Entlastungsbeitrag | Pflege | Pflegegrad 1,2,3,4,5 | Pflegekasse | Wofür

Entlastungsbetrag für Pflege von der Pflegekasse - Wofür & Höhe bei Pflegegrad 1,2,3,4,5

| Lea Schulz
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(Quelle: Kzenon - Fotolia)

Pflegebedürftige haben unter bestimmten Umständen einen Anspruch auf den Entlastungsbetrag. Damit stehen ihnen 125 Euro pro Monat zusätzlich zur Verfügung. Das Geld dürfen sie jedoch nur für bestimmte Zwecke verwenden – basenio.de erklärt wofür.

Der Anspruch auf den Entlastungsbetrag ist in Deutschland gesetzlich verankert. Die entsprechende Vorschrift findet sich im Sozialgesetzbuch XI (SGB XI), das Regelungen zur sozialen Pflegeversicherung enthält. Der gesetzliche Anspruch auf den Entlastungsbetrag ergibt sich aus §45b SGB XI. Dort sind auch Vorgaben enthalten, wofür der Betrag ausgegeben werden darf.

Auszug § 45b Abs. 1 SGB XI

„Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich. Der Betrag ist zweckgebunden einzusetzen für qualitätsgesicherte Leistungen zur Entlastung pflegender Angehöriger und vergleichbar Nahestehender in ihrer Eigenschaft als Pflegende sowie zur Förderung der Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags.“

Was ist der Entlastungsbetrag?

Der Entlastungsbetrag ist eine zweckgebundene Unterstützungsleistung für Pflegebedürftige in Deutschland. Sobald jemand einen Pflegegrad zugeteilt bekommt, gilt er in der Bundesrepublik als pflegebedürftig. Damit hat er Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung.

Der Entlastungsbeitrag ist Teil der Leistungen aus der Pflegeversicherung. Aktuell beträgt er 125 Euro im Monat. Den Betrag erhalten aber nur Pflegebedürftige, die in „häuslicher Pflege“ leben. Damit ist gemeint, dass der Pflegebedürftige nicht voll- oder teilstationär untergebracht ist, sondern in seinem häuslichen Umfeld. Nur dann hat er Anspruch auf den Entlastungsbetrag. Die 125 Euro müssen dann von der Pflegekasse geleistet werden.

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(Quelle: Lea Schulz)

Der Entlastungsbetrag muss nicht in einer gesonderten Form beantragt werden, da jeder Pflegebedürftige einen Anspruch auf ihn hat. Allerdings benötigen die Pflegekassen einen Nachweis, wofür die 125 Euro verwendet worden. Das ist nötig, weil der Entlastungsbetrag nur für bestimmte Zwecke ausgegeben werden darf. Er wird zusätzlich zu den schon vorhandenen Pflegeleistungen erbracht und wird auch nicht mit ihnen verrechnet.

Pflegegrad muss beantragt werden

Im Gegensatz zum Entlastungsbetrag muss die Pflegebedürftigkeit in Deutschland beantragt werden. In unserem Ratgeber „Pflegegrad beantragen: So stellen Sie den Antrag richtig“ erklären wir, wie der Antrag auf Pflegeleistungen gestellt werden sollte.


In der folgenden Übersicht finden Sie Informationen ausgewählter Pflegeversicherungen zum Entlastungsbetrag.

PflegekasseInformationen zum Entlastungsbetrag
AOK PlusEntlastungsbetrag auf AOK Plus
BARMEREntlastungsbetrag auf BARMER
DAK GesundheitEntlastungsbetrag auf DAK Gesundheit
IKK ClassicEntlastungsbetrag auf IKK Classic
TKEntlastungsbetrag auf TK

Wofür kann der Entlastungsbetrag verwendet werden?

Der Entlastungsbetrag muss zweckgebunden verwendet werden. Ein Pflegebedürftiger darf also nicht frei darüber entscheiden, wofür er die 125 Euro verwendet. Der grundsätzliche Ansatz dieser Leistung aus der Pflegeversicherung wird in §45b SGB XI genannt: „Der Betrag ist […] zur Entlastung pflegender Angehöriger und vergleichbar Nahestehender in ihrer Eigenschaft als Pflegende sowie zur Förderung der Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags.“

Wird die Pflege gänzlich durch einen Angehörigen oder Bekannten geleistet, bedeutet dies für sie insbesondere bei höheren Pflegegraden enorme körperliche und mentale Kraftanstrengungen. Damit sie eine Pause vom Pflegealltag erhalten, können die Pflegebedürftigen monatlich die 125 Euro für „qualitätsgesicherte Leistungen“ durch ehrenamtliche oder professionelle Dienstleister einsetzen. Die übernehmen dann für eine bestimmte Zeit eine Pflegeleistung und verschaffen so dem Pflegenden eine Pause.

Soll der Entlastungsbetrag dafür verwendet werden, dass ein Dienstleister den Pflegebedürftigen betreut, muss einiges beachtet werden. So müssen der Dienstleister und seine Dienstleistung durch das Bundesland anerkannt sein, in dem der Pflegebedürftige lebt. Entsprechende Informationen können sich die Pflegebedürftigen bei ihrer Pflegekasse einholen.

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(Quelle: M. Monthly - Fotolia)
Hier haben wir für Sie ein Beispiel, wie die Kosten berechnet werden

Datei herunterladen (Beispiel Rechnung Belastungsbetrag.pdf)

Der Entlastungsbetrag kann für folgende Angebote genutzt werden:

Zum einen zur individuellen Unterstützung. Diese können sowohl von zugelassenen Pflegediensten als auch von ehrenamtlichen Helfern übernommen werden. Leistungen hierfür sind:

  • Betreuungsangebote wie Betreuungsgruppen für Personen mit Demenz oder Tagesbetreuung in Kleingruppen
  • Angebote zur Entlastung von Pflegenden
  • Angebote zur Entlastung im Alltag wie Haushaltsnahe Dienstleistungen ( Reinigung, Verpflegung, Einkäufe, Fahrdienste…)

Diese Angebote werden auch "niedrigschwellige Betreuungsangebote" genannt.

Zum anderen kann der Entlastungsbetrag für Leistungen verwendet werden, die von zugelassenen Pflegediensten übernommen werden müssen:

  • Tages- und Nachtpflege
  • Kurzzeitpflege
  • Verhinderungspflege
  • Pflegebegleiter
  • Unter besonderen Voraussetzungen können auch ambulante Pflegeleistungen übernommen werden


Hierbei handelt es sich um pflegerische Betreuungsmaßnahmen sowie um Hilfen, den Haushalt zu führen. Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 1 können Leistungen zur körperbezogenen Selbstversorgung abrechnen lassen.

Tipp: Hilfe bei Pflegeleistungen

Um sich über mögliche Pflegeleistungen und –Angebote unabhängig zu informieren, hat das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Internetseite den „Pflegeleistungs-Helfer“ veröffentlicht. Hier können sich Interessierte online informieren.

Vor-Ort-Beratungen zur Pflege werden in einigen Bundesländern auch über Pflegestützpunkte angeboten. Das sind Beratungsstellen, in denen sich Interessierte über Leistungen und Angebote der Pflege persönlich und kostenfrei beraten lassen können.

Wie hoch ist der Entlastungsbetrag?

Pflegebedürftige erhalten 125 Euro Entlastungsbetrag pro Monat. Die Höhe des Betrags ist unabhängig vom jeweiligen Pflegegrad. Die 125 Euro werden jedoch nicht bar ausgezahlt, sondern nachdem sogenannten Kostenerstattungsprinzip geleistet.

Pflegebedürftige beziehungsweise deren pflegenden Anhörigen oder Bekannten müssen einen Nachweis bei der Pflegekasse einreichen, wofür der Entlastungsbetrag verwendet werden soll. Haben sie keine Abtretungserklärung vereinbart, müssen sie die Rechnung für die bezogenen Leistungen vorab selber tragen. Die Rechnung können sie dann bei der Pflegekasse einreichen, die dann die Kosten erstatten kann.

Pflegebedürftige, die Pflegesachleistungen beziehen, können bis zu 40% dieser Gelder so umwidmen, dass sie auf den Entlastungsbetrag aufgeschlagen werden. Dadurch haben sie etwas mehr Freiheit bei ihren Ausgaben für die Betreuung. Der Entlastungsbetrag erhöht sich dann um die jeweiligen Teilbeträge. Das hat insbesondere für Demenz-Patienten einen Vorteil. Sie benötigen in der Regel mehr Betreuungsleistungen als Pflegeleistungen. Sie können also einen Teil der Pflegesachleistungen so umwandeln, dass sie mit dem Entlastungsbetrag mehr Geld für eine Betreuungleistung zur Verfügung haben.

Pflegegrad Entlastungsbetrag pro Monat
Pflegegrad 1125 EUR
Pflegegrad 2125 EUR
Pflegegrad 3125 EUR
Pflegegrad 4125 EUR
Pflegegrad 5125 EUR

Bei nicht Nutzung des Entlastungsbeitrages kann dieser bis zum 30. Juni im Folgejahr genutzt werde.

Es ist möglich, die monatlichen Ansprüche anzusparen und gesammelt einzusetzen. Dieser kann bis zum 30.06. des darauffolgenden Jahres genutzt werden. Allerdings verfällt dieser am 01.07. im selben Jahr. So können beispielsweise die Bezüge aus dem Jahr 2018 bis zum 30.06.2019 gesammelt werden. Sie verfallen aber ab dem 01.07.2019

Prioritäten bei Nutzung der Entlastungsbeträge in 2018

PrioritätJahr(Rest-) AnspruchNutzen bis Verfällt ab
120171.500 EUR30.06.201801.07.2018
22015/161.250 RUR31.12.201801.01.2019
320181.500 EUR30.06.201901.07.2019

Wie erhält man den Entlastungsbetrag?

Sobald ein Pflegegrad vom medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) festgestellt wurde und die Pflege zu Hause stattfindet, hat der Pflegebedürftige Anspruch auf den Entlastungsbetrag.

Die Leistungen, die vom Entlastungsbetrag bezahlt werden sollen, müssen grundsätzlich vorab vom Pflegebedürftigen bezahlt werden. Um das Geld erstattet zu bekommen, muss ein Nachweis bei der Pflegekasse über die Leistungen und die entsprechenden Kosten eingereicht werden.

Wo finde ich meine Pflegekasse?

Bei gesetzlich Versicherten ist die Pflegekasse immer an die Krankenkasse angegliedert. Dort finden sich dann auch die Ansprechpartner für Pflegeleistungen. Hingegen haben Privatversicherte ein Wahlrecht bei ihrer Pflegekasse. Sie können sich unabhängig von der Krankenkasse eine Pflegekasse aussuchen.

Erkennt die Pflegekasse die erbrachten Leistungen im Sinne des Entlastungsbetrags an, muss sie die Kosten in Höhe des in Rechnung gestellten Betrags erstatten. Allerdings ist der Betrag auf monatlich 125 Euro gedeckelt. Beim Entlastungsbetrag gilt also das Kostenerstattungsprinzip, eine Barauszahlung ist nicht vorgesehen.

Beispiel:

Ein Pflegebedürftiger mit dem Pflegegrad 3 bezieht jeden Monat Nachtpflege. Diese wird den Angehörigen in Rechnung gestellt und bezahlt. Diese Rechnung übergeben sie dann an ihre jeweilige Pflegeversicherung oder Pflegekasse. Die Pflegekasse überweist daraufhin den Betrag bis 125 Euro monatlich an die Angehörigen zurück.

Will sich der Pflegebedürftige diesen Aufwand für den monatlichen Nachweis sparen, kann er eine Abtretungserklärung bei der Pflegekasse einreichen. Damit können die Dienstleister direkt mit der Pflegekasse ihre Leistungen abrechnen. Der Pflegebedürftige braucht dann keinen Nachweis mehr erbringen, da der Dienstleister direkt mit der Kasse abrechnet. In diesem Fall braucht der Pflegebedürftige auch kein Geld mehr vorstrecken.

Hier finden Sie ein Beispiel für den Abtretungsantrag als Download

Datei herunterladen (Abtretungsantrag_Beispiel.pdf)

Durch den Entlastungsbetrag können zusätzlichen Pflegeleistungen für Pflegebedürftige beansprucht werden. Diese müssen zweckgebunden sein und beinhalten zum Beispiel Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege oder Betreuungsangebote. Monatlich stehen dem Pflegebedürftigen oder Angehörigen 125 € von der Pflegeversicherung zu. Werde die Beträge nicht genutzt, können sie bis zum 30.06. im darauffolgenden Jahr gesammelt verwendet werden. Der Pflegegrad spielt dabei keine Rolle.


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Lea Schulz studiert Multimedia Marketing und arbeitet bei uns als freie Mitarbeiterin.


Kommentare

Seit 1.2.2016 pflege ich meinen Mann, zunächst Pflegestufe 2. Seit 1.1.2017 Pflegegrad 4
Von 2016 bis Okt.2018 hatte ich einen Studenten, der meinen Mann mit dem Rollstuhl wöchentlich im Rollstuhl spazieren gefahren hat, den ich dafür entlohnt habe.
Bei einer Familienfeier habe ich dann im September 2018 erfahren, dass ich diese Entlohnung über
das Betreuungsgeld bis 31.12.2018 - wegen einer Sonderregelung des Gesetzgebers- von der Iduna ( Versicherung) einfordern könne. Ich habe umgehend den Antrag gestellt und den Beleg des Studenten beigelegt.
Daraufhin habe ich ein Schreiben erhalten, in dem erst Befähigungsnachweise für diese Tätigkeit vorgelegt werden muß.
Das verstehe ich nicht. Einerseits kann mir der Pflegedienst ( wegen Personalnot) keine Person für Entlastungsleistungen
zur Verfügung stellen. Habe ich aber eine Person, die mich entlastet , kann ich die Entlastungsleistungen nicht einsetzen.
Meines Erachtens wäre in solchen Fällen Klärung und Handlungsbedarf angesagt.

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