Vojta | Konzept | Prinzip

Vojta-Konzept: So funktioniert das Prinzip der heilsamen Physiotherapie

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(Quelle: Fotolia)

Hier erfahren Sie, was genau die Vojta-Therapie ist und wie das Prinzip dieser physiotherapeutische Methode zur Behandlung von Haltungsschäden und Bewegungseinschränkungen eingesetzt wird.

Die Vojta-Therapie ist eine physiotherapeutische Behandlungsmethode, welche unter anderem bei Senioren angewandt wird, die mit Haltungsschäden, Bewegungseinschränkungen oder Störungen des zentralen Nervensystems zu kämpfen haben. Sie stellt eine von den Krankenkassen anerkannte Behandlungsmethode dar und wird mittlerweile fast weltweit angewandt. Hier erfahren Sie, worum es sich bei der Vojta-Therapie handelt und wie Sie sich damit erfolgreich behandeln lassen können.

Was ist die Vojta-Therapie?

Die Vojta-Therapie wurde zwischen 1950 und 1970 von Václac Vojta entwickelt und diente ursprünglich zur Behandlung zerebralparetischer Kinder. Durch die Ausübung von Druck auf bestimmte Körperzonen konnten diese Kinder das Sprechen, Greifen, Stehen und sogar Gehen erlernen. Daraus hat sich bereits in den 60er-Jahren eine ganzheitliche Behandlungsmethode entwickelt, die nun von Patienten jeder Altersklasse genutzt werden kann.

Ziel der Therapie ist es, dem Patienten wieder die Möglichkeit der Aufrichtung und Fortbewegung zu geben. Die Reflexlokomotion wird deshalb bei zentralen Koordinationsstörungen, Paresen, Fehlentwicklungen von Hüfte oder Füßen, Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule sowie verschiedenen Muskelerkrankungen angewandt. Im Rahmen der Behandlung sollen dabei nicht neue Bewegungsabläufe gelernt werden, sondern das Gehirn wieder dazu angeregt werden, die von der Geburt an angelegten Bewegungsmuster zu aktivieren.

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Bei der Vojta-Therapie übt der Therapeut auf einzelne Regionen des Körpers des Patienten Druck aus. (Quelle: © paul prescott)

Wann wird die Vojta-Therapie eingesetzt?

Die Vojta-Therapie kann bei Säuglingen, Kindern, Erwachsenen und Senioren angewandt werden. Zwar ist das Zentralnervensystem in jungen Jahren noch wesentlich formbarer, jedoch wird diese Therapieform auch bei älteren Menschen noch erfolgreich eingesetzt, um so deren neurologisches Potential voll auszuschöpfen. Liegen Indikationen zur Vojta-Therapie vor, so stellt der behandelnde Arzt die Überweisung an einen Vojta-Therapeuten aus, sofern keine akuten Herz-, Muskel-, fieberhafte oder entzündliche Erkrankungen bestehen.

 

Vojta-Therapie | Indikatoren
Die 10 Indikatoren zur Vojta-Therapie (Quelle: Isabelle Köcher)

Durchführung und Wirkungsweise

Bei der Vojta-Therapie übt der Physiotherapeut ganz gezielt Druck auf eine von zehn beschriebenen Körperzonen des Patienten aus. Dieser befindet sich dabei in einer genau bestimmten Ausgangsposition in Bauch-, Rücken- oder Seitenlage. Um die Therapie individuell an den Patienten, das Krankheitsbild und das Behandlungsziel anzupassen, reichen kleinste Variationen der Druckrichtung, der Ausgangsstellung sowie der Kombination der Auslösungszonen. Dadurch können funktionell blockierte Muskelfunktionen und angeborene Bewegungsmuster wieder aktiviert werden. Bereits nach nur wenigen, kurzen Ausführungen dieser Übungen zeigt sich ein verbessertes Bewegungsniveau, welches sich immer länger hält und letztlich zu mehr Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit führen kann.

Die elementaren Bestandteile der Therapie sind das automatische Steuern des Gleichgewichts, das Aufrichten des Körpers sowie das zielgerichtete Greifen und Gehen. Dadurch soll in erster Linie die Körperhaltung und die Fortbewegung gefördert werden. Nichtsdestotrotz kann sich die Vojta-Therapie auch positiv auf die Atmung, die Durchblutung, die Blasen- und Darmfunktionen, den Schlaf-Wachrhythmus, das Schlucken, die Bewegung der Augen sowie das Sprechen auswirken. Den Behandlungserfolg bestimmen dabei neben den jeweiligen Möglichkeiten und Grenzen der Grunderkrankung vor allem die Übungsintensität, die Frequenz und die Genauigkeit der Anwendungen.

Unser Tipp

Die Vojta-Therapie lässt sich auch hervorragend mit dem Bobath-Konzept kombinieren. Dieses ist eine Form der Physiotherapie mit der ebenfalls Spastizität gelindert werden soll. Bei dem Bobath-Konzept wird versucht, Schlaganfall-Patienten wieder mehr Selbstständigkeit und Beweglichkeit durch die Kompensierung neurologischer Defizite zu ermöglichen.


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Profilbild von Isabelle Kocher

Isabelle Kocher ist seit März 2015 für Basenio tätig. Sie hat im Bachelor Anglistik und Germanistik studiert und sich anschließend für den Masterstudiengang Angewandte Linguistik entschieden. Diesen wird sie im Herbst 2017 mit sehr gutem ...


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