Picknick mit Bären | A walk in the woods | Bill Bryson | Buch | Appalachian Trail

Ist das Buch "Picknick mit Bären" von Bill Bryson zu empfehlen?

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(Quelle: Isabelle Kocher)

Eine Wanderstrecke von 3.300 km ist normalerweise nichts für unsportliche, doch "Picknick mit Bären" bringt den Appalachian Trail direkt zu Ihnen nach Hause!

„Bücher lesen, heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne“ (Jean Paul) oder wie in diesem Fall: aus der Zivilisation in die Wildnis. Picknick mit Bären (Originaltitel: A walk in the woods) entführt uns in die tiefsten Wälder Nordamerikas und erweckt dabei nicht nur den Wunsch in uns ihm in die Appalachen zu folgen, sondern auch herzhaft zu lachen.

Als zwei Freunde beschlossen auf Wanderschaften zu gehen

Kurz nachdem Bryson mit seiner Familie in eine Kleinstadt in New Hampshire gezogen ist, entdeckt er zufällig einen Wanderweg hinter seinem Haus. Der sich in den Wald verlierende Pfad trägt den Namen Appalachian Trail (AT) und wird die nächsten Monate von Bryson bestimmen. Er fasst diese Begegnung als eine persönliche Einladung zum Spazierengehen auf und ist sofort fasziniert von der Vorstellung zwischen den Bäumen zu verschwinden. Trotz drohender Unwetter, Parasiten, Krankheiten und wilder Tiere, kehrt er für sein Abenteuer in der Wildnis seiner friedlichen Heimat New England bereitwillig den Rücken zu.

Er beginnt sofort mit den Vorbereitungen, leiht sich Bücher aus, kauft professionelle Ausrüstung und überredet seinen alten Bekannten Stephen Katz ihn zu begleiten. Die beiden sind bereits früher zusammen auf Reisen gegangen, jedoch beweist ihm Katz unsportliche Figur wie weit dieses Früher bereits in der Vergangenheit zurückliegt. Da der Weg vom Auto zu Bills Haus Katz bereits ins Schwitzen bringt und ihm den Atem raubt, macht sich Bill ernsthaft Sorgen wie sie zusammen die 3.300 Kilometer des Appalachian Trails bezwingen sollen.

Anfang März 1996 startet ihre Wanderschaft am südlichsten Punkt des Appalachian Trails. Sie haben das heroische Ziel die ganze Strecke bis zum nördlichsten Punkt in Maine zu bezwingen. Aufgrund mangelnder Fitness quälen sie sich zu Beginn sehr und kommen nur langsam voran. Sie zwingen sich jedoch ihren inneren Schweinehund zu besiegen und kämpfen sich jeden Tag zwischen 7:30 und 16:00 Uhr durch die einzigartige Wildnis des größten Fernwanderweges der USA. Unterwegs erfahren sie schnell, dass hungrige Tiere oder wechselhaftes Wetter nicht die größten Gefahren in den Appalachen darstellen, sondern andere Wanderer wie Mary Ellen, welche ihre Nerven gehörig strapaziert. Durch ihr unentwegt stumpfsinniges Gequassel und ihre scheinbar übernatürliche Fähigkeit sich nicht abschütteln zu lassen, zieht es Bill in Erwägung sich den Bären selbst als Fraß anzubieten – es scheint das kleinere Übel zu sein.

Um sich von den Strapazen zu erholen, kehren Bill und Katz zeitweise wieder in die Zivilisation zurück. Sie tauschen für einige Nächte den freien Himmel gegen ein Dach über dem Kopf ein und unterbrechen sogar ihren Fußmarsch nach 800 Kilometern für einige Wochen. In dieser Zeit versucht Bill etappenweise dem AT alleine weiter nach Norden zu folgen, jedoch ist dies ohne seinen tollpatschigen Kameraden nur halb so vergnüglich.

Als sich Katz und Bill im dritten Teil des Buches wieder sehen, ist die Freude dementsprechend groß. Selbst schweres Gepäck, stechende Hitze und heimtückisches Gelände lassen sich zusammen leichter bezwingen. Die Gefahren der Wildnis erleben sie jedoch kurz darauf aus erster Hand. Katz geht verloren und Bill bekommt bei der verzweifelten Suche nach ihm beinahe eine Panikattacke. Zum Glück finden die beiden Freunde am nächsten Tag wieder zueinander und es stellt sich heraus, dass Katz nicht, wie von Bill vermutet, eine Klippe hinunter in den sicheren Tod gestürzt ist, sondern sich nur auf der Suche nach Trinkwasser verlaufen hat. Dennoch ist dieses Erlebnis ausschlaggebend für die Entscheidung ihre Wanderung abzubrechen und den Appalachian Trail nach 1.400 Kilometeren zu verlassen. Bezüglich der Rückkehr in die Zivilisation haben beide gemischte Gefühle, jedoch können sie voll Stolz auf ihre Leistungen und auf die Zeit in den Laubwäldern der amerikanischen Ostküste zurückblicken.

Laubwälder an der Ostküste Nord-Amerikas
Laubwälder an der Ostküste Nord-Amerikas (Quelle: Isabelle Kocher)

„Unvorstellbare Dinge konnten einem da draußen widerfahren.“

Das Geheimnis der Nordamerikanischen Wälder – Der Appalachian Trail (AT)

Der berühmte Appalachian Trail zieht sich über 3.330 Kilometer durch die majestätischen und verlockenden Appalachen. Er führt entlang der amerikanischen Ostküste durch 14 verschiedene Bundesstaaten. Vom Springer Mountain in Georgia bis zum Mount Katahdin in Maine durchquert dieser Fernwanderweg viele reizvolle Berge mit malerischen Namen wie Blue Ridge, Smokies, Cumberlands, Catskills, Green Mountains und White Mountains.

Die Appalachen zählen dabei zu den ältesten Gebirgen der Erde und weisen Höhen von bis zu 2037 Metern auf. Außerdem sind sie die Heimat des größten Laubwaldes der Erde und tragischerweise vom Aussterben bedroht. Wie Bill Bryson in seinem Buch erklärt, würde sich die gesamte Wildnis der Appalachen südlich von New England in eine Savanne verwandeln, wenn sich die Erdatmosphäre im Laufe der nächsten 50 Jahre um lediglich 4°C erwärmt. Das Baumsterben der dortigen Wälder hat bereits begonnen und so zum Beispiel Ulmen und Kastanien vollständig ausgerottet. Wer deshalb noch die Appalachen in seiner jetzigen Pracht erleben will, sollte sich beeilen – wenn es jemals eine Zeit gab diesen einzigartigen Wanderpfad zu erkunden, dann jetzt!

Was macht dieses Buch so lesenswert?

Picknick mit Bären ist nicht nur ein Erlebnisbericht über die Wanderung in den Appalachen, sondern liefert auch viele Informationen über die dortige Flora und Fauna, die Entstehung der Appalachen, die Geschichte des Trails und die Menschen Nordamerikas. In seinen zahlreichen Exkursionen erzählt uns Bryson die kuriosesten Anekdoten und berichtet über die interessantesten Themen. Dabei besitzt er die seltene Gabe, Situationen so zu beschreiben, dass sich der Leser jederzeit in diese hineinversetzen kann.

Die Erläuterung verschiedener Sachverhalte und Probleme des ATs verleihen dem Buch einen seriösen Charakter, wobei jedoch auch der Unterhaltungswert nicht zu kurz kommt. Bill Bryson schreibt außergewöhnlich humorvoll und erfrischend selbstironisch. Zudem demonstriert er mittels seines dilettantischen Wandergefährten Katz mit slapstickhafter Komik, was man in den Wäldern alles falsch machen kann. Diese Geschichte ringt dem Leser nicht nur ein gelegentliches Schmunzeln ab, sondern zwingt ihn auch des Öfteren zum herzhaften Mitlachen. Die New York Times bezeichnet Bryson nicht ohne Grund als einen Satiriker ersten Ranges.

„… und allmählich wurde mir klar, daß dieses Unternehmen alles, aber wirklich alles übertreffen würde, was ich jemals angepackt hatte.“

Wanderlust ist ansteckend

So wie Bryson schnell klar wurde, dass die Beschreitung des Appalachian Trails ein einzigartiges Erlebnis für ihn sein wird, so wird der Leser sich schnell bewusst, welch einmaliges Leseerlebnis ihn mit diesem Buch erwartet. Ab der ersten Seite packt einen die Wanderlust und man möchte am liebsten sofort seine Wanderstiefel anzuziehen, seinen Rucksack aufsetzten und losmarschieren – natürlich mit Picknick mit Bären im Gepäck. Wer in dieses Buch eintaucht, erwacht inmitten unberührter Natur und wohlduftender Wälder. Es ist deshalb wärmstens zu empfehlen für alle Wanderer und Nichtwandere, sowie für alle, die grüne Laubwälder dem grauen Alltag vorziehen.

 

 

 

 


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Profilbild von Isabelle Kocher

Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


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