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Wie verhalte ich mich als Angehöriger in Gegenwart eines Demenzkranken?

Wenn ein Familienmitglied an einer Form von Demenz leidet, führt das häufig zu Problemen. Indem sie einige grundlegende Ratschläge befolgen, können Sie den Alltag schnell entspannter gestalten.

An Demenz zu erkranken, ist keine Seltenheit. Für den Betroffenen selbst werden die Folgen für dessen Umfeld kaum deutlich. Dass Familie und Freunde jedoch einige Zeit benötigen, um sich an das veränderte Verhalten eines geliebten Menschen zu gewöhnen, steht außer Frage. Sich in diese Situation einzufinden, kann unter Umständen einige Zeit dauern. Wichtig ist, dass Sie sich über die Krankheit informieren, denn nur so können Sie für Ihre zu betreuende Person sowie sich selbst garantieren, die Situation zu bewältigen.

Die Gefühle des Betroffenen verstehen

Am wichtigsten im Umgang mit Demenzkranken ist es, zu verstehen, was sie fühlen. Einfühlungsvermögen ist wichtig, denn eine solche Erkrankung geht immer mit wechselnden Gefühlszuständen einher.

Aggression & Wut

Häufig kommt es dazu, dass ein Demenzkranker wegen einer Kleinigkeit wütend wird, sei es, dass er seinen Schuh nicht mehr zubinden kann oder vergessen hat, wo er seine Brille zuletzt abgelegt hat. Diese Ausbrüche haben meistens Angst zur Ursache, denn der Betroffene erkennt, dass etwas nicht stimmt.

Begegnen Sie diesen Wutausbrüchen mit Ruhe und geben Sie Alternativen vor. Seien Sie dennoch vorbereitet auf etwaige körperliche Ausbrüche und ziehen Sie einen Arzt zurate, sollten sich diese Aggressionen häufen. Auf keinen Fall sollten Sie dem Betroffenen widersprechen oder bedrängen. Lassen Sie ihm Raum, bis sich seine Wut zerstreut hat.

Verunsicherung

Häufig ist es der Fall, dass Demenzkranke verunsichert sind – sei es, weil sie nicht wissen, wo sie sich befinden, wer sich gerade mit ihnen unterhält oder nicht verstehen, weshalb sie sich nicht erinnern können. Je nachdem, wie schwer die Krankheit bereits fortgeschritten ist, fehlen ihnen Anhaltspunkte, das aktuelle Geschehen einzuordnen.

Versuchen Sie in solchen Augenblicken zu erklären, wer Sie sind, wo Sie sich befinden und was Sie im Begriff waren zu tun. Betonen Sie die Würde des Betroffenen und stärken Sie sie mit Worten oder Gesten. Vermeiden Sie, ihn mit seiner Krankheit zu konfrontieren, denn dies schürt dessen Verunsicherung zusätzlich.

Trauer & Niedergeschlagenheit

Wenn sich der Erkrankte mutlos und deprimiert fühlt und seine Gedanken dahingehend äußert, sollten Sie aufhorchen. Anzeichen einer Depression sollten auch bei einem Demenzkranken nicht unterschätzt werden. Suchen Sie einen Arzt auf und lassen Sie Medikamente verschreiben, sollte sich der Verdacht bestätigen. Gleichzeitig ist es sinnvoll, den Betroffenen zu Aktivitäten zu ermutigen, die ihm vor dem Ausbruch seiner Krankheit Freude bereitet haben. Lenken Sie ihn von seinen Gedanken ab.

Das Verhalten des Betroffenen verstehen

Auch das Verhalten eines Demenzkranken unterscheidet sich von einer gesunden Person. Der Gedächtnisverlust kann es erschweren, Situationen unkompliziert aufzulösen. Mit dem richtigen Umgang sind Sie jedoch auch in den folgenden Situationen erfolgreich.

Halluzinationen & Wahnvorstellungen

Es ist keine Seltenheit, dass Demenzkranke Sinnestäuschungen durchleben. Diese beinhalten unter anderem Erinnerungen an das frühere Leben. Beispielsweise ist es nicht unüblich, dass sich die jetzige (Ur-)Großeltern-Generation an den Zweiten Weltkrieg zurückerinnert, aber auch ganz andere Erscheinungen wie das Erschrecken vor dem eigenen Spiegelbild sind möglich.

Wenn ein Betroffener eine solche Empfindung durchlebt, löst diese wiederum Angst oder Wut aus, die von Ihnen mit angemessenem Verhalten beantwortet werden muss. Auch hier gilt, Ruhe zu bewahren und auf den Erkrankten einzureden, bis sich dieser beruhigt hat. Versuchen Sie nicht, ihn davon zu überzeugen, dass er sich täuscht.

Herumwandern

Nächtliche Spaziergänge sind keineswegs eine Seltenheit bei Demenzkranken. Da sie bei voranschreitender Krankheit nicht mehr unterscheiden können, wann Tag und wann Nacht ist, kehrt sich ihr Schlafrhythmus teilweise vollständig um. Dementsprechend sind sie nachts wach und irren herum.

In der Dunkelheit kann es zu Unfällen kommen. Stellen Sie sicher, dass Sie Flure und Zimmer sichern, sollte sich das Herumlaufen nicht vermeiden lassen. Vor allem die Küche sollte vom Erkrankten nicht betreten werden, da dort unzählige Gefahren lauern können. Vielleicht können Medikamente helfen, den Betroffenen nachts durchschlafen zu lassen.

Auch tagsüber kommt es häufig vor, dass Demenzkranke dazu neigen, durchs Haus zu wandern. Seien Sie auch hier darauf bedacht, dass ihm nichts passieren kann und sichern sie ab, dass er das Haus nicht verlässt.

Richtig kommunizieren

Es ist wichtig, auf die richtige Art und Weise mit einem Demenzkranken zu kommunizieren. Die wichtigsten Punkte sind die folgenden:

  • Sprechen Sie dem Betroffenen gut zu. Demenzkranke benötigen Bestätigung. Sind sie verunsichert, werden sie ängstlich oder wütend. Solches Verhalten sollte vermieden werden.
  • Demenzkranke brauchen Zeit. Ihr Denken ist verlangsamt. Lassen Sie dem Betroffenen Zeit, um über Antworten und Entscheidungen nachzudenken. Meistens erhalten Sie dann eine angemessene Reaktion.
  • Passen Sie Ihr Sprechverhalten an. Benutzen Sie keine komplizierten Wörter und einfache Sätze. Sprechen Sie langsam und deutlich und halten Sie Blickkontakt. Wiederholen Sie das, was in Ihrer Aussage wichtig ist.
  • Nehmen Sie Anschuldigungen nicht persönlich und diskutieren Sie nicht. Ausbrüche wie diese sind meist Ausdruck von Hilflosigkeit oder Angst sind. Versuchen Sie, den Betroffenen stattdessen zu beruhigen und sprechen Sie ihm gut zu.
  • Stellen Sie sicher, dass Dinge an ihrem vorgeschriebenen Platz liegen und konfrontieren Sie den Demenzkranken nicht damit. Errichten Sie eine gewohnte Umgebung.
  • Wenn wichtige Fragen beantwortet werden müssen, stellen Sie sie so, dass sie mit Ja oder Nein beantwortet werden können oder nicht mehr als zwei Auswahlmöglichkeiten aufweisen. Komplizierte Zusammenhänge sind für den Erkrankten schwer zu verarbeiten.
  • Kann der Demenzkranke nicht mehr sprechen, weichen Sie auf Gesten und Berührungen aus. Seien Sie dabei darauf bedacht, vertrauenswürdig und fürsorglich zu wirken.

Wohnverhältnisse an die Situation anpassen

Um Demenzkranken möglichst wenig Spielraum zu geben, sich verloren oder desorientiert zu fühlen, sollten Sie einige wichtige Grundsätze beachten:

  • Jeder Raum sollte ausgeleuchtet sein.
  • Jegliche Gegenstände, die gefährlich werden könnten, sollten sicher verstaut sein, beispielsweise Messer oder Scheren, also all das, womit sich ein Betroffener selbst verletzen könnte. Schließen Sie zur Not Räumlichkeiten ab (vor allem über Nacht).
  • Schaffen Sie klare Verhältnisse. Achten Sie darauf, dass der Wohnbereich aufgeräumt und ordentlich ist.
  • Bemühen Sie sich, die gewohnte Umgebung beizubehalten. Stellen Sie keine Möbel um, lassen Sie die Brille des Erkrankten dort liegen, wo sie stets lag. Je mehr dieser wiedererkennt, umso unwahrscheinlicher ist es, dass er sich unwohl fühlt und ängstlich oder wütend wird.

Auf das eigene Wohl achten

Trotz aller Fürsorge, die Sie für den Betroffenen aufbringen, dürfen Sie nicht vergessen, dass auch Ihr eigenes Wohl nicht in Vergessenheit geraten sollte. Es ist keineswegs falsch, sich zu sorgen und Zeit und Mühe zu investieren. Dennoch sollten Sie auch Ihren Beschwerden nachgehen, sollten Sie auf solche aufmerksam werden. Seien Sie sich außerdem bewusst, dass Sie nicht rund um die Uhr aufmerksam sein können. Nicht selten kommt es vor, dass Angehörige in Depressionen verfallen. Schaffen Sie sich deshalb Pausen und Zeit zum Durchatmen. Lassen Sie sich nicht von Ihrer Situation übermannen.

Scheuen Sie nicht vor Hilfe zurück!

Selbst wenn Sie denken, dass Sie es alleine schaffen, den Menschen zu pflegen, dem Sie Ihr ganzes Leben lang so nahe standen, sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie die Möglichkeit besitzen, Familie und Freunde um Hilfe zu bitten.

Es gibt zudem eine Reihe von Institutionen in Deutschland, an die Sie sich wenden können. Wir haben für Sie einige aufgelistet:


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Profilbild von Sandra Fuchs

Sandra Fuchs ist seit März 2015 für basenio tätig. In ihrer Freizeit liest sie gerne ein gutes Buch oder verbringt einen ruhigen Abend auf der Couch.


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