Stiller Reflux | Behandlung | Ernährung | Therapie | Ernährungsplan | Liste | Tabelle

Stiller Reflux: √Ąrztin gibt Tipps f√ľr Ern√§hrung bei Therapie & Behandlung

| Dr. Evelyn Zientz
Bild zum Artikel: Stiller Reflux | Behandlung | Ernährung | Therapie | Ernährungsplan | Liste | Tabelle
(Quelle: © DarkoStojanovic - Pixabay)

Dr. Evelyn Zientz gibt Tipps f√ľr die Ern√§hrung bei der Behandlung & Therapie bei "Stillem Reflux". Lebensmitteltabelle zeigt Lebensmittel, die die Auswirkungen der Magens√§ure neutralisieren k√∂nnen.

Sodbrennen ist ein weit verbreitetes Leiden. Fast jeder hat wohl schon einmal nach einer üppigen Mahlzeit das lästige Brennen in der Speiseröhre spüren müssen, das von der Magensäure ausgelöst wird. Das Sodbrennen selber ist dabei nur das Symptom der Refluxerkrankung, von der es mehrere Ausprägungen gibt. Sodbrennen ist also nicht immer gleich Sodbrennen. Insbesondere beim „Stillen Reflux“ sind die Symptome eher unspezifisch, weswegen auch die Diagnose nur schwer zu stellen ist. In Anlehnung an die gastroösophageale Reflux Krankheit GERD nennt man stillen Reflux auch EERD, was für extraösophagealen Reflux steht.

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Eine säurearme Ernährung gehört zur Behandlung bei "stillem Reflux". (Quelle: © oneinchpunch - Fotolia)

Stiller Reflux ist anders

Stiller Reflux zeichnet sich dadurch aus, dass der Patient keinerlei typische Beschwerden empfindet. Die üblichen Symptome von Sodbrennen wie Schmerzen hinter dem Brustbein oder saures Aufstoßen bleiben aus. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb, weil das Geschehen unbemerkt bleibt, gelangt saurer Magensaft nicht nur in die Speiseröhre, sondern steigt sogar noch weiter.

Die Säure dringt bis zum Hals, in den Rachenraum und in die oberen Atemwege vor. Der Patient merkt deswegen nichts davon, weil der Reflux im Gegensatz zu „normalem“ Sodbrennen nicht flüssig, sondern überwiegend gasförmig ist. Statt der Speiseröhre verätzt stiller Reflux die oberen Atemwege. Der stille Reflux kommt bevorzugt in der Nacht. Während man schläft, kann er ungehindert weit vordringen.

Der Magensaft, der bei Refluxerkrankungen den Magen verlässt, enthält nicht nur Salzsäure, sondern auch Pepsin, ein Enzym, das Proteine abbaut. Pepsin ist an das stark saure Milieu im Magen angepasst und verliert bei steigendem pH-Wert, also abnehmendem Säuregehalt der Umgebung, rasch an Aktivität.

Oberhalb eines vierer pH-Werts nimmt die Aktivität des Enzyms signifikant ab und bei einem pH-Wert von sieben wird das Enzym irreversibel denaturiert. Ein Wert von pH sieben entspricht neutralen - weder sauren noch basischen - Verhältnissen. In unserem Körper herrschen jedoch leicht saure Bedingungen.

Aber auch eine Restaktivität von etwa zehn Prozent im Rachenraum reicht, um dort seine Proteine zersetzende Aktivität zu entfalten. Und Proteine sind ein wesentlicher Bestandteil all unserer Körperzellen. Es ist also ausgesprochen schlecht, wenn Pepsin außerhalb des Magens aktiv ist.

Wir verdauen uns dann selbst. Die Symptome von stillem Reflux sind eher untypisch, das macht die Diagnose sehr schwierig. Viele Patienten machen, wenn ihr Problem stiller Reflux ist, die Erfahrungen, dass eine herkömmliche Sodbrennen-Medikation nicht hilft und dass viele Hausärzte mit der Diagnose überfordert sind.

Patienten klagen oft über folgende Symptome bei stillem Reflux:

  • Halsschmerzen
  • chronischen Husten
  • Heiserkeit
  • Schluckbeschwerden
  • Entzündungen und vermehrte Schleimbildung im Rachenbereich
  • Asthma und Atemprobleme oder
  • müssen sich einfach nur sehr oft räuspern


Das sind Beschwerden, die nicht mit einem Zuviel an Magensaft in Verbindung gebracht werden. Oft werden dann anhand der Beschwerden fälschlicherweise Allergien diagnostiziert. Stiller Reflux meist nur nebenbei im Rahmen anderer Untersuchungen erkannt. Wahrscheinlich tut man gut daran, sich mit derart unklaren Symptomen an einen HNO-Arzt zu wenden.

Eine eindeutige Diagnose erfordert spezielle Untersuchungen, wie das Messen des pH-Wertes der Atemluft, eine Magenspiegelung und Untersuchung des Kehlkopfes und der oberen Speiseröhre auf jegliche Anzeichen von Rötungen, Ödemen, Verdickungen des Kehldeckels oder Geschwüre.

Stiller Reflux erfordert eine besondere Behandlung

Die stiller Reflux Behandlung unterschiedet sich von der Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit, weil Protonenpumpenhemmer, die typischerweise gegen Reflux und Sodbrennen verabreicht werden, hier nicht helfen. Das Hauptproblem bei stillem Reflux ist nicht die Säure, sondern die unerwünschte Enzymaktivität.

Außerhalb des Magens hat Pepsin nur eine geringe Aktivität, die sich aber durch den Zusatz von Säure steigern lässt. Pepsin scheint wie eine Spinne im Netz nur darauf zu lauern, dass säurehaltige Speisen und Getränke des Wegs kommen, die es wieder aufleben lassen.

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Die Behandlung von stillem Reflux zielt daher in erster Linie darauf ab, Pepsin in seiner Aktivität so weit zu hemmen, dass es möglichst wenig Schaden anrichten kann. Das erreicht man am besten mit einer säurearmen Ernährung. Über die allgemeinen Empfehlungen zur Ernährung bei Sodbrennen, wie kleiner und fettarmer Mahlzeiten, die nicht zu spät abends eingenommen werden sollten, kommt es zusätzlich auf den pH-Wert der Speisen an.


Um die Pepsin-Aktivität möglichst gering zu halten, sollte der pH-Wert aller Speisen über einem Wert von vier liegen. Dabei ist der Säuregehalt während der Passage durch die Speiseröhre ausschlaggebend. In Lebensmitteltabellen wird aber oft der PRAL-Wert angegeben, der sich auf die Belastung der Nieren durch das entsprechende Lebensmittel bezieht. Der kann sich von dem des frischen, unverzehrten Lebensmittel, wie es die Speiseröhre passiert, deutlich unterscheiden. Im Zweifelsfall kann man den pH-Wert direkt messen. Messstäbchen gibt es in der Apotheke.

Als basisch wirkende Lebensmittel gelten:

GemüseSpinat, Rote Rüben, Karotten, Tomaten, Kohlrabi, Paprika, Brokkoli, Rosenkohl
ObstÄpfel, Bananen, Kiwi, Mangos, Orangen, Melonen, Zitronen, Weintrauben
KräuterOregano, Dill, Petersilie, Pfeffer, Rosmarin, Salbei, Thymian, Koriander
PilzePfifferlinge, Steinpilz, Champignons, Morchel, Trüffel


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Profilbild von Dr. Evelyn Zientz

Dr. Evelyn Zientz arbeitete als Postdoc an der Universit√§t W√ľrzburg √ľber die Charakterisierung von bakteriellen Endosymbionten aus dem Mitteldarmgewebe von Ameisen der Gattung Camponotus. F√ľr basenio.de schreibt sie als freie Redakteurin.


Kommentare

Ist es nicht so, dass beim stillen Reflux der unmittelbare Säuregehalt des Lebensmittels ausschlaggebend ist und nicht dessen basische Wirkung auf den Organismus? Dann wären Zitronen als sehr säurehaltige Frucht kontraproduktiv und nicht als basisch anzusehen, wie im Artikel bezeichnet.

Ich finde auch sehr eigenartig, was hier aufgelistet wird. Ich recherchiere gerade intensiv und ich habe jetzt diverse Male gelesen, dass man u.a. gerade auf Tomaten, Orangen und Zitrone verzichten soll. Der Artikel klingt teilweise fundiert, diese Aufzählung macht es aber schon irgendwie suspekt.

Ich stimme Gabriele Mustermann und Tine zu. Die Lebensmittelliste ist leider eine, die angibt, ob die Lebensmittel säure- oder basend-BILDEND im Körper wirken und nicht wie der tatsächliche pH-Wert bei der Speiseröhrenpassage ist. Ich bin auch auf der Suche nach einer Lebensmittelliste, die den tatsächlichen pH-Wert angibt und nicht den PRAL-Wert. Hat jemand nähere Infos dazu?

Das wurde mir auch interessieren, leider gibt in dieser Hinsicht viele controverse.
Man wird als Betroffenen √ľberfordert und unsicher ūüėź

Hier gibt hilfe von Betroffenen im Forum

http://stiller-reflux.yooco.de/

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