Antrag auf Pflegestufe | Pflegestufe | Formular | Muster | Demenz | Pflegestufe 1, 2, 3 | Härtefall

Wie stelle ich einen Antrag zur Einordnung in eine Pflegestufe?

Jeder Mensch hat ein Recht auf Unterstützung durch die Pflegeversicherung. Wie Sie diese beantragen können, haben wir für Sie leicht verständlich zusammengefasst.

Erläuterung der einzelnen Pflegestufen

Durch das Pflegestärkungsgesetz II sind mit dem 1. Januar 2017 die Pflegestufen durch Pflegegrade ersetzt worden. Lesen Sie alles dazu in unserem Beitrag: Was hat sich mit der Pflegereform 2017 und den Pflegegraden geändert?

Wird in Deutschland ein Mensch durch Krankheit, Unfall oder aufgrund des Alters pflegebedürftig, hat er ein Recht auf Unterstützung durch die Pflegeversicherung. Momentan sind in Deutschland rund 2,24 Millionen Menschen pflegebedürftig und erhalten Leistungen aus der Pflegeversicherung. Die Höhe der Leistung der Pflegeversicherung richtet sich hierbei nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit. In Deutschland werden pflegebedürftige Personen in vier unterschiedliche Pflegestufen eingeteilt. Diese werden danach berechnet, wie viele Minuten eine pflegebedürftige Person täglich an Unterstützung für Grundpflege und darüber hinausgehende Hilfe, zum Beispiel im Haushalt, benötigt. Zur Grundpflege gehören hierbei alle körperbezogenen Tätigkeiten, wie die tägliche Körperpflege, die Ernährung sowie die Mobilität.

PflegestufeHilfebedarf pro Tag in Minuten
(Durchschnitt)
hierbei benötigte Zeit für Grundpflege
Pflegestufe 190 Minutenmehr als 45 Minuten
Pflegestufe 2180 Minutenmehr als 120 Minuten
Pflegestufe 3300 Minutenmehr als 240 Minuten sowie nachts zwischen 22 und 6 Uhr

Pflegestufe 1

Die Pflegestufe 1 bezeichnet eine erhebliche Pflegebedürftigkeit. Diese liegt vor, wenn eine Person durchschnittlich wenigstens 90 Minuten lang am Tag Hilfe benötigt. Hierbei müssen mindestens 45 Minuten auf die Verrichtung zwei unterschiedlicher Arten der Grundpflege entfallen, zum Beispiel Hilfe bei der Körperpflege sowie bei der Ernährung.

Pflegestufe 2

In der Pflegestufe 2 wird von einer schwerpflegebedürftigen Situation ausgegangen. Personen der Pflegestufe 2 benötigen täglich rund drei Stunden Hilfe bei der Verrichtung alltäglicher Gegebenheiten. Auch hier entfällt der Großteil der Pflege, mindestens zwei Stunden, auf die Unterstützung bei der Grundpflege. Zusätzlich wurde beschlossen, dass die Hilfe bei der Grundpflege zu drei verschiedenen Zeiten am Tag nötig sein muss. Darüber hinaus sind die Voraussetzungen für Pflegestufe 2 erst dann erfüllt, wenn die pflegebedürftige Person mehrmals in der Woche auf Hilfe im Haushalt angewiesen ist. Das bedeutet, die zu pflegende Person benötigt Unterstützung beim Reinigen der Wohnung oder bei anderen Arten der Haushaltsführung.

Pflegestufe 3

Pflegebedürftige Personen, die durchschnittlich jeden Tag für mindestens fünf Stunde Hilfe benötigen, werden als schwerstpflegebedürftig und damit in die Pflegestufe 3 eingeordnet. Ebenfalls wie in den anderen Pflegestufen muss der Großteil der Unterstützung in der Grundpflege geleistet werden. In Pflegestufe 3 entfallen hierbei vier Stunden für die Grundpflege. Zudem muss die Hilfeleistung auch während der Nachtstunden (von 22 Uhr bis sechs Uhr) bestehen, indem zum Beispiel das Aufsuchen sanitärer Einrichtungen auch nachts benötigt wird.

Pflegestufe 0

Zusätzlich zu den drei Pflegestufen gibt es die Pflegestufe 0. Mit der Einführung dieser Regelung versuchte der Gesetzgeber die Ungerechtigkeit, die bei dem Beschluss der Pflegeversicherung in den 1990er Jahren entstand, auszugleichen. Menschen, die aufgrund einer Demenz, einer psychischen Erkrankung oder einer geistigen Behinderung einen Betreuungsbedarf benötigen, fallen oftmals noch nicht unter die Regelung der Pflegestufe, da sie die definierten Voraussetzungen nicht erfüllen. Damit jedoch auch sie Unterstützung und Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, wurde die Pflegestufe 0 eingeführt. In diese fallen Menschen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz, die zwar selbstständig leben können, jedoch auf unterstützende Hilfe und Beobachtung durch eine Pflegeperson angewiesen sind.

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Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig. Tritt dieser Fall ein, können sie finanzielle Hilfe beantragen. (Quelle: © geralt - Pixabay.com)

Mit Einführung des neuen Pflegestärkungsgesetz 2015 erfährt die Pflegestufe 0 eine weitere Aufwertung. So erhält eine pflegebedürftige Person nun auch Leistungen für die teilstationären Leistungen der Tages- und Nachtpflege, welche vorher nicht anerkannt und bezuschusst wurde. Zusätzlich werden im Gesetzesentwurf die unterschiedlichen Leistungsbeiträge der Pflegeversicherung wie zum Beispiel das Pflegegeld oder Pflegesachleistungen in den einzelnen Pflegestufen erhöht.

Welcher Antrag muss gestellt werden: Einzelheiten zum Verfahren

Damit ein pflegebedürftiger Mensch Leistungen der Pflegeversicherung erhält, muss eine Einstufung in eine Pflegestufe vorliegen. Das Verfahren zur Einordnung in eine Pflegestufe gliedert sich in fünf Schritte:

  1. Die pflegebedürftige Person oder ein Angehöriger muss bei der jeweiligen Pflegekasse einen Antrag auf die Einordnung in eine Pflegestufe stellen. Grundsätzlich gilt, dass der Träger der Krankenversicherung der Träger der Pflegeversicherung ist. Hierfür genügt zunächst ein formloser Antrag. Dieser Antrag ist für den Beginn der Leistung aus der Pflegeversicherung entscheidend. Beispiel für einen formlosen Antrag:

    Name, Vorname
    Adresse
    Geburtsdatum
    Versicherungsnummer
     
                                                                                              Ort, Datum
     
    Anschrift: Pflegekasse
    Adresse
    Ort
     
    Einstufung in eine Pflegestufe
     
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    hiermit stelle ich einen formlosen Antrag auf Einstufung in eine Pflegestufe.
     
     
    Mit freundlichen Grüßen

    Unterschrift


  2. Im Anschluss an den formlosen Pflegeantrag erhält der Antragsteller in der Regel zwei Formulare von seiner Pflegeversicherung: einmal zur Rentenbeitragszahlung für die pflegende Person, falls häusliche Pflege in Anspruch genommen wird, und zum anderen den Antrag auf Pflegeleistungen.
  3. Die Pflegekasse gibt dann ein "Gutachten zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit gemäß SGB XI" an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) in Auftrag. Der Medizinische Dienst agiert hierbei formell unabhängig und steht den gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen als medizinischer Experte zur Seite.
  4. Dem Antragsteller wird anschließend vom MDK schriftlich ein Termin mitgeteilt, an dem eine Begutachtung durch den MDK in den privaten Wohnräumen stattfindet. Sinnvoll ist es, sich auf den Besuch des MDKs vorzubereiten, um Fragen beantworten zu können. Hierbei kann das Führen eines Pflegetagebuchs im Vorfeld sehr hilfreich sein und wird vom MDK spätestens nach dem Besuch gefordert. Im Pflegetagebuch sollte aufgelistet sein, bei welchen Verrichtungen Hilfe benötigt wird und wie viel Zeit diese Hilfe in Anspruch nimmt. Eine Vorlage für ein Pflegetagebuch finden Sie hier (PDF, 548 KB).
  5. Nachdem die Begutachtung durch den MDK stattgefunden hat, sendet dieser sein Gutachten an die zuständige Pflegekasse. Auf Basis der Empfehlung des MDK-Gutachtens trifft die Pflegekasse eine Entscheidung. Die Bearbeitungsfrist für Anträge auf Pflegeleistungen beträgt hierbei fünf Wochen und muss dem Antragstellendem nach Ablauf der Frist schriftlich mitgeteilt werden.

Einen Antrag auf die Einordnung in eine Pflegestufe ist immer mit einer persönlichen Zeitaufwendung und Auseinandersetzung mit formalen Angelegenheiten verbunden. Dennoch ist es sinnvoll, eine Einstufung zu versuchen. Jedoch sind die Einordnungskriterien sehr streng. Sollte das Gutachten keine Einordnung in Pflegestufe 1 vorsehen, da die pflegebedürftige Zeit von 90 Minuten täglich nicht erreicht wird, bedeutet dies dennoch nicht, dass kein Hilfebedarf nötig ist. Hier lohnt sich ein Versuch in Pflegestufe 0 eingestuft zu werden, da diese oftmals für Personen mit eingeschränkter Alltagkompetenz bewilligt wird. Wichtig ist, sich mit der eigenen Pflegeversicherung auseinander zu setzen und sich über mögliche Alternativen zu informieren. So können zum Beispiel auch Sozialämter, nach Prüfung der Vermögensverhältnisse, eine hauswirtschaftliche oder pflegerische Hilfe mitfinanzieren, wenn keine Pflegestufe anerkannt wurde.


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Profilbild von Noemi Haderlein

Noemi Haderlein stammt ursprünglich aus einem kleinen Dorf in Franken und studiert aktuell Medienkultur an der Bauhaus-Universität in Weimar. Sie interessiert sich für Themen wie die Veränderung der Arbeitswelt und der Umgang mit Medien in der ...


Kommentare

Seit dem 01.01.2017 haben wir eine neue Rechtslage, der Artikel ist bis heute nicht angepasst. Das ist peinlich....

@S. Gerhardt: Der Beitrag wurde tatsächlich nicht von uns aktualisiert. Dahinter steckt der Gedanke, dass Leser die heutigen Regelungen mit der ehemaligen Gesetzeslage vergleichen können. Im ersten Absatz verweisen wir auf den Beitrag mit der geänderten Rechtslage. Hier der Link: https://www.basenio.de/senioren-ratgeber/pflege/pflegereform-2017-pflegegrad-1-2-3-4-5-pflegeversicherung-sachleistung-535/

Mit freundlichen Grüßen

Steffen Gottschling
Leitender Redakteur basenio.de

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