Stürze im Alter

Stürze im Alter - Wie kann man sich schützen?

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Stürze im Alter kommen sehr häufig vor und können schwerwiegende Folgen für die Gesundheit der Betroffenen haben. Erfahren Sie hier, mehr zu offiziellen Statistiken und wie man sich gegen Stürze schützen kann.

Aus einer aktuellen Studie der Universität Heidelberg geht hervor, dass jeder Dritte über 65-Jährige und jeder zweite über 80-Jährige mindestens einmal im Jahr stürzt. Wer im Heim lebt, ist im Durchschnitt noch zwei bis dreimal häufiger betroffen. Dabei ereignen sich die meisten Stürze innerhalb der eigenen vier Wände, beim Sitzen, Aufstehen, Gehen, Stehen oder Drehen. Die Folgen sind, dass 10 bis 20% aller Stürze zu Verletzungen führen. Jeder zwanzigste Sturz endet sogar mit einem Knochenbruch. Zumeist sind dabei der Oberschenkelhals oder der Unterarm betroffen. Ist nach einer Oberschenkelfraktur die Gehfähigkeit beeinträchtigt, so hat das tiefgreifende Auswirkungen auf den Alltag. Der Heidelberger Medizinprofessor Dr. Peter Oster und der Oberarzt Norbert Specht-Leible bringen es in einem kürzlich erschienenen Fachaufsatz auf den Punkt: „Stürze brechen nicht nur Knochen, sondern auch das Selbstbewusstsein“. Gerade die Angst, erneut zu fallen, schränkt viele ältere Menschen in ihren Kompetenzen im Alltag sehr ein. Das führt dazu, dass viele Senioren auf körperliche Aktivitäten verzichten und mitunter sogar dazu, dass sie vermeiden, die eigene Wohnung zu verlassen.

Wann stürzen ältere Menschen und können Stürze verhindert werden?

Je älter wir werden, umso mehr nimmt die Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun ab. Ein Beispiel, das vermutlich jeder kennt: Ältere Personen halten bei einem Spaziergang oft an, bevor sie sprechen. Es bereitet einfach mehr Schwierigkeiten diese beiden verschiedenen Anforderungen – Gehen und Sprechen – zur gleichen Zeit und sicher zu erfüllen. Man kann den Begriff Stürzen zudem mit ‚die Balance verlieren‘ übersetzen. Wer bereits über eine schlechter gewordene Balance verfügt, stürzt auch bei geringeren äußeren Einwirkungen viel leichter. Mitunter reicht dabei schon, dass das Licht nicht genügt oder dass man schlaftrunken den nächtlichen Toilettengang antritt. Bei guter Balance kommt es erst bei massiveren Störfaktoren zum Sturz. Mindestens neun von zehn Stürzen kommen zustande, weil man sich entsprechend der eigenen körperlichen Balance einem zu hohen Risiko aussetzt. In den restlichen Fällen kommt es aufgrund von Bewusstlosigkeit zum Sturz. Hier sollte auf jeden Fall ein Internist oder ein Neurologe zur Abklärung hinzugezogen werden.

Zu beachten ist, dass es eine Reihe von Umständen gibt, die die Balance negativ beeinflussen und das Risiko für einen Sturz steigern können. Dazu zählen unter anderen zunehmendes Altern, vorangegangene Stürze, Muskelschwäche, ein unsicherer Gang, Demenzerkrankungen, Beeinträchtigungen der Sehleistung und die Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmedikamenten. Osteoporosepatienten bzw. deren Angehörige sollten bedenken, dass mit abnehmender Knochenhärte die Wahrscheinlichkeit steigt, auch bei leichten Traumata einen Bruch zu erleiden. Auch zu schlanke Personen müssen nach einem Sturz häufiger mit einem Knochenbruch rechnen, als Personen die sich im Alter noch etwas „Hüftgold“ bewahrt haben. Zahlreiche Frakturen entstehen jedoch, weil Schlaf- und Beruhigungsmittel eingenommen worden sind, die die Reaktionszeit heruntersetzen.

Mit diesen Ratschlägen kann die Wohnung einer älteren Person sturzsicherer gemacht werden:

  • Vermeiden Sie „Stolperfallen“ wie Läufer, Türschwellen oder im Weg liegende Kabel.
  • Achten Sie darauf, dass die Beleuchtung immer hell genug ist.
  • Befestigen Sie sichere Handläufe bzw. Geländer.
  • Überprüfen Sie, ob Armlehnen an Möbeln oder Haltegriffe vorhanden sind.
  • Rutschige Böden und glatte Unterlagen können auch zu stürzen führen. Geben Sie auch darauf Acht.
  • Ein höhenverstellbares Bett kann helfen, Stürze beim Aufstehen zu vermeiden. Außerdem ist es einen Versuch wert, die Matratze auf den Fußboden zu legen, um Stürze aus dem Bett zu vermeiden.

Um Knochenbrüche durch Stürze zu vermeiden, sollte vor allem auf die Ernährung geachtet werden, um Osteoporose und Mangelernährung zu vermeiden. Ein weiterer Tipp ist Tai Chi. Diese Sportart kann auch mit über 70 noch erlernt werden und reduziert das Risiko zu stürzen um 30 %. Mit dieser sanften fernöstlichen Sportart werden einerseits die körperliche Kraft und andererseits auch die Balance trainiert. Eine weitere, jedoch nicht besonders beliebte Vorbeugemaßnahme ist der Einsatz externer Hüftprotektoren. Diese Protektoren bestehen aus einer Propylen-Schale, die in eine festsitzende Baumwollhose eingenäht ist. Das Risiko eines Knochenbruchs sinkt damit um über Hälfte, jedoch ist es mitunter schwierig diese Hosen anzuziehen, da die Protektoren nicht verrutschen dürfen und zudem werden sie von vielen als zu warm empfunden. Zudem sind Hüftprotektoren derzeit nicht als Hilfsmittel im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig.

Nach dem Sturz – Rehabilitation und Prävention

An erster Stelle steht die Widerherstellung der Gehfähigkeit und damit einhergehend die Wiedererlangung der Alltagskompetenzen. Dies geschieht zum einen über Krankengymnastik und zum anderen wird der Arzt bestimmte Hilfsmittel verordnen. Je nachdem, wie es um die häusliche Situation bestellt ist, kann es sich dabei um einen Gehstock, einen Gehbock oder einen Rollator handeln. Ausschlaggebend ist nicht die Art des Hilfsmittels, sondern dass man sicher damit gehen kann. Wer während der Rehabilitationszeit wieder lernt, sicher zu gehen, stärkt damit auch sein Selbstbewusstsein und kann damit auch seine Fallangst wieder überwinden. Doch Vorsorge ist auch hier besser als nur Nachsorge allein. Klären Sie, wer wie verständigt werden kann. Es kann durchaus sinnvoll sein, einen Hausnotruf zu installieren. Regelmäßige Besuche von Verwandten und Freunden tragen zudem zur Genesung und Gesundheitserhaltung bei.


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Daniela Butterich (Jg. 1986) hat Kommunikationsforschung: Politik und Gesellschaft und Psychologie studiert. Seit 2011 arbeitet sie in der Medienbranche im Nachrichtenbereich und war zudem in einem regionalen Kulturverband angestellt. Sie interessiert sich für ...


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