlich besteht jedoch auch noch die Möglichkeit, dass Ihre Eltern sich nicht selbst oder ihrer Krankheit Vorwürfe machen, sondern Ihnen. Gerade dann, wenn ein Umzug ins Pflegeheim bevorsteht, spielen viele Senioren die Karte aus, dass sie früher alles für Sie getan haben und dafür heute von Ihnen im Stich gelassen werden. Gerade solche Anschuldigungen sind schwer zu ertragen, da man es eigentlich nur gut mit den Eltern meint und ihnen die Hilfe zukommen lassen will, die sie benötigen. Um stark zu bleiben, hilft es sich vor Augen zu führen, dass viele Senioren auf diese Weise versuchen, ihre eigenen Schuldgefühle zu lindern. Eigentlich haben sie Schuldgefühle Ihnen gegenüber, dass sie Ihnen so eine Last aufbürden. Um dies jedoch nicht wahrhaben zu müssen, lassen sie ihre Frust und Sorgen an den Angehörigen aus.

Tipps und Ratschläge

Als erstes ist es wichtig, sich über Hilfsmöglichkeiten zu informieren. Vor allem wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich selbst um den Angehörigen zu kümmern, sollten sie über Themen barrierefreies Wohnen, Pflegehilfsmittel, Hausnotrufdienst, Tagespflege, Kurzzeitpflege und Pflegegeld Bescheid wissen. Beratungen zu diesen Themen erhalten Sie z.B. in einer Seniorenberatungsstelle oder auch in den Einrichtungen der Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt oder des Deutschen Roten Kreuzes.

Neben externen Beratungsstellen ist es jedoch auch wichtig, innerhalb der Familie Unterstützung zu bekommen. Bei Eintreten eines Pflegefalls sind eine Reihe von Dinge zu erledigen und eine Checkliste abzuarbeiten. Dabei können die Aufgaben innerhalb der Familie aufgeteilt werden und man kann sich gegenseitig unter die Arme greifen. Vor allem wenn die Eltern sich weigern, sich ihre Pflegebedürftigkeit einzugestehen, ist es wichtig, eine gemeinsame Front zu bilden. Bitten die Kinder, Schwiegerkinder und Enkel gleichzeitig den Senioren Hilfe anzunehmen, ist es wahrscheinlicher, dass er auf sie hört, als wenn Sie alleine mit ihm reden.

Bleibt der Senior stur und glaubt, er kann weiterhin sein Leben selbstständig regeln, empfiehlt es sich ein Pflegetagebuch zu führen. Dies ist vor allen wichtig für den Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Nachdem Sie bei der Krankenkasse die Anerkennung der Pflegebedürftigkeit beantragt haben, stattet Ihnen einen Gutachter des MDK einen Besuch ab, um die Pflegestufe des Senioren zu ermitteln. Häufig verschleiern die Betroffenen bei diesem Besuch ihre Hilflosigkeit und versuchen sich so stark und unabhängig wie möglich zu zeigen, um nach außen weiterhin als selbstständig zu gelten. Mithilfe eines Pflegetagebuchs können Sie in den Wochen vor dem Besuch alle Situationen, in denen Unterstützung benötigt wurde dokumentieren und deren Häufigkeit und Dauer genau festhalten. Das hilft einerseits dem Gutachter des MDK, um den Betroffenen in die richtige Pflegestufe einzuordnen und andererseits den Pflegebedürftigen davon zu überzeugen, dass er tatsächlich Hilfe benötigt.

In anderen Fällen wiederrum, ist es nur nötig, den Eltern etwas Zeit zu geben, sich auf die neue Situation einzustellen. Pflegebedürftigkeit bedeutet für Sie, Ihre Familie und Ihre Eltern eine große Umstellung. Manchmal bedarf es dabei einfach etwas Zeit, sich mit dieser Vertraut zu machen und die Veränderung zu akzeptieren. Wenn der Umzug in ein Pflegeheim bevorsteht, kann es helfen, wenn die Angehörigen dem Pflegebedürftigen versichern, weiterhin in Kontakt zu bleiben und ihn so oft wie möglich zu besuchen. Bei einer ambulanten Pflege ist es wichtig dem Senioren gegenüber bestimmt, konsequent und auch liebevoll zu bleiben. Schwierig wird dies, wenn er es an Ihnen auslässt, dass er gerade eine schwere Zeit durchmacht. Jedoch ist es dann nicht weniger wichtig.

Ebenso nötig ist es, die Eltern mit Respekt zu behandeln und ihre Selbstständigkeit, soweit es möglich ist, zu bewahren. Gerade zu Beginn einer Pflegebedürftigkeit müssen sich alle erst noch in ihre neuen Rollen einfinden. Häufig wird dazu tendiert, den Eltern zu viel Arbeit abzunehmen, weil wir uns um sie Sorgen und sie unterstützen möchten. Es hilft den Eltern jedoch, wenn sie noch einige Tätigkeiten selber übernehmen können. Vielleicht können sie zum Beispiel selbst entscheiden was sie anziehen und wann sie ins Bett gehen oder kleinere Tätigkeiten im Haushalt erledigen - solang sie dabei weder sich noch andere gefährden. Dadurch stärken Sie nicht nur das Selbstvertrauen Ihrer Eltern, sondern entlasten auch sich selbst.

Pflegebedürftige, Pflegebedürftigkeit
Tipps zum Umgang mit Pflegebedürftigen (Quelle: Isabelle Kocher)

Ein Wort zum Schluss

Pflegebedürftigkeit ist immer für beide Seiten eine sehr schwierige Situation. Die Eltern müssen hilflos zusehen, wie sie auf immer mehr Unterstützung angewiesen sind. Aber auch die Kinder müssen in die Rolle der Eltern schlüpfen und sich um diese kümmern. Ich hoffe dieser Text konnte Ihnen zeigen was in Ihren Eltern vorgeht und Ihnen helfen sie besser zu verstehen. Wenn die Betroffenen sich weigern, fremde Hilfe anzunehmen, sollten Sie als Angehörige nicht verzagen, sondern die oben genannten Ratschläge beherzigen und Geduld mit Ihren Eltern haben. Ich hoffe es gelingt Ihnen und ich freue mich, wenn sie eigene Erfahrungen und Meinung zu diesem Thema in dem untenstehenden Kommentarfeld teilen.


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Profilbild von Isabelle Kocher

Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


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