Risikofaktoren für Schlaganfall – Prävention und Selbsthilfegruppen

Welche Risikofaktoren gibt es für einen Schlaganfall? Prävention und Selbsthilfegruppen für Betroffene

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Was sind Risikofaktoren für einen Schlaganfall und wie kann man das Risiko senken? Im Schlaganfallzentrum Erfurt finden Betroffene und Angehörige eine Anlaufstelle. Was Prävention bringt und wie Selbsthilfegruppen helfen.

Das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden, ist angesichts von 270.000 Vorfällen pro Jahr in Deutschland nicht gering. Dabei kann man dieser Erkrankung des Gehirns bis zu einem gewissen Grad vorbeugen. Kennt man die Risikofaktoren und minimiert diese, senkt man das Risiko auf einen Schlaganfall. Wie mögliche Vorboten erkannt werden, können Sie in unserem Beitrag „Schlaganfall – Symptome, Ursachen, Therapie & Hilfe für Betroffene und Angehörige“ nachlesen. Auch wenn der Großteil der Betroffenen über 60 Jahre alt ist, treffen kann es jeden.

Krankwagen, Rettungstransport, Krankentransport
Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Je eher die Hilfe kommt, desto höher ist Wahrscheinlichkeit Folgeschäden zu verhindern. (Quelle: https://pixabay.com/de/ambulance-krankenwagen-feuerwehr-970037/)

Im Schlaganfallzentrum Erfurt ist man vertraut mit der Behandlung nach Schlaganfällen. Das Team um Leiterin Angelika Barasch arbeitet nach dem Leitbild: „Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der Patient, der sich rat- und hilfesuchend an uns wendet. Sein Vertrauen ist die Basis für unsere Arbeit, das Ziel seine Zufriedenheit“. Um diesem Leitbild gerecht zu werden, arbeiten viele Menschen für das Patientenwohl zusammen. Ärzte, Therapeuten und Pfleger betreuen in enger Abstimmung miteinander den jeweiligen Patienten.

Risikofaktoren für Schlaganfall minimieren

Allerdings sieht das Schlaganfallzentrum auch in der Prävention eine elementare Aufgabe. So stand und steht 2016 unter dem Themenschwerpunkt: 7-Punkte-Programm gegen den Schlaganfall. Gehört man zur Risikogruppe, sollte keine Zeit vertan werden. Höchste Zeit, die Risikofaktoren anzugehen:

  1. Gegen Bluthochdruck, Übergewicht und erhöhte Blutfettwerte sollten Sie Maßnahmen treffen. Dazu ist meist eine Lebensumstellung mit gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung nötig. Ihr Arzt berät Sie zu den für Sie notwendigen Schritten und verordnet - falls notwendig - geeignete Medikamente.
  2. Geben Sie das Rauchen auf. Fünf Jahre nach der letzten Zigarette reduziert sich das Schlaganfall-Risiko auf das eines Nichtrauchers. 
  3. Krankheiten, die das Schlaganfallrisiko erhöhen, sollten vom Arzt behandelt und kontinuierlich überwacht werden. Medikamente werden zum Beispiel bei der Behandlung von Diabetes, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, zu hohem Cholesterin und Thromboseneigung eingesetzt. Wägen Sie mit Ihrem Arzt Nutzen und Risiko ihrer Medikation ab und befolgen Sie konsequent dessen Ratschläge. Nehmen Sie die Medikamente regelmäßig wie verordnet ein - sie können Sie vor dem nächsten Schlaganfall schützen!
  4. Bewegen Sie sich regelmäßig! Wenn Sie unter chronischen Erkrankungen leiden, bereits einen Schlaganfall hatten oder längere Zeit keinen Sport getrieben haben, lassen Sie sich von Ihrem Arzt dazu beraten, wie viel Sie sich zumuten können.
  5. Wenn Ihnen Ihr Arzt nach dem Schlaganfall Medikamente wie zum Beispiel Gerinnungshemmer verordnet hat, nehmen Sie diese gewissenhaft nach seinen Vorgaben ein.
  6. Vermeiden Sie hohen Alkoholgenuss.
  7. Genießen Sie eine positive und aktive Lebensführung.

Gerade der letzte Punkt ist von einem Grundsatz geleitet: Fragen Sie nicht; was macht mich krank? Fragen Sie; was trägt zu meiner Gesundheit bei?

Prävention: Schlaganfall vorbeugen

So gemütlich die Verlockungen eines ausdauernden Fernsehnachmittags sind, so schlecht können die Folgen für den Körper dadurch sein. Bewegung ist die Devise! Auch wenn es hier und da nach einer Trainingseinheit zwickt, mittel- und langfristig tun Sie sich und Ihrer Gesundheit einen Gefallen. Dabei braucht es keine kraftzehrenden und ausdauernden Aktivitäten. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) raten zu kurzen Einheiten an fünf Tagen in der Woche. Es genügt, sich jeweils mindestens 30 Minuten zu bewegen. Ein sportlicher Spaziergang kann schon ausreichen. So bleiben Gefäße elastisch und durchgängig. Auf regelmäßige und moderate Sporteinheiten sollte dennoch nicht gänzlich verzichtet werden. Joggen, Schwimmen oder Radfahren strengen nicht übermäßig an und können helfen, einen Schlaganfall vorzubeugen.

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Mit Sport senkt man das Risiko auf einen Schlaganfall. (Quelle: Fotolia)

Auch wer bereits einen Schlaganfall erlitten hat, sollte sich bewegen. Denn die Gefahr eines neuerlichen Anfalls ist hoch. Alleine im ersten Jahr nach einem Hirnschlag trifft es zwischen 10 und 15 Prozent der Patienten wieder. Wichtig ist, dass sich Betroffene über mögliche Aktivitäten mit ihrem Arzt absprechen. Zu hohe Belastungen können den Blutdruck erhöhen und somit auch das Risiko auf einen weiteren Schlaganfall. Grundsätzlich gilt bei Patienten, zwei mal dreißig Minuten Sport senken das Risiko einer neuerlichen Erkrankung um 40 bis 50 Prozent. Doch auch die beste Prävention gibt keine hundertprozentige Sicherheit.

Ausdauerbelastung hilft gegen Schlaganfall

Das Schlaganfallzentrum steht seinen Patienten mit Rat und Tat zur Seite. Physiotherapie, Ergo- und Sporttherapie sowie Rehabilitationssport gehören zur neurologischen Therapie und Behandlung. Wandern, Walking/Nordic Walking, Radfahren, Laufband- und Fahrrad-Ergometertraining sowie Schwimmen oder Aquajogging sind besonders für Schlaganfallpatienten geeignet. Körperliche Belastungen lassen sich dabei an den jeweiligen Betroffenen gut anpassen. Das ist wichtig, weil so sogenannte Kontraindikationen - also Gegenanzeigen - ausgeschlossen werden können.

Bevor also Patienten mit der Therapie beginnen, sollten sie sich ärztlich untersuchen lassen. Im Ergebnis kann der Arzt den Leistungsstand und die individuelle Belastungsgrenze des Betroffenen ermitteln. Darauf aufbauend kann dann das Trainingsprogramm erstellt werden. „Die Belastungen sollten bei 40 bis 70 Prozent der maximalen Ausdauerleistungsfähigkeit liegen und mindestens dreimal wöchentlich für 20 bis 30 Minuten durchgeführt werden. Eine Herzfrequenzkontrolle während des Trainings durch eine Pulsuhr ist hier unbedingt zu empfehlen.“ Diese Vorgabe wird im Verbund des Schlaganfallzentrums beachtet. Hier zeigt sich, welche Vorteile aus der Zusammenarbeit entstehen. Der Patient ist also bestens versorgt.

Häufig sind Muskuläre Defizite bzw. Dysbalancen Folgen eines Schlaganfalls. Ein spezielles Krafttraining kann diese zum Teil beheben. So können Betroffene ihre berufs- und alltagsbezogenen Bewegungsfähigkeit wiedererlangen, sofern die Folgeschäden nicht irreversibel sind. Bei den Trainingseinheiten geht es in die „Muckibude“. Doch nicht nur an den großen Geräten wird geübt, auch Therabänder, Leichthanteln oder der Pezziball gehören ins Programm. Zwei bis dreimal pro Woche mit zwei bis drei Sätzen á zehn bis fünfzehn Wiederholungen sind die Trainingsvorgaben. Von statischen Kräftigungsübungen wird abgeraten. Dabei handelt es sich um Einheiten, bei denen etwas gehalten wird, ohne dass sich der Patient beugen oder strecken muss.

Ergänzend dazu empfiehlt sich ein Flexibilitätstraining. Hier steigert man die Bewegungsfähigkeit der Patienten wieder. Außerdem beugt man so möglichen Versteifungen und Verkürzungen von Muskeln und Sehnen vor. Das Training „sollte ebenfalls zwei bis dreimal pro Woche vor oder nach dem Krafttraining erfolgen, wobei die Haltedauer der Dehnpositionen zehn bis dreißig Sekunden betragen sollte“, empfiehlt man im Schlaganfallzentrum.

Gerade bei irreversiblen Schäden kann es im schlimmsten Fall passieren, dass der Betroffene pflegebedürftig ist. So beantragen Sie Leistungen bei der Pflegekasse.

Selbsthilfegruppen

Das Schlaganfallzentrum in Erfurt bietet eine große Stütze für Patienten und deren Angehörige. Dazu gehören regelmäßige Treffen in einer Selbsthilfegruppe, die von Mitarbeitern des Zentrums geleitet werden. Hier können Patienten ganz ohne Scheu wieder unter Leute kommen. Schwierigkeiten beim Sprechen können bei Betroffenen Ängste auslösen. In der Selbsthilfegruppen sind solche Probleme bekannt. Der Kontakt mit anderen Patienten hilft dabei, wieder ins normale Leben zurückzufinden.

Die Gruppe hat mindestens einen regelmäßigen Termin, an dem sie sich zusammenfindet. An jedem ersten des Monats trifft sich die Gruppe entweder in den Räumlichkeiten des Seniorenzentrums in der Berliner Straße oder in der Polyklinik am Südpark (in Erfurt). Darüber hinaus gibt es flexible Termine, die von jeweiligen Veranstaltungen und Aktionen abhängen. So gibt es den Aphasie & Schlaganfall Chor, der sich über die regelmäßige alle 14 Tage trifft. Die Mitgliedschaft in der Selbsthilfegruppe ist kostenfrei.

Fazit

Das Risiko auf einen Schlaganfall lässt sich mindern. Ernährung, Sport und eine gesunde Lebensführung können einem Hirnschlag vorbeugen. Das Schlaganfallzentrum in Erfurt ist eine Anlaufstelle für Betroffene und deren Angehörige. Therapien und Behandlungen werden hier eng miteinander abgestimmt und werden so individuell erstellt. Mit einem speziell angepassten Trainingsplan senkt man Risiken auf einen neuerlichen Anfall. Darüber hinaus veranstaltet das SCHZE regelmäßige Treffen einer Selbsthilfegruppe, in der sich Betroffene austauschen können. Hier finden Patienten Ansprechpartner und Kontakte, die ihnen helfen, wieder in ein geregeltes Leben zurückzufinden.

 


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Profilbild von Steffen Gottschling

Steffen Gottschling (Jg. 1978) lebt und arbeitet in Erfurt. Seit 2012 ist er in der Medienbranche tätig. Hier sammelte er Erfahrungen in der Redaktion von Radio F.R.E.I. und arbeitete als Journalist in der Online-Redaktion der Thüringer Allgemeine. Für ...


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