Zuschuss Hörgeräte | Krankenkasse | Aufzahlungsfreie

Zuschuss für Hörgeräte: Was zahlt die Krankenkasse?

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Wie hoch ist der Zuschuss für ein Hörgerät? Welche Leistungen übernimmt die Krankenkasse bei aufzahlungsfreien Geräten und welche weitere Kostenträgern helfen? Aktuelle Informationen, das gilt 2017.

Hören ist einer der fünf menschlichen Sinne, die uns unsere Umwelt wahrnehmen lassen. Doch kann die auditive Wahrnehmung durch Krankheiten und Umwelteinflüsse gestört werden. In Deutschland gibt es nach Einschätzung des Deutschen Schwerhörigenbunds (DSB) rund 15 Millionen hörgeschädigte Menschen. Der DSB vertritt Interessen Schwerhöriger und ertaubter Menschen in Deutschland auf kommunaler, Landes- und Bundesebene. Bei sechs Millionen, so die Einschätzung des DSB, sind die Schädigungen so stark, dass sie mit einem technischen Hilfsmittel wie einem Hörgerät versorgt werden müssten. Doch allein nur 2,5 Millionen Bundesbürger nutzen eine solche Hörhilfe.

 

Für die Schweiz nehmen hiesige Institutionen an, dass rund 700.000 Menschen eine Hörbeeinträchtigung haben. In Österreich legt man die Werte aus Deutschland zu Grunde und nimmt an, dass es auf deren Basis etwa 1,6 Millionen Hörgeschädigte in der Alpenrepublik gibt.

 

Tipp: Ein HNO-Arzt kann durch einen Hörtest eine medizinisch valide Aussage treffen, wie stark eine Hörbeeinträchtigung bei einem Patienten ist. Auf dem Interportal hoer24.de, das unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird und Unterstützung durch das Fraunhofer-Institut bekommt, finden sich viele Informationen und Ratschläge zum Thema Hörverlust und Hörgeräte. Dort werden auch bekannte Ursachen von Hörbeeinträchtigungen leicht verständlich beschrieben. Auch zum Volksleiden Tinnitus gibt es interessante Details.

 

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Bei einem Hörtest lässt sich feststellen, ob das Hörvermögen beeinträchtigt ist. (Quelle: Kzenon - Fotolia)

So kommt man zu einem Hörgerät

Wer erstmalig ein Hörgerät über die Krankenkasse erhalten will, muss sich den Bedarf zwingend von einem HNO-Arzt attestieren beziehungsweise verschreiben lassen. Mit dessen Verordnung geht man zunächst zur Krankenkasse, die dem Versicherten die Kontakte ihrer Vertragspartner für Hörgeräte gibt. Die Kassen haben Kooperationen mit diversen Hörgeräteakustikern, um Ihre Leistung zu gewähren. Die ärztliche Verordnung legen Sie dann auch bitte im Original beim Hörgeräteakustiker vor.   

 

Tipp: Lassen Sie sich bei mindestens zwei der von der Kasse genannten Hörgeräteakustikern Angebote zeigen und dementsprechend beraten. Wie bei vielem gilt, der Vergleich macht’s. Generell sollten bei einem Beratungstermin mehrere Hörgeräte getestet werden. Lassen Sie sich die Technik dabei erklären, denn moderne Geräte haben viele Einstellungsmöglichkeiten. 

 

Das Bundessozialgericht entschied 2009, dass ärztlich verschriebene Hörgeräte dem „Stand der Technik“ entsprechen müssen. Das Urteil ist unter dem Aktenzeichen B 3 KR 20/08 R einsehbar. Der Gesetzgeber hat 2013 entsprechende Regelungen getroffen, die einen Mindeststandard festlegen. Daher dürfen keine technologisch veralteten Hörgeräte bei ärztlichen Verordnungen verkauft werden. Mehr zu den Mindestanforderungen erfahren Sie in der Beratungsrichtlinie des DSB. In untenstehender Grafik sind die Standards aufgeführt.

 

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Diese Mindeststandards für Hörgeräte gelten in Deutschland. (Quelle: eigene Darstellung)

Derzeit gibt es zwei marktübliche Systeme für Hörhilfen, die Hinter-dem-Ohr-Hörsysteme (HdO-Geräte) und Im-Ohr-Hörsysteme (IO-Geräte). Beide können als Kassenleistung abgerechnet werden. Hat man sich für ein Gerät entschieden, sollen Kostenvoranschlag und ärztliche Verordnung der Krankenkasse übergeben werden. Erst wenn die eine schriftliche Zusage für die Kostenübernahme erteilt, kann das gewünschte Hörgerät als aufzahlungsfreie Kassenleistung beim Hörgeräteakustiker bestellt werden.

 

Tipp: Sollte die Kasse die Kostenübernahme für Ihr gewünschtes Hörgerät ablehnen, haben Sie ein Widerspruchsrecht. Einen entsprechenden Musterbrief hat der DSB ins Netz gestellt.

 

Hörgeräte: Festbetrag und Mehrkosten bei Kassenleistung

Der von den gesetzlichen Krankenkassen übernommene Betrag für Hilfsmittel wird Festbetrag genannt. Hörgeräte werden unter anderem als solche Hilfsmittel anerkannt. Seit 1. November 2013 ist der Festbetrag auf 784,94 Euro für ein Hörgerät festgelegt. Ist der Versicherte nicht gänzlich von Zuzahlungen befreit, muss er pro Hörgerät noch einmalig zehn Euro als gesetzliche Zuzahlung leisten. Das gilt auch bei aufzahlungsfreien Hörhilfen. Holt man sich gleich ein zweites Gerät dazu, kann es sein, dass ein Abschlag der Kasse von bis 20 Prozent hingenommen werden muss. Wie hoch und ob es einen Abschlag gibt, ist von der jeweiligen Krankenkasse abhängig. Gesetzlich Versicherte haben einen Anspruch darauf, alle sechs Jahre die Kostenübernahme für ein neues Hörgerät bei der Kasse zu beantragen. Klassifiziert werden diese Hörhilfen als aufzahlungsfreie Hörgeräte. Was sie mindestens leisten müssen, ist aus obenstehender Grafik ersichtlich.

 

Bei den privaten Krankenkassen verhält es sich etwas anders. Grundsätzlich sind auch sie verpflichtet, Kosten für Hörhilfen zu übernehmen. Der Festbetrag richtet sich aber nach dem jeweiligen Versicherungstarif, der zwischen Versicherer und Versichertem ausgehandelt wurde. Einen bedeutenden Unterschied zwischen gesetzlichen Krankenkassen und ihren privaten Pendants gibt es bei Kostenübernahmen, die über den Festbetrag hinausgehen. Gesetzlich Versicherte brauchen in diesem Fall einen medizinischen Nachweis, den sie ihrer Krankenkasse vorlegen. Die Kassen sind dann bei ausreichend begründetem Bedarf verpflichtet, Kosten auch über den Festbetrag zu übernehmen. Bei privat Versicherten gilt selbiges, jedoch müssen die Kassen Kosten für teurere Geräte in vollem Umfang tragen, auch wenn es günstigere Alternativen gäbe. Ein entsprechendes Urteil (Az.: 2 S 311/08) fällte das Landgericht Regensburg.

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Sollen teurere Geräte von der Krankenkasse bezahlt werden, braucht es ein ärztliches Attest. (Quelle: Monkey Business - Fotolia)

Um diese Mehrkosten erstattet zu bekommen, müssen Versicherungsnehmer neben dem medizinischen Nachweis auch noch einen Antrag auf Übernahme für Mehrkosten bei ihrer Versicherung einreichen. Die Verbraucherzentrale rät dazu: „Die Akustiker legen den Versicherten zwar eine sogenannte "Mehrkostenerklärung des Versicherten" vor, die sie unterschreiben sollen. Obwohl der Versicherte hierbei auch unterschreibt, dass er die Mehrkosten selber trägt, sollte er bei medizinischer Notwendigkeit in jedem Fall einen Antrag bei der Krankenkasse stellen.“ Übrigens, lehnt die Krankenkasse die Kostenübernahme ab, können Versicherungsnehmer dagegen widersprechen oder gar klagen. In beiden Fällen müssen sie dann aber entstandene Kosten vorstrecken.

 

Im Festbetrag selber sind noch weitere Leistungen neben den Anschaffungskosten enthalten. Aufwendungen für die Beratung, Programmierung und Anpassung des Hörgeräts sind inklusive. Ebenso sind Serviceleistungen und mögliche Reparaturen mit dem Festpreis abgedeckt. Übrigens, Kosten für Batterien der Hörhilfen werden nur bis zum 18. Lebensjahr von den Kassen getragen. Wenn Hörgeräte grob fahrlässig oder vorsätzlich verloren oder beschädigt worden, übernehmen die Krankenkassen nichts. „Für Verluste oder Schäden, die grob fahrlässig oder vorsätzlich herbeigeführt worden sind, können wir nicht aufkommen“, heißt es von der AOK-Plus.

 

Tipp: In diesem Forum können sich Interessierte zum Thema Schwerhörigkeit und Hörhilfen austauschen.

Weitere Kostenträger für Hörhilfen

Neben den Krankenkassen gibt es weitere Kostenträger für Hörhilfen. Rentenversicherungen können Kosten übernehmen, die die Krankenkassen nicht leistet. Den entsprechenden Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben können Sie im Netz runterladen. Wichtig, der Versicherungsnehmer muss erstens noch im Arbeitsleben stehen und zweitens sich zunächst an die Krankenkasse wenden. Leistet die nicht, kann der Rententräger einspringen. Dem Antrag müssen Sie noch dieses Formular beifügen. Weitere Kostenträger in der Übersicht:

Unfallversicherungen

Schwerhörigkeit in Folge eines Unfalls

 

Berufsgenossenschaft

Schwerhörigkeit in Folge eines betrieblichen Unfalls oder betrieblich bedingter Berufskrankheit

 

Agentur für Arbeit

Siehe Rentenversicherung, Leistungen können im gleichen Fall auch hier beantragt werden

 

Versorgungsamt

Zuschüsse bei erlittenen Schäden durch Krieg, Gewalteinwirkungen oder Impfung

 

 


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Profilbild von Steffen Gottschling

Steffen Gottschling (Jg. 1978) lebt und arbeitet in Erfurt. Seit 2012 ist er in der Medienbranche tätig. Hier sammelte er Erfahrungen in der Redaktion von Radio F.R.E.I. und arbeitete als Journalist in der Online-Redaktion der Thüringer Allgemeine. Für ...


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