Stiller Reflux | Behandlung | Ernährung | Therapie | Ernährungsplan | Liste | Tabelle

Stiller Reflux - Behandlung & Therapie: Tipps zur Ernährung für Betroffene (mit Liste/Tabelle von säurearmen Lebensmitteln)

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(Quelle: © DarkoStojanovic - Pixabay)

Dr. Evelyn Zientz gibt Tipps für die Behandlung & Therapie bei "Stillem Reflux" und Ernährungs-Experte Alexander Kiefer verrät, welche säurearmen Lebensmittel helfen (Übersicht mit Tabelle) und ob deren pH-Werte wirklich so wichtig sind.

| Dr. Evelyn Zientz

Sodbrennen ist ein weit verbreitetes Leiden. Fast jeder hat wohl schon einmal nach einer üppigen Mahlzeit das lästige Brennen in der Speiseröhre spüren müssen, das von der Magensäure ausgelöst wird. Das Sodbrennen selber ist dabei nur das Symptom der Refluxerkrankung, von der es mehrere Ausprägungen gibt.

Sodbrennen ist also nicht immer gleich Sodbrennen. Insbesondere beim „Stillen Reflux“ sind die Symptome eher unspezifisch, weswegen auch die Diagnose nur schwer zu stellen ist. In Anlehnung an die gastroösophageale Reflux Krankheit GERD nennt man stillen Reflux auch EERD, was für extraösophagealen Reflux steht.

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Eine säurearme Ernährung gehört zur Behandlung bei "stillem Reflux". (Quelle: © oneinchpunch - Fotolia)

Ursachen von Stillem Reflux

Stiller Reflux zeichnet sich dadurch aus, dass der Patient keinerlei typische Beschwerden empfindet. Die üblichen Symptome von Sodbrennen wie Schmerzen hinter dem Brustbein oder saures Aufstoßen bleiben aus. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb, weil das Geschehen unbemerkt bleibt, gelangt saurer Magensaft nicht nur in die Speiseröhre, sondern steigt sogar noch weiter.

Die Säure dringt bis zum Hals, in den Rachenraum und in die oberen Atemwege vor. Der Patient merkt deswegen nichts davon, weil der Reflux im Gegensatz zu „normalem“ Sodbrennen nicht flüssig, sondern überwiegend gasförmig ist. Statt der Speiseröhre verätzt stiller Reflux die oberen Atemwege. Der stille Reflux kommt bevorzugt in der Nacht. Während man schläft, kann er ungehindert weit vordringen.

Der Magensaft, der bei Refluxerkrankungen den Magen verlässt, enthält nicht nur Salzsäure, sondern auch Pepsin, ein Enzym, das Proteine abbaut. Pepsin ist an das stark saure Milieu im Magen angepasst und verliert bei steigendem pH-Wert, also abnehmendem Säuregehalt der Umgebung, rasch an Aktivität.

Oberhalb eines vierer pH-Werts nimmt die Aktivität des Enzyms signifikant ab und bei einem pH-Wert von sieben wird das Enzym irreversibel denaturiert. Ein Wert von pH sieben entspricht neutralen - weder sauren noch basischen - Verhältnissen. In unserem Körper herrschen jedoch leicht saure Bedingungen.

Aber auch eine Restaktivität von etwa zehn Prozent im Rachenraum reicht, um dort seine Proteine zersetzende Aktivität zu entfalten. Und Proteine sind ein wesentlicher Bestandteil all unserer Körperzellen. Es ist also ausgesprochen schlecht, wenn Pepsin außerhalb des Magens aktiv ist. Wir verdauen uns dann selbst.

Symptome bei Stillem Reflux

Die Symptome von stillem Reflux sind eher untypisch, das macht die Diagnose sehr schwierig. Viele Patienten machen, wenn ihr Problem stiller Reflux ist, die Erfahrungen, dass eine herkömmliche Sodbrennen-Medikation nicht hilft und dass viele Hausärzte mit der Diagnose überfordert sind.

Patienten klagen oft über folgende Symptome bei stillem Reflux:

  • Halsschmerzen
  • chronischen Husten
  • Heiserkeit
  • Schluckbeschwerden
  • Entzündungen und vermehrte Schleimbildung im Rachenbereich
  • Asthma und Atemprobleme oder
  • müssen sich einfach nur sehr oft räuspern


Das sind Beschwerden, die nicht mit einem Zuviel an Magensaft in Verbindung gebracht werden. Oft werden dann anhand der Beschwerden fälschlicherweise Allergien diagnostiziert. Stiller Reflux meist nur nebenbei im Rahmen anderer Untersuchungen erkannt. Wahrscheinlich tut man gut daran, sich mit derart unklaren Symptomen an einen HNO-Arzt zu wenden.

Eine eindeutige Diagnose erfordert spezielle Untersuchungen, wie das Messen des pH-Wertes der Atemluft, eine Magenspiegelung und Untersuchung des Kehlkopfes und der oberen Speiseröhre auf jegliche Anzeichen von Rötungen, Ödemen, Verdickungen des Kehldeckels oder Geschwüre.

Behandlung & Therapie bei Stillem Reflux

Die stiller Reflux Behandlung unterschiedet sich von der Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit, weil Protonenpumpenhemmer, die typischerweise gegen Reflux und Sodbrennen verabreicht werden, hier nicht helfen. Das Hauptproblem bei stillem Reflux ist nicht die Säure, sondern die unerwünschte Enzymaktivität.

Außerhalb des Magens hat Pepsin nur eine geringe Aktivität, die sich aber durch den Zusatz von Säure steigern lässt. Pepsin scheint wie eine Spinne im Netz nur darauf zu lauern, dass säurehaltige Speisen und Getränke des Wegs kommen, die es wieder aufleben lassen.

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Die Behandlung von stillem Reflux zielt daher in erster Linie darauf ab, Pepsin in seiner Aktivität so weit zu hemmen, dass es möglichst wenig Schaden anrichten kann. Das erreicht man am besten mit einer säurearmen Ernährung. Über die allgemeinen Empfehlungen zur Ernährung bei Sodbrennen, wie kleiner und fettarmer Mahlzeiten, die nicht zu spät abends eingenommen werden sollten, kommt es zusätzlich auf den pH-Wert der Speisen an.


Um die Pepsin-Aktivität möglichst gering zu halten, sollte der pH-Wert aller Speisen über einem Wert von vier liegen. Dabei ist der Säuregehalt während der Passage durch die Speiseröhre ausschlaggebend. In Lebensmitteltabellen wird aber oft der PRAL-Wert angegeben, der sich auf die Belastung der Nieren durch das entsprechende Lebensmittel bezieht.

Der kann sich von dem des frischen, unverzehrten Lebensmittel, wie es die Speiseröhre passiert, deutlich unterscheiden. Im Zweifelsfall kann man den pH-Wert direkt messen. Messstäbchen gibt es in der Apotheke.

Ernährungstipps für Patienten mit Stillem Reflux

Doch müssen Betroffene jetzt jedes Lebensmittel auf dessen pH-Wert testen und welche Lebensmittel sind für sie gut verträglich? Darüber sprach basenio.de mit Ernährungs-Experte Alexander Kiefer. Er ist Geschäftsführer des Online-Portals ernaehrungs-therapie.net. Dort finden Betroffene Ernährungstipps und Kursangebote für Ernährungs-Seminare.

Der Experte hält nicht viel davon, sich auf genaue pH-Werte für Lebensmittel festzulegen. „Es ist nicht zielführend, einen genauen pH-Wert zu nennen, denn die Patienten sollen ja eine ausgewogene, verträgliche Kost einüben und nicht jedes Lebensmittel beziehungsweise Mahlzeit mit pH-Teststreifen untersuchen“, gibt Alexander Kiefer zu verstehen.

Für Betroffene hat er einen ganz grundsätzlichen Tipp hinsichtlich der Ernährung. "Ich empfehle den Patienten zunächst eine „langweilige“ Ernährung: Nicht zu fett, nicht zu würzig, nicht zu süß und nicht zu sauer", lässt er auf Nachfrage wissen. Für basenio.de hat er eine kurze Ernährungs-Tabelle zusammengestellt, die säurearme Lebensmittel enthält.

Gemüse (gegart)mit pflanzlichen Ölen zubereiten, Brokkoli, Rosenkohl, Spinat, Rote Rüben, Karotten
ObstAprikosen, Bananen, Heidelbeeren, Birnen, gerne kombiniert mit vollfettem Joghurt
KräuterOregano, Dill, Petersilie, Pfeffer, Rosmarin, Salbei, Thymian, Koriander
PilzePfifferlinge, Steinpilze, Champignons, Morchel, Trüffel


Kiefer hat auch Tipps, wie Betroffene ihre überschüssige Magensäure neutralisieren können. „Heilerde kann überschüssige Säure binden", erklärt der Experte. Solche Mittel sind bei Apotheken erhältlich.

Heilerde ist günstiger im Onlinehandel

Da Heilerde keiner Preisbindung unterliegt, können die Apotheken die Preise selber festlegen. Insbesondere im Online-Handel können Verbraucher günstige Angebote finden, da die Anbieter Kostenvorteile an ihre Kunden weitergeben. Basenio-Tipp: Bei der Volksversand-Apotheke fand unsere Redaktion günstige Angebote für Heilerde.

"Kaugummi kauen und der dadurch ausgelöste Schluckreflex führen dazu, dass aufsteigende Säure wieder zurückgedrängt wird. Häufig hilft auch der Verzicht auf kohlensäurehaltige Getränke und stattdessen der Verzehr von Hydrogencarbonat reichem (stillen) Heilwasser, das überschüssige Säure neutralisiert", rät Alexander Kiefer.

Ergänzend zu einer säurearmen Ernährung sollte auch die Lebensweise angepasst werden, um die Folgen des Stillen Reflux zu lindern. „Am wichtigsten: Nicht rauchen, auch keine E-Zigarette! Außerdem ist es günstiger, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu verzehren als wenige große. Ein Nickerchen nach dem Essen sollte mit erhöhtem Oberkörper stattfinden und die letzte Mahlzeit des Tages circa drei Stunden vor dem Zubettgehen", rät der Ernährungs-Experte.


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Profilbild von Dr. Evelyn Zientz

Dr. Evelyn Zientz arbeitete als Postdoc an der Universität Würzburg über die Charakterisierung von bakteriellen Endosymbionten aus dem Mitteldarmgewebe von Ameisen der Gattung Camponotus. Für basenio.de schreibt sie als freie Redakteurin.


Kommentare


Ist es nicht so, dass beim stillen Reflux der unmittelbare Säuregehalt des Lebensmittels ausschlaggebend ist und nicht dessen basische Wirkung auf den Organismus? Dann wären Zitronen als sehr säurehaltige Frucht kontraproduktiv und nicht als basisch anzusehen, wie im Artikel bezeichnet.

Ich finde auch sehr eigenartig, was hier aufgelistet wird. Ich recherchiere gerade intensiv und ich habe jetzt diverse Male gelesen, dass man u.a. gerade auf Tomaten, Orangen und Zitrone verzichten soll. Der Artikel klingt teilweise fundiert, diese Aufzählung macht es aber schon irgendwie suspekt.

Ich stimme Gabriele Mustermann und Tine zu. Die Lebensmittelliste ist leider eine, die angibt, ob die Lebensmittel säure- oder basend-BILDEND im Körper wirken und nicht wie der tatsächliche pH-Wert bei der Speiseröhrenpassage ist. Ich bin auch auf der Suche nach einer Lebensmittelliste, die den tatsächlichen pH-Wert angibt und nicht den PRAL-Wert. Hat jemand nähere Infos dazu?

Das wurde mir auch interessieren, leider gibt in dieser Hinsicht viele controverse.
Man wird als Betroffenen überfordert und unsicher 😐

Hier gibt hilfe von Betroffenen im Forum

http://stiller-reflux.yooco.de/

Interessanter Artikel! Lebensmittelliste läßt einen dann allerdings ratlos zurück. Soll ich mich n u r davon ernähren? Kann ja wohl nicht seien!?

Ich finde es sehr schade, dass selbst diese Ärztin, die hier Empfehlungen geben will, sich mit der Thematik NICHT wirklich auseindergesetzt hat, und hier die Betroffenen mal wieder mehr Ahnung haben, wie der Arzt selbst - sämtliche Früchte aktivieren das Pepsin schon direkt beim Verzehr, Zitronen sind sehr säurehaltig... und Tomaten sind auch super säurehaltig.
Und was ich auch nicht verstehe, dass man dass dann hier nicht mehr ändert, wenn schon mehrere Betroffene darauf aufmerksam gemacht haben.

Sehr geehrter Leser, unsere Redaktion ist aktuell speziell für dieses Thema in Gesprächen mit Ernährungstherapeuten. Wenn diese uns andere Erkenntnisse und Ratschläge liefern, werden wir diese hier berücksichtigen. Bis dahin bitte ich Sie um Geduld. Mit freundlichen Grüßen, Steffen Gottschling (Leiter basenio-Ratgeber)

Alexandra . Ich wusste bisher garnicht das alles Obst dann verboten ist , da ja gerade die Bananen immer als art " Schleimschutz " genannt wird . Also die dann auch Tabu ?!

Sehr geehrte Leser, unsere Redaktion hat den Beitrag überarbeitet. Am 13.01.2020 haben wir das Kapitel "Ernährungstipps für Patienten mit Stillem Reflux" diesem Ratgeber hinzugefügt.

Leide seid einigen Wochen auch an stillem Reflux und muss festsellen, dass weder Hausärzte noch Gastros Ahnung von der Krankheit haben ! Ausser PPIs verschreiben geht traurigerweise nichts.
Man steht alleine da und versucht sich im Netz schlau zu machen, bisher ohne Erfolg.
Ernährung habe ich schon lange angepasst(kein Alkohol,nichts frittiertes,nichts fettes, keine Süssigkeiten,kein Fleisch,kein Zucker,keine Kohlensäure,viel Sport,Kopfteil hoch gestellt,zu schlank usw.) trotzdem hats mich erwischt !
Werde jetzt mal Haferflocken,Reis und Kohlenhydrate bis auf Kartoffeln weg lassen, mal schaun was passiert.
Keine Ahnung an wen ich mich noch wenden kann, will mal eine Kehlkopfspiegelung und eine 24h pH-Metrie machen lassen, mal schaun ob das mir die Ärzte genehmigen, dass das Kind endlich mal einen Namen hat.

Ich leide seit Jahren an Reflux. Habe dauernd sauren Geschmack im Mund, einen kaputten Gaumen und Gas.PPI helfen nicht. Ärzte zucken mit den Schultern. Ernährungsberatung hat nichts gebracht. Ein Privatarzt hat sich eine goldene Nase verdient und mir geht es nicht besser.Die Gallenblase wurde entfernt und vor einer Fundoplikatio habe ich große Angst.Geht ja auch oft schief. Das ist kein Leben mehr!!! Julia

Vor ca. 2 Jahren fing mein Matyrium an. Ich hatte das Gefühl ich hätte einen Tennisball verschluckt, musste mich ständig räuspern und habe schlecht Luft bekommen. Mein Hausarzt meinte es wäre was Psychisches, da er die Panik in meinen Augen sehen würde. Ich habe ihm erklärt, das ich ganz schlecht Luft bekomme und das natürlich Panik in mir auslöst. Danach bin ich Monate von Arzt zu Arzt marschiert: .Schilddrüsenspeziallisten, Allergologen, Breischluckuntersuchung diverse HNO-Ärzte, Frauenarzt etc. Ein HNO Arzt hat mich dann zur Magenspiegelung geschickt. Es stellte sich heraus, das ich Reflux habe. Obwohl ich dem Gastroenterologen erzählt habe, das ich kein Sodbrennen verspüre, hat er mir für 6 Monate die Höchstdosis von Magenblockern verschrieben und mir gesagt, ich solle weniger Kaffee trinken. Selbst nach einigen Monaten stellte sich jedoch keine Besserung ein. Ich bin dann durch Recherche selbst auf den stillen Reflux gekommen. Nachdem ich meine Ernährung radikal umgestellt habe (nur Kartoffeln, Reis, Gemüse und mageres Fleisch, kein Fett, kein Zucker) ging es mir deutlich besser. Nun esse ich nach und nach wieder abwechslungsreicher. Allerdings esse ich nichts mit einem PH-Wert unter 5. Wenn im Restaurant tatsächlich mal Zitrone in meinem Essen landet, schnürt sich mein Hals nach ein paar Minuten zu. Ich habe dann immer Natron dabei und gehe dann gurgeln, dann wird es besser. Ich habe jetzt immer PH-Teststreifen dabei um mein Essen auf den PH-Wert zu prüfen. Ich würde mir sehr wünschen, das mehr Ärzte insbesondere Fachärzte bei Patiienten mit meinem Symptomen auch den Stillen Reflux in Betracht ziehen würden. Das hätte mir 2 Jahre Leidensweg erspart.

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