Schwerhörigkeit im Alter | Ursachen | Hörgeräte | Preise

Hörhilfen – Arten, Modelle & Preise in der Übersicht

Sie sind auf der Suche nach der passenden Hörhilfe? Dann möchten wir Sie mit diesem Beitrag darüber informieren und mögliche Arten, Modelle und Preise in unserem aktuellen Testbericht 2015 vorstellen.

Sie haben Probleme damit, Ihre Mitmenschen klar und deutlich zu verstehen? Sie müssen das Fernsehgerät auf die höchste Lautstärke stellen oder können einige Geräusche des Alltags nicht mehr richtig wahrnehmen? Dies kann eine Einschränkung Ihres Hörvermögens zur Ursache haben und kann mit der richtigen Hörhilfe leicht und unbemerkt behoben werden. In Deutschland sind ca. 15 Millionen Menschen schwerhörig. Der Prozentsatz der Hörgeschädigten steigt mit zunehmendem Alter. 54 % der Senioren im Alter ab 70 Jahren sind schwerhörig - trotzdem trägt nicht jeder ein Hörgerät. Das hängt jedoch selten mit den Kosten, die mit der Anschaffung eines Hörgerätes verbunden sind, zusammen. Hörgeschädigte zahlen, je nach Förderung der Krankenkasse, 10 € bis 741 € für das fertige Endprodukt. Wer Wert auf Luxus legt, kann auch Hörgeräte der oberen Klasse für bis zu 1.800 € erwerben. Die Bandbreite der Hersteller ist ähnlich weitläufig. Zu den führenden Herstellern gehören Siemens, Oticon, Phonak und Widex.

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Schwerhörigkeit bezogen auf das Alter in Deutschland (Quelle: Elena Friedrich)

Die häufigsten Ursachen für Schwerhörigkeit

Es gibt verschiedene Faktoren, die Schwerhörigkeit hervorrufen können. Darunter zählen ein verstopfter Gehörgang, Fehlbildungen, Tumore, Verletzungen des Hörorgans oder der Nerven, Entzündungen (z. B. des Mittelohrs) und Beschädigungen des Trommelfells durch Lärm. Außerdem können Gehirnentzündungen, Schlaganfälle und Schädel-Hirn-Traumata der Auslöser für diese Beschwerden sein. Am häufigsten tritt Schwerhörigkeit jedoch im Alter ab 50+ auf. Dauerhafte Lärmbelastung kann Altersschwerhörigkeit noch beschleunigen.

Drei Arten der Hörbeeinträchtigung

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Die drei Arten der Hörbeeinträchtigung (Quelle: Elena Friedrich)

Hörbeeinträchtigungen können in drei Kategorien eingeteilt werden. Einerseits gibt es die Schallleitungsschwerhörigkeit, welche von einer Mittelohrenzündung oder einem verstopften Gehörgang hervorgerufen wird. Hier werden die Schallwellen vermindert bis gar nicht mehr ins Ohr geleitet. Des Weiteren kann eine Schallempfindungs-/Innenohr-Schwerhörigkeit auftreten, bei der das Trommelfell die Schallwellen richtig weiter gibt, sie aber anschließend falsch weitergeleitet werden. Grund dafür können Schädigungen im Innenohr sein. Letzteres gibt es die Schallwahrnehmungs-Schwerhörigkeit, bei welcher die Ursache im Gehirn liegt. Das Signal beziehungsweise der Ton wird vom Hörnerv richtig weitergegeben, allerdings kann es vom Gehirn nicht verarbeitet werden. Diese Art von Schwerhörigkeit tritt häufig nach Schlaganfällen sowie Schädel-Hirn-Traumata auf.

Um herauszufinden, auf welche Weise Ihr Gehör betroffen ist, ist der Besuch beim Hals-Nasen-Ohrenarzt immer ratsam. Nach der Feststellung kann ein Hörgeräteakustiker zusammen mit Ihnen die passende Hörhilfe für Ihre Bedürfnisse finden.

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Ablauf zur richtigen Hörhilfe (Quelle: Elena Friedrich)

Welche Hörhilfe passt zu mir?

Hörhilfen gibt es heute in unzähligen Varianten und Ausführungen. Diese können bestens auf Ihre Erfordernisse und Vorlieben abgestimmt werden. Um Ihnen einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten der Hörhilfen zu geben, möchten wir Ihnen verschiedene Typen, Hersteller und Preiskategorien dieser vorstellen. Neben den Hörgeräten, die von den meisten Hörbeeinträchtigten genutzt werden, gibt es beispielsweise das Knochenleitungshörgerät. Dieses wird oft in Form einer Hörbrille verwendet, welche ein eingebautes Mikrofon im Brillenbügel tragen. Da der Brillenbügel direkt auf dem Schläfenbein aufliegt, wird die Vibration, die er erzeugt, direkt übertragen. Dabei spricht man auch von „Knochenübertragung“. Diese Variante wird oft bei Hörgeschädigten, die außerdem eine Sehschwäche haben, verwendet. Dank moderner Technik ist sie trotz des Mikrofons sehr leicht und angenehm zu tragen, fast wie eine normale Brille.

Des Weiteren gibt es Infrarot-Hörhilfen. Der Sender empfängt das Signal, welches als Infrarotlicht an den Empfänger, den Hörgeschädigten, weitergegeben wird und hier wieder in eine Schallwelle umgewandelt wird. Um Rundfunk und Fernsehgeräte besser nutzen zu können, können bei dieser Variante zusätzliche Sendegeräte an den jeweiligen Tonquellen angebracht werden. Bei Infrarot-Hörhilfen spricht man auch von „FM-Anlagen“, also Anlagen, die ihre Signale drahtlos übertragen.

Um den Komfort für Hörgeschädigte in öffentlichen Räumen wie Theatern, Kinos, Kirchen oder Opernhäusern zu verbessern  wurden außerdem Induktive Höranlagen entwickelt. Diese erlauben den Hörern, Audiosignale verstärkt, drahtlos und störungslos zu empfangen. Das Hörgerät wirkt hier als Empfänger, in dem das Signal noch zusätzlich verstärkt wird. Allerdings verwenden nur sehr wenige Einrichtungen diese Anlagen und wenn, sind sie meist nur in gekennzeichneten Bereichen nutzbar, da diese Anlagen sehr kostspielig sind. Damit Hörbeeinträchtigte dennoch vollen Klang in Musicals, Opern, auf Konferenzen oder auch privat wahrnehmen können, haben Hersteller wie Sennheiser oder Amplicomms bestimmte Hörhilfen- Kopfhörer entwickelt, die auch zur Verstärkung von Fernsehgeräten oder Hi-Fi-Anlagen genutzt werden können.

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Arten von Hörhilfen in der Übersicht (Quelle: Elena Friedrich)

Hörhilfen-Kopfhörer für Hörgeräteträger im Test

Sennheiser RS 4200 II

Hierfür eignet sich das Modell Sennheiser RS 4200 II. Es arbeitet mit Funkübertragung und empfängt Signale bis auf 80 Meter Distanz sogar durch Wände und lässt sich mit Hörgeräten kombiniert nutzen. So können Sie, auf Ihr Gehör abgestimmt und ohne Mitmenschen zu beeinträchtigen, fernsehen, Musik hören und vieles mehr. Das Modell ist jedoch für 161 € kein Schnäppchen. Ein weiterer Kritikpunkt liegt beim Tragekomfort. Die Kopfhörer üben einen recht starken Druck auf die Ohren aus.

 

Amplicomms TV 2410NL

Eine Alternative bietet der Induktive Funkkopfhörer TV 2410NL von Amplicomms. Dieser Kopfhörer für Hörgeräteträger hat viele Extrafunktionen sowie eine integrierte Höhen-und Tiefenregelung. Der Klang des Hörers ist gut und das Tragegefühl sehr komfortabel. Mit einem Preis von 125 € liegt er in einer ähnlichen Preiskategorie.

Geemarc CL Hook 3

Will man weniger ausgeben, empfiehlt sich der Induktions-Kopfhörer Geemarc CL Hook 3. Für 21,98 € ist er das günstigste Modell in dieser Hörhilfenkategorie, er kann allerdings nur für Geräte mit einem Audioanschluss verwendet werden und läuft nicht, wie die beiden teureren Geräte, über Funk. Für Hörgeschädigte, die einfach im Zug oder beim Joggen Musik hören oder ungestört Filme auf dem Laptop schauen möchten, ist er dennoch eine gute Wahl.

Hörgeräte - die alltagstaugliche, dauerhafte Lösung

Reichen Hörhilfen nicht mehr aus oder behindern den Alltag und Ihr Wohlbefinden aufgrund Ihrer eingeschränkten Mobilität oder zu großer Auffälligkeit, kommen Hörgeräte zum Einsatz, um dabei zu helfen, dass Hörbeeinträchtigte weiterhin in der Lage sind, mit ihrem Umfeld kommunizieren zu können und nicht sozial ausgegrenzt werden. Hörgeräte gibt es ebenfalls in unzähligen verschiedenen Varianten. Viele Hörbeeinträchtigte (in Deutschland 90 %) verschweigen ihr Leiden trotzdem, da sie nicht als gehandikapt gesehen werden wollen, obwohl die meisten heutigen Hörgerätmodelle diskret oder gar nicht sichtbar sind. Heutzutage kann nahezu niemand mehr einen Hörgerätträger als einen solchen erkennen.

Meist genutzte Hörgerätarten

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Man unterscheidet diese 3 Arten von Hörgeräten (Quelle: Elena Friedrich)

Die beiden meist genutzten Hörgerätformen sind die „Hinter-dem-Ohr-Geräte“ (HdO) und die „Im-Ohr-Geräte“. Seltener wird das Ex-Hörer-Gerät verwendet.

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Eigenschaften der "Hinter-dem-Ohr-Geräte" (Quelle: Elena Friedrich)

Hinter-dem-Ohr-Geräte“ (HdO) werden bei 90 % aller Schwerhörigen genutzt. Sie benötigen ein maßangefertigtes Ohrpassstück und einen Schallschlauch. Sie zeichnen sich aus durch einen weitestgehend offen gehaltenen Gehörgang, dank dem kein dumpfes Hörgefühl entsteht und der eigene Körperschall, wie Kau-und Schluckgeräusche weniger bis gar nicht wahrgenommen werden. Besonders beliebt sind heutzutage die Mini-HdO-Geräte mit einem besonders dünnen Versorgungsschlauch, durch den das Hörgerät kaum auffällt. Negative Eigenschaften der Hinter-dem-Ohr-Geräte sind allerdings, dass schlecht angepasste Geräte zur akustischen Rückkopplung neigen. Eines der neusten HdO-Geräte ist das „Pure binax“ von Siemens. Es ist besonders klein und unauffällig, das Gehäuse kann ausgetauscht werden, außerdem ist es besonders leistungsstark. Eine individulalisierbare Tinnitusfunktion ist ebenfalls integriert. Das Besondere an diesem Produkt ist, dass es sich über das eigene Smartphone steuern lässt. Eine weitere überzeugende Neuheit auf dem Hörgerätemarkt ist das Modell „Juna“ von Bernafon. Es ist besonders für schwere Hörverluste geeignet und unterdrückt Störgeräusche wie beispielsweise Motorengeräusche.

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Eigenschaften der "Im-Ohr-Geräte" (Quelle: Elena Friedrich)

Im-Ohr-Geräte“ werden in der Ausführungen unterteilt: „In-The-Ear“ (=im Ohr) (ITE) „In-The-Canal“ (=im Gehörgang) (ITC), und „Complete-In-Canal“ (=komplett im Gehörgang) (CIC). Das Gehäuse der ersten Variante füllt die Ohrmuschel komplett aus und stellt damit das auffälligste „Im-Ohr-Gerät“ dar. ITC-Geräte schließen mit der Vorderseite des Gehörgangs ab. Das Gehäuse kann, auf Wunsch, zusätzlich an die Hautfarbe des Hörbeeinträchtigten angepasst werden, um die Auffälligkeit des Gerätes zu verringern. Dank der „Im-Ohr-Geräte“, ist es Hörgeschädigten heutzutage möglich, unbemerkt ein Hörgerät zu tragen. Sie weisen allerdings auch negative Eigenschaften auf: Da sie sich komplett im Gehörgang befindet, begünstigen sie die Verschmutzung des Ohres durch beispielsweise Schweiß. So wird das Hörgerät reparaturanfälliger. Dem kann mit einer Bohrung im Otoplastik, dem Ohrpassstück, jedoch entgegengewirkt werden. Hinzukommt, dass insbesondere das CIC sehr kleine Batterien benötigt, die daher oft gewechselt werden müssen. Für Menschen, die ihre Hörschwäche verbergen wollen, sind sie dennoch eine gute Wahl. Eines der unauffälligsten, kleinsten „Im-Ohr-Geräte“ ist das Modell „Lyric“ von dem Hersteller Phonak. Es kann bis zu 4 Monate im Gehörgang bleiben, auch Headsets können in Kombination mit diesem Hörgerät problemlos genutzt werden. Der Preis dieses Modells liegt bei 149 € pro Monat, befindet sich also in gehobener Preisklasse. Fast genauso unauffällige Modelle finden sie in der Reihe „Dream“ von Widex. Das Modell „Passion“ ist die kleinste, erhältliche Ausführung. Trotz hoher Leistung verbraucht es nur wenig Batterie.

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Eigenschaften der Ex-Hörer-Geräte (Quelle: Elena Friedrich)

Ex-Hörer-Geräte“ sind den „Hinter-dem-Ohr-Geräten“ sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich allerdings an einem externen Schallwandler, dem „Hörer“, der den, bei dem HdO-Gerät vorhandenen Schallschlauch ersetzt. Das besondere an „Ex-Hörer-Geräten“ ist, dass sie mit den Stufen S (Standard), M (Medium) und P (Power) an Ihren individuellen Hörverlust angepasst werden können, außerdem rufen sie keine, sonst üblichen Hautreizungen hervor, da diese Hörgeräte kein Ohrpassstück haben. Die Preise von Ex-Hörer-Geräten sind sehr unterschiedlich. Wie bei allen Hörgeräten, hängt der Preis auch bei diesen mit der Förderung der Krankenkasse und dem Grad der Schwerhörigkeit zusammen. Einen genauen Preis können Sie meist bei einem Hörgeräteakustiker nach einem ausführlichen Beratungsgespräch erfahren.

Nun liegt es an Ihnen! Finden sie Ihre passende Hörhilfe!


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Im Oktober 2014 habe ich mein Studium in Anglistik/Amerikanistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt begonnen. Seit Anfang August schreibe ich Texte für basenio.de und freue mich, immer Neues dazu zu lernen und auch anderen mit Ratgebertexten ...


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