Endlich Lady! Älterwerden muss nicht beige sein - Elke Krüsmann

Ist das Buch „Endlich Lady! Älterwerden muss nicht beige sein“ von Elke Krüsmann zu empfehlen?

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Das Buch „Endlich Lady! Älterwerden muss nicht beige sein“ von Elke Krüsmann trifft den Nerv der Zeit und beschäftigt sich mit dem Älterwerden von Frauen in Deutschland.

„Mal wieder ein Buch über Ältere!“, war der ehrliche Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als ich „Endlich Lady! Älterwerden muss nicht beige sein“ in den Händen hielt. Nicht ganz vorurteilsfrei begegnet man derartigem Lesestoff. Umso schöner ist es, wenn man positiv überrascht wird – was vornehmlich an der humorvollen Weise liegt, mit der sich die Autorin Elke Krüsmann dem Phänomen des Alterns nähert. Bereits auf den ersten Seiten stellt sie fest: Niemand kann dem Alter entkommen, auch wenn man versucht, seinen Körper zu „konservieren“, so wie es etwa Madonna oder Giorgio Armani krampfhaft tun.

Humor und Selbstironie

Das Buch hat sich zum Ziel gesetzt, das stilvolle Altern voranzutreiben und zu verteidigen. Den Leser erwartet keinesfalls ein belehrender Text – allein schon deswegen nicht, weil er von einer Art Post-it unterbrochen ist, auf dem Klischees wie „Die zieht sich viel zu jung an für ihr Alter“ vermerkt werden. Untermauert werden derartige Stereotype von Beispielen, die wahrscheinlich aus dem Freundeskreis der Autorin stammen. Die Herkunft dieser Anekdoten wird leider nicht erklärt, auch nicht durch Fußnoten. Allerdings lasst Krüsmann viele Menschen zu Wort kommen – aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Wirtschaft, Mode, Kunst und der Wissenschaft. Zudem zieht sie zahlreiche Anregungen aus der Literatur zu Rate – egal, aus welchem Zeitalter.

Auch wenn die Entwicklung der Menschheit und vornehmlich der Middle Ager in den vergangenen Jahrzehnten einen rasanten Sprung gemacht hat – die Literatur hat sich schon immer mit der Thematik des Alterns beschäftigt. In unserer jetzigen schnelllebigen Zeit rückt das Alter bzw. das Altern dennoch immer stärker in den Fokus des gesellschaftlichen Interesses. Die Älteren werden stets aufs Neue mit Stereotypen und Klischees konfrontiert. Krüsmanns Tipp, um dagegen anzukämpfen: Humor und Selbstironie, beispielsweise, wenn es sich um diverse Einladungen zu Rentnernachmittagen mit Kaffeekränzchen dreht.

Die Alten werden zu Lehrlingen

Trotz des fast durchweg positiven Lesegefühls gibt es einen Kritikpunkt: Die Jugend wird manches Mal zu streng zitiert. Die Autorin sollte nicht vergessen, dass auch sie einmal jung war und vermutlich ähnlich unbekümmert über das Älterwerden gesprochen hat: „20-Jährige betrachten ihre 50-jährigen Kollegen wie Fremdlinge von einem anderen Stern. Oft hat man sogar den Eindruck, die Mitarbeiter aus der Generation I-Phone sind überrascht, dass der nicht mehr ganz so junge Mensch im Zimmer nebenan nicht im Mammutfell, sondern in Jeans vor dem Computer sitzt.“So viel Weitsinn sollte man der Jugend schon zugestehen, dass sie sich durchaus bewusst ist, dass sich „der nicht mehr ganz so junge Mensch“ angemessene Kleidung leisten kann.

Dennoch hat Krüsmann recht, was das sogenannte „Senioritätsprinzip“ anbelangt: Zwischen Mitte und Ende des 2. Jahrtausends hat eine Veränderung stattgefunden: den Älteren wurde – egal, welcher Gesellschaftsschicht sie angehörten – Respekt gezollt, „einfach aus dem Grund, weil sie so alt geworden sind“. Heutzutage fällt den Älteren der Respekt nicht mehr einfach nur so zu – sie müssen sich ihn verdienen. Mittlerweile sind die Jungen diejenigen, „die in der Gesellschaft das höchste Ansehen genießen“. Die Alten werden zu Lehrlingen. Da verwundert es doch nicht, dass der Jugendwahn immer weiter um sich greift und noch lange nicht zum Erliegen gekommen ist.

„In den traditionellen, statischen Gesellschaften, die sich nur langsam entwickeln, ist der alte Mensch Träger des kulturellen Erbes der ganzen Gemeinschaft…“, schreibt Noberto Bobbio in seinem Essay „De Senectute“. Was ist aus den Erfahrungen geworden, die die Alten jahrhundertelang an die Nachkommen weitergegeben haben?

Akzeptanz und Toleranz sind gefragt

Dergestalt, wie sich der Körper wandelt, sollten sich auch die Gedanken der „neuen Lebenssituation“ anpassen. Man MUSS „einfach“ umdenken: Die Jugend einer jeden Generation erfindet sich stets neu. Aber auch die anderen Gesellschaftsmitglieder durchlaufen einen Entwicklungsprozess. Schon lange ist Grau nicht mehr die Farbe der Best Agers. Die Forderung der Jugend nach Akzeptanz und Toleranz sollte gleichermaßen für jeden von uns gelten – gleich, welchen Alters, welcher Lebensvorstellung, welchen Modegeschmacks.

Auch Jüngere können aus diesem Buch Wichtiges für das eigene Lebenskonzept mitnehmen: Tiefschläge und Hindernisse bieten stets die Möglichkeit, neue Kraft zu schöpfen und sich zu beweisen, dass man nicht daran zugrunde gehen muss. Vor allem aber gilt es eines zu berücksichtigen: Es gibt keinen Masterplan. Jeder muss für sich die passende Form des Lebens und folglich auch des Alterns suchen und hoffentlich auch finden.

Fazit: Krüsmann verleitet nicht nur durch die Auswahl an Einblicken in das Leben eines Best Agers, sondern auch durch ihre amüsante Schreibweise zum Weiterlesen, die daran hindert, das Buch nach der Lektüre eines Kapitels aus der Hand legen zu wollen.

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Kristin Fischer (Jg. 1988) ist eine freie Journalistin und Lektorin aus Erfurt, die seit 2012 hauptberuflich in der Medienbranche tätig ist. Während ihr journalistischer Alltag hauptsächlich von der aktuellen Berichterstattung bestimmt ist, bilden die Schwerpunkte ...


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