Honig im Kopf | Kritik & Inhalt | Film von Til Schweiger | Alzheimer

Was macht den Film "Honig im Kopf" von Til Schweiger so erfolgreich?

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(Quelle: Pixabay)

Honig im Kopf von Til Schweiger ist ein Film über einen Alzheimer-Erkrankten (gespielt von Diddi Hallervorden) und den Zusammenhalt seiner Familie. Ich habe mir den FIlm intensiv angeschaut und meine persönliche Filmkritik verfasst.

Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit, Persönlichkeitsveränderungen – und das sind nur drei der negativen Attribute von Alzheimer. Es scheint unmöglich solch ein bewegendes Thema unterhaltsam aufzubereiten. Doch Regisseur und Schauspieler Til Schweiger schaffte es. Gekonnt setze er die heikle Thematik in 139 Minuten Filmmaterial um und brachte das Bewusstsein für die Krankheit in die deutschen Kinos. Der Film „Honig im Kopf“ zeigt wie wichtig das Zusammenleben und der Zusammenhalt einer Familie sind.

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Die Filmkritik von "Honig im Kopf" von Til Schweiger

Weihnachten letzten Jahres startete die Tragikomödie auf der Kinoleinwand. Der Film schafft es auf eine emotionale und gleichzeitig humorvolle Weise mit dem Ernst des Themas umzugehen. Definitiv keine leichte Aufgabe, doch vom gesamten Team auf eine wunderbare Art und Weise umgesetzt. Im Mittelpunkt des Films steht der großartige Dieter Hallervorden als an Alzheimer erkrankter Opa Amandus und Emma Schweiger als seine 11 jährige Enkelin Tilda. Zusammen geben die beiden ein super eingespieltes Team ab - Til Schweiger schwärmt von einer „Idealbesetzung“. Til Schweiger schrieb sich selbst die Rolle des Vaters von Tilda (wie auch im echten Leben) und Sohn von Amandus zu. Seine Frau Sarah wird von Jeanette Hain gespielt, eine strenge Frau, die erst gegen Ende des Films Verständnis für den erkrankten Amandus offenbart. Enkelin Tilda hat ein gänzlich anderes Verständnis für ihren geliebten Opa und holt ihn mit ihrer offenen und verständnisvollen Art und Weise dort ab, wo er sich befindet, anstatt sein Verhalten zu kritisieren und zu hinterfragen. Als sich das selbstständige Leben für Amandus als immer problematischer erweist, holt sein Sohn Niko (Til Schweiger) ihn nach Hause zu seiner Familie. Im Zuge der Alzheimer Krankheit verliert Amandus im Laufe des Films immer mehr Erinnerungen und die Alltagsbewältigung erweist sich zunehmend als herausfordernd. So gerät er immer wieder in peinliche Situationen, die Dieter Hallervorden aber mit einer amüsanten Selbstverständlichkeit umsetzt – so zum Beispiel die Szene als er den Kühlschrank der Familie mit der Toilette verwechselt. Amandus ist sich seiner Krankheit bewusst, merkt dass etwas mit ihm nicht stimmt, möchte es aber dennoch nicht wahrhaben.

Rettung vorm Seniorenheim mit Tilda nach Venedig

Tilda (Emma Schweiger) liebt ihren Großvater vom ganzen Herzen. Als Niko (Til Schweiger) schließlich den Entschluss fasst seinen Vater in eine betreute Einrichtung einzuweisen, greift Enkelin Tilda sofort ein. Eine immer wiederkehrende Erinnerung von Amandus ist die damalige Venedigreise mit seiner bereits verstorbenen Frau. So entführt Tilda ihren Großvater kurzerhand in das schöne Venedig, um ihn zu retten und ihm seinen Traum zu erfüllen. Gemeinsam erleben die beiden einen abenteuerlustigen Roadtrip. Niko und Sarah folgen und erleben selber ein Abenteuer. Neugierig geworden? Der Film ist definitiv bewegend und sehenswert. Dieter Hallervoden wurde sicherlich keine einfache Rolle zugeschrieben, dafür spielt er diese mit Oscar reifer Bravour. Der Film wurde sogar mit dem Prädikat „wertvoll“ von der deutschen Film- und Medienbewertung ausgezeichnet – zu Recht!

Was man vom Film über im Umgang mit Alzheimer lernen kann

Bei Alzheimer handelt es sich um eine hirnorganische Krankheit, benannt nach dem Neurologen Alois Alzheimer. Im Zuge der Krankheit gehen Nervenzellen und Nervenzellenkontakte verloren. Dadurch wird der Informationsaustausch zwischen den intakten Zellen beeinträchtigt.

Verlauf der Krankheit

Krankheitsgrund ist das Alter, nur in den allerseltensten Fällen sind Menschen unter 60 Jahren betroffen. Die Krankheit geht mit Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen im Denk- und Urteilsvermögen und Persönlichkeitsänderungen einher. Nach und nach wird es für die Betroffenen immer schwieriger ihren Alltag wie gewohnt zu bewältigen. Während wir es im frühen Krankheitsstadium mit einer nur leichtgradigen Demenz zu tun haben, steigert sich das Krankheitsbild mit fortschreitender Zeit zunehmend. Bei leichtgradiger Demenz ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis der Patienten betroffen. Sie können sich beispielsweise nicht mehr daran erinnern worüber sie sich unterhalten haben und finden abgelegte Gegenstände nicht mehr wieder. Auch Wortfindungsschwierigkeiten und Orientierungsstörungen gehören zu diesem Stadium. Meist erleben die Betroffenen ihre Krankheit bewusst, ihnen ist klar, dass etwas nicht stimmt. Das macht ihren Zustand natürlich nicht einfacher – sie empfinden die Krankheit als bedrohlich und es kommt zu peinlichen Situationen oder aggressiven Reaktionen seitens der Patienten.

Im nächsten Stadium entwickelt sich eine mittelschwere Demenz. Eine selbstständige Lebensführung ist an diesem Punkt nicht mehr möglich und die Symptome nehmen immer mehr zu. Die Patienten sind ganz klar auf Hilfe im Haushalt und auch im Bereich der Körperpflege angewiesen. Das Erinnerungsvermögen wird immer schwächer, oft werden immer wiederkehrende Fragen gestellt, Patienten werden zunehmen unruhig. Auch Verhaltensänderungen sind in diesem Stadium keine Seltenheit mehr.

Der Krankheitsverlauf endet in einer schweren Demenz. Hier haben die Alzheimer-Patienten oft jegliche Kontrolle über ihren Körper verloren und auch sprachlich sind sie sehr stark beschränkt. Oft werden sie bettlägerig.

Bisher wurde in der Wissenschaft kein Heilmittel gegen die schwere Krankheit gefunden. Doch durch Medikamente und Begleitmaßnahmen kann der Verlauf beeinflusst werden, was für die Erkrankten wertvolle Lebenszeit bedeutet. Für Betroffene ist es zudem außerordentlich wichtig, die Unterstützung ihrer Angehörigen zu erfahren. Genau das zeigt sich auf ganz fabelhafte Art und Weise in „Honig im Kopf“.

Fazit

„Honig im Kopf“ handelt den Krankheitsverlauf filmisch ab – auch hier beginnt die Krankheit mit Kennzeichen wie Wortfindungsstörungen und Vergesslichkeit und endet damit, dass Amandus seine eigene Enkelin nicht mehr erkennt. Ein trauriger Soff, doch keineswegs ein Grund zum Wegschauen. Das Thema geht uns alle etwas an, ein Film für die ganze Familie, alle Generationen werden angesprochen. Genau deswegen ist er wohl auch so berührend. Er gibt uns Mut uns mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Und wie fühlt es sich an, wenn man alles vergisst? – fragt Tilda ihren geliebten Opa. Was er antwortet? „Wie Honig im Kopf“.

 


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Profilbild von Marie Prötzsch

Seit Oktober 2013 studiere ich Kommunikationswissenschaft und Management an der Universität in Erfurt. Inhaltlich fokussiere ich mich auf den Bereich Marketing und PR/Öffentlichkeitsarbeit. Für Basenio schreibe ich ganz frisch seit Anfang 2015.  


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